Unter uns, warum macht Ihr den Job für wenig Geld und macht Ihr ...

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von sogehtdasnicht 14.10.10 - 17:47 Uhr

Euren Job gerne?

Hallo,

ich habe in den letzten Tagen so oft gelesen:

"Das DU für das Geld überhaupt arbeiten gehst..."

Weil ich selbst für einen Job mit relativ geringem Stundenlohn aufstehe und den Job auch noch gerne mache, frage ich jetzt einfach mal in die Runde:

Was veranlasst Euch einen Job mit niedrigen Stundenlohn auszuüben?
Macht Ihr das gern?
Würdet Ihr Euren Job tauschen wollen?

Zu mir:
Ich arbeite auf 400€-Basis als "Tankstellen-Tussi" (hab ich eben gelesen, find ich irgendwie niedlich;-) ) und ich LIEBE meinen Job. Ich verdiene 5,11€ in der Stunde. Für das Geld kassiere ich, fege den Vorplatz, räume die Regale auf, putze und fege den Laden, die Zapfsäulen, schleppe notfalls schwere Kisten dem Kunden ins Auto. Ich mache halt alles, was anfällt. Von der Zeitungsremission bis zum Klo-Putzen.

Obwohl ich weiß das wir alle unterbezahlt sind mache ich meinen Job gerne. Hier in der Gegend ist das der übliche Lohn an Tankstellen.

Ich würde im leben NIE tauschen wollen.

Allerdings bin ich eher unfreiwillig da "reingerutscht":
Ich bin ungelernt, d.h. ohne Ausbildung, mit gutem Schulabschluß. Ich schreibe pro Jahr mindestens 30 Bewerbungen die alle spätestens im Vostellungsgespräch (letztes Jahr 18x) abgelehnt werden. (würde ich im Anschreiben od. im Lebenslauf mein Kind erwähnen würde man mich nicht mal dazu einladen). Dazu kommt das wir auf dem Land leben und ich keinen Führerschein habe.

Mein Mann verdient recht gutes Geld, sind in keinster Weise bedürftig, weshalb ich auch vom Arbeitsamt keine Hilfen gestellt bekomme.
Einen Bewerbungscoach habe ich vor 2 Jahren aus eigener Tasche bezahlt. An den Unterlagen liegts also auch nicht.

Tja,
dann habe ich "meinen Job" gefunden, welchen ich manchmal liebe, manchmal hasse, welchen ich aber nie aufgeben würde.
Trotz des geringen Stundenlohnes.

Wie sieht das bei Euch aus?
Wie seid Ihr an den Job gekommen?
Macht ihr den gern? Wenn ja, warum?
Wenn nicht, was hindert Euch daran, außer der Arbeitsmarktsituation, euch etwas anderes zu suchen?

Ich möchte mich einfach austauschen und hoffe auf ein paar ehrliche Antworten.

Einen angenehmen Abend wünsch
sgdn

Beitrag von crushgirl 14.10.10 - 18:21 Uhr

Hey - hier ist die Tankstellentussi ;-)

ja, ich mache diesen Job sehr gerne, aber ich sehe nicht ein warum man sich deswegen hier im Osten dafür versklaven lassen muss. Ich find das eine Frechheit.

Ich habe vor genau 19 Jahren angefangen im Tankstellengewerbe, Vollzeit, in Berlin und mein Einstiegslohn lag damals bei 13,95 - dann bin ich nach Bayern gezogen, hab wieder an ´ner Tanke gearbeitet, für 15 DM die Stunde, 7 Nächte arbeiten, 7 Tage frei und 100% Nachtzuschlag. Später gab es dann 8,50€, immernoch nicht die Welt, aber davon konnten wir gut leben. Ich hab damals für 14 Tage arbeiten unterm Strich mehr raus gehabt als heute für nen vollen Monat, wo ich mit viel Glück 7 Tage frei hab.
Jetzt bekomme ich gerade mal 3,50 pro Nacht als Zuschlag!!! Klar kann jetzt jeder sagen "bist ja selber Schuld, was gehste dafür arbeiten?" Aber von irgenwas muss man ja leben, also lass ich mich auch versklaven!

Beitrag von sogehtdasnicht 14.10.10 - 19:36 Uhr


Huch,
ich hoff Dir machts nix aus das ich das mal so aufgegriffen habe.
Fands echt süß;-)

Die Nachtzulage gibts hier auch, aber nicht für uns, weil wir um 22:00 Uhr schließen!

Dorftanke eben.



Beitrag von crushgirl 14.10.10 - 20:05 Uhr

Kein Thema, gebe immer gern kreative Wortfetzen zum besten ;-)

Beitrag von mamavonyannick 14.10.10 - 19:07 Uhr

Hallo,

meine Schwester geht 40 Stunden Vollzeit für 1340€ brutto. Warum sie das macht? Weil es in unserer gegend keine Alternativen gibt. GERNE macht sie diesen Job nicht.

vg, m.

Beitrag von crushgirl 14.10.10 - 19:36 Uhr

ganz ehrlich, ich hab manchmal fast 50 Stunden gearbeitet und kam auf 900,- Brutto...da würde ich 1340,- mit Kußhand nehmen.

Beitrag von mamavonyannick 14.10.10 - 19:48 Uhr

Ja, sie nimmt es auch mit "Kußhand", da sie auch vorher für so wenig Geld wie du gearbeitet hat. Unterbezahlt ist es trotzdem.

Beitrag von crushgirl 14.10.10 - 20:03 Uhr

Auf alle Fälle ist es zu wenig, da geb ich dir völlig recht.
Verrätst du mir in welcher Branche deine Schwester arbeitet?

Beitrag von mamavonyannick 14.10.10 - 20:33 Uhr

Meine Schwester arbeitet bei sitel als Callcenter Agent. Sie nimmt dort die Anrufe für Paypal entgegen. Bei einer 40 Stunden Woche wird an 4 Tagen für 10 Stunden gearbeitet (Pausen noch nicht mit eingerechnet) und die Anrufe kommen rein, sobald das Telefon aufgelegt wurde. D.h. 10 Stunden nur auf den Computer schauen. Die halbe Stunde Pause zwischendruch müssen sie u.a. dafür nutzen, um erst mal sich aus 2 Systemen auszuloggen. damit sind da auch schon mal locker 5 Minuten weg.
Und wenn man denkt nur 4 Tage die woche sind super... ja, wäre es sicher, wenn man dann 3 Tage am Stück frei hätte. Haben sie aber nicht...
Hinzu kommt, dass an den freien tagen jetzt regelmäßig Überstunden geschoben werden müssen.
Meine Schwester hat es vom Arbeitsweg relativ gut. Nur 10 Minuten. Andere fahren für diesen "Wahnsinnsjob" eine Stunde durch die Republik.

Wie gesagt, es ist sicherlich keine körperlich schwere Arbeit im Sinne von Heben
/Tragen aber 10 stunden Computer ist schon hefitg.

vg, m.

Beitrag von lauras_stern 14.10.10 - 19:07 Uhr

Hallo


ich habe auch wenig Stundenlohn und mach es superngerne weil:

- es Spaß macht
-ich nicht arbeitslos sein will
-ich nette Kollegen & Freunde dadurch habe
-meinem Kind ein Vorbild sein möchte
-dem Staat nicht auf der Tasche liegen will
-ich zuhause nicht verblöden will
-mich weiterbilden will
-am normalen Leben teilhaben möchte

u.v.m

LG

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 19:18 Uhr

Hallo,

ich verdiene zwar einiges mehr, aber ich finde es paradox und vermessen, jemandem zu sagen "dass du für das Geld überhaupt arbeiten gehst", aber auf der anderen Seite zu meckern, wenn jemand Hartz 4 beantragen muss.

LG

Beitrag von sogehtdasnicht 14.10.10 - 19:31 Uhr

Genau so ist es!

Ich wünsch´ Dir einen schönen abend!

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 19:43 Uhr

Selbst wenn jemand wenig Geld verdient, stärkt es doch den Selbstwert mehr, als wenn man "ungebraucht" zu Hause hockt.
Und man macht sich nicht abhängig vom Partner.
Sieht etwas anderes.
Bekommt Anerkennung.
Hat eigenes Geld.
Zeigt den Kindern, dass Mama nicht nur putzen kann.

Etc.

Beitrag von anyca 14.10.10 - 19:57 Uhr

"aber ich finde es paradox und vermessen, jemandem zu sagen "dass du für das Geld überhaupt arbeiten gehst", aber auf der anderen Seite zu meckern, wenn jemand Hartz 4 beantragen muss. "

Dabei übersiehst Du aber, daß viele Leute ergänzendes ALG II beantragen müssen, WEIL sie von den miesen Löhnen nicht leben können!!!

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 20:37 Uhr

Ich übersehe gar nichts.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Und DA (in entsprechenden Berufsbildern) ein großes Angebot an Arbeitnehmern vorhanden ist, ist das Gehalt dementsprechend.

In der Theorie ist dein Gedanke nobel und ehrenwert. Anstrebenswert. In der Praxis aber unrealistisch.
Deswegen GIBT es ja auch in der Realität diese Gehälter.

Beitrag von mamavonyannick 14.10.10 - 20:57 Uhr

Das sehe ich anders. Ich arbeite in der Versicherungsbranche. Hier gibt es viele, die meinen Job machen könnten. Und dennoch zahlen die Versicherungen nach Tarifgehalt und das nicht schlecht. Zumindest wenn ich für mich sprechen darf. Ich verdiene mehr, als mein Mann im ÖD bei fast 15 Jahre zugehörigkeit.
Die Politik öffnet Tür und Tor für diese Löhne, indem sie sie "subventioniert" und drauf zahlt, wenns nicht zum Leben reicht.
Hinzukommt, dass Vollzeitstellen in vielen Branchen nicht geschffen werden. für eine Unternehmen im Handel ist es nun mal schöner, eine Stelle durch zwei Teilzeitkräfte zu bestzen (wenn überhaupt Teilzeit), als sich durch einen vollzeit-AN zu belasten, der womöglich mal krank wird. Ist man ja so viel flexibler. Wenn die Unternehmen angehalten werden würden, eine gewisse anzahl an Vollzeitstellen zu schaffen, wäre vielen geholfen und sie müssten nicht zum Amt rennen oder noch 5 Jobs gleichzeitig zu machen.

vg, m

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 21:40 Uhr

Für Branchen, die an den Tarif angeschlossen sind, stimmt das natürlich.
In der Versicherungsbranche springt bestimmt auch mehr ab als zB als Pflegekraft, Putzkraft, Goldschmied, Friseur, Tankstellenbetreiber, etc.

Sicher wäre es schön, wenn eine Friseurin 15 Euro/Std verdient. Es ist nur die Frage, ob die Kunden dann auch 3x so viel zahlen würden.
Es wäre auch schön, wenn die Milchbauern mehr für ihre Milch bekämen, dann müsste die Milch auch nicht subventioniert werden.
Oder die Kohle.
Etc.
Aber ist der Endkonsument bereit, dieses zu zahlen?
Es ist nicht ganz so einfach, solche Löhne zu fordern.

Gesetzliche Bestimmungen sind hilfreich.

BTW: ich habe die Erfahrung gemacht, dass KEINE TZ Stellen angeboten werden. Für die Kassiererin mag das stimmen. Nur ist hier wiederum die Frage, ob die AN überhaupt eine VZ Stelle WOLLEN.

Übrigens denke ich, dass du Glück hast, wenn deine Stelle so viele andere machen könnten und du trotzdem so viel Geld bekommst. Hier ist es üblich geworden, dass teuere Mitarbeiter, die nach Tarif bezahlt werden müssen, durch Zeitarbeitskräfte auszutauschen.
Und ich spreche von großen Weltkonzernen.

VG


Beitrag von zwiebelchen1977 14.10.10 - 21:42 Uhr

Hallo

Ich als Pflegekraft kann mich nicht beschweren. Verdiene ganz gut bei der Caritas.

Bianca

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 21:56 Uhr

Hallo Bianca,

ich meinte das auch nicht allgemein für jede Pflegekraft.
;-)
Ich denke aber, dass viele Pflegekräfte nicht sooo viel verdienen. Nicht umsonst gibt es ja inzwischen Mindestlöhne für Pflegekräfte von 8,5 € im Westen. Soweit ich weiß, gilt das aber wiederum nur für die Pflegenden, Hauswirtschafter oder Putzkräfte sind davon ausgeschlossen. Kläre mich bitte auf, wenn ich falsch liege.

Aber das: http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-09/gesundheitsbranche-leiharbeiter
wundert mich dann doch.

LG

Beitrag von zwiebelchen1977 14.10.10 - 22:00 Uhr

Hallo

Also wir haben keine Leiharbeiter bei uns. Ich als Fachkraft habe einen Stundenlohn von 15,97.

Bianca

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 22:06 Uhr

Hi!

Der Artikel ist doch recht aktuell und handelt von der Caritas...?
#kratz

Dein Gehalt ist glaube ich sehr gut für eine Pflegefachkraft, das freut mich!
Du brauchst dich aber nicht so nackig machen.#gruebel

Ich meine ja auch nur, wenn Mindestlöhne von 8,5 Euro durchgesetzt werden MUSSTEN, dann geht es sicher nicht jeder Pflegekraft so gut.
Oder?

LG

Beitrag von zwiebelchen1977 14.10.10 - 22:09 Uhr

Hallo

Ich kann du nur von uns berichten. Bei uns verdienen die Fachkräfte alle soviel. Die Stationsleitungen noch etwas mehr.

Und das ist nur der Stundenlohn OHNE die Zuschläge. Die kommen noch dazu.
Zusätzlich Urlaubgeld, Weihnachtsgeld und eine private Rentenversicherung vom Ag.

Bianca

Beitrag von hummingbird 14.10.10 - 22:18 Uhr

Hi,

das ist prima!
Dann schätze ich, dass ihr - im Gegensatz zu vielen anderen AG im Pflegebereich - kein Problem mit mangeldem Personal habt, oder?;-)

Im Bericht steht, dass die Praxis, Leiharbeiter anzustellen, zunehmend ist.
Ich denke daher und aufgrund der Notwendigkeit des Mindestlohns von gerade mal 8,5€, dass es nicht üblich ist, dass die AG deinen Lohn zahlen.

Also ist es für dich wirklich erfreulich!

LG

Beitrag von zwiebelchen1977 14.10.10 - 22:26 Uhr

Hallo

Nun, wir arbeiten zu 4 für 40 Bewohner. Ist schon echt heftig. Leider ist für mehr Personal kein Geld da.
Neue Mitarbeiter bekommen erstmal 1-2 Jahresverträge.
Leiharbeiter hatten wir noch nie, bin nun 10 Jahre in dem Betrieb. Beu uns steigt das GEhalt auch nach dem Alter mit an.

Bei uns im Krankenheus würde ich als Krankenschwester sogar etwas mehr verdienen.

Bianca

Beitrag von mamavonyannick 14.10.10 - 21:53 Uhr

Hallo,

ich arbeite für die Zurich Versicherung. Zwar KÖNNTEN diesen Job viele machen (gibt ja Versicherungsfachleute wie Sand am Meer) aber ich war/bin natürlich die Beste;-) Ich denke Zeitarbeit ist in dieser Branche eher schwierig umzustezen.

Ich hatte vorher einen Aushilfsjob bei Nic/Bonita gemacht, als mein Sohn so 7 Monate alt war. Alle Festangestellten waren - bis auf die Filialleitung - Teilzeit angestellt. Vollzeitstellen wurde vom AG abgelehnt und so kamen die Angestellten mehr schlecht als recht über die Runden. Der Lohn war zwar für mich als Aushilfe okay (7,50€), aber ich musste mich davon ja nicht allein ernähren. Und so ist das eigentlich im gesamten Einkaufszentrum bei uns. Alle Geschäfte haben ihre Leute , bis auf die Leitung, nur auf Teilzeit eingestellt.

Was die Löhne der Friseurinen angeht: Meine Freundin arbeitet bei einer großen Kette (in unserer Region) und verdient bei einer 30 Stunden woche netto 500€. Die Preise unterscheiden sich im Großen und Ganzen nicht sonderlich von einem kleineren Laden neben meine rArbeitsstelle. Nur arbeiten die Frauen dort auf eigene Rechnung. Heißt: Sie teilen sich die Miete und sonstigen anfallenden Kosten durch 3 und der Rest geht i die eigene Tasche. Hatte mich dort schon mit einer untehralten, die vorher angestellt war und sie dagte, dass es ihr mit diesem Modell deutlich besser geht und sie gut verdient.

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