Selbstständig oder Teamplayer? Oder beides?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Teamplayerin 11.10.10 - 10:11 Uhr

Hi, ich wüsste gerne mal, wie das bei euren Partnern ist.

Ich hatte mehrere Jahre eine Beziehung zu einem Mann, der sehr unselbstständig war. Er hatte große Probleme, sich zu irgendetwas aufzuraffen, Alltägliches ebenso wie größere Projekte. Ich musste ihn ewig zu irgendetwas drängen und er tat nie etwas von alleine. Eine Gardine oder ein Rollo in unserer Wohnung anzubringen (und vorher zu kaufen) war ein Ding der Unmöglichkeit, denn wir hatten kein Auto, keine Bohrmaschine und er hatte auch keine Lust, dann das Loch zu bohren. Also wenn ich irgendeine Anschaffung wollte, habe ich Freunde mit Auto organisiert und genauso hätte ich ja Werkzeug ausleihen können, aber auch das Zusammenbauen/anbringen der neuen Errungenschaften hätte ich zum größten Teil übernehmen müssen.

Dafür war er ein guter 'Teamplayer'. Es war selbstverständlich, dass wir alles vorher besprochen haben und nicht einer von uns einfach auf eigene Faust etwas getan hat. Nicht nur im richtigen Leben, sondern auch bei Computerspielen konnte ich mich da immer drauf verlassen, dass wir alles gemeinsam absprechen und dann den Weg wählen, der am ehesten beiden zusagt.

Mein neuer Partner ist in dieser Hinsicht das komplette Gegenteil. Na gut, ihm fällt es auch schwer, sich zu großen Dingen (Abschlussarbeit) aufzuraffen, aber er kümmert sich aus eigenem Antrieb um jede Menge Kleinigkeiten. Öfter mal überrascht er mich auch mit Dingen, die ich gerne mag oder gerne hätte.

Er ist 30 Jahre alt und hatte vorher noch nie eine feste Beziehung. So ist es wahrscheinlich zu erklären, dass der Punkt Teamplay bei ihm nicht ganz so ausgeprägt ist. Er bespricht fast nichts vorher mit mir. So macht er Dinge oft zwar gut gemeint, aber eben nicht so, wie ich sie gerne hätte.

Bei Computerspielen merke ich das besonders krass, weil ich das so gar nicht gewöhnt bin, dass man in einem Team spielt, aber große Anschaffungen zum Beispiel tätigt, ohne den anderen zu informieren. Als Beispiel haben wir in einem Spiel die ganze Zeit eine knappe Haushaltskasse und müssen immer wieder das Einkommen optimieren, um keine roten Zahlen zu schreiben. Kaum geht es uns etwas besser, baut er eine Burg, mit der man Einheiten produzieren kann. Die Burg kostet regelmäßig Unterhalt, nützt aber nichts, wenn man gar nicht vor hat, Einheiten zu bauen. Einheiten können wir uns aber kaum leisten, weil durch den Unterhalt der Burg unser Einkommen wieder fast bei 0 ist. Also eine sinnlose Investition und vor allem etwas, das man mit seinem Teampartner absprechen sollte.

Naja aber im richtigen Leben fällt mir das natürlich auch auf, wenn auch nicht ganz so deutlich (weil es eben weniger Anlässe gibt, bei denen es wichtig wäre, sich abzusprechen). Aber inzwischen reagiere ich innerlich schon bei Kleinigkeiten gereizt, weil es mir vorkommt, als würde das alles irgendwie zusammenpassen und mein Bild von ihm als Nicht-Teamplayer abrunden. Zum Beispiel wenn er den dritten Tag in Folge ein Frühstücksei kocht, ohne mich zu fragen, ob ich da überhaupt Lust drauf habe. Oder wenn er losfährt in den Baumarkt, um Umzugskartons zu kaufen, ohne mich zu fragen, ob ich auch was brauche.

