Diktat vorher wörtlich bekannt (4.Klasse)

Archiv des urbia-Forums Kids & Schule.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von jodita99 10.10.10 - 11:14 Uhr

Hallo Ihr Lieben !
Ich bin etwas verunsichert. In der Klasse meines Sohnes wurde ein Diktat geschrieben, welches eine Woche vorher angesagt und WORT-WÖRTLICH geübt wurde. Offensichtlich wurden nur die Haupt- und Nebensätze vertauscht.... #schock Ich bin fassungslos ! Mein Sohn geht in einer "guten Gegend " in Berlin in die Grundschule. (Der Übergang zur Oberschule erfolgt in Berlin meist erst nach der sechsten Klasse.) Ich frage Euch, ist das normal , dass der gesamte Text vorher bekannt ist ? Meiner Meinuung nach sind die Schüler die dann mehr als 2-3 Fehler machen therpiebedürftig/ förderbedürftig... Mein Sohn hat (für mich wie erwartet) eine Eins geschrieben, wie ca. ein Drittel der Klasse. Ich habe das Gefühl, die Lehrer wollen nur keinen Ärger mit den Eltern (schlechte Noten) und machen es den Kindern deshalb so einfach. Aber wie- um Gottes Willen - sollen die Kinder jemals auf einem Gymnsium bestehen/ überleben ? #zitter Es gibt auch nur sehr wenig Hausaufgaben und das Grammatikheft (letzte Jahr wurden 20 von 75 Seiten bearbeitet) wurde nach sechs Wochen Schule nur zwei Mal kurz angefasst.. Wir überlegen nun, ihn zum Ende des Schuljahres auf ein Gymnasium zu schicken (in Berlin die Ausnahme). Er hat fast nur Einser, aber was sind die bei dem geringen Niveau wert ? Wir haben Sorge, dass er auf dem Gymnasium untergeht , zwischen den besser "gedrillten" Kindern. Aber ihn noch zwei Jahre auf dieser lahmen Grundschule lassen ? Das Problem ist, viele Eltern haben hier viel Geld.#sonne Die sagen sich : " Och, irgendwie schafft mein Mäuschen schon das Abitur, notfalls auf einer Privatschule. Lasst den Kindern doch die Kindheit. Nachmittags muß viel gespielt werden, bloß keinen bösen Haussufgaben. " Am Liebsten null Druck, null Anforderungen. Sie sind die Freunde Ihrer Kinder (kleiden sich auch so) , aber nicht die Eltern. Was meint Ihr ? Natürlich werden wir das Gespräch mit der Lehrerin suchen, haben aber Angst , dass unser Sohn unsere Kritki ausbaden muss. Wir haben schon von Methoden der Schule gehört "abwanderwilligen " Viertkälsslern schlechte Zeugnissnoten zu geben, damit sie auf der Schule bleiben müssen (nur die Besten werden an den weinigen Gymnasium ab fünter Klasse genommen, ca. drei Bewerber auf einen Platz) und um das Niveau in der Grundschule in den beiden letzten Jahren nicht abfallen zu lassen.#augen
Bin leider ratlos... Ach ja, der Sohn fühlt sich wohl in der Klasse.
Gruß,
Jodita

Beitrag von aylin80 10.10.10 - 11:31 Uhr

Hallo Jodita, es ist in der Grundschule absolut üblich "Nachschriften" zu schreiben. Zusätzlich dann auch Fremddiktate. Ich würde mich da gar nicht aufregen, wenn dein Sohn intelligent genug ist und vor allem Ausdauer hat, schafft er schon eine höhere Schule. Und wenn nicht, kann man auch mit Realschule oder Hauptschule überleben. Wenn du so Angst hast, übe halt selber mit ihm. Jeden Tag 15 min aus der Zeitung, fertig. #kratz

Beitrag von 3wichtel 10.10.10 - 12:21 Uhr

Sogenannte Übungsdiktate sind ganz normal.

