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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ptptpt 08.10.10 - 23:21 Uhr

Hallo-

ich versuche mich sehr kurz zu halten mit der Geschichte & bitte um etwas Nachsicht, falls manches etwas unklar geschrieben ist, da mir schon die Hände zittern nur bei dem Gedanken, etwas davon aufzuschreiben.

Ich frag hier ein wenig um Rat, weil mein neuer Freund (wir sind ein halbes Jahr zusammen) mir mental sehr nah gekommen ist und ohne etwas von meiner Vergangenheit zu wissen in dieser Hinsicht meint, ich müsse vermutlich vieles aufarbeiten.

Damit keine Zweifel aufkommen - ich stehe mitten im Leben, bin ein optimistischer und glücklicher Mensch, habe ein abgeschlossenes Studium, ein zweijähriges Kind (daher arbeite ich noch nicht wieder, kann mir das aber leisten) viele Freunde, eine tolle Familie. Also.. ich bin nicht "gefährdet" o.ä.

Als ich 15 war (nun bin ich 30), ist mein Vater acht Wochen nach seiner Krebsdiagnose gestorben. Ich habe meinen Vater über alles geliebt und verehrt. Das war.. wie soll man es beschreiben.. ein Ende von allem? Das Leben geht weiter und nimmt einen mit, während man das Gefühl hat, gar nicht mehr dabei zu sein. Wirklich darüber hinwegkommen werde ich nie, das will ich aber auch nicht und ich denke, dass ich trotzdem "damit leben" gelernt habe.

Das weiß mein Freund, wenngleich ich da nicht ins Detail gehe.

Zwei Jahre später ist etwas passiert, dass mich auf andere Art fast noch mehr.. zerstört hat, bis heute.

Ich war in den Sommerferien einige Wochen zu Besuch bei dem älteren Bruder meines Vaters. Er und meine Tante haben drei Kinder, einen Sohn, drei Jahre älter als ich, eine Tochter die ein Jahr älter ist als ich und eine um ein Jahr jüngere.

Bei meinem Cousin ist schon früh eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden, Schizophrenie. Ein oft unklares Krankheitsbild, als Kind ist mir das nicht wirklich aufgefallen, er war ab und an anders.. wurde anders behandelt.. war zu seinen Schwestern und mir aber IMMER wunderbar.

Als ich 13 war, hat er mir verworren seine Liebe gestanden (würde hier zu weit führen und ist als Erinnerung auch sehr verschüttet, ich habe über all das nie mehr gesprochen), ich war aber viel zu sehr Kind, als das ich das verstanden hätte.. oder vielleicht verstehen wollte, schwer zu sagen im Nachhinein. Wir hatten definitiv eine besondere Beziehung, schwer zu beschreiben - wir sahen uns alle nicht oft, hatten aber immer einen solchen "Draht", wie es ihn manchmal gibt. Mein Cousin war zwischenzeitlich immer mal länger dauernd in verschiedenen Kliniken, Einrichtungen, wenn er einen schizophrenen Schub hatte, so wurde uns das dann erzählt. Er selbst hat darüber fast nie geredet. Die Familie meines Vaters hat viel Geld und man hat immer alles .. sehr "geheim" gehalten vor Außenstehenden und auch möglichst vor uns Kindern, damit darüber nicht geredet wird.

In diesem Sommer jedenfalls war ich verliebt in einen anderen Jungen (ich war nie verliebt in meinen Cousin und habe das auch nie ihm gegenüber behauptet). Irgendwie kam das in einem Gespräch zwischen J. und mir heraus, obwohl ich es gar nicht erzählen wollte. Er war in diesem Sommer verändert - schon bevor ich mich auf den Weg zu ihnen gemacht habe war klar, dass es J. "schlecht" geht. Er verhielt sich seltsam, hat meinen Cousinen und mir erzählt, er habe das Herz einer toten Katze gegessen, die er gefunden habe.. allgemein war besonders sein Verhalten.. ich kann es schlecht beschreiben.

Das Gespräch wurde immer seltsamer und er sagte abrupt, er liebe mich, wolle mit mir leben.. ich hab mich dagegen verwahrt, völlig überrumpelt und hab Angst bekommen..er ist aufgesprungen, war plötzlich völlig außer sich. Es war schon in der Nacht, wir hatten draußen gesessen. Dann ist er ins Haus abgetaucht.. war fort. Das Haus ist groß, alles war dunkel. Ich wußte nicht, was ich machen soll, habe ihn gesucht. Ich habe dann meine ältere Cousine geweckt. Sie meinte, ich solle mich nicht aufregen, er sei in einem Schub, da sei er "verrückt" - wir könnten da nichts tun, die Medikamente würden das auffangen..

