Erbfrage

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von steffsche84 14.10.10 - 22:50 Uhr

Hallo,

vielleicht kann mir ja Jemand helfen.
Meine Großeltern haben ein Haus was (wie im Testament festgelegt) ihre beiden Töchter erben sollen. Die ältere Tochter (meine Mutter) hat ihr Haus quasi hinten in den Garten gebaut. Die jünger wohnt ca. 200 km weit weg. Diese hat Geldprobleme. Und hat jetzt mal vorsichtig angefragt was mit dem Elternhaus nach Ableben passieren soll. Meine Mutter und ihre Eltern möchten das dieses Haus in der Familie bleiben und ich später dort einziehen soll und Miete zahle. Die Tante möchte es aber verkaufen wegen dem Geld.
Meine Frage:
Kann man das noch Testamentarisch festlegen das, das Haus nicht verkauft werden darf?
Oder aber könnten meine Großeltern das Haus z.B. an die älteste Tochter verkaufen, das so kein Haus mehr da ist?
Versteht jemand wie ich das meine?

lg steffsche

Beitrag von myimmortal1977 14.10.10 - 22:55 Uhr

Deine Großeltern können zu lebzeiten an den verkaufen, an den sie verkaufen wollen. Egal wer das ist.

Wenn Deine Mutter und Ihre Schwester das Haus erben und das Haus soll nicht verkauft werden, MUSS Deine Mutter den Erbteil an ihre Schwester auszahlen.

Oder Du kaufst das Haus für die Hälfte des Wertes (für den Erbanteil für Deine Tante) und zahlst den Anteil an sie aus!

LG Janette

Beitrag von myimmortal1977 14.10.10 - 22:57 Uhr

"Oder Du kaufst das Haus für die Hälfte des Wertes (für den Erbanteil für Deine Tante) und zahlst den Anteil an sie aus!"

Das gilt aber NUR für den Fall nach Ableben Deiner Großeltern!!!!! Dann schluckst Du einfach den Erbanteil Deiner Mutter. Wenn sie das mitmacht!

Beitrag von parzifal 15.10.10 - 08:47 Uhr

"Wenn Deine Mutter und Ihre Schwester das Haus erben und das Haus soll nicht verkauft werden, MUSS Deine Mutter den Erbteil an ihre Schwester auszahlen. "

Ist das wirklich so? Die Erblasser können nicht die Auseinandersetzung dergestalt ausschließen, ohne dass einer den Anderen auszahlen muss?

Was wäre denn, wenn die Erblasser den Verkauf untersagen und die Töchter nur den Nutzen aus einer Vermietung etc. erhalten sollen? Das wäre Deiner Meinung nach nicht möglich?

Beitrag von landmaus 15.10.10 - 10:21 Uhr

Hallo,

dann müssten Sie zum Beispiel die TE als Nacherben einsetzen und die Verfügungsbefugnis einschränken. Was sie vielleicht auch machen könnten, ist für den Fall, dass einer der Erben die Ausseinandersetzung der Erbengemsichaft, sprich den Verkauf des Hauses, verlangt, diesesn auf den Pflichtteil zu verweisen. Ich bin allerdings nicht ganz sicher. Das ist normalerweise nicht meine Baustelle :-p

Liebe Grüße

Beitrag von parzifal 15.10.10 - 10:53 Uhr

Meine Frage ging in die Richtung was die Posterin von § 2044 BGB hält, den sie völlig unberücksichtigt lässt.

Beitrag von landmaus 15.10.10 - 12:09 Uhr

Ah, den hatte ich jetzt unberücksichtigt gelassen, weil die TE von Geldproblemen geschrieben hat. Bei wichtigem Grund, der unter Umständen auch pekuniär sein kann, ist die Aueinandersetzung ja dennoch möglich. Aber wie gesagt: Nicht meine Baustelle #schein

Beitrag von parzifal 15.10.10 - 14:48 Uhr

Allgemeine "Geldprobleme" werden noch kein wichtiger Grund sein.

Um sich über den Willen des Erblassers hinwegzusetzen bedarf es m.E. schon konkretere Gründe.

Beitrag von landmaus 16.10.10 - 10:35 Uhr

Allgemeine Geldprobleme sicher nicht. Eine drohende private Insolvenz sicher schon. Wie es hier wirklich ist oder sich entwickelt, kann man ja gar nicht einschätzen.

Geldprobleme werden selten besser, eher immer schlechter und noch ist ja kein Erbfall eingetreten. Ich würde bei bestehenden Geldproblemen daher immer eine andere Lösung favorisieren, um dem absehbaren Familienstrit aus dem Weg zu gehen.

Beitrag von myimmortal1977 15.10.10 - 17:19 Uhr

Deine Frage ist leicht zu beantworten.

Ein VK des Hauses ist im eingetretenen Erbfall nur, wie in diesem Falle geschildert, durch die Unterschrift beider Erben möglich.

Die eine Schwester will das Geld, die andere das Haus behalten. Wünsche von den Erblassern, