Hab ich meinen Sohn verzogen?5 J.

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von nane75 13.10.10 - 10:08 Uhr

In den letzten Tagen ist mein Sohn irgendwie aufmüpfig und frech!
Ich weiß es gibt viele Phasen, aber 2 Themen beschäftigen mich :
Gestern wollte ich ein geb.Geschenk für seine KIGA Freundin kaufen.
Wir gehen ins Schreibwarengeschäft ,ich suche eine Schatztruhe aus.
Dann wollte er auch eine. Ich habe gesagt, entweder er kauft sie von seinem Taschengeld oder es gibt sie nicht.Daraufhin wurde er bockig, warum er das bezahlen soll und er will noch Bastelsachen.
Ich habe gesagt, er bekommt nichts weiter.Dann schrie er und war richtig sauer.Schmiß die Schatztruhe ins Regal und wollte was anderes.
Dann sagte er er will was anderes.
Darufhin ging ich Richtung Kasse und sagte wir gehen.Dann nahm er schnell die Schatztruhe und folgte mir widerwillig.
Ich weiß, die Truhe hätte dableiben sollen....
Im Auto war ich dann richtig sauer und schimpfte ihn.
Daheim kam er dann nach einer halben Std.kuscheln,ich erklärte ihm nochmal alles.

Dann heute früh sollte er das Gartentor aufmachen.Er sagte wieso soll er das machen.Ich darauf, weil ich 3 Taschen trage.
Dann er ich kann es nicht(versuchte es widerwillig),ich stellte die Tasche hin und sagte wir machen es beide.
Dann sagte ich , dass ich es nicht gut finde, dass er es nicht gemacht hat .Ich fragte ihn, ob er es gut finden würde, wenn ich nichts mehr mache was ihm gefällt.

Ach man, bin ich empfindlich?Mich bringt sowas zur Weißglut.

Beitrag von galeia 13.10.10 - 10:17 Uhr

Versteh ich das richtig? Du hast ihm ernsthaft nach der Aktion die Schatztruhe gekauft? Sorry, dann ist dir nicht zu helfen. Du hast 0 Durchsetzungsvermögen und bist enttäuscht, wenn dein Sohn auf nichts hört? Er hat doch gar keinen Grund, dir zu folgen. Wenn er es nicht macht, machst du es schon schön selbst.

Kinder sind sicher keine Roboter, die Befehle ausführen müssen, aber das Öffnen des Gartentores wäre bei mir Pflicht gewesen, wenn ich beladen bin und dann bestehe ich auch darauf, wenn es dann nicht klappt, gibt es Konsequenzen (je nach Situation).

LG H. #klee

Beitrag von nane75 13.10.10 - 10:22 Uhr

Du hast Recht, ich weiß es ja selber.
Wollte den Megaaufstand seinerseits umgehen.
Als Konsequenz bekommt er bis Weihnachten nichts neues und vom Taschengeld hab ich das Geld auch genommen.
Zum einkaufen gehe ich auch alleine.Das alles weiß er auch!

Ich weiß ich habe falsch gehandelt.

Beitrag von juniorette 13.10.10 - 11:11 Uhr

"Wollte den Megaaufstand seinerseits umgehen. "

Du hast ihn nicht umgangen, sondern nur auf später verschoben.

Allerdings dachte ich, dass die Schatztruhe ein Geburtstaggeschenk für seine Kindergartenfreundin sei #kratz

"vom Taschengeld hab ich das Geld auch genommen. "

Das ist doch eine sehr konsequente Entscheidung :-)

Von verzogen würde ich aber in deinem Fall nicht reden, außer es lief schon immer so, dass du nachgegeben hast, wenn er rumgebockt hat.

Bei dir lese ich zwei Beispiele, wo dein Sohn seinen Kopf durchgesetzt hat. Nicht gut, aber wenn das die schlimmsten Aktionen waren, die dein Sohn in 5 Jahren gebracht hat, kannst du dich ja glücklich schätzen ;-)

"Dann sagte ich , dass ich es nicht gut finde, dass er es nicht gemacht hat .Ich fragte ihn, ob er es gut finden würde, wenn ich nichts mehr mache was ihm gefällt. "

Ich wäre einen Schritt weiter gegangen und hätte beim nächsten Wunsch (zusammen spielen, Naschkram, etc.) gesagt "du hast mir den Gefallen vorhin nicht getan, also mache ich dir jetzt den Gefallen auch nicht" (mit 5 Jahren ist dein Sohn schon lange alt genug, um diesen Zusammenhang zu verstehen)

LG,
J.

