soziale/emotionale Reife - weiß nicht mehr weiter

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 10:33 Uhr

Hallo zusammen!

Ich mache mir momentan große Sorgen um unsere Tochter (5 1/2). Wir sind im Juni umgezogen, sind jetzt wieder näher an meiner Famile (vorher 6 Stunden entfernt, nun 1 Stunde).

Unsere Tochter hatte schon immer Probleme sich von mir zu lösen. Im Kindergarten, wenn sie mit Freunden verabredet war, beim Kinderturnen etc. Nun wird es aber immer schlimmer. Seit August ist sie im neuen Kindergarten, wurde wirklich herzlich aufgenommen, hat auch recht schnell 2 Freundinnen gefunden die mit ihr nächstes Jahr zur Schule kommen, nette Erzieherinnen etc etc. Sie ist aber trotz allem unglücklich und unzufrieden.

Morgens fängt es schon an dass sie mir mit dicken Tränen mitteilt, dass sie nicht in den Kindergarten möchte weil es dort soooooo langweilig ist. Im Kindergarten gibt es dann richtig Drama inklusive an mir festklammern, weinen, das volle Programm. Eine Erzieherin nimmt sie dann immer an die Hand und sie winken mir dann noch zusammen hinterher und laut Erzieherin ist dann auch nach 2 Minuten alles gut. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit malen und schreiben. Alles andere ist recht kurzweilig, heisst vielleicht mal 5 Minuten mit ihren Freundinnen in der Puppenecke, aber dann hat sie keine Lust mehr. Wenn ich sie mittags abhole macht sie einen sehr zufriedenen Eindruck.

Zuhause angekommen geht das Drama weiter. Sie weiss nichts mit sich anzufangen und möchte gerne von mir unterhalten werden. In ihrem Zimmer spielt sie eigentlich gar nicht, erzählt viel mit mir, möchte basteln (nicht alleine, ich mache dann mit...nach 10 Minuten hat sie keine Lust mehr), und fängt letztendlich dann an mit schreiben, lesen und rechnen. Dabei hat sie Geduld, konzentriert sich über einen wirklich langen Zeitraum. Sie schreibt Wörter, liest kleine Geschichten, schreibt Telefonnummern aus der Verwandschaft auf (und das richtig!), rechnet mit verschiedenen alten Schulbüchern die sie von meinen Schwestern bekommen hat.
Wenn Freundinnen hier sind wissen sie nicht was sie spielen sollen, meist endet das ganze im Streit. Dabei ist unsere Tochter diejenige die das Kommando führt. Wenn sie allerdings zu den Freundinnen nach hause geht ist das gleiche Drama wie im Kindergarten. Ich soll dabei bleiben, sie weint, klammert sich an mich. Wenn ich weg bin spielen sie schön miteinander.

Seit 2 Wochen ist noch dazugekommen, dass sie sich in die Hose macht, sich dann schämt, nichts sagt und den ganzen Nachmittag mit nasser Hose rumläuft. Auf nachfragen von mir wieso das passiert ist sagt sie, sie wusste nicht dass sie muss.

Sie ist extrem wissbegierig in gewissen Themen wie Führungen in Schlössern, Museen, am Wochenende waren wir in einem Kloster. Sie hört über einen langen Zeitraum aufmerksam zu, danach erzählt sie mir alles nochmal und malt dazu passende Bilder und ist richtig begeistert. Auch wissenschaftliche Themen interessieren sie und sie sieht sich Bücher zu bestimmten Themen an oder lässt sich von ihrem Papa was erklären. Wenn ihr Leben also aus Geschichte, Wissenschaft, Schreiben und Rechnen bestehen würde, wäre sie wohl ein glückliches Kind.

Ich habe aber momentan wirklich Angst was mit der sozialen/emotionalen Entwicklung passiert. Mir graut es vor nächstem Sommer. Wie soll sie denn zur Schule gehen wenn es jeden Morgen Theater gibt? Irgendwann fangen doch auch die anderen Kinder an sie auszulachen. Das möchte ich gerne vermeiden. Aber wie bringt man einem Kind soziale/emotionale Reife bei? Es sind so viele Kleinigkeiten die gerade passieren, dass ich mit Sicherheit das eine oder andere vergessen habe. Das sie ein schlaues Mädchen ist weiss ich, aber bei seinem eigenen Kind ist man davon natürlich immer überzeugt. Nur langsam steht das Thema Schulanfang vor der Tür, und so wie es momentan läuft sehe ich da wirklich schwarz....