Hier haben die Kinder Karteikarten, die sie sich selbständig erarbeiten müssen. Und wenn sie meinen, ein Text sitzt, dann schreiben sie mit der Lehrkraft das Diktat.

Beitrag von rienchen77 10.10.10 - 13:19 Uhr

das ist hier auch völlig normal... dieses sind aber bei uns dann nur Übungsdiktate...... es werden auch ungeübte Diktate geschrieben...

Beitrag von gismomo 10.10.10 - 13:21 Uhr

Hallo,

ich kann dich verstehen. Ich denke, dass durch diese Unterschiede in der Erwartungshaltung auch die Unterschiede im Schulniveau der einzelnen Bundesländer zustande kommen.

Wir sind aus Baden-Württemberg und im bundesweiten Vergleich liegen wir im oberen Bereich, was die schulischen Anforderungen angeht. Nur Bayern ist NOCH anspruchsvoller als wir hier in BW.

Ich sehe es wie du - von nichts kommt nun mal nichts. Das heißt noch lange nicht, dass man die Kinder überfordert, wenn man gewisse Dinge von ihnen erwartet. Aber wenn ich ein Kind habe, welches leicht lernt, aber nun mal anstelle Hausaufgaben zu machen oder zu lernen lieber spielt oder fern sieht - dann werde ich erwarten, dass es eine gewisse Zeit am Tag für schulische Belange verwendet. Ob es nun gerade Lust dazu hat oder nicht spielt keine Rolle.

Mein Sohn ist jetzt in der dritten Klasse und bei ihm sieht das Diktatschreiben so aus, dass er einen Text durchliest, Satz für Satz, dann das Blatt umdreht und einen Satz aus dem Gedächtnis aufschreibt. Ich persönlich finde das als Übung gut, kann aber nicht ganz nachvollziehen, dass das eine Leistung ist, die als Diktat bewertet wird. Früher hatte er Lernwörter auf, die er können musste, und aus denen ein Diktat zusammengebastelt und den Kinder diktiert wurde. DAS halte ich nun eher für eine benotbare Leistung als das, was er gerade macht. Aber gut.

Generell bin ich der Meinung, dass häufig zu wenig Wert auf Schulleistungen gelegt wird, so nach dem Motto: "Was nichts kostet kann auch nichts wert sein". Eltern geben Unsummen aus, um ihre Kinder durch Frühenglisch oder Musikschule etc. zu fördern, aber schulische Bildung, die in unserem Land kostenlos für jede Familie erhältlich ist, scheint irgendwie nichts wert zu sein. Vielleicht wäre es anders, wenn Schule etwas kosten würde? Der "Run" auf Privatschulen scheint dies manchmal nahezulegen...
Eine geänderte Einstellung mancher Eltern würde natürlich auch etwas bringen...

lg
K.

Beitrag von 3wichtel 10.10.10 - 14:33 Uhr

<<Generell bin ich der Meinung, dass häufig zu wenig Wert auf Schulleistungen gelegt wird, so nach dem Motto: "Was nichts kostet kann auch nichts wert sein".<<

Hier ist es (leider) oft das Gegenteil. Das ganze Wohl und Wehe des Kindes wird nur noch am schulischen Erfolg gemessen.
Wenn das Kind mal "nur" eine 2- nach Hause bringt, muss gleich mehr gebüffelt werden.
Spielverabredungen werden abgesagt, wenn die Gefahr besteht, dass das Kind dadurch nicht so viel üben kann, dass es auch ja noch zu den besten 3 Kindern der Klasse gehört.

Ich finde Bildung auch wichtig. Aber noch wichtiger ist mir ein selbstbewusstes und glückliches Kind.

Beitrag von dominiksmami 10.10.10 - 14:59 Uhr

>>Ich finde Bildung auch wichtig. Aber noch wichtiger ist mir ein selbstbewusstes und glückliches Kind. <<

das hast du sehr schön gesagt!

Beitrag von gismomo 10.10.10 - 22:24 Uhr

Tja, von diesem Verhalten hat natürlich keiner was. Wenn alle versuchen, ihre Kinder "auf Teufel komm raus" zu (über)fordern, bleibt ja letzten Endes das Leistungsgefälle zwischen den einzelnen Kindern trotzdem gleich.

