Sie tat mir sooo leid *sorry-lang*

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von schorti 13.10.10 - 21:57 Uhr

Hallo ihr lieben

Zur Vorgeschichte:
Meine Schwiegeroma hatte vor einigen Wochen einen Schlaganfall. Sie war dann erst im Krankenhaus und die letzten 6 Wochen in der Reha. Ihr geht es soweit ganz gut, hat keine Probleme mit der Sprache oder der Bewegung, aber ist noch verwirrter wie vorher. Sie hatte schon eine leicht anfängliche Demenz.
Nun ist sie heute von der Reha entlassen worden und ins Pflegeheim gekommen. Sie hat vorher bei meiner Schwiegermutter mit im Haus gelebt. Sie hatte bis vor dem Schlaganfall ihre eigene Wohnung. Da meine Schwiegermutter aber alleine ist, kann sie sich nicht um meine Schwiegermutter kümmern.

Nun zum eigentlichen:
Meine fast 2Jährige Tochter und ich haben meine Schwiegeroma heute besucht und sie hat mich angepfleht sie mit nach Hause zu nehmen, sie wolle da nicht bleiben, sie müsste doch nach Hause. Ich wusste garnicht was ich sagen sollte. Sie fing an zu weinen und sagte immer wieder "nimm mich mit", "ihr könnt mich doch nicht hier lassen", "was hab ich bloß getan?"
Sie fühlt sich total abgeschoben, ist ja irgendwie auch so, aber was sollen wir machen??
Meine Schwiemu ist voll Berufstätig und muss das auch.
Meien Schwiegeroma kann einfach nicht alleine bleiben, dafür ist sie nicht fit genug. Sie ist 84 Jahre alt, sitzt z.Zt. noch im Rollstuhl (dafür wäre das Haus auch überhaupt nicht geeignet-mal nebenbei gesagt), hat einen Kateder und hat Demenz.
Als wir bei ihr waren meinte sie immer sie müsste zu ihrer Mutter, die würde doch auf dem Hof auf sie warten. Sie müsste sich eine neue Stelle suchen um zu arbeiten. Also wird es mit der Demenz echt schlimmer.
Aber als meine Schwiegeroma dann sagte: "Dann hau ich hier ab, ich laufe weg und dann geh ich ins Wasser" da hab ich nur gedacht: "Wie verzweifelt muss eine Person sein?"

Oh man, sorry das es so lang geworden ist. Wir müssen einfach etwas abwarten. Meiner Schwiemu geht es natürlich auch nicht gut, kann ihre Mutter auch nicht so leiden sehen. Außerdem ist sie jetzt ganz alleine. In dem ganzen Haus, welches zwar zwei Wohnungen hat, aber alles offen ist, also auch nicht vermietet werden kann oder so.

Das ist nicht schön.
Danke fürs zu"lesen"

LG Schorti

Beitrag von mausmadam 14.10.10 - 01:34 Uhr

hallo,

bei seinen Angehörigen soetwas erleben zu müssen ist wirklich sehr schwer

aber jemanden mit demenz zu hause zu pflegen ist auch nicht leicht, denn die demenz wird immer schlimmer

demenzkranke wollen oft zu ihren eltern, zu ihrem früheren wohnhaus. erinnerungen, die lange zurückliegen, sind klar - aber was in letzter zeit passiert ist, wissen sie nicht ebenso wenig können sie realisieren, was mit ihnen geschieht

einen tip habe ich nicht für dich, tut mir leid

aber vielleicht eins doch: ich habe den demenzkranken nie widersprochen. wenn sie nach hause wollte, sagte ich, wir fahren heute abend, wenn sie nach ihrer mutter fragten, sagte ich, sie ist arbeiten etc
ob das richtig war, weiß ich nicht, das war damals aus dem bauchgefühl heraus

Beitrag von sihu 14.10.10 - 09:40 Uhr

Hallo,

finde ich toll das du aus dem Bauch heraus gehandelt hast. Das war nämlich genau das richtige.
So habe ich es gelernt, man holt den Betreffenden dort ab wo er steht. Denn wie du schon sagtest, sie leben in ihrer Welt und erleben die Vergangenheit.