Vielleicht hat jemand von Euch einen Denkansatz oder eine Idee was ich machen könnte um ihr zu helfen. Ich möchte einfach nur dass sie ein fröhliches Kind ist.

Ich weiss, dass der Umzug mit Sicherheit nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist, aber vorher war ihr Verhalten auch schon so, nur eben nicht so extrem.

Ideen? Kritik? Anregungen?

Liebe Grüße,
Sunny

Beitrag von 3erclan 12.10.10 - 10:40 Uhr

Hiii

es ist ihr zu langweilig im Kiga würdest da garne hingehen??

habt ihr Spiele für Kinder ab 7 Jahren.

Fühlt sich deine wohler mit älteren Kinder??

lg

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 10:48 Uhr

Natürlich hätte ich auch keine Lust wenn mir da langweilig wäre. Aber ist es nicht eher kontraproduktiv ihr zu sagen dass sie dann eben nicht hingehen muss? Geht ja nächstes Jahr in der Schule auch nicht mehr.

Ja wir haben Spiele für Kinder ab 7, die spielt sie auch. Momentan spielen wir Monopoly und eben so Dinge wie Uno. Mit ihrem Papa spielt sie Black Jack. ;-)

Mit älteren Kindern spielt sie toll. Ausdauernd, stundenlang. Die Kinder sind allerdings wesentlich älter. Zwischen 10 und 13 Jahren. Aber die kann sie ja auch löchern mit ihren Fragen. ;-)

Beitrag von 3erclan 12.10.10 - 10:54 Uhr

Da bin ich ja total froh über unser Kinderhaus.

Die fördern ihn da wo er steht.Meine kommt auch nächstes Jahr in die schule obwohl es mir schon graut davor wegen hyperaktiven.

ich habe ein ganz tolles Buch für Vorschulkinder mir besorgt.

lg

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 11:05 Uhr

Was denn für ein Buch?

Ich habe jetzt halt mal ein wenig gelesen und stosse doch immer wieder auf AD(H)S, Hochbegabung und solche Dinge. Es passt aber alles nicht so 100%-ig und ich finde eigentlich dass diese Themen gerade so eine Art "Modeerscheinungen" sind.

Versteh mich nicht falsch, ich möchte mein Kind ganz bestimmt nicht auf einen Sockel heben. Ich möchte einfach nur dass es ihr gut geht und das ist ganz klar nicht der Fall.

Ich weiss nicht, ob es angebracht ist nun zu verschiedenen Ärzten zu gehen, das Gespräch im Kindergarten zu suchen (so ungefähr wissen sie dort was momentan los ist) und mich als überengagierte Mutter zu präsentieren. Das ist so gar nicht mein Ding. Ich mache mir nur Sorgen.

LG, Sunny

Beitrag von zahnweh 12.10.10 - 11:21 Uhr

Also Hochbegabung wird leider oft schnell in den Mund genommen, ebenso AD(H)S.

Allerdings gibt es beides wirklich. Nicht so oft, aber es gibt es. Und dann ist es für das jeweilige Kind wichtig, darauf einzugehen.

Selbst wenn keine HB vorliegt, sondern "nur" eine überdurchschnittliche Begabung oder dauerhafte Unterforderung, kann das zu Problemen führen, wenn man es eher abtut. Wie schon an anderer Stelle geschrieben: sich näher darüber zu informieren kann sehr gut sein. Bei nicht passen, kann man es ja dann wieder sein lassen.

100%-ig wird NIE etwas passen! Jedes Kind ist individuell!

AD(H)S kann ich mir nach deinem Text nicht so wirklich vorstellen. Dein Kind kann sich offensichtlich sehr auf komplexe Dinge konzentrieren! (Schlösser).
Dass sie sich dann auf einfache Sachen nicht konzentriert, könnte auch an HB liegen. Einfache Sachen fallen nämlich dann oft schwer bzw. sind oft nicht der Mühe wert sich damit zu beschäftigten, sind ja zu langweilig...

Ein sehr gutes Buch http://www.amazon.de/mein-Kind-hochbegabt-Bettina-M%C3%A4hler/dp/349960499X/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1286875011&sr=1-2
Es liest sich wie ein schlechter Krimi meiner Kindheit und ich wünschte mein Umfeld hätte es gelesen!

Da man sich damals noch nicht damit befasste, wurde ich in den Kindergarten gesteckt (trotz Reaktionen wie die deiner Tochter), wurde versucht ins Normalen-Schema zu pressen, weil alles andere ja Modereerscheinungen oder Krankheiten waren usw.
Letztlich kam ich ENDLICH in die Schule, war dort aber sehr schnell demotiviert und musste mich auch hier irgendwo reinpressen lassen.

Ein paar Kleinigkeiten und ein paar Informationen aus dem Buch, hätten mir sicher vieles erleichtert.

Wie gesagt, es muss nicht so sein! Aber falls doch, ist es ratsam sie ernst zu nehmen und eben nicht in die "Norm" pressen zu wollen, nur damit sie nicht in die "Modeerscheinung" gesteckt wird.

Was auch immer es ist: sie ist dein Kind und sehr individuell und weiß offensichtlich schon ganz gut, was ihr wirklich (nicht) gut tut ;-)

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 11:34 Uhr

*lach* ja, was ihr NICHT gut tut weiss sie sehr genau. Nur kann sie mir leider nicht sagen was ihr denn gut tut.

Ich denke das Buch werde ich mir mal bestellen. Vielen Dank für den Tip.

Ich denke auch dass Ad(H)S nach allem was ich gelesen habe nicht wirklich passt.
Es sind, wie Du schon schreibst, einfache Dinge, die für sie einfach unmöglich sind. Bei interessanten Themen kennt sie keine Grenzen.

Beitrag von zahnweh 12.10.10 - 11:07 Uhr

Sofern sie in der Schule nicht unterfordert wird, könnte das ein guter Sprung für sie sein.

wenn ich so deinen Text lese: könnte es sein, dass sie im Kindergarten unterfordert ist?
Dann wäre es sinnvoll, ihr auch dort Aufgaben zu geben, die sie mehr herausfordern.

Habt ihr evtl. schon über Hochbegabung nachgedacht?
Ich frage deshalb, weil ich mich mit dem Thema näher beschäftigt habe und einige kenne. Bei den meisten würde deine Beschreibung zutreffen.
- gelangweilt im Kindergarten (teilweise sogar Qual und Zeit absitzen)
- keine Lust zu altersgerechten Dingen und wenn dann nur mit Begleitperson
- bei herausfordenden Dingen eine enorme Ausdauer und Informationsaufnahme + Merken + Detailgetreu wiedergeben
- teilweise sehr anhänglich (besonders, wenn es an Orte geht, an denen Langeweile/Unterforderung "drohen" - Mama weiß halt schon am Besten mit ihrem Kind umzugehen)
- in der Schule Besserung des Sozialverhaltens, wenn genug Herausforderungen gegeben sind - oder absacken des Sozialverhaltens/Klassenkasper/Verweigerung, weil völlig unterfordert und gelangweilt
- prima Auskommen mit älteren Kindern, die von der geistigen Reife dem Jüngeren Kind einfach mithalten können, was gleichaltrige oft nicht können!
- geistige Reife sehr weit, emotional aber immer das jeweilige Alter...

falls du noch Fragen dazu hast, darfst mich gerne anschreiben. Wie schon geschrieben,habe ich mich mit dem Thema näher beschäftigt.
Eine Ferndiagnose kann ich natürlich nicht stellen. Beim Lesen deines Textes kam mir jedoch der Gedanke und möchte dazu anregen, dich da ein bisschen zu informieren.
Falls du merkst, es passt nicht weiter zu deinem Kind, kannst du die Informationen jederzeit fallen lassen.
Falls du weiteres findest was zu deiner Tochter passt, kannst du dich da auch weiter informieren.