Bildung und ein selbstbewusstes, glückliches Kind sind ja zum Glück kein Gegensatzpaar. Im Gegenteil, ich finde sogar, dass dies zwei Eckpfeiler einer gelungenen Erziehung sind. Wobei ich Bildung wesentlich weiter fasse als "Schulbildung". Zur Bildung gehört für mich dazu, das Neugierverhalten meines Kindes von Anfang an positiv zu beeinflussen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies DER Motor für Leistungswille ist. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres als Kinder, die alles über sich ergehen lassen und sich dabei zu Tode langweilen...Ein Kind, das neugierig aufs Leben ist und die Erfahrung gemacht hat, dass es sich vielfältig mit seiner Umwelt auseinandersetzen kann, wird auch genügend Selbstbewusstsein und Vertrauen in seine Fähigkeiten haben, um schulische Misserfolge überstehen zu können.


Dazu sollte dann noch eine realistische und "gesunde" Einstellung zur Schule und ihren Anforderungen kommen - z.B. das Wissen, dass Hausaufgaben nicht immer Spaß machen müssen, dass sie zu den Pflichten eines Kindes gehören und dass Mama und Papa auch nicht immer Lust haben zur Arbeit zu gehen - dass das aber nun mal zum Leben dazu gehört und man am besten nicht jammert, sondern die Sache angeht. Wenn man dann noch mindestens eine Prise Einfühlungsvermögen hat und merkt, wann es dem Kind wirklich zu viel ist oder wann ein paar Stückchen Schokolade als Aufmunterung angebracht sind - dann kann man als Eltern nichts falsch machen.

Natürlich ist Schule leider nicht immer so, wie sie optimalerweise sein sollte. Und auch nicht jeder Lehrer verhält sich immer so, wie es für den jeweiligen Schüler am besten wäre. Darüber kann man entweder ewig lamentieren oder versuchen, das Beste daraus zu machen. Das Paradies auf Erden haben wir nicht, also haben wir auch nicht die optimale Schule. Aber verglichen mit den Ländern der Erde, die ihrer Bevölkerung häufig genug nicht mal die Chance auf Bildung bieten, geht es uns mehr als gut. Und ich fände es schön, wenn wir das auch so richtig zu schätzen wüssten und diese Einstellung auch unseren Kindern vermitteln würden, als ständig darüber zu lamentieren, was in der Schule alles NICHT klappt.

Ja, ich will auch, dass meine Kinder selbstbewusst und glücklich sind - und ich bin der Meinung, dass dies ohne Bildung nicht zu verwirklichen ist. Und ich bin der Meinung, dass sowohl zum Selbstbewusst-Werden als auch zum Glücklichseinkönnen dazu gehört, dass man nicht in der "Komfortzone" bleibt, sondern auch mal an seine Grenzen geht. Zufriedenheit mit sich (damit meine ich das, was du - wenn ich das richtig interpretiere - als "Glück" bezeichnest) entsteht aus berechtigtem Stolz auf die eigene Leistung. Und dabei geht es nicht darum, dass jedes Kind immer Einser schreiben muss.

lg
K.

Beitrag von 3wichtel 11.10.10 - 08:37 Uhr

<<entsteht aus berechtigtem Stolz auf die eigene Leistung. Und dabei geht es nicht darum, dass jedes Kind immer Einser schreiben muss.
<<

Genau das meine ich. Wenn mein Sohn, dem in der Schule alles zufällt und der nie für gute Noten arbeiten muss, aufgrund von Flüchtigkeitsfehlern eine gute Note verpasst, dann darf er auch berechtigterweise sauer auf sich selbst sein (auch wenn die dadurch erzielte Note (z.B. eine 2-) anderen Eltern immer noch als Himmel auf Erden gelten würde).

Wenn aber mein zweiter Sohn, der sich soooo schwer mit der Schule tut, sich enorm anstrengt aber dabei trotzdem "nur" eine 3 rauskommt, dann ist mir persönlich diese 3 mehr Wert als die 1en meines Grossen. Denn mein 2. Sohn musste für diese 3 viel mehr arbeiten.
Und genau das erkennen wir als Eltern auch an.
Niemand muss gute Noten schreiben. Aber jeder muss sich so gut anstrengen, wie er kann.

Beitrag von gismomo 12.10.10 - 16:51 Uhr

Das seh ich ganz genauso.

Es ist bloß blöd, wenn man zwei sehr unterschiedliche Kinder hat - bei uns ist es auch so, dass meinem ältesten Sohn alles zufliegt (Diktate ohne Üben immer eine Eins), während mein kleiner Sohn sich viel mehr anstrengt und "durchbeißt" als mein großer Sohn, sich aber leider schwerer tut und dadurch seltener Erfolgserlebnisse hat, OBWOHL er eigentlich - an dem Maßstab der Anstrengung gemessen - mehr leistet als mein Ältester. Ich hoffe mal sehr, dass ihn das nicht irgendwann total frustriert, wenn er sieht, wie er sich alles erarbeiten muss, während mein Großer kaum einen Finger rühren muss (zumindest jetzt noch nicht).

Den gleichen Fehler wie meine Eltern will ich aber auch nicht machen: Mir ist schulisch alles leicht gefallen, meiner Schwester nicht. Was dazu geführt hat, dass sich keiner für meine Arbeiten und Hausaufgaben interessiert hat - weil ich das ja eh alles allein konnte -, während sich meine Mutter sehr um meine Schwester gekümmert und ihr Nachhilfe bezahlt hat etc. (ohne dass meine Schwester so wahnsinnig motiviert war, zu lernen). In Mathe gab es eine Zeit, da hätte ich auch gerne Nachhilfe gehabt, weil mir das Thema nicht lag - meine Mutter war aber der Meinung, ich würde das auch ohne schaffen und Nachhilfe wäre Geldverschwendung, weil es bei mir nicht ums Bestehen oder nicht ging sondern darum, dass ich anstelle der drei gerne ein zwei gehabt hätte bzw. gerne das Thema richtig verstanden und geübt hätte. Also hab ich keine Nachhilfe bezahlt bekommen.

lg
K.

Beitrag von tauchmaus01 10.10.10 - 17:42 Uhr

Aber wenn das alles so lau ist und Dein Sohn dank dessen so gut, könnte es dann sein dass er abfällt wenn es dann mal schwerer wird?

Immerhin lernt er ja in dieser Schule die Deiner Meinung nach anscheindend den Kindern das lernen zu leicht macht.
So kommt ein Großteil super mit. Was aber wenn das Lernniveau steigt??

Mona

Beitrag von kleinehexe1606 11.10.10 - 09:14 Uhr

Bei uns in der 3. KLasse in BW gibt es keine vorgelegten Diktate mehr. Nur Lernwörter die im Diktat vorkommen. Alles andere muß sitzen. Wir hatten jetzt unser erstes Diktat und die gesamte Klasse hat wohl schlecht abgeschnitten. Meine Tochter hat wohl eine 3 laut Lehrerin. Aber es ist hier üblich keine vorgegebenen Diktate mehr zu schreiben. Ich finde das auch richtig so. Wir merken den Unterschied von der 2. Klasse zur 3 . Klasse ennorm. Es wird gründlich auf die weiterführenden Schulen gearbeitet.

Beitrag von denila 12.10.10 - 02:08 Uhr

Meine Tochter ist jetzt 13 und in der 9.Klasse.

Damals in der Grundschule haben sie in der 4.Klasse ab und zu auch noch diese geübten Diktate geschrieben. Damals gab es dann allerdings nur bei 0 Fehlern eine 1. Sonst je nach Wortzahl auch bei 2 oder 3 Fehlern.

Selbst heute schreiben sie manchmal noch so ein Diktat, allerdings nur in Englisch oder Spanisch, ihren beiden Fremdsprachen.