Sie sagte, ich solle ins Bett gehen. Ich habe es gemacht.

Am nächsten Morgen hat meine Tante ihn tot in seinem Badezimmer gefunden. Pulsadern aufgeschnitten.. er war schon Stunden tot.

Meine Erinnerung an die Tage danach ist sehr undeutlich. Polizei.. und wer noch alles ein und aus ging. Ich war glaub ich völlig paralysiert, meine jüngere Cousine hatte einen Schock, ich weiß nicht mehr genau, was alles vonstatten ging.

Im Endeffekt.. ist alles so dargestellt worden, dass er sich in einem Schub selbst getötet hat, ohne besonderen Grund. Weder meine Cousine noch ich haben erwähnt, dass es ein besonderes Gespräch zwischen ihm und mir gab. Ihr hatte ich glaube ich auch vom Inhalt nichts gesagt. Alle waren völlig.. neben sich, aufgelöst, nicht mehr sie selbst, gleichzeitig lag so eine Stille über dem Haus, alles war gedämpft..

Als ich irgendwann vor der Abfahrt nach Hause meine Sachen gepackt habe lag ein Umschlag in meinem Koffer. Ein paar Zeilen meines Cousins, die ich beim besten Willen nicht wiedergeben kann. Ich weine nicht einmal, wenn ich jetzt daran denke. Das ist alles.. unwirklich, als hätte ich es nur gehört oder vor unendlich langer Zeit gelesen.

Ich habe nie darüber geredet, mit niemandem.. ich habe jahrelang nichtmal mehr daran gedacht, wie man über einen blinden Fleck hinwegsieht, der da ist, den man aber nicht sehen will.

Ich habe oft furchtbare Alpträume, was mein Freund weiß & mitbekommt, und irgendwann habe ich unvorsichtigerweise ihm gegenüber gesagt, als wir uns über unschöne Geschehnisse in unserem Leben unterhalten haben, dass es da schon zwei gibt bei mir, den Tod meines Vaters und noch eines. Seit ich das erwähnt habe (ich weiß nichtmals, warum ich das gesagt habe) ist mir das, was passiert ist, plötzlich wieder viel näher. Allein das zu erwähnen hat mich so extrem unruhig werden lassen, dass mein Freund gemerkt hat, dass da etwas nicht stimmt..

Natürlich gebe ich mir die Schuld für das, was passiert ist, auch wenn ich rational gesehen weiß, dass ich sie nicht trage.. oder nicht völlig trage. Das hilft mir nicht.. ich will hier auch gar nichts Bestimmtes hören.. ich habe die Hoffnung, dass es hier "öffentlich" schwarz auf weiß zu sehen vielleicht.. hilft?

Absurd.

Beitrag von Tabula rasa 09.10.10 - 00:08 Uhr

Die Geschehnisse von damals sind dir selber nur noch nebelhaft in Erinnerung.
Dieser Junge war psychisch krank, du hast keinerlei Schuld an seinem Selbstmord, du solltest das nicht aufbauschen wie ein dunkles Geheimnis deiner Vergangenheit.
Das war für dich ein schreckliches Erlebnis, ohne Frage, aber du hast keine Verantwortung oder Schuld.
Vielleicht hilft es dir, wenn du das mit einem Profi besprichst, um das besser verarbeiten zu können.
Ich möchte dir nicht unterstellen, dass du dich gerne als tragische Figur sehen möchtest, aber so ein ganz klein wenig bis du auf dem Weg dahin.

Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 13:37 Uhr

Hallo-

nur weil ich hier leicht nebelhaft schreibe bedeutet das leider nicht, dass mir alles nur noch halb vor Augen steht. Ich habe ihn auch, wie meine Tante, im Badezimmer gesehen. Manches andere ist aber nicht mehr deutlich vorhanden, das ist richtig.

Ich möchte keine tragische Figur sein.

Deswegen habe ich nie davon gesprochen, es nie ansatzweise erwähnt, habe es beiseite gelegt (was vermutlich keine echte Entscheidung war sondern ein Mechanismus, der sich verselbständigt hat und der auch gut funktioniert(e)), lebe mein Leben und bin auch "normalerweise" sehr glücklich. Nun ist das Erlebnis wieder hochgekommen, und ich habe das Gefühl, nicht darüber reden zu können, damit aber auch nicht umgehen zu können.

Ich möchte nichts aufbauschen und wünsche mir einfach, dass "es" wieder abtaucht. Leider empfinde ich dieses Erlebnis als so monströs, dass ich da nichts mehr aufbauschen kann. Mein Problem ist nun einmal unter anderem, dass ich mich verantwortlich fühle und das nicht anders sehen kann.

Um diese Sicht zu verändern, falls das überhaupt geht, brauche ich wohl wirklich Hilfe - kann aber gleichzeitig nicht darüber reden. Irgendeinen Weg hinaus werde ich wohl finden.

Danke für Deine Antwort.

Beitrag von tptptptp 09.10.10 - 06:54 Uhr

Hallo,

entweder suchst Du Dir einen netten Menschen, der Dir nicht zu nahe steht, dem Du deine Geschichte einfach erzählen kannst.... solange, bis Du diese verarbeitet kannst.

Oder machst eine Gesprächstherapie.

Erst wenn Du aus der Gedankenendlosschleife herauskommst und es erzählst, aufschreibst, es "los wirst", wirst Du Ruhe finden.

Mir ist das jedenfalls so mit "meinem" Ballast so passiert. Seitdem ich es mehrmals einer zufällig gefundenen Person erzählen konnte, quält es mich nicht mehr. Es ist endlich Vergangenheit.

Alles Gute!

Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 13:41 Uhr

Hallo-

danke für Deine Antwort.

Es war schon ein wenig - hilfreich, das weiß ich nicht, aber es war etwas ganz Neues, es aufzuschreiben und sozusagen zur Diskussion zu stellen. Ich habe es mir ein paarmal durchgelesen und mich an immer mehr Details erinnert.. ob das zu Gutem oder Schlechtem führt, weiß ich nicht, mal sehen.

Ich kann mir momentan nicht vorstellen, darüber zu reden, auf Dauer, falls ich es nicht wieder ablegen kann, muß ich es wahrscheinlich.

Mein Freund hat sich "natürlich" angeboten. Vielleicht irgendwann..

Beitrag von lisasimpson 09.10.10 - 09:54 Uhr

Hallo!

ich finde du zeigst ein schönes Beispiel dafür, daß es viele Arten gibt, mit seienr Geschichte umzugehen.
Bisher hat es gut funktioniert für dich, die Dinge, an die du nicht erinnert werden willst beiseite zu schieben.
Das ist oft die einzige möglichkeit die wir haben und oft hilfreich.
Jedoch zeigt sich gerade (und das ist nicht untypisch in deiner Lebensphase), daß Geschichten, die vorher "unterm tisch" brodelten, plötzlich "auf dem tisch" liegen.

wenn du jemanden (professionellen) suchst, der diesen Tisch mit dir ordnet und einen neuen Platz sucht für deine Geschichte, dann würde ich dir einen Therapeuten mit systemischer Ausbildung (systemischer Therapeut/ Familientherapeut) empfehlen.

wenn du wirklich in deiner Vergangenheit "wühlen" möchtest, dann einen mit tiefen-psychologischer Ausrichtung.

Ich bin der meinung, dßa wir uns immer dann Hilfe holen sollten, wenn wir merken, daß uns etwas in unserem Leben beinträchtigt- ob das im Moment bei dir der fall ist kann ich nicht beurteilen- das kannst nur du!

lisasimpson

Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 14:00 Uhr

Hallo-

Deinem ersten Absatz kann ich nur zustimmen.

Ich weiß noch gar nicht, wie ich die Lage für mich einschätze, da sie so neu ist. Mein Freund schätzt sie so ein, dass ich mich damit beschäftigen muß - ich für mich brauche aber für solche Entscheidungen länger und muß "in mich" gehen um zu wissen, was ich machen werde. Ob es mich wirklich beeinträchtigt inzwischen, kann ich noch nicht sagen.

Danke Dir sehr für Deine Antwort.

Beitrag von anja1968bonn 09.10.10 - 11:21 Uhr

Als ich meinen Mann kennenlernte - zuvor hatte er eher für sich gelebt und auch belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit ganz gut beiseite geschoben - ist bei ihm auch vieles wieder hochgekommen: Sein Panzer, den er sich zugelegt hatte, ist eben durch unsere Beziehung aufgebrochen und hat alte Verletzungen wieder zu Tage gefördert.

Er hat dann eine Gesprächstherapie gemacht, weil ihn einfach die Erinnerungen sehr belastet haben, ihm und unserer Beziehung hat das sehr gut getan. Zum Glück war mein Mann sehr offen zu mir und unsere Bindung so stark, dass ich auch seine anfänglichen Rückzugsphasen und seine Trauer aushalten konnte.

Ob der Fall bei Dir ähnlich gelagert ist, kann ich natürlich nicht sagen, auf jeden Fall wünsche ich Dir für Dich und Deine Beziehung alles Gute!

LG

Anja

Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 14:05 Uhr

Hallo-

ich denke, mein Freund hält diese Situation "gut" aus - wir sind sehr glücklich. Das ich eben verweigere, über manche Dinge zu sprechen halten wir beide für mein gutes Recht, wenngleich wir es unterschiedlich bewerten.

Er drängelt nicht und ich denke, es ist meine eigene Entscheidung, was ich tun werde. Ich muß auch erst damit umgehen lernen, überhaupt jemandem zu erlauben, sich an meinen Grenzen zu bewegen, was ich ihm jedoch absolut zugestehe. Ich denke doch, unsere Beziehung wird einiges aushalten können - ich hoffe es, denn wir sind sehr verliebt und ich denke, so wie er, dass wir uns vielleicht "gefunden" haben.

Danke für Deine Antwort & Deine Erfahrung.

Beitrag von lass los! 09.10.10 - 11:22 Uhr

Hallo,

dein Cousin hat dir mit seinem Schritt eine schwere Bürde aufgetragen.
Er hat seine Familie und dich vor vollendete Tatsachen gesetzt.
Hattest du eine Wahl? Hättest du es verhindern können? NEIN NEIN NEIN
Wie wäre es denn weiter gegangen? Auf ewig verstellen, verstecken oder leugnen - nur damit du ihn nicht "verletzt" mit einem Leben ohne ihn?
Sein Krankheitsbild ließ ihm keinen anderen Weg und auch die Folgen waren ihm in keinem Augenblick bewusst. Das hat nichts mit deinem Verhalten bzw. Nichtverhalten zu tun. Du hättest es nie und nimmer verhindern können!!!! Es ist auch keine Last, mit der du leben musst; da keine Last auf dich übertragen wurde. Er hat es so entschieden - nicht du.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es Selbsthilfegruppen gibt, die sich mit solchen Geschehnissen auseinandersetzen - Menschen, die versuchen mit dieser "Last" umzugehen, weil ein Mensch in ihrem Umfeld aus "verschmähter" Liebe sich das Leben genommen hat.
Versuch es doch vielleicht auch hier in diesem Forum und starte einen Aufruf mit diesem Thema; vielleicht findest du Menschen, mit denen du über dein Postfach reden kannst. Es ist doch hier anonym möglich. Hab` Mut! Hier zu "reden" scheint dir ja ein bischen zu helfen.

Alles Gute und viel #klee


Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 14:10 Uhr

Hallo-

lieben Dank für Deine Antwort.

Vielleicht kann ich es irgendwann so sehen wie Du, dass ich keine Schuld hatte. Ich denke aber, ich hätte vieles anders machen müssen - keinen anderen Mann erwähnen, ihn suchen, bis ich ihn gefunden hätte, nicht ins Bett gehen und so lapidar sein wie meine Cousine es wollte.. meinen Onkel & meine Tante wecken.

Falls ich es nicht schaffe, mit irgendeiner Privatperson zu sprechen, die vielleicht meine Perspektive ändern kann, muß ich mir, falls ich das Ereignis nicht wieder weglegen kann, vermutlich wirklich irgendwo Hilfe holen.

Dir auch alles Gute!

Beitrag von lass los! 09.10.10 - 16:13 Uhr


Hallo,

dich beschäftigen viele für dich offene Fragen der damaligen Nacht. Was wäre gewesen, wenn....
Auch spüre ich deine große Angst vor den "Konsequenzen" einer Offenbarung. Was wird das nach sich ziehen?
Hat dich deine Cousine später nie auf diese Nacht angesprochen? Der Brief lag bei deinen Sachen - hat er ihn schon vorher geschrieben? Wenn ja, hättest du es erst recht nicht verhindern können; dann wäre es später passiert, wenn du gar nicht mehr dagewesen wärst. Warum hättest du jemanden wecken sollen? Es gab keinerlei Anlass dafür. Mit seinem anschließenden Handeln konnte und durfte man nicht rechnen.
Du warst 17 Jahre!!!! In keinster Weise musstest du mit so etwas rechnen oder gar die Familie wecken. Er hat es entschieden - gegen alle (nicht nur gegen dich) und gegen sich selbst!!!! Das hatte nicht nur mit seiner unerfüllten Liebe zu dir zu tun!!!
Auch das Gespräch mit dir war kein Auslöser, sondern ein bereits vorhandener Entschluss, aus dem Leben zu scheiden, scheint umgesetzt worden zu sein.
Irgendwann mit seiner Familie zu reden, das wird im Endeffekt die Lösung sein - aber die Angst davor, ist verständlich. Wie werden sie reagieren? Geben sie dir gar die Schuld? Werden sie den Kontakt abbrechen? NEIN NEIN NEIN - werden sie nicht!!!! Sie kannten den Sohn; sie kannten seine Krankheit und sie werden am Ende deine jahrelang Angst verstehen und alle "Schuld" von dir nehmen. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

LG

Beitrag von ptptpt 09.10.10 - 21:21 Uhr

Hallo-

nein, das hat sie nicht.

Der Kontakt mit der Familie meines Onkels war danach sehr.. schwierig. Mein Onkel & meine Tante sind seither sehr verändert, wir sehen uns sehr selten und reden höflich, aber fast wie Fremde.

Meine ältere Cousine ist ein Jahr danach ausgezogen, hat auch studiert, arbeitet jetzt weit entfernt. Wir mailen relativ regelmäßig, haben Js. Tod aber nie mehr thematisiert.

Der Brief offenbart sehr deutlich, dass er sich wegen mir umbringt. Ich bin sicher, er hat ihn kurz vorher geschrieben. Es sind wenige Zeilen.

Es gibt eigentlich keine Grundlage, es meinem Onkel & meiner Tante zu sagen. Wir sind wie gesagt fast wie Fremde (herzlich war mein Onkel niemals, meine Tante schon eher - aber sie hat dieses Erlebnis völlig zerstört), ich wüßte gar nicht, wie ich ein Gespräch beginnen sollte. Absolution würden sie mir sicher nicht erteilen - ich habe keine Ahnung, was passieren würde.

Ich denke, damit muß ich allein fertig werden in dieser Hinsicht.

Danke Dir aber sehr für Deine Einfühlsamkeit.

Beitrag von lass los! 09.10.10 - 22:28 Uhr

Hallo,

fast vermute ich, dass deine Cousine irgendwann einmal mit ihren Eltern über diese Nacht gesprochen hat - vielleicht deshalb diese Erkühlung der verwandtschaftlichen Verbindung? Wenn du ihr mailst, dann hab doch den Mut und sprich es an?! Irgendetwas wird sie damals schon geahnt haben und heute auch noch ahnen. Aber was soll das Schlimmes denn sein? Man kann dir doch einfach keinen Vorwurf machen. NIEMAND darf dir im Nachhinein sagen, du hättest nach ihm suchen sollen oder die Eltern wecken sollen. Du konntest doch gar nicht wissen, dass er so reagiert. Er hat doch hauptsächlich anderen weh getan mit seinem Schritt. Willst du ewig in diesem Bann stehen? Du musst dich davon befreien!!!!! Egal, wie die anderen reagieren werden. Dich trifft keine Schuld!!!!
Denk an dich und deine Lieben. Sie brauchen eine Frau und Mutter, die frei von dunklen Schatten auf ihrer Seele ist. Du wirst es sonst ewig mit dir herumtragen. Das wird auf Dauer auch dein Kind spüren.
Dass du es irgendwann deinem Mann sagen wirst, da bin ich mir fast sicher; aber ich glaube, was dich wirklich erst befreien kann, ist, dass die Eltern erfahren, dass sein Freitod eventuell etwas mit seiner damaligen Zuneigung zu dir zu tun hatte. ABER DAS GLAUBE ICH NICHT. Es war ein Anlass, aber nicht der tiefere Grund. Er war psychisch krank und instabil. Irgendein anderes Ereignis, welches ihn emotional aus der Bahn geworfen hätte, hätte ihn wahrscheinlich auch diesen Schritt gehen lassen.

Liebe Grüße