Geburtsbericht der stillen Geburt unseres Engels Marten

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 10:40 Uhr

Hallo!

Ich möchte gleich im voraus sagen das dieser Geburtsbericht nichts für schwache Nerven ist und es sich bitte keiner als Beispiel nehmen soll. So läuft es nicht immer, denn es gibt so oft Frauen die die Tabletten bekommen und einige Stunden später ihr Kind still gebären. Wir sind da eher die Ausnahme. Als die Ärztin im Krankenhaus zu uns sagte das es eben Frauen gibt, die schon einige Stunden später entbinden und sie aber auch schon eine Frau hatten die 5 Tage gebraucht hat. Da waren meine Gedanken:"Da bin ich dabei." Ironie on......
Mein Mann dachte: "Das wird Franca noch topen." der blanke schwarze Humor. "Humor ist wenn man trotzdem lacht."

Da bei uns im Leben nie etwas läuft wie es sollte, ist die Geburt von Marten auch alles andere als normal verlaufen. Soll jetzt nicht heißen das bei uns alles schief läuft, aber bei uns ist immer irgendwas los. #augen Ich sage nur Silvester 2008, mein Sohn Marc steckt sich doch glatt 1 Stunde vor Mitternacht eine Pistazie in die Nase und wir düsen ins Krankenhaus. Das erste Krankenhaus hat uns dann weitergeschickt nach Berlin Marzahn ins Unfallkrankenhaus, da sie keinen HNO da hatten. Also sind wir Silvester 2008 nachts um 12 Uhr im Raketenregen durch Berlin gedüst. War alles halb so schlimm, aber tut ja schon nen bissel weh, so eine Pistazie bis zum Anschlag in der Nase. #rofl So etwas passierte eben nur uns, deshalb passt diese Geburt, genau wie die erste absolut in unser Leben.

Am Mittwoch vor dem schweren Gang ins Krankenhaus habe ich abends noch im Bett gelegen und war so fix und fertig. Ich hätte vor Kummer und Tränen sterben können, so war mein Gefühl. Ich sagte zu meinem Mann, dass ich so große Angst habe am nächsten Tag dorthin zu fahren. Ich hatte solche Angst dort in tausend Stücke zu zerspringen vor Trauer und mich nie wieder zu finden. Als wir dort waren, war ich komischerweise die Ruhe in Person und habe mich nur darauf konzentriert meinen kleinen Engel weiterreisen zu lassen. Ich habe auch geweint aber die ruhigen Stunden des Beisammenseins mit meinem Mann haben überwiegt. Wir waren übrigens im Vivantes Klinikum Berlin, dort wurden wir ganz liebevoll betreut. Ob die Schwestern, die Hembammen oder die Ärzte wir fühlten uns dort richtig gut aufgehoben mit unserem schweren Schicksal. Ein großes Danke nochmal an das tolle Team dort, ohne solch eine tolle Unterstützung wäre uns vieles noch so viel schwerer gefallen.

Die Geburt war wie meine erste, echt bescheiden. Sie haben mir am Donnerstag um 11 Uhr die ersten beiden Cytotec gegeben. Da merkte ich nach 2 Stunden ein wenig ziehen. Und dann geben sie ja alle drei Stunden die nächsten Tabletten. Insgesamt habe ich am Donnerstag 3 mal die Tabletten genommen. Abends war auch schon ordentlich was zu spüren und ich dachte das es losgeht. Zur Nacht hat die Schwester gemeint das ich nochmal Kraft tanken soll und hat mir Buscopan gegeben. Ich sollte erstmal schlafen. Das ging erstaunlicherweise recht gut, ich hatte die Nächte davor nie mehr als 3 Stunden geschlafen. Aber im Krankenhaus war ich die Ruhe in Person. Am Freitag ging es weiter aber je mehr ich von den Tabletten bekommen habe umso weniger gab es ein Ziehen. Es war alles weg. Bis auf das ich seit Donnerstag nachmittag Durchfall hatte. Diesen bin ich bis Sonntag auch nicht losgeworden.

Es ging Freitag auch die Nacht durch mit den Tabletten. Samstag früh (10 Uhr) waren mein Mann und ich in der Krankenhaus-Cafeteria. Die direkt im KH, denn wir waren durch den Park spaziert und haben dort was getrunken. Beim Aufstehen merkte ich dann ein kleines Plopp und wie mir die Hose nass wurde. Also sind wir ganz schnell raus dort. #hicks Ich dachte schon das es losgeht und ich nachher noch in dem Park dort mein Kind bekommen würde. Denn die Ärzte und Schwestern meinten das es wohl mit einem mal ganz schnell gehen könnte. Es hätte wohl schon einmal eine Frau beim Duschen ihr Kind bekommen. Und das wollten wir ja nun wirklich nicht. Das wäre mir so unwürdig erschienen für meinen kleinen Schatz. Also schnell durch den Park zum Mutter-Kind-Haus gelaufen, oben gleich bescheid gesagt und dann wurde ich untersucht. Der Muttermund war weich geworden und 1 bis 2 cm auf. Also nicht wirklich was. Wehen waren natürlich Fehlanzeige.

Also ging es weiter mit den Tabletten. Den Ärzten und Schwestern war ich dort ein Rätsel, da ich wirklich null Wehen hatte. Bis auf Durchfall tat sich da echt garnichts. Es ging Samstag wieder die ganze Nacht mit Tabletten durch und am Sonntag morgen wurde von den Ärzten die Entscheidung getroffen nachzuhelfen.

Sie wollten in den Muttermund einen Ballonkatheder einlegen, dafür müssten sie mir aber vorher eine PDA verpassen, da die Schmerzen von dem Katheder sonst nicht auszuhalten wären. Wir wollten ja das es endlich weitergeht. Wir waren immerhin schon 3 Tage dort und ich hatte 20 mal (ingesamt 40 Stück) dieser Tabletten intus.

Also sind wir ungefähr um halb elf Uhr früh in den Kreißsaal, dort wurde mir erstmal eine Flexüle gelegt was nach drei Anläufen auch gelang.
Dann gab es den obligatorischen Tropf vor einer PDA und bis dahin war alles o.k. Aber dann kam die PDA und das war die Hölle. Ich halte viel aus, aber das war sogar mir zuviel. Der Dr. hat ingsgesamt 4 Mal versucht durch meine Wirbel dieses Ding da zu fädeln. Die Schmerzen waren der Wahnsinn. Als er es dann ein 5 mal versuchen wollte, hat mein Mann gesagt dass Schluss ist. Dann kam die Oberärztin und hat es auch nochmal versucht. Beim zweiten Anlauf klappte es dann. Die ganze Prozedur hatte insgesamt 1 1/2 Stunden gedauert und ich war fix und fertig vor Schmerzen. Ich meine einmal kann man das alles ertragen, ein zweites Mal auch aber das war echt zuviel für mich. Ich musste mich erstmal waschen gehen, so geschwitzt hatte ich. Die Ärzte können ja nix dafür, ich habe einfach einen schiefen Rücken.

Dann wurde der Ballonkatheder gesetzt und gleichzeitig Gel vor den Muttermund gelegt. Gemerkt habe ich trotzdem was, war schon unangenehm, aber naja das setzten der PDA war schlimmer. Leider wirkte die erste Betäubung nicht so, da es nicht die volle Dröhnung war, sodass ich nach ca. 15 Minuten die Schmerzen mit voller Wucht zu spüren bekam. Ich lag im Bett, mir wurde heiß mir wurde kalt, ich merkte wie alles Blut aus meinem Gesicht wich und mir war kotzübel. Zwischenzeitlich hatten sie mir noch schnell ein weiteres Mittel in die PDA gespritzt, dass dauert aber 10 bis 15 Minuten bis es wirkt. In der Zeit sank mein Blutdruck rapide bergab und ich hatte das Gefühl gleich die Augen zuzumachen und nicht mehr aufzuwachen. Eine Infusion später ging es mir schon wieder besser. Ab da war es dann super. Ich habe mir alle 3 Stunden was nachspritzen lassen und mir ging es gut. Nach ca. 3 1/2 Stunden wurde der Ballonkatheder wieder entfernt und oh Wunder, es hatte sich nichts getan. Dann haben sie einen Wehentropf angeschlossen, denn das ist das einzige was bei mir wirkt.

Nach ca. 1 1/2 Stunden sollte dann wieder ein Ballonkatheder gelegt werden. Ich drehte mich auf die linke Seite und versuchte zu schlafen. Im Halbschlaf merkte ich das irgendwas unten drückt, ich dachte natürlich gleich wieder an die einzige Wirkung der Tabeletten, den Durchfall. #augen Bin ich also auf die Toilette gegangen aber irgendwie war alles anders und als ich mich nach dem Wasser lassen abgewischt habe, habe ich was gefühlt. Da bin ich ganz schnell wieder ins Bett gesprungen und habe meinem Mann gesagt er solle doch bitte die Hebamme holen. Die kam dann auch gleich und ich hatte recht, unser Sonnenschein hatte sich auf den Weg gemacht. Also wurde gleich noch eine Ärztin hinzugeholt. Die Hebamme fühlte immer wann ich pressen konnte, denn ich merkte ja nix davon und ich presste fleissig mit. Dann wurde noch die Oberärztin hinzugeholt, denn es ging nix vorwärts. Sie stellte dann fest, dass sich beim Pressen mein Muttermund immer wieder verschloss. Also musste ich dann pressen und sie hielt ihn offen. Nach ca. einer halben Stunde kam Marten mit den Füssen voraus zur Welt. Ich habe ihn nicht gleich gesehen, da sie mir ein Tuch über die Oberschenkel gelegt hatten. Denn sie wollten ihn erst saubermachen und dann erst mir geben.

Marten ist um 22.46 Uhr am Sonntag den 19.09.2010 geboren. Sein großer Bruder ist an einem Sonntag den 11.01.2004 geboren und bei Marc wurde auch auf einem Donnerstag eingeleitet. Fast zwei identische Entbindungen, nur mit anderem Ausgang.

Als ich ihn im Arm hatte war alles vorbei, meine Kraft war weg, denn ich hatte alles für die Geburt gebraucht und ich weinte hemmungslos. Ich war so froh in zu sehen. Wir betrachteten ihn und er was so hübsch, dass es mir das Herz zerbricht.
Ich redete mit ihm, schaukelte ihn, alles das was ich nur einmal mit ihm machen konnte und diese Momente musste ich auskosten. Mein Mann hat Fotos von uns gemacht. Als er den Kleinen im Arm hatte, hat er auch so bitterlich geweint, es war einfach schön und schrecklich zugleich. Wer das einmal mitgemacht hat, weiß was ich meine. Man ist so stolz und glücklich sein Kind auf dem Arm zu haben und trotzdem so todunglücklich das man schreien könnte.

Wir haben eine Karte mit einem Foto und seinen Fußabdrücken bekommen. Sie ist mein ganzer Stolz und jeder der sie sehen will, dem zeige ich sie. Denn ich bin stolz auf meinen kleinen Schatz. Er lebt in unseren Herzen weiter und wir vermissen ihn so unendlich.

Ich habe währenddessen zu den beiden Ärztinnen gesagt, dass unser drittes Kind per Kaiserschnitt entbunden wird. Das haben mir auch beide ans Herz gelegt. Wenn dann soll ich es einmal mit Einleitung probieren und falls es wieder so angeht wie diese beiden Geburten soll ich einen Kaiserschnitt nehmen. Aber ich glaube nach der PDA Erfahrung, lieber mit Vollnarkose. #zitter

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich so froh bin einen solch tollen Mann zu haben. Er war die ganze Zeit bei mir und hat mich aufgefangen, einen besseren Mann kann man sich nicht wünschen. Schatz ich liebe dich.

Es war einer der schwersten Entscheidungen in unserem Leben, ich meinte immer zu meinem Mann das wir in einer Einbahnstrasse stecken, der Weg geht nur in die eine Richtung. Wir haben für unseren Marten das beste getan. Wir haben ihn aus Liebe, ihn vor großem Leid zu bewahren zu den Engeln reisen lassen. Wir haben nach der Geburt uns auch seinen Rücken angeschaut. Er hatte wirklich die schwerste Ausprägung dieser Erkrankung und wir stehen hundertprozentig hinter unserer Entscheidung und haben es noch keinen Moment bedauert.

Wir fragen uns warum unser Kind so schwer krank geworden ist und werden darauf nie eine Antwort erhalten. Wir trauern um unseren Sohn, allerdings muss ich sagen da wir seine schwere Erkrankung gesehen haben und wissen was ihm bevorgestanden hätte, fällt es uns leichter damit umzugehen. Das wir das absolut Richtige für unseren Liebling getan haben, gibt uns viel Kraft diesen schweren Schicksalsschlag zu verkraften.

Es gibt allerdings soviele dumme Menschen um uns herum die einen mit ihren unqualifizierten Aussagen treffen und noch oben drauf hauen. Dann gibt es wieder Personen in unserem Umfeld die keinerlei Interesse an unserer Trauer zeigen, denn Tod und Schicksalsschläge gehören in unserer Gesellschaft anscheinend nicht dazu, zumindest möchten diese Menschen damit nichts zu tun haben und lassen uns im Stich.
Wir haben aber auch viele Menschen die in dieser schweren Zeit zu uns stehen und uns ein Stück weit mit tragen. Diese Freunde, Bekannten, Arbeitskollegen und Verwandten sind was ganz besonderes und durch nichts zu ersetzen. Die Personen die uns jetzt so schmählich im Stich lassen und unsere Trauer nicht verstehen bzw. nicht mit umgehen können, die werden rigoros aussortiert. Wer nur für uns da ist um die guten Zeiten mitzunehmen und in den schlechten Zeiten auf und davon ist, der hat in unserem Leben nichts mehr verloren.

Ich habe auch hier und in anderen Foren so viele tolle Frauen kennengelernt die auch ein Kind verloren haben. Es ist schade das wir alle in Deutschland so verteilt sind, denn es sind alles so liebe, warmherzige Frauen und Familien und wir fühlen uns durch unserere gemeinsame Geschichte so verbunden und geben uns gegenseitig Kraft. #liebdrueck

Liebe Grüße Franca mit Marc an der Hand und Marten still geboren 21.SSW am 19.09.2010 tief im #herzlich

Beitrag von chiqui 09.10.10 - 11:24 Uhr

Liebe Franca,


das hast du ja einiges durchgemacht. Irgendwann werde ich den Mut finden meinen zu schreiben- aber eins vorneweg, so lange ging es bei mir nicht.

Ich bin wirklich froh, dich kennengelernt zu haben.

Liebe Grüsse
Anita
+ Philip Leandro still geboren am 17.09.10 0.38h (410gr, 29cm) 23.SSW

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 11:27 Uhr

Liebe Anita!

Wir drei geben uns soviel Kraft. Uns verbindet das gemeinsame Schicksal so unendlich. #liebdrueck

Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen seid ihr mir in der kurzen Zeit so sehr ans Herz gewachsen. Dafür gibt es keine Worte.

Liebe Grüße Franca

Beitrag von tyribaby 09.10.10 - 12:03 Uhr

Hallöchen

Erstmal muß ich Dir sagen,dass es mir unendlich leid tut,was Ihr erleben musstet.Ich finde,die Entscheidung die ihr getroffen habt,möchte ich nie und nimmer treffen müssen.Ich habe meine 2 Sternchen schon in der 10. SSW hergeben müssen.
Sie wollten einfach nicht bleiben.Unser Folgekind hat uns erahnen lassen,wie es Euch ergangen sein muß,er war sehr krank nach der Geburt und sein Leben stand auf Messers schneide,Mehr erzähle ich Dir gern per PN,wenn Du magst.
Ihr seid so stark und habt Eurem Sohn soviel Respekt entgegen gebracht und ihm soviel Leid erspart.

Ich wünsche Euch für die Zukunft alles nur erdenklich gute.

LG Tyribaby

Beitrag von krisselbissel 09.10.10 - 12:49 Uhr

Hallo!

Ich findes es sehr Bewundernswert ,wie ihr diese schwere Zeit durch gestanden habt und wohl immer noch durch steht.

So eine Entscheidung zu treffen ist sicherlich das schwerste was einem bevorstehen kann!

Ich hoffe für euch das ihr nun beginnen könnt es zu verarbeiten.

Sicher wird der Schmerz nie ganz nachlassen... daher wünsche ich euch weiterhin viel Kraft.

Ich selber habe Anfang September mein #stern in der 5ssw gehen lassen müssen. Es war zwar noch sehr früh, aber trotz allem hat es mich die Trauer wie eine Wucht getroffen.

Kaum vor zu stellen wie es euch ergangen sein muss!

Wünsche euch alles erdenklich liebe!!

Krisselbissel

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 17:42 Uhr

Liebe Krisselbissel!

