Was hat mein Mann für ein Problem?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von washaternur? 09.10.10 - 23:44 Uhr

Hallo ihr Lieben!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier einmal schreibe, aber ich bin einfach ratlos und erhoffe mir ein paar Tipps von euch.

Es geht um meinen Mann, mit dem ich seit 9 Jahren verheiratet bin, knappe 10 Jahre kennen wir uns schon. Wir kommen aus zwei ganz unterschiedlichen Elternhäusern: er aus einer relativ wortkarg und kühl veranlagten "Arbeiterfamilie", ich aus einer spießigen lupenreinen Heileweilt-"Beamtenfamilie". Er ist nicht getestet aber sehr wahrscheinlich hochbegabt (unsere Kinder sind es auch), was nie erkannt und gefördert wurde.

Er hat sich nach emotionalen Turbulenzen hochgewurstelt und mit Mitte 30 sein 2. Studium mit Auszeichnung bestanden, ich habe auch studiert und trotz unserer beiden Kinder stets gearbeitet. Wir mussten immer fleißig ranklotzen, für traute Zweisamkeit blieb wenig Zeit.

Krisen hatten wir zwei, von denen eine so groß war, dass wir uns nur mit Mühe und viel harter Arbeit wieder aufgerappelt haben.

Ich habe ihn kennen gelernt, als er gerade eine existenzielle Krise mit Selbstmordgedanken hinter sich hatte.

Wir lieben uns, aber ich komme immer weniger meinen Mann heran. Er spricht nicht aus, was er denkt, ist immer öfter schlecht gelaunt, wortkarg, redet zum Teil gar nicht, zieht sich zurück und hat "keinen Bock" mehr.
Immer wieder sagt er, dass er am liebsten seine Ruhe hätte und ich ihn lassen soll, er am liebsten alleine im Wald leben würde.

So langsam bekomme ich Angst. Er arbeitet viel und wir hatten einen Umbau, bei dem er extrem rangeklotzt hat. Klar kann man sein Verhalten auf Überlastung zurückführen, ich möchte ihn ja auch nicht permanent nerven und lasse ihm seine Ruhephasen (braucht schließlich jeder Mensch), aber ich will doch wissen, was mit ihm los ist!

Wenn er sich einigelt, einen ganzen Tag nicht spricht und nur zu den Kindern nett und lieb ist (zu mir nicht und zu anderen Menschen auch nicht), dann bekomme ich nur zur Antwort, dass ich ihn in Ruhe lassen soll.

Er trinkt nicht, raucht nicht, nimmt keine Drogen und hat meines Wissens nach keine Affäre.
Also was ist es dann? Sind das Depressionen? Ist das ein Wesenszug von hochbegabten Erwachsenen? Ist es ein Charakterzug, der sich mit zunehmendem Alter stärker ausprägt?

Ich bin ratlos und habe nicht mehr viel Kraft sein Verhalten, das nicht berechenbar ist, aufzufangen. Ich traue mich manchmal gar nicht ihn anzusprechen, weil ich dann sofort abgebügelt werde wie ein kleines Mädchen. Bloßstellen, Herabwürdigen, Verletzen, Abwinken, Zurückziehen.

Ich bin keine Psychologin, ist hier jemand, der mir einen Tipp geben kann? Ich will doch nicht zu unserem Hausarzt gehen und ihn fragen, ob mein Mann Depressionen hat, wenn es nur ein anstrengender Wesenszug ist!

Kennt sich jemand aus und kann mir helfen?

Ganz lieben Dank!!!

Beitrag von weltenbuergerin2 10.10.10 - 00:48 Uhr

"Ich traue mich manchmal gar nicht ihn anzusprechen, weil ich dann sofort abgebügelt werde wie ein kleines Mädchen. Bloßstellen, Herabwürdigen, Verletzen, Abwinken, Zurückziehen."
Du sollest die Glacéhandschuhe ausziehen und mal mit der Faust auf den Tisch hauen.
Du bist nicht seine Therapeutin.
Wenn es ihm schlecht geht, wirst du ihm sicher zur Seite stehen, aber sein Verhalten dir gegenüber musst du nicht hinnehmen. Herabwürdigungen, Verletzungen, nein, entweder, er schenkt dir reinen Wein ein, oder DU ziehst dich komplett zurück.
Zu deiner Frage, nimand wird dir sagen können, welches Problem dein Mann hat.

Beitrag von neugier-ohne-ende 10.10.10 - 07:42 Uhr

.....leider wirst du dein Problem nicht ohne fachliche, sprich psychologische, Hilfe lösen können. Bei deinem Mann ist es wahrscheinlich wie mit z.B. Alkoholikern. Die Leute merken selbst gar nicht, dass sie krank sind. Den größten Fehler, den Angehörige machen, ist das Einpacken in Watte. Bloß das Problem nicht ansprechen, immer alles Unangenehme ausblenden usw.
Wenn du deinem Mann keinen reinen Wein einschenkst und ihm in aller Deutlichkeit zu verstehen gibst, dass du so nicht mit ihm weiter leben kannst, wird sich in deiner Ehe nicht viel ändern. Das Ergebnis wird sein, dass du auf Dauer seelisch krank wirst. Und da kannst du nicht drauf hoffen, dass dir dein Mann aus der Krise hilft. Menschen wie dein Mann sind unheimliche Egoisten. Die meinen, die Welt dreht sich um sie, und sie können sich alle Extravaganzen leisten. Auf die Ehefrau braucht man keine Rücksicht zu nehmen. Die ist ja schließlich für mich da und von mir abhängig.
Einen hundertprozentig sicheren Rat kann ich dir nicht geben. Nur ein kleiner Tipp von mir: Lass dich nicht klein machen und erniedrigen. Zeit Flagge, sag was dich stört und kündige Konsequenzen an, die du auch einhalten mußt. Nimm dabei keine Rücksicht auf deine Familie. Die nehmen nämlich auch keine Rücksicht auf dich.
Ich weiß, es ist unheimlich schwer, einen Menschen wie deinen Mann auf die richtige Spur zu bringen, damit es dir wieder besser geht. Aber du mußt etwas unternehmen. Von selber löst sich das Problem nicht. Ganz im Gegenteil, es wird noch schlimmer.
Ich würde mich freuen wenn dir mein Rat helfen würde.
Viel Glück und alles Gute#pro

Beitrag von hmmnajaa 10.10.10 - 18:08 Uhr

Hallo,

für mich hört es sich schon nach Deppressionen an, aber ich denke nicht, das es mit einer Hochbegabung zusammenhängen könnte, er macht sich nur viele Gedanken über sein Leben, und wahrscheinlich auch den Sinn, und er sieht und findet ihn nicht.

Vielleicht hat er auch Burn Out?

Ich halte sein Verhalten für sehr gefährlich, denn du sagst ja selber, er hatte schon einmal Suizidgedanken :-(

Ich würde auch auf den Tisch hauen, und ihm klipp und klar sagen, das du dir verdammt nochmal Sorgen machst, und du endlich wissen willst was los ist!

So verhält sich kein gesunder Mensch, irgendwas stimmt nicht.

Versuch es herauszubekommen, und zeig ihm das du da bist für ihn,

alles gute #klee

Beitrag von dankefüreureantworten 10.10.10 - 23:52 Uhr

Ich möchte mich ganz herzlich bei euch bedanken für eure Antworten!
Ich habe ihn heute mal ein kleines bisschen angebohrt und hoffe, dass ich stückchenweise Schritte mache. Mit der Holzhammermethode kommt man bei ihm nicht weit, da macht er sofort dicht, Penetranz ist das Zauberwort. Ich bleibe am Ball. Die Pistole habe ich ihm vor 3 Jahren auf die Brust gesetzt, damals hat es Wunder gewirkt, vielleicht muss ich wirklich konsequenter sein. Nochmals Danke!

LG