Ich hab mir alles anders vorgestellt...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von warsdas 09.10.10 - 15:48 Uhr

Erst einmal "Hallo" an alle...

Meine Tochter ist seit gestern beim Vater und ich habe genug Zeit, um über alles, was bisher passiert ist, nachzudenken und bin dabei nicht wirklich glücklich über mein vergangenes Leben.

Vor ca. 4 Jahren verliebte ich mich in den Vater meiner Tochter, ich zog zu ihm, weg von meiner Familie (falls man das so nennen kann...) und hatten ne mega Zeit während der Schwangerschaft.

Als unsere Tochter zur Welt kam, hat sich das schlagartig geändert. Sie war ein richtiges Schreibaby, wir hatten nie Zeit für uns als Paar, das finanzielle passte auch nicht mehr richtig.

Letztes Jahr trennten wir uns und ich zog in eine andere Wohnung mit unserer Tochter. Ich versuchte stark für uns zu sein, machte mir vor, dass ich alles allein hinbekäme und keinen Mann mehr bräuchte... Das dieses Leben, das ich habe, genauso richtig ist, wie es eben ist.

Ich habe hier keine Freunde, keine Familie, mit denen ich mich austauschen kann. Mittlerweile haben mein Ex und ich uns aber wieder angenähert, ich mache es mit meiner übertriebenen Emanzipation aber ständig wieder kaputt.

Ich will mir selbst nicht eingestehen, dass ich ihn brauche, dass ich gern eine richtige Familie hätte. Dass ich meine Wohnung gern für uns als Familie haben würde, sie schön dekorieren, es gemütlich machen, abends kochen, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt... Ein 2. Baby, ein Geschwisterchen für meine Tochter zu bekommen.

Stattdessen erkundige ich mich schon über Sterilisationen, belüge mich selbst und rede mir ein, dass ich mir keinen Nachwuchs mehr wünsche (für eine Steri. bin ich noch zu jung).

Meine Familie lässt mich im Stich, für sie zählt es nur, was ich finanziell und materiell erreicht habe (oder eben auch nicht), sagen ich wäre geisteskrank, wenn ich irgendwann nochmal ein Kind bekommen würde. Ich wäre mir auch sehr sicher, dass sie mich dann komplett links liegen lassen würden.

Nun frage ich mich: Muss ich meine Wünsche und Bedürfnisse hinten anstellen, nur weil es meinen Mitmenschen nicht passen würde? Darf ich auch mal schwach sein und dies vor meinem Partner zeigen? Werde ich irgendwann unbeschwert mit meiner Tochter und meinem (hoffentlich bald nicht mehr Ex-) Freund zusammenleben, glücklich sein, ohne mich für alles vor meiner "Familie" rechtfertigen zu müssen?

Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch, dass ich keine Freunde verdiene, die mich nicht nur ausnutzen, sondern auch zuhören, in den Arm nehmen, Zeit für meine Sorgen haben?

Ich liebe meine Tochter über alles auf dieser Welt, ich wüsste nicht, was ich ohne sie tun würde. Und ich hätte ihren Papa auch so gern wieder hier bei uns (sie natürlich auch), lange halte ich das "schein-stark-sein" nämlich nicht mehr aus. Ich brauche und liebe die beiden.

Oh mein Gott, jetzt habe ich hier ziemlich viel Stuss verfasst, sorry hierfür, aber mir gehts jetzt wieder ein bisschen besser :-)



Beitrag von Schnitzel und so 09.10.10 - 16:13 Uhr

Hallo,

vor Deiner Familie musst Du Dich nicht rechtfertigen. Nur vor Dir selber.

Was deine Gefühle angeht: Steh dazu! Sprich mit Deinem Ex. Sag ihm, was Du fühlst. Dann wirst Du sehen, ob Ihr noch eine Chance habt. Wenn ja, wartet aber mit dem zweiten Baby noch ab. Und vielleicht auch mit dem Zusammenziehen. Nähert Euch langsam wieder an.

Denn eigentlich sagt man ja, aufgewärmte "Schnitzel" schmecken nicht. Das gilt oft auch für Beziehungen, aber eben nicht immer. Manche schaffen es im 2. Anlauf.

Also sei optimistisch, aber sei auch nicht zu enttäuscht, wenn es nicht gut geht.

LG

Beitrag von noch nicht 09.10.10 - 16:14 Uhr

Als erstes solltest du dir darüber klar werden, ob du deinen Ex als Menschen wieder haben möchtest, oder ob du ihn nur zur Erfüllung deiner Sehnsucht nach einer heilen Familie brauchst.
Ich habe den Eindruck, du bist unglücklich und du glaubst, wenn du wieder deinen Freund zurück hast, wird alles "gut".
Warum machst du deine Wohnung nicht gemütlich, warum dekorierst du nicht schön?
Warum machst du alles von deinem Ex abhängig?
Du darfst ihm nicht die Verantwortung für dein Lebensglück aufbürden.

Beitrag von tagpfauenauge 09.10.10 - 17:58 Uhr

Hi,

ich habe den Eindruck, du bist sehr einsam. :-(

Dass dich dieses Lebensgefühl unglücklich macht, ist mehr als einleuchtend. Dass du das gerne ändern möchtest ebenso.

Ob dein Ex der richtige ist um das zu ändern kann ich nicht beurteilen.

Liebst du ihn und vermisst du IHN?
Oder vermisst du JEMANDEN? Möchtest du nur nicht allein sein und jemanden haben?

Und er ist eben evtl. verfügbar? Und halt vertraut?

Ihr habt euch getrennt - dafür wird es Gründe gegeben haben.

Deine Tochter als Schreikind kann evtl. das Fass zum Überlaufen gebracht haben, aber sie war sicherlich nicht der Grund für die Trennung!

In einer Partnerschaft geht es um Unterstützung, Verständnis und Verantwortung für den Partner. Gerade, wenn ein Kind da ist.
Hat das damals gestimmt?

Falls nicht, wird sich das beim nächten Mal nicht ändern, jedenfalls nicht zum Besseren.

Wie gesagt, ich kenne euch beiden ja nicht. Das musst du beantworten.

Alles Gute!

vg



Beitrag von warsdas 09.10.10 - 18:22 Uhr

Vielen lieben Dank für deine Antwort.

Die Frage habe ich mir schon des öfteren gestellt. Ich liebe ihn, und ich will ihn wieder bei mir haben.

Er ist ein toller Mensch (natürlich mit seinen Stärken und Schwächen) und ein liebevoller Vater.

Unsere Tochter war natürlich nicht der Trennungsgrund, das waren u.a. unverteilte Rollen und Aufgaben, Egoismus (von meiner Seite aus), Unzufriedenheit.

Dadurch, dass ich hier niemanden habe, komme ich natürlich auch nicht wirklich mal raus (wenn ich alleine bin), habe mich sehr gehen lassen (schmink- und klamottentechnisch), durfte mir oft anhören, dass ich auch noch Frau bin, nicht nur Mutter. Aber es ist halt einfach schwierig, wenn man nicht mal die Oma fragen kann, ob sie mit der Kleinen in den Zoo geht etc.

Ich werde heute mit ihm darüber sprechen, und schauen, was er dazu sagt und wie er reagiert.

Danke nochmal für deinen Ratschlag.

LG

Beitrag von silk.stockings 09.10.10 - 19:38 Uhr

>>Dadurch, dass ich hier niemanden habe, komme ich natürlich auch nicht wirklich mal raus (wenn ich alleine bin), habe mich sehr gehen lassen (schmink- und klamottentechnisch), durfte mir oft anhören, dass ich auch noch Frau bin, nicht nur Mutter. Aber es ist halt einfach schwierig, wenn man nicht mal die Oma fragen kann, ob sie mit der Kleinen in den Zoo geht etc. <<

Du wohnst jetzt schon einige Zeit da und hast noch keine neuen Kontakte - Bekanntschaften? Freundschaften? Gerade mit kleinen Kindern findet man doch schnell Anschluss.
Und auch als du noch mit deinem Ex zusammen warst, gab es keinen Freundeskreis?
Das wird sich dann auch nicht ändern, wenn ihr wieder zusammen kommt. Das liegt nämlich dann an dir.

Du hast dich gehen lassen - das kannst du ändern. Und das geht auch, wenn man keine Oma in der Nähe hat - hatte ich auch nie.

Mich schreckt so ein wenig dein weiterführender Gedankengang - Mann, weiteres Kind -> Glück.

Warum sollte es beim zweiten Mal besser klappen als beim ersten Mal?

Fragt sich

Silk

Beitrag von ichpacksan 09.10.10 - 23:33 Uhr

Hallo Silk,

danke für deine Antwort.

Das Problem mit meiner Einsamkeit, da keinen Freundeskreis, liegt an mir, das weiß ich auch und mache es ihm nicht zum Vorwurf.

Habe mich schlau gemacht bezgl. Mutter-Kind-Turn- und Spielgruppen etc. und werde da am Montag ENDLICH anrufen.

Wir haben heute gesprochen und wir wissen beide, dass wir uns noch lieben uns aber ändern müssen- jeder für sich.

Den Wunsch nach einem 2.Kind hatte ich schon immer- meine Tochter sollte eigentlich nie als Einzelkind aufwachsen- dann kam die Trennung.

In den letzten Monaten habe ich das immer verdrängt und verneint, vor mir und vor anderen.

Natürlich möchte ich nun erstmal an mir arbeiten und mich wieder um mich selbst kümmern, denn nur mit meinem Mutter-Ich kann ich keine Beziehung mit meinem Partner führen.

Ich bin noch jung, habe noch Zeit, falls wir evtl. in einigen Jahren (wenn alles klappen sollte), noch ein Kind haben möchten.

Was mich so belastet hat war die Tatsache, dass ich mir selbst vorgehabt habe, keines mehr zu wollen.

Natürlich möchte ich aber kein weiteres Kind, um damit evtl. eine Beziehung zu retten- so naiv bin ich nicht.

Es tut auf jeden Fall gut, eure Meinungen zu lesen und das hat mich richtig motiviert.

Werde auf jeden Fall nochmal berichten.

Wünsche euch eine gute Nacht.

LG