Beitrag von nane75 13.10.10 - 11:50 Uhr

Seine KIGA Freundin hat auch eine Schatztruhe bekommen,daraufhin wollt e er auch eine.
Kostete nur 7.-€ und wäre an sich kein Problem gewesen.
Nur das "wie" wurde zum Problem.

Beitrag von engelchen28 13.10.10 - 13:28 Uhr

der junge hat also im endeffekt von seinem taschengeld das geburtstagsgeschenk für die freundin bezahlt???

Beitrag von nane75 13.10.10 - 13:31 Uhr

Nein, für die Freundin habe ich die rosa Schatztruhe gekauft .
Benni hat die blaue von seinem Taschengeld gekauft.(Für sich)

Beitrag von redrose123 14.10.10 - 09:35 Uhr

Zwangsweise hat er sie bzw du sie von seinem Taschengeld gekauft ;-)

Beitrag von redrose123 14.10.10 - 07:05 Uhr

Nein er wollte auch eine eigene haben ;-) Meine Stiefkinder wollen so Zeitungen wo Kinderkram drin ist, ich kauf sie sicher nicht.

1. liegen sie nach 5 min im Eck plus spielzeug

2. können sie beide noch nicht lesen

Manchmal müssen Kinder auch damit klarkommen was nicht zu bekommen, und die zwei wissen das es nicht jedesmal was gibt....Und machen keinen Aufstand, weil sie wissen wenn ich nein sage ist es ein nein. Und kein vieleicht doch wenn du zornst.....

Beitrag von engelchen28 13.10.10 - 13:27 Uhr

deine reaktion ist bockig und kindisch ("und dafür nehme ich dir dann das, und das und das auch noch weg! so! basta")!

bis weihnachten nichts neues - weihnachten ist gefühlt in 100 jahren aus der sicht eines 5jährigen...!

taschengeld einziehen ist total mies. es war DEIN fehler, die truhe zu kaufen, von DEINEM geld. danach SEIN geld einfordern für dein fehlverhalten, finde ich nicht richtig.

hin und her, hü und hott - da würde ich auch durcheinandergeraten an sohnemanns stelle.

und selbst WENN du ihm sagst, du gehst bis zum st. nimmerleinstag alleine einkaufen - du wirst das (so denke ich) nicht durchziehen können (was konsequent wäre), es gibt immer situationen, wo kind zuhause ist, man aber schnell noch los muss etc.pp.!

Beitrag von redrose123 14.10.10 - 07:03 Uhr

Denn hat er doch schon gemacht.....Schlimmer kanns nimmer kommen mach weiter so ;-)

Beitrag von jazzbassist 13.10.10 - 11:36 Uhr

Das Kinder ihre Eltern mal zur Weißglut bringen, finde ich ziemlich normal. Sonst wär die Mama/Papa-Rolle doch auch irgendwie langweilig, oder etwa nicht? Mein Sohn ist 11 - wenn der sich nicht ab und an mal mit seinen Eltern streiten würde, würden wir den gar nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Solche Konflikte gehören einfach zur kindlichen Entwicklung dazu. Ich würde Eltern hier empfehlen, diese Konflikte dann aber auch auszutragen (auch wenn es anstrengend ist oder man gerade peinlich berührt in der Öffentlichkeit steht und am liebsten im Boden versinken würde) und eben nicht - aus Angst vor der kindlichen Reaktion - diese Konflikte dann zu umgehen. Denn - dann kommen diese Konflikte am nächsten Tag wieder; und am Tag darauf. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen jedesmal eine Gehaltserhöhung geben würde, wenn sie sich wütend auf den Boden schmeißen - würden Sie das ja auch jeden Tag tun - es funktioniert ja.

Also in dieser Situation hätte die Truhe wirklich dableiben sollen :-p Ich hätte meinem Sohn dann an diesem Tag nicht mal mehr erlaubt, die dann wirklich von seinem eigenen Taschengeld zu bezahlen. Auch das tolerieren von Frustration ist etwas, dass ein Kind erst mühselig erlernen muss. Dabei können Eltern eigentlich bei Kindern in diesem Alter noch sehr gut unterstützend eingreifen; denn, wir können sicherlich gut nachvollziehen, warum Ihr Sohn da einfach sauer war. Das kann man einem Kind z.B. auch sagen. Respektive ihm auch andere Wege zeigen, wie er mit so einer Situation umgehen kann. Das Einzige, was da wahrscheinlich weniger gut helfen wird, ist, wenn ein Kind dann nach so einer Reaktion genau das bekommt, was es erreichen wollte. Das hat dann aber nichts mit "verzogen" zu tun - wir haben das Verhalten ja dann schließlich anerzogen. Da hilft also auch kein Schimpfen - oder - das man als Elternteil sauer wird (auch wenn man letzteres kaum unterdrücken kann :-p).

Ihre Gartentor-Situation gab es bei uns nicht. Es gab eher ganz klare Unterscheidungen zwischen Situationen, wo wir ihn um etwas gebeten haben (freiwillig, Kind entscheidet, ob oder ob nicht) und Situationen, wo wir als Eltern einfach den Ton angegeben haben, und, er etwas tun musste, und, diesen Entscheidungsspielraum nicht hatte. Ihre Gartentor-Situation wäre bei uns eher die erste Kategorie gewesen: "Schatz, würdest du dem Papa kurz helfen, dass Gartentor zu öffnen." Und - damit war die "Erziehung" in dieser Situation zu Ende - tut er das, ist das sehr schön, hätte er das nicht getan, wäre das auch in Ordnung gewesen. Wir tun auch nicht immer das, worum uns unsere Kinder bitten. Ich hätte hier nie einen Machtkampf veranstaltet oder anderweitig eine Erziehungssituation raus gestaltet. Bei uns hat es eigentlich gereicht, "Familienleben", "Hilfsbereitschaft", "Höflichkeit" und solche Dinge einfach vorzuleben; unser Sohn hatte das mit der Zeit von ganz alleine adaptiert. Ich denke, wenn sie hilfsbereitschaft erzwingen, endet das genau so, wie bei Ihnen: Es entsteht ein Machtkampf; und - der wird auch in 6 Jahren bei einem Kind dann immernoch entstehen. Zumindest ließt man das hier auf Urbia häufiger - wenn es um ältere Kinder und Pflichten oder Hilfsbereitschaft geht.

Wenn ihnen so eine Situation mal nicht gefallen hat, würde ich einfach Abends, wenn ich ein Kind ins Bett bringe, noch mal lange mit ihm gekuschelt und geschmust gehabt hätte, ihn einfach nochmal im ganz ruhigen Ton gesagt (ohne irgendwelche Vorwürfe zu machen), dass ich mich heute Nachmittag riesig gefreut hätte, wenn er mir das Gartentor geöffnet hätte. Denn - 5-Jährige unterscheiden sich neurologisch von 3-Jährigen in einem ganz entscheidenden Punkt: Der 5-Jährige kann etwas - einfach nur aus Liebe zu seinen Eltern - tun oder unterlassen. AUßerdem ist es immer hilfreich, wenn ein Kind dann wirklich mal freiwillig bei etwas, worum man es gebeten hat, hilft, ihn dann für dieses Verhalten auch lobt: "Das finde ich aber toll von dir, dass du mir jetzt das Gartentor geöffnet hast." Mehr Motivation brauchen Kinder da m.E. nicht - zumindest bis zur Pubertät :-p

Beitrag von nane75 13.10.10 - 11:54 Uhr

Was hätte ich sagen können? Bzw.ich habe nichtmal verstanden warum er sauer war.Hinterher wusste er es auch nicht mehr!
Kannst du mir das näher erklären :


Zitat von Dir :
Dabei können Eltern eigentlich bei Kindern in diesem Alter noch sehr gut unterstützend eingreifen; denn, wir können sicherlich gut nachvollziehen, warum Ihr Sohn da einfach sauer war. Das kann man einem Kind z.B. auch sagen. Respektive ihm auch andere Wege zeigen, wie er mit so einer Situation umgehen kann.

Ich möchte gerne ein gut erzogenes, kameradschaftliches nettes Kind und habe Angst, dass er mir entgleitet.
In letzter Zeit kommt so etas häufiger vor.

Beitrag von jazzbassist 13.10.10 - 13:02 Uhr

Er wollte, dass Sie ihm eine Schatztruhe kaufen, sie haben Nein gesagt. Wenn Sie jetzt ganz genau erklären, warum Sie "Nein" gesagt haben - ist genau das die Antwort, warum er sauer war: Er kann das nicht verstehen. Er hat kein Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge (die ist ja nicht gerade Billig), über Erziehung (wir können dir nicht immer alles geben, was du möchtest), über Zeiten (du hast letzte Woche schon etwas bekommen), die Bedeutung von Taschengeld, den wirtschaftlichen Stand der Familie etc.. Für ihn ist das reine Willkür - er weiß lediglich, dass Sie diese Truhe durchaus hätten kaufen können. Dass Sie das nicht getan haben, ist für einen 5-Jährigen in erster Linie erstmal ein: "Habe ich jetzt etwas falsch gemacht?" "Werde ich jetzt bestraft?" "Hat Mama mich jetzt nicht mehr lieb?" etc. Er kann diese höhere Gewalt (Mama) nicht verstehen; genau so wenig, wie Sie den Tornado verstehen könnten, der ihr halbes Dach weggeblasen hat. Dann wird man einfach sauer. Und - das mündet dann in Frustration - also in einer Reaktion, wie ihr Sohn sich da nun mal verhalten hat. Bei ihrem Sohn wird/wurde dass dann sicherlich auch noch dadurch bestärkt, dass er dann (zum Teil auf Grund seiner Reaktion) doch bekommen hat, was er wollte.

Es ist also in Ordnung, dass Ihr Sohn wütend oder frustriert reagiert. Wenn er danach jedoch immer das bekommt, was er will - wird er das aber auch in 6 Jahren noch so handhaben. Auch wenn ein Kind merkt, dass Mama dann ganz panisch oder peinlich berührt reagiert, wird ein Kind dann so schnell nicht mit dieser Reaktion aufhören. Sie können einem Kind durch Erziehung alles beibringen, was sie wollen - ob das aber ein: "Erst wird das Gesmüse gegessen, und danach der Nachtisch" ist, oder ein "Du musst nur in der Öffentlichkeit ganz laut brüllen, dann gibt Mama dir alles, was du möchtest" ist, macht da keinen Unterschied; das bestimmen nämlich Sie ganz alleine. Beides ist ein einfacher Ursache => Wirkung Zusammenhang; die erkennen Kinder sehr schnell: Wenn ich A tue, tritt B ein. Das sind die am besten erzogenen Kinder, die diese Logik durchschaut haben. Leider durchschauen die nicht nur die "Nachtisch"-Situation, sondern auch die "Kaufhaus"-Situationen :-p

Ich würde in so einer Situation einfach in Augenhöhe des Kindes gehen, ihm sagen, dass ich verstehen kann, dass er gerade sauer oder wütend ist (wenn sie es können), und ihm notfalls auch mal erklären, warum er sich jetzt genau diese Schatztruhe von seinem eigenen Taschengeld kaufen muss, wenn er die haben möchte. Und auch, dass das nichts damit zu tun hat, dass sie ihm jetzt nicht mehr lieb haben, oder, er etwas falsch gemacht hat. Das wird an der Reaktion ihres Sohnes sicherlich nichts ändern - nicht das wir uns hier falsch verstehen. Nur, lassen Sie ihn einfach diese Wut verarbeiten und artikulieren (achten Sie nur darauf, dass er nichts kaputt macht oder sie oder sich verletzt). Das ist m.E. die wahre Kunst bei der Erziehung - genau in so einer Situation im Spielzeugladen #cool zu bleiben. Wenn er sich wieder beruhigt hat; solange man hier als Erwachsener nichts tun (also auch kein gut zureden etc.); geht das eigentlich recht schnell von alleine wieder weg. Und, wenn er sich wieder beruhigt hat, können sie ihm trösten, also Aufmerksamkeit geben. Dann können Sie ihn auch einfach fragen, ob jetzt alles wieder gut ist, und, dann geht es ganz normal weiter. Da braucht man auch nicht mehr zu schimpfen; unterstellen wir einfach mal, dass Ihr Sohn in dieser Situation noch nicht anders reagieren konnte und das kein Angriff auf Ihre Erziehung war.

Mit einem 11-Jährigen in der Tasche, mit dem man sowas bereits durchgestanden hat, lässt sich das leicht sagen. Aber - wenn Ihr Kind mal älter isst, beobachten sie Eltern einfach mal in so einer Situation, in der sie gerade stecken. Die meisten Eltern reagieren wie ein Spielzeugauto - und das Kind ist die Fernbedienung, dass dieses steuert. Kind brüllt in Öffentlichkeit; Eltern reagieren panisch, schnappen sich das Kind am Arm - und, die devise heißt: Bloß weg hier; sonst meinen die alle nur, ich wäre eine schlechte Mutter/Vater. Die beteiligten Eltern kriegen das in der Regel nicht mit; das Kind mit der Fernsteuerung in der Hand durchaus.

Sie können einem Kind danach - z.B. in Form eines Rollenspiels - andere Wege beibringen, wie man Wut oder Frust artikulieren kann. Einige Kinder stampfen dann z.B.; meiner hat immer total niedlich die Arme verschränkt und das Gesicht verzogen; wie so ein begossener Pudel, hat absichtlich die Schuhe schleifen lassen (das konnte meine Frau in den Wahnsinn treiben :-p). Wie gehen Sie denn mit Wut/Frust um? Wie würden Sie sich wünschen, wie Ihr Sohn das nächste Mal in genau der selben Situation stattdessen reagiert, wenn er nicht verstehen kann, warum die "gemeine Mama" die Schatztruhe eben nicht kauft. Wie darf er Ihnen zeigen, dass er das "scheiße" findet? Wie er momentan reagiert, wissen sie ja bereits; aber - Kinder sind sehr sehr lernfähig.

Wenn ein Kind merkt, dass es mit seiner Reaktion gar nichts erreicht, wird diese Reaktion nach dem 2-3 Mal immer weiter zurückgehen, bis sie gar nicht mehr auftritt. Wie viele Monate würden Sie ohne Bezahlung arbeiten? Vielleicht einen, vielleicht zwei? Auch kann ein Kind anhand ihrer Reaktion lernen, warum es jetzt diese Schatztruhe eben doch nicht bekommt; also elternliche Motivgründe. Er muss sie nicht verstehen; versteht aber zumindest schonmal, dass es keine Willkür ist, sondern, Eltern eigentlich nur das beste für ihr Kind wollen. Das geht halt manchmal unter.

Kameradschaftlich und nett werden Kinder oftmals ganz von alleine - nämlich dann - wenn es Vorteile bringt. Darum funktioniert m.E. auch ein "erzwingen" nicht - also ein: "Du machst mir jetzt entweder das Garagentor auf, oder, du darfst heute Abend kein Sandmann gucken". Wenn ein Kind dann das Garagentor öffnet, tut es das einzig und alleine, um Sandmann gucken zu dürfen; aber nicht aus Kameradschaftlichen Gründen, oder, weil es gut erzogen ist; es will einfach nicht bestraft werden.
Diese Vorteile kommen ganz von alleine - es sind nämlich die Reaktionen der anderen Menschen und auch die Tatsache, dass Menschen, die hilfsbereit sind, eigentlich selbst schnell Hilfe bekommen. Das müssen Kinder aber mühselig erlernen; dass können wir denen nur ganz schwer beibringen. Denn - unabhängig davon - ob ein Kind uns das Garagentor öffnet, oder nicht, würden WIR unser Kind nie im Stich lassen; ganz egal, was kommen mag. Aber das Kind auf den Spielplatz, dass sich aber zum 3. Mal auf das Spiel des anderen Kindes eingelassen hat, und dann feststellt, dass auch beim 4. Mal der Andere sich immer noch nicht auf das Spiel einlässt, dass er nun gerne spielen würde - das sind die Situationen, wo Kinder diese Dinge lernen. Als Eltern können wir das eigentlich gut fördern, in dem wir diese "Freiwilligkeit" einfach anbieten, und, wenn ein Kind es dann wirklich mal tut, es dafür zu loben und zu zeigen, wie stolz wir auf so einen großen Jungen sind, der einfach mal dem Papa hilft.

Beitrag von nane75 13.10.10 - 13:21 Uhr

Danke für Deine ausführliche Antwort!
Woher weisst du das alles, hast du beruflich damit zu tun?

Ich bin nicht konsequent genug, muss einiges anders handhaben.
Irgendwie habe ich immer Angst zu versagen.

Beitrag von agostea 13.10.10 - 17:02 Uhr

Brauchst du nicht. Niemand ist perfekt - und das ist gut so. Wer will schon ne perfekte Mutter? Keine Sau. Also entspann dich:-)

Gruss
agostea

Beitrag von fruehchenomi 13.10.10 - 16:22 Uhr

tut er das, ist das sehr schön, hätte er das nicht getan, wäre das auch in Ordnung gewesen....

Da muss ich aber Deine ja schon fast überirdische Geduld/Verständnis bewundern. ;-)
Ich gebe zu, wenn ich mit Taschen auf eine Tür zugesteuert bin und meine lieben Ableger haben keine Anstalten gemacht, mir dieselbige zu öffnen, wäre ein kurzes prägnantes "Tür auf" meinem Munde entschlüpft - und die Lage wäre klar gewesen :-p Beim nächsten Mal haben sie es gewußt...
Aber GOTTSEIDANK sind nicht alle Erziehungsstile gleich, wäre auch langweilig.
Die Schatztruhe hätten meine Kinder definitiv nicht bekommen, auch nicht auf eigene Kosten - da hätten sie noch so brummeln können. Mit anständig fragen, eventuell - mir Rumwüten - ganz sicher nein.
LG Moni

Beitrag von agostea 13.10.10 - 17:01 Uhr

Sehr richtig! :-)

"Tür auf!" - hätte auch von mir sein können...#rofl Ich beschränke mich ihn solchen Situationen immer nur aufs Nötigste...

Gruss
agostea

Beitrag von fruehchenomi 13.10.10 - 17:30 Uhr

#rofl das hat sich sogar noch viele Jahre später in der Pubertät bewährt.
Manche Dinge hab ich einfach nicht begründet - und - komischerweise versteht Enkelschatz Leonie die Oma auch :-p
LG Moni

Beitrag von jazzbassist 13.10.10 - 19:33 Uhr

Wenn ich gewollt hätte, dass Meiner einfach etwas macht, brauchte ich ihm in dem Alter nur ruhig mit „Young man“ anzusprechen, und, dann wusste er ganz genau, dass - wenn er jetzt nicht sofort das tut, was ich ihm gesagt habe - es ein ganz unpädagogisches Ende nehmen würde :-p

Aber - das hätte ich nie für ein „Tür auf“ missbraucht. Vielleicht habe ich ja wirklich ein Kleinkind vom Mars großgezogen, aber, wenn ich meinen über die „Du bist doch ein großer/starker Junge“-Schiene um etwas gebeten hatte, hat der das wirklich getan. Der hätte mir als großer, starker Junge sogar die drei Tüten geschleppt. Und, die wenigen Male, wo er das mal nicht gemacht hatte, hat er dafür keinerlei Aufmerksamkeit bekommen. Diese „Machtkampf“ Situation gab es so gesehen gar nicht (von daher bedurfte es auch keinerlei Geduld); er wusste, wenn er uns hilft, bekommt er ein kleines Lob/Aufmerksamkeit o.vgl. - und wenn nicht - ging er da leer aus. Meiner war da ziemlich berechenbar; der ging rein danach, wo er mehr Aufmerksamkeit bekommen würde.

Aber, ein „Ich bitte ihm um etwas“ und musste dann darum bangen, ob er das auch wirklich macht, kannte ich in diesem Alter nicht mehr. Das ist erst seit der Pubertät komplizierter geworden - wobei der „Young man“-Ansatz noch immer recht gut funktioniert :-p

Beitrag von jenx 13.10.10 - 22:14 Uhr

Oha, da sind wir tatsächlich mal nicht einer Meinung, wenn auch nicht gravierend. Die Gartentor-Geschichte fällt für mich definitiv unter Eltern geben den Ton an. Wenn ich mit drei Tüten Einkäufen FÜR DIE FAMILIE vor der Tür stehe, dann ERWARTE ich Hilfe. Ich bitte nur pro forma darum. :-p Und zwar mit einem: Mach mal bitte schnell die Tür auf! Ein: Machst du bitte mal die Tür auf? gäbe da schon zu viel Handlungsspielraum für meinen Geschmack. Aber diesbezüglich gibt es bei uns auch keine Probleme, ich mache in solchen Situationen eine kurze Ansage und dann wird das schnell erledigt. Die Kids wissen diese Situationen ganz gut einzuschätzen.

Allerdings denke ich hier gerade auch ganz intensiv an nasse oder matschige Gartenwege, Tüten, die dreckig werden, wenn man sie abstellt um die Tür zu öffnen, den Boden drinnen, der dadurch dreckig wird etc. #schwitz

Trotzdem, wenn ich die Einkäufe wegräume, dann ist das sicher Kategorie eins: Hilf mir, oder lass es bleiben. Aber wenn ich die Einkäufe reintrage und in einer "Notsituation" bin, in der ich keine Hand frei habe, dann erwarte ich, dass mir die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen...

Ich finde es toll, wenn Kinder freiwillig helfen. Aber manchmal geht das eben nur über...hmmm...nennen wir es mal eine führende Hand im Hintergrund :-p

Aber das mag bei einem Einzelkind, wie es die Verfasserin hat, sicher auch schwieriger sein, weil sie nicht so daran gewöhnt sind, dass Mama eigentlich IMMER die Hände voll hat ;-)

Die Diskussionen im Laden haben wir allerdings schon mit 3 Jahren spätestens erledigt. Auch da gab es klare Ansagen. Jetzt fragen sie mal nach nem Ü-Ei, aber alles andere wird klaglos akzeptiert. Ich würde allerdings bei einem geringen Kaufpreis darüber nachdenken, die Truhe dann für 1. das gute Verhalten (KEIN "Ich will aber", kein Heulen, kein Quengeln) auf die Ansage im Geschäft und 2. für besonders gute Leistung/Betragen heimlich zu kaufen und bei Eintreten von 2. zu schenken. Das wissen meine Kinder :-p
Aber quengelnde und motzende Kinder bekommen bei uns grundsätzlich nichts gekauft. Und da wird auch nur genau einmal ermahnt...

Einen schönen Abend
Jenny

Beitrag von quickys1 13.10.10 - 13:01 Uhr

Hallihallo,

hast du ihm jetzt die Schatztruhe gekauft oder nicht?
Wenn ja, dann hat dein Sohn dich ja sehr gut im Griff:-p

Und mit dem Tor.
Die Antwort bekomme ich auch öfters.
Mir fallen dann ganz plötzlich alle Sachen aus der Hand
die ich von den Kindern schleppe.
Ich lasse die Sachen einfach liegen.

Es wirkt leider nur kurzfristig, aber immerhin.

Viel Erfolg weiterhin.

Nicole

Beitrag von nane75 13.10.10 - 13:22 Uhr

Er hat sie bekommen,allerdings bezahlt mit seinem Taschengeld.
Ich weiß -total inkonsequent.

Beitrag von engelchen28 13.10.10 - 13:23 Uhr

huhu!

das theater im geschäft hat sich für deinen sohn doch VOLL gelohnt, das scheint er gewusst zu haben - und wenn nicht, spätestens JETZT weiß er, dass sich szenen in der art wirklich LOHNEN! da darfst du dich nicht drüber wundern, wenn du so inkonsequent bist.

das thema mit dem gartentor: es ist ein akt der höflichkeit, jemandem, der schwer trägt, die tür zu öffnen. alter völlig egal. ich hätte mit meinem kind einen längeren text gesprochen, das kannst du aber glauben. 5jährige MÜSSEN sowas noch nicht wissen, sollten es aber beigebracht bekommen, finde ich.

lg
julia

Beitrag von nane75 13.10.10 - 13:25 Uhr

Was wäre Deine Reaktion gewesen?
Was hättest du ihm gesagt?

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