Das mit dem Teamplay funktioniert übrigens auch in die andere Richtung. Wenn er kocht oder den Haushalt schmeißt, hat er noch nie einen Ton gesagt, wenn ich nebenbei fernsehe oder am Computer sitze. In meiner alten Beziehung wäre es normal gewesen, dass mein Partner mich auffordert, mitzuhelfen oder sich beschwert, dass ich eben nicht mithelfe. Wenn mein jetziger Partner mich mal bittet, etwas zu tun, dann macht er das sehr unbeholfen und fast so als würde er sich kaum trauen, das anzusprechen (er ist eine sehr selbstsichere Person, das ist nicht das Problem). Es ist eben einfach so, dass er uns (sind knapp 1 Jahr zusammen) viel mehr als zwei getrennte Einheiten wahrnimmt denn als zwei Hälften eines Paares.

Naja, auf der anderen Seite merke ich aber auch, wie meine Bemühungen Früchte tragen und er sich mehr bemüht, sich mit mir vorher abzusprechen. Je mehr ich darüber nachdenke, frage ich mich aber, ob die Eigenschaften Teamplayer und selbstständig sein überhaupt miteinander einhergehen können. Oder wird er vielleicht seine Selbstständigkeit verlieren, falls es mir gelingt, aus ihm einen Teamplayer zu machen? Ist es überhaupt wünschenswert, ihn zu verändern oder sollte ich nicht vielleicht lieber die Vorteile (er erledigt Sachen aus eigenem Impuls; er macht mir keine Vorschriften) genießen und die Sache so lassen?

Ich würde einfach gerne mal von euch hören, wie selbstständig oder wie teamfähig eure Partner sind und ob ihr das so zu schätzen wisst, wie es ist oder es gerne anders hättet. Und natürlich, ob beides bei euren Partnern ein hergeht oder sich ausschließt.

LG, die Teamplayerin

Beitrag von ninnifee2000 11.10.10 - 10:33 Uhr

#rofl

Für mich bist du das Problem in der Beziehung. Du suchst nach dem Haar in der Suppe. Immer nur Ich, Ich, Ich. Das Wort Teamplay in Verbindung mit Liebe lässt mich erschaudern. Musst du dich ausdrücken wie ein Fußballtrainer oder ein Firmenboss?

Er hat nicht viel Erfahrung was Beziehungen angeht und meistert das meines Erachtens ganz gut. DU willst ihn leiten und lenken - wie ein Trainer seine Spieler. Dabei solltet ihre beide Spieler sein und euch gegenseitig nehmen wie ihr seit. Versuche einen erwachsenen Mann NIE zu ändern, denn dann wirst du schneller wieder Single sein als du denkst. Wenn ich meinen Mann so bedrängen würde, wäre er schon längst weg - weil er ein Mann ist und keine Memme, die alles mit sich machen lässt.

Wir sind ein Paar, das sowohl selbständig ist als auch viel gemeinsam macht
und entscheidet. So wie es sein sollte.

Tipp: Beim nächsten Thread solltest du das mit den Computer-Games sein lassen. Klingt einfach nur daneben.

Beitrag von seelenspiegel 11.10.10 - 10:39 Uhr

Mhh...das Haar in der Suppe suchst wohl eher gerade Du?

<<<Beim nächsten Thread solltest du das mit den Computer-Games sein lassen. Klingt einfach nur daneben.>>>

Beim nächsten Thread solltest Du evtl eine Antwort sein lassen, denn es klingt bei Dir nicht nur daneben.

Beitrag von seelenspiegel 11.10.10 - 10:35 Uhr

*schmunzelt*

Bei dem einen Satz könnte ich in den Spiegel schauen: <<<Wenn mein jetziger Partner mich mal bittet, etwas zu tun, dann macht er das sehr unbeholfen und fast so als würde er sich kaum trauen>>>

Das hat allerdings nichts mit "nicht trauen" zu tun, aber es ist schwer sich umzustellen, wenn Du eigentlich Dein ganzes Leben lang die Erfahrung gemacht hast "Wenn etwas richtige gemacht sein soll, mach es selbst", und da auszubrechen dauert seine Zeit.

Ansonsten war es bei mir immer so: Große Sachen wurden besprochen, ansonsten hat bei den Kleinigkeiten immer derjenige es gemacht, der gerade dran dachte, oder Zeit hatte, ohne es nochmal auf den Tisch zu bringen.

Die gute Mischung macht es, wobei es einfacher ist aus einem "lonely Wolf" einen Teamplayer zu machen, als umgekehrt ;-)

Beitrag von ciocia 11.10.10 - 10:39 Uhr

Computer-Spiele scheinen für dich sehr wichtig zu sein wenn danach deine Partner beurteilt werden wie sie sich anstellen und überhaupt. Kann damit nichts anfangen, vielleicht bin ich aber schon zu alt#zitter

Gruß

Beitrag von Teamplayerin 11.10.10 - 11:14 Uhr

Ich habe mir schon gedacht, dass sich da einige dran stoßen würden ;-)

Aber es ist doch einfach so, dass in einem Team-Spiel (nicht zwingend Computerspiel) Kommunikation und Teamplay sehr viel wichtiger sind als in den meisten Alltagssituationen. Diverse Teamfähigkeits-Seminare für Firmen basieren ja auch auf irgendwelchen Teamspielen, in denen die Teamfähigkeit geschult werden soll.

Aber wenn die Kommunikation und das Miteinander in einem Computerspiel nicht klappt, wieso sollte es dann bei einem wichtigen Projekt klappen, das in der Zukufnt vielleicht noch ansteht? Hausbau, Hochzeit, gemeinsame Firmengründung oder was auch immer ...

Ich finde es eigentlich praktisch, wenn man die Kommunikationsprobleme bei so etwas Unwichtigem erkennen und daran arbeiten kann, damit die wichtigen Dinge dann funktionieren.

Das von mir beschriebene Beispiel kann man sich ja gut im Alltag auch vorstellen. Man lebt immer mit +-0 pro Monat und sobald man etwas besser dasteht kauft der Partner ein zweites Auto, dessen Unterhalt man sich gar nicht leisten kann ... Oder man hat ein Familienunternehmen und da kauft der Partner neue Maschinen, die mehr kosten als sie einbringen.

Beitrag von ciocia 11.10.10 - 12:10 Uhr

Aber ein Stück Individualität darf man sich doch behalten, oder? Das alles erinnert mich bisschen an die sozialistische Idee - nicht der Einzelne zählt, sondern die Gruppe. Und gerade deswegen, weil man im Berufsleben funktionieren, sich anpassen muss ist es wichtig, dass man im privaten Bereich mal nein sagt. In einer Beziehung wird es immer Reibereien geben, der Klügere gibt meistens nach. Ich kenne keine Partnerschaft wo alles wirklich perfekt passt, jeder muss irgendwo Abstriche machen. So sehe ich das:-)

lg

Beitrag von redrose123 11.10.10 - 11:02 Uhr

Du regst dich nun echt auf weil er online eine blöde Burg gekauft hat#kratz Meine güte pass nur auf das er dein Schäufelchen oder Eimerchen nicht wegnimmt....Ich liebe meinen Mann weil er im realen leben für mich da ist und mir hilft....

Beitrag von petite27 11.10.10 - 11:44 Uhr

huhu,

also eigentlich kann ich da momentan nicht so viel zu sagen, denn ich habe im Moment keinen Partner. ^^

Ehrlich gesagt habe ich mich in den bisherigen Partnerschaften auch nicht so analysierend hingestellt und darauf geachtet.
Ich weiss, ich hatte z.b. einen, der hat sich auch zu nichts aufraffen können, hatte handwerklich gesehen zwei linke Hände, dazu noch ne ordentliche Portion Choleriker, danke, da hab ich kleine handwerkliche Dinge im Haushalt lieber selber gemacht.
Er hat aber auch sonst nichts gemacht und war schlicht und ergreifend stinkefaul.