Am schlimmsten finde ich die beginnende Demenz, wenn die alten Herrschaften noch wissen das sie das "tüddeln" anfangen oder das sie plötzlich in der Vergangenheitsform sprechen.

Beitrag von stephi1982 14.10.10 - 05:57 Uhr

Hallo Schorti


Mein Vater ist auch im Pflegeheim. Und auf seiner Stadion ist auch eine Ältere Frau die an Demenz leidet. Sie ruft immer nach ihrer Tochter. Und sie läuft immer auf den Gang auf und ab und sagt ich muss nachhause zur B...... ( der Tochter) die Betreuer nehmen sie in den Arm und gehen mit ihr auf Zimmer. Sie sagen komm E... wir gehen nachhause. Und so macht es die Tochter auch klappt bisher super und die Tochter bringt öfters mal alte Fotos mit von Verwanden ( ihrer schwester ). Und dann geht das.


Wünsche euch alles gute


LG Stephi

Beitrag von nicky131974 14.10.10 - 09:31 Uhr

Hallo ,

ich weiss, dass das schwer für dich sein muss. Aber wie meine Vorschreiberinnen schon sagten:Es ist normal dass sie von früher reden , nach Hause wollen., zur Arbeit müssen. Ich habe mal eine Demenzfortbildung gemacht und da wurden viele Beispiele gebracht: z. B. wollte eine Frau immer zur gleichen Zeit zum Bus. Sie muss nach Hause.

Lösung: Sie musste nach Hause zu den Kindern. Essen vorbereiten.
Man kann dann z. B. Ihnen kartoffeln zum schälen geben.

Ich weiss, das klingt seltsam. Wichtig ist. z. Bl. in der Arbeit mit Demenzkranken, dass man die Biographie kennt.

Sie hat uns die Demenz, Alzheimer usw. so erklärt: Hat uns 3 Dinge die uns sehr viel bedeuten aufschreiben lassen und dann immer eins davon weggenommen. So läuft das ungefähr bei der Demenz ab.

Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Kraft. Auch wenn es nicht leicht mit anzusehen ist.

LG Nicole#winke#liebdrueck

Beitrag von bottroperin1987 14.10.10 - 21:09 Uhr

>>Hat uns 3 Dinge die uns sehr viel bedeuten aufschreiben lassen und dann immer eins davon weggenommen. So läuft das ungefähr bei der Demenz ab<<

Hallo,
also mit der demenz läuft es wie folgt ab..

zuerst ist das kurzzeitgedächnis davon betroffen..
also vergisst man kleine dinge (wo ist die geldbörse,wo hab ich den schlüssel hingelegt,was heute für nen tag...)

das erweiterts sich dann.. geht hin zum langzeitgedächnis

viele dementkranke können alles von früher erzählen wissen sogar noch preise,namen ect. aber was jetzt vor 2 sec war weiss keiner..

es kann bis zu 7 jahren dauern bis das ganze fortscheitet.. man geht dann im kopf (sag ich jetzt mal) so zurück das man alles vergisst und man wie nen säugling ist (doof beschrieben jetzt von mir)

darum kommt es auch sehr oft vor das (bei bettlägriegen ) die ihre beine anwinkeln je mehr sie in der demez zurück gehen (embryo stellung)

lg Sandra

Beitrag von landmaus 14.10.10 - 10:15 Uhr

Hallo,

jetzt fühlst Du Dich als hättest Du sie im Stich gelassen, oder?

Das hast Du aber wirklich nicht. Dahin, wo sie gehen will, kann sie nicht. Die Vergangenheit an die sie sich so lebhaft erinnert, ist schlicht vorbei.

Die anderen haben Dir ja bereits gute Tips gegeben, wie man einem Demenzkranken die Sehnsucht erleichtert. Ich wollte noch ein Beispiel hinterherschieben: Es gibt vor Pflegeheimen häufig Bushaltestellen an denen nie ein Bus hält. Diese werden für die dementen Patienten aufgestellt, damit die das Gefühl haben mit dem Bus fahren zu können, wie sie es früher getan haben.

Alles Gute

Beitrag von coco1902 14.10.10 - 15:00 Uhr

Hallo,

davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Klingt hart, ist aber so.

Meine Oma ist fast 92 gewesen und hatte das auch alles durch. ZUm Schluss hat sie nicht mal mehr ihre eigene Tochter erkannt.

Wenn man keine Erfahrung damit hat, klingt es sehr krass, aber das zeigt einem, dass das Langzeitgedächtnis funktioniert. Sie erinert sich an früher und an Situationen, die sie im Unterbewusstsein beschäftigen.

Meine Oma meinte immer, da sind Männer im Keller und räumen das Haus aus, ihre Tochter (meine Mutter) muss doch irgendwo sein (sie stand neben ihr), sie will zu ihren Eltern... sie muss ihre schwester von der Schule abholen usw...

SIe will nach Hause (sie wohnte aber seit 40 Jahren im selben Haus) - war aber auch zuhause...

Glaube mir, es wird schlimmer.

Meine Oma wohnte bis fast zum Ende allein in dem Haus - es musste aber nachher eine Pflegekraft mit einziehen. Anders ging es nicht.

Sei froh, wenn sie im Heim gut betreut wird. Meine Oma stand nämlich im Winter in Hausschuhen auf der Straße und meinte, sie wartet auf ihre Geschwister, sie wollen nach Hause fahren...

Alles Gute für Dich... Nimm einfach nichts persönlich.

LG Coco

Beitrag von enni12 14.10.10 - 16:08 Uhr

Hallo Schorti,

das ist wirklich schwer, was ihr da durchmachen müsst.
Meine Oma hatte sehr schlimm Alzheimer, bevor sie gestorben ist und ich weiß, wie schlimm das sein kann.

Manchmal wusste ich nicht mal, was schlimmer war:
Die Phasen, in denen sie nichts mehr wusste und einen kaum noch erkannt hat oder die, in denen sie auf einmal ziemlich klar denken konnte und ihr bewusst wurde, dass sie im Heim ist und nicht zu Hause #heul

Ich drück euch die Daumen, dass es so ist wie bei uns: Nach 3 oder 4 Monaten hatte meine Oma vergessen, dass es ein altes zu Hause gab und das Heim als ihr zu Hause akzeptiert.

Ich wünsch euch alles Gute und vor allem starke Nerven

Dani

Beitrag von bottroperin1987 14.10.10 - 21:03 Uhr

Hallo,

erstmal alles gute.. es wird eine harte zeit..

Meine Oma hat mittelschwere demenz und wird noch zuhause versorgt..

sie ist schon im altenheim angemeldet und wir warten täglich auf den anruf das ein platz frei wird..

es ist wirklich schwer jemaden mit demenz zu pflegen..

man muss den da abholen wo er gerade steht hier nen paar beispiele

- wenn jemand fragt wo sind meine eltern -sollte man nie sagen das die schon verstorben sind
-wo bin ich hier? nicht sagen das es ein altenheim ist,für die leute die da sind ist es ihr zuhause
-wann kann ich nachhause?- auf später vertrösten

es gibt einen bekannten spruch verwirrt nicht die verwirrten..

auf der arbeit zb. haben wir schwere fälle von demenz als beispiel
-eine bewohnerin saß am esstisch und ich wollte sie mitnehmen ins wohnzimmer.. auf dem weg zum wohnzimmer sagte sie ganz begeister oh hier ist der stadtgarten hier war ich schonmal (dann sollte man sie nicht aus der welt herausreissen) dann hab ich gesagt ja frau D. hier ist der stadtgarten setzten sie sich .. und sind so weiter ins gespräch gekommen..


hoffe ich konnte dir einwenig weiterhelfen

lg Sandra

Beitrag von manupenny 17.10.10 - 21:13 Uhr

Kein konkreter Rat von mir sondern etwas, das ich sehr schön finde und vieles erklärt. Habe selbst bei demenzkranken Menschen gearbeitet und finde die Punkte alles sehr treffend...

Viele Kraft wünscht euch,

Manu


WENN ICH EINMAL DEMENT WERDE...

...soll mein Leben einfach, übersichtlich und voraussichtlich sein. Und so sein, dass ich das Gleiche mache, jeden Tag zur gleichen Zeit, auch wenn es dauert, bis ich es begreife. Wenn ich dement werde, musst Du ruhig mir mir sprechen, damit ich keine Angst bekomme und nicht das Gefühl habe, dass Du böse mit mir bist. Du erzählst mir bitte immer, was Du tust - solltest mich wählen lassen und respektieren, was ich wähle. Wenn ich einmal dement werde, denke daran, dass es gut und wichtig für mich ist, schöne Erlebnisse zu haben und es ist wichtig, dass Du sie mir erzählst, bevor ich sie erlebe. Wenn ich dement werde, brauche ich und kriege ich viel mehr Schlaf, als ich eigentlich will. Und wenn ich schlafe, habe ich immer Angst, dass ich nicht mehr wach werde. Gib mir Mut zu schlafen und erinnere mich daran, dass die Nacht vom neuen Tag abgelöst wird. Wenn ich dement werde, kann ich vielleicht nicht mehr mit Messer und Gabel essen, aber bestimmt sehr gut mit den Fingern. Lass mich das tun. Wenn ich dement werde, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, was ich möchte. Dann musst Du lernen, mir das zu zeigen. Wenn ich dement werde und ich bin eigensinnig, boshaft und habe schlechte Laune, dann bin ich das, weil ich mich machtlos und hilflos fühle. Ich hasse das! Und wenn ich dement werde und Panik kriege, dann nur, weil ich zwei Dinge gleichzeitig denken soll. Halt meine Hand ganz fest und hilf mir, mich nur auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn ich dement werde, bin ich leicht zu beruhigen. Nicht mit Worten, sondern indem Du ganz ruhig neben mir sitzt und meine Hand hältst. Wenn ich dement werde, verstehe ich das Abstrakte nicht mehr. Ich will sehen, spüren und begreifen, wovon Du sprichst. Wenn ich dement werde, habe ich das Gefühl, dass Andere mich schwer verstehen. Genauso schwer ist es für mich, die Anderen zu verstehen. Mach Deine Stimme leise und sieh mir ins Gesicht, dann verstehe ich Dich am Besten. Mach nur wenige Worte und einfache Sätze und versuche heraus zu finden, ob ich alles verstanden habe. Guck mich an, berühre mich und lach, bevor Du mit mir sprichst...so weiß ich, dass Du es gut mit mir meinst. Vergiss nicht, dass ich viel vergesse! Wenn ich dement werde, möchte ich Musik hören. Die von damals! Aber ich habe vergessen, welche das war. Lass sie uns zusammen hören...ich vermisse das. Ich mag auch gerne singen, aber nicht alleine. Und wenn Du mich an der Hand nimmst, können wir zusammen durchs Leben tanzen. Wenn ich dement werde und sage, dass ich nach hause will, dann antworte mir ernsthaft, damit ich merke, dass Du weißt, dass ich mich im Moment sehr unsicher fühle. Wenn ich dement werde und schimpfe, dann gehe einen Schritt zurück und gib mir die Chance zu spüren, dass ich immernoch Eindruck machen kann.

Ich bin oft verzweifelt - verzweifle nicht auch Du!