Ich danke dir für deine lieben Worte und es tut mir sehr leid das ihr euer Sternchen habt ziehen lassen müssen. #liebdrueck

Hoffentlich habt ihr bald das Glück ein neues Wunder zu erleben.

Liebe Grüße Franca

Beitrag von haseundmaus 09.10.10 - 13:25 Uhr

Liebe Franca,

ich hab hier auch schon einiges von dir gelesen und ich möchte dir auch nochmal schreiben, wie leid es mir tut, dass ihr euren Marten hergeben musstet. So ein Erlebnis wünscht man doch wirklich niemandem. Ich habe meine Zwillinge auch still geboren, aber per KS. Ich war zu was anderem nicht in der Lage. Ich habe großen Respekt vor dir und euch, wie ihr das alles durchgestanden habt. Ich finde deinen Bericht sehr mitreißend, ich konnte mich in deiner Trauer und in deinen Gefühlen gut wiederfinden. Ich habe es insofern genauso erlebt wie du, dass ich auch völlig ruhig ins KH gegangen bin zur Geburt meiner toten Kinder. Ich hab mich fast vor mich selbst gegruselt, so seltsam war diese Situation. Als mir meine Kinder genommen wurden und man mir knallhart ins Gesicht sagte, dass ich sie mir besser nicht ansehen sollte, bin ich zusammengebrochen und meine ganze Welt stürzte in sich zusammen. Ab da an hab ich eigentlich einen Filmriss. Ich find mich dann erst wieder, als ich mit meinem Freund zusammen gegen den Rat der Ärztin meine Kinder bei mir hatte und mich verabschieden konnte. Sie dann für immer gehen lassen zu müssen war das furchtbarste überhaupt. Was danach geschah weiß ich nicht mehr viel, nur, dass ich völlig am Ende war, seelisch wie auch körperlich.

Man fragt sich immer wieder wieso sowas passieren muss, aber eine Antwort bleibt man uns schuldig, es gibt keinen Sinn dahinter.

Ich möchte dir und deiner Familie einfach alles Gute wünschen, viel Kraft und dass ihr das zusammen durchsteht.

Manja mit Lisa Marie an der Hand (1 Jahr+3 Wochen alt) und Jana & Talina im Herzen (still geboren am 8.06.2007 in der 25. SSW)

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 17:47 Uhr

Liebe Manja!

Für mich ist es unverständlich warum sie dir deine kleinen wunderhübschen Mädchen nicht zeigen wollten. Für uns Mamas ist es so wichtig unsere Kinder zu sehen, zu spüren und zu verabschieden. Wir lieben unsere Kinder und wollen sie bei uns haben. Ich finde es gut das ihr euch durchgesetzt habt und eure beiden Süssen gesehen habt.

Frauen wie du die geben mir immer wieder Mut, denn ich sehe das du nach Jana und Talina noch einmal den Mut und die Kraft hattest noch einmal schwanger zu werden. Danke für die Hoffnung die du mir damit gibst.

Liebe Grüße Franca

Beitrag von haseundmaus 09.10.10 - 19:10 Uhr

Dafür brauchst du dich nicht bedanken. #liebdrueck

Jana und Talina waren absolute Wunschkinder auf die ich Jahre warten musste, da mein Freund noch nicht so weit war. Nachdem ist sie hergeben musste stand ich vor der Entscheidung: Entweder stecke ich den Kopf in den Sand, gebe mich und mein Leben auf oder ich schaue nach vorn und zeige dem dämlichen Schicksal den Stinkefinger. Tschuldige meine Ausdrucksweise, aber ich hatte neben der Trauer damals so eine Wut im Bauch, ich hab mir gesagt, ich lass mir doch nicht alles gefallen, wieviel soll ich noch einstecken. Mir ist im Leben auch schon so viel schlimmes widerfahren. Ich fragte mich wieso, ich hab doch nie irgendwen was getan, warum bestraft man mich so furchtbar??? Ich war zwar monatelang am Ende, ich hatte von morgens bis abends Schmerzen, körperlich und seelisch, 8 Monate lang war mir nur schlecht, ich hatte Panikattacken, ständig Bauchkrämpfe. Dann hab ich mir gesagt, entweder ich raff mich wieder auf oder hier ist Ende. Meine Mama hat sich das Leben genommen als ich 7 Jahre alt war. Ich habe mir gesagt, ich möchte so etwas nicht. Ich möchte nun auch endlich mal dran sein, will Mama sein, will glücklich werden. Endlich! Dann haben wir beschlossen eine neue Schwangerschaft zu wagen. Die Ärzte sagten mir, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass so etwas wieder passiert. Wir ließen uns darauf ein. Nach einem Jahr Üben, was mich auch viele Nerven gekostet hat, weil der Wunsch größer denn je war, hat sich Lisa dann auf den Weg gemacht. Ich war wieder schwanger und ab diesen Tag an veränderte sich mein Leben nur noch zum Positiven. Allerdings war die Schwangerschaft für mich lange nicht so recht leicht anzunehmen. In der Anfangszeit war ich ständig bei meiner FÄ, hatte Panik, es sind wieder zwei und wieder in dieser schwierigen Art und Weise wie in der ersten Schwangerschaft. Ich hatte so Angst. Dann stellte sich heraus, dass es nur eins ist. Das war für mich so schon mal eine sehr gute Nachricht. Nach einer ganzen Weile wöchentlichen oder 14tägigen FÄ-Terminen wagten wir die erste 4wöchige Pause. Das war die Hölle für mich. Ständig redete ich mir ein, mein Baby ist tot. Aber ich habs durchgezogen, dementsprechen Panik hatte ich vor dem nächsten Termin. Und alle Angst war umsonst, meinem Kind ging es gut! Ab da an fing ich an "lockerer" zu werden, also Sorgen machte ich mir ständig, aber gleichzeitig sagte ich mir selber immer, dass ich mich mal zusammenreißen sollte. Dieses Kind werd ich nicht gehen lassen, das ist mein Baby, ich lasse es mir nicht wegnehmen. Am 18. September letzten Jahres kam Lisa dann per KS zur Welt und alle Sorgen und Ängste fielen von mir ab. Die Sorgen und Ängste die man jetzt hat, sind nochmal ganz anderer Qualität, wenn Lisa morgens mal etwas länger schläft, dann denk ich immer gleich, sie lebt nicht mehr. Ich versuche das in den Griff zu bekommen, mal gelingt es mir, mal nicht. Ich klammere auch sehr an meinem Kind, ich habe ständig Angst um sie. Ich befürchte, dass ich mir helfen lassen muss, denn man muss sein Kind auch ziehen lassen.

Aber ich schweife ab.. Ich wollte dir nur berichten, wie es mir ging vor und während der Schwangerschaft mir Lisa. Sicherlich ist das bei jeder Frau anders, aber ich denke, die etwas schlimmeren Ängste und Sorgen bleiben nicht aus, wenn man schon mal ein Kind hergeben musste. Diese Schwangerschaft war einerseits das größte Glück für mich, aber eben auch sehr schwierig, weil man ständig so unsicher war. Das trübt alles etwas. Aber letztendlich ist es wichtig, dass man es wieder gewagt hat und dass alles gut ist. Jana und Talina sind immer gegenwärtig, ich gehe mit Lisa auch zu ihnen auf den Friedhof. Sie schaut dann immer gebannt auf das bunt geschmückte Grab mit den Blumen, den Herzen und dem Teddybären, lächelt und sagt "Da!". Und wir werden auch immer um die Kleinen trauern, das vergeht denke ich niemals.

Manja

Beitrag von haseundmaus 09.10.10 - 19:15 Uhr

Achso ja, ich wollte noch dazu was sagen, wieso die Ärzte mir rieten mir meine Kinder nicht anzusehen. Die beiden waren schon einige Zeit tot. Kurz nachdem wir bei der FD waren, wo man uns sagte, dass ja alles super toll in Ordnung ist, sind meine Kinder gestorben. Circa drei/vier Wochen später war ich zum Routine-US und da lebten sie nicht mehr und man sagte mir, dass es gleich nach der letzten Untersuchung gewesen sein muss. So gesehen waren sie schon etwas verändert, aber ich wollte sie sehen. Hab erst ein Foto gesehen und danach hatte ich sie dann bei mir. Mir war egal was die Ärzte sagten und dachten. Es waren MEINE Kinder und nichts anderes habe ich gesehen. Ich fand überhaupt nichts schlimmes an ihnen, auch wenn einige Dinge eben nicht mehr so normal waren. Ich rede grad etwas drumrum, wills nicht so auf den Punkt bringen. Ich bzw wir waren so froh, dass wir es gemacht haben, ich wüsste nicht wo ich heute wäre, wenn ich meine Kinder nicht gesehen hätte.

Manja

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 20:39 Uhr

Das Abschied nehmen war ganz wichtig für uns, deshalb hätte ich auch darauf bestanden. Bei euch war es schon verständlich das die Ärzte abgeraten haben, aber wir Eltern sehen nur unsere schönen Kinder und da ist alles andere nebensächlich. #heul

Ich denke auch das ich bei einer erneuten SS Angst haben werde, so unbeschwert geht man da nie wieder ran. Aber da muss ich durch, denn ich weiß wofür es sich lohnt zu kämpfen. Vielen Dank für deine Offenheit und alles Gute für euch. #liebdrueck

Liebe Grüße Franca

Beitrag von ina_ragna 09.10.10 - 13:35 Uhr

Jetzt musste ich schon wieder weinen. Du hast unglaublich gefühlvoll geschrieben.

Wenn wir wieder da sind, würde ich mir gern die Bilder von Marten ansehen.

Hab Dich lieb.

Ina

Beitrag von francie_und_marc 09.10.10 - 17:48 Uhr

Ach Schwesterherz!

Er sieht aus wie Marc nur eben noch nicht fertig und er wäre sicherlich schwerer wie Marci gewesen. Seine 4 kg hätte er geschafft unser Sonnenschein. Du wirst genauso stolz auf ihn sein wie wir. #liebdrueck

Deine Schwester Franca

Beitrag von sasula 09.10.10 - 21:17 Uhr

Hi,

beim lesen sind mir die Tränen gekommen und ich fühlte mich fast so, wie es damals bei mir war... Meine Geburt von Julian ging zwar schnell, aber diese Gefühle die du beschreibst, als du deinen Marten im Arm hattest... genauso fühlte ich mich auch bei Julian...

Auch bei unserem Sohn konnte man sehen, dass er nicht gesund war und wenn er überlebt hätte, hätte er kein schönes leben gehabt... Das macht es schon irgendwie "leichter" in der Entscheidung, aber selbst nach knapp drei Jahren tut es an manchen Tagen so weh, wie am 11.01.2008...

Ich drück dich mal...

Suse

Beitrag von honeyfoot 09.10.10 - 21:24 Uhr

Das hast du sehr schön geschrieben liebe Franca!

Ich drück dich ganz fest und schicke dir ganz, ganz viel Kraft!!!
Mir ging es bei der Entbindung von unserem Engel Clemens recht ähnlich und es kostet ungeheuer viel Kraft, diese kleine süße Wesen das man gerade erst geboren hat so schnell doch wieder hergeben zu müssen.

Du bist eine tolle Frau, ihr seid tolle Eltern und Marc ist mit Sicherheit ein großer toller Bruder :-)

Fühl dich nochmal ganz fest #liebdrueck

honeyfoot

Beitrag von francie_und_marc 10.10.10 - 09:11 Uhr

Liebe honeyfoot!

Danke für deine lieben Worte. Wir Sternenkindereltern fühlen alle ähnlich und verstehen uns so gut. Wir werden unsere Kinder nie vergessen und sie immer lieben. Das schreiben über meinen Schatz hilft mir ungemein, deshalb und auch weil ich anderen Frauen damit helfen möchte habe ich meinen persönlichen Geburtsbericht hier eingestellt.

Sicherlich läuft es bei jedem anderes und wir sind mit den 4 Tagen eher die Ausnahme aber ich denke man spürt hinter meinen Worten die Kraft die uns die Entbindung trotz allem gegeben hat. Wir haben unser Kind im Arm gehalten und das allein zählt. Auch wenn er nicht bei uns leben kann ist er doch in unseren Herzen bei uns und wir haben ihn gesehen, gespürt und ihm noch sovieles mit auf dem Weg geben können. Diese Sekunden, Minuten, Stunden mit ihm zusammen war so unendlich schön. #heul

Ich hoffe das fühlen Frauen, die eine stille Geburt noch vor sich haben, aus meinen Worten heraus und es hilft ihnen ein bisschen ruhiger ins Krankenhaus zu gehen.

Für unsere Kinder Clemens und Marten zünde ich jeweils noch zwei Kerzen an. #kerze#kerze

Fühl dich virtuell in den Arm genommen. #liebdrueck

Liebe Grüße Franca