An sich hast du schon recht, dass man eine Regelmäßigkeit schaffen sollte. Sie aber weiterhin in den Kindergarten zu zwingen, während sie sich dort dermaßen langweilt (bei Hochbegabung sehr unterfordert wäre), wäre es sinnvoll nach Alternativen zu schauen.
Nachmittags etwas, das sie geistig mehr fordert
oder im Kindergarten aus dem Pauschalen ein Kind hat die und die Zeitfenster etwas ausbrechen und dort Interessen schaffen. (manche Kindergärten machen das sehr gut und sind da sehr offen. Andere blocken leider sehr ab)

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 11:28 Uhr

Hallo und vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Die Frage die sich mir stellt ist eben wie es weitergehen soll. Mit den Erziehern sprechen, die ich kaum kenne, zum Kinderarzt gehen, der mein Kind nicht kennt?

Mein Problem ist momentan in welche Richtung ich mich weiter informiere.

Nachmittags eine geistige Herausforderung finden? Was denn zum Beispiel ausser etwas, dass sie mit mir machen kann?

Alles was wir als "Ausgleich" probieren passt ihr nicht. Hauptsächlich weil Mama nicht dabei ist. Kinderturnen - zu laut; Instrument lernen - kein Bock, ausser sie bekommt eine Geige oder ein Klavier; Schwimmen - will sie nicht, hat sie Angst.

Alles wobei ich denke dass sie noch mehr mit Kindern zusammenkommt interessiert sie nicht.

Echt schwer....
LG Sunny

Beitrag von zahnweh 12.10.10 - 11:52 Uhr

Falls du HB nicht ausschließt, kannst du dich auch gerne hier bei urbia im Club "Hochbegabung- Fluch oder Segen" informieren. Dort geht es auch um Fragen rund um die Diagnostik. Wer kennt sich aus? Was braucht das Kind? Wie ist die Situation in Kindergarten/Schule? Was ist sinnvoll? Wer hat Erfahrungen...

Wenn du merkst, es passt nicht, kannst du es jederzeit wieder sein lassen. Falls es passt, kann es Anregungen geben und neue Möglichkeiten. :-)

.

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 11:55 Uhr

Klingt nach einem Plan, werde mal sehen ob ich den finde!
Vielen Dank!

Beitrag von atarimaus 12.10.10 - 11:01 Uhr

Hallo Sunny,

also ich denke, du hast hier zwei Dinge zu regeln.

1. Abschied nehmen
Durch den Kindergartenwechsel klammert sie jetzt viel. Ziemlich normal... Solch eine Umstellung verunsichert Kinder, manche gehen damit sensibler um, so wie deine Tochter. Hier ist es wichtig, dass du viel Zeit und Aufmerksamkeit entgegenbringst. Mehr kann man da eigentlich nicht raten.

2. Unterforderung deiner Tochter
Ich rede hier ausdrücklich NICHT von Hochbegabung...aber deine Tochter ist mit Spielen für ihr Alter unterfordert. Ich kenne das zu gut, mir gings als Kind genauso!! Was hab ich mich mit Basteln, Puppen usw,. gelangweilt. Mit einem Atlas konnte ich mich dagegen stundenlang beschäftigen. Hier solltest du mit der Erzieherin sprechen, dass sie dein Kind mit Dingen beschäftigt, die sie nicht langweilen.
Ihr sollte da eigentlich was einfallen ;-)


Lieben gruß
Beate

Beitrag von sunny2006 12.10.10 - 11:39 Uhr

Hallo Beate,


na ja, sie hatte das Problem ja schon vor unserem Umzug. Nur ist es jetzt eben NOCH extremer geworden. Und es ist kein Ende in Sicht und es gibt scheinbar nichts, was ohre "Not" etwas ohne Mama zu machen kleiner macht. Dan kann die Erzieherin wirklich morgens den Affen machen (und das macht die Gute!), ich kann ihr Belohnung versprechen, es hilft alles nichts.

Ich denke wenn ich die Erzieherinnen bitte mein Kind mit Dingen zu beschäftigen die ihr gefallen ist sowas einfach im normalen Kindergartenalltag gar nicht möglich. Ausserdem hat das irgendwie einen faden Beigeschmack, dieses "Kind auf den hohen Sockel stellen" finde ich....aber vielleicht muss ich da einfach langsam mal von loskommen. ;-)

LG,
Sunny