Ansonsten...Teamplay, ich weiss nicht, so richtig kann ich mit dem Wort nix anfangen. In einer Beziehung sollten z.b. grössere Anschaffungen vom gemeinsamen Geld natürlich vorher besprochen werden.

Die Beispiele die du anführst....von wegen er kocht den dritten Tag ein Frühstücksei für dich...omg...ich wäre froh gewesen mir hätte mal einer der Kerle überhaupt Frühstück gemacht! Ob mit oder ohne Ei. :-p

Und ich würde mit Sicherheit auch nicht jedesmal bevor ich irgendwo hin einkaufen fahre, fragen ob mein Partner nun auch grade was bräuchte.


Was ich sehr bedenklich finde, dass du das RL so sehr mit PC-Games gleich setzt.
Du kannst doch nicht von dem virtuellen Kauf einer Burg darauf schliessen, dass der Kerl dann im RL nen Auto kauft ohne auf die Finanzen zu achten! #schock

Glaub mir, ich hab auch meine Erfahrung gemacht mit nem Online-game, ich weiss wie sehr man sich da reinleben kann, und es hört sich sehr danach an, als ob du das schon viel zu sehr getan hast.

LG

Beitrag von Teamplayerin 11.10.10 - 13:29 Uhr

Also ich setze das Spielen wirklich nicht mit dem echten Leben gleich. Ich spiele gerne Computer, aber nicht immer online-Spiele und das sind auch nur mal Phasen von 2-3 Tagen wo wir mal viel spielen und dann wieder wochenlang nicht.

In meinem Beispiel ging es nicht um ein offline-Spiel. Wir setzen uns zu zweit hin und sagen: Wollen wir mal schauen, ob wir im Team dieses Spiel gewinnen. Nur wir und die KI sind da. Da geht es ja um nichts anderes als Teamplay. Das ist quasi konzentriertes Teamplay. Etwas, das du im wirklichen Leben so gar nicht hast, weil es da um ganz viele andere Dinge noch geht. Und wenn es da schon nicht klappt? Man kann sich ja das ganze auch bei einem anderen Teamspiel vorstellen. Meinetwegen Badminton. Wenn der eine jeden Ball nimmt, obwohl der andere vielleicht günstiger stehen würde und ihn besser bekommen würde, ist das doch auch fehlendes Teamplay. Würde man sich da nicht fragen, ob so jemand im echten Leben besonders kooperativ sein kann?

Beitrag von petite27 11.10.10 - 13:54 Uhr

ok, du machst dann wohl einfach gerne Vergleiche ;-)

Also mir wird bei dem ganzen Vergleichen ehrlich gesagt fast schwindelig.

Ich denke in einer Partnerschaft merkt man das doch auch so.
Ich würde nie auf die Idee kommen, von einem schief gelaufenen Badminton-spiel, auf irgendwas bezüglich des Funktionierens der Partnerschaft zu schliessen.
Könnte aber ach daran liegen dass ich im Sport einfach mies bin. *hehe*

Ich würde vielleicht da auch solche "Fehler" machen, ohne drüber nachzudenken, nur in dem Versuch "mitzukommen" in diesem Spiel, vielleicht würde ich auch versuchen jeden Ball zu erwischen, bin aber, was Beziehungen angeht das totale Gegenteil.

Also ich denke Verhalten innerhalb einer Partnerschaft kann man am ehesten an Beispielen in der Partnerschaft festmachen.
#kratz
Hört sich doof an, aber vielleicht weisst du ja was ich meine.

Nochmal zu dem Spielen am PC.
Ich hab das auch ne Weile gemacht, eben mit einem Online-game. Da geht man auch als Team zusammen in Inis um diese zu bestreiten.
Ach und was hab ich da alles an Fehlern gemacht, mich manchmal einfach blöde angestellt, hier und dort mal was vergessen usw.
Wenn man von meiner Art und Weise im Spiel, auf mein Verhalten im RL hätte schliessen wollen...um Himmels Willen!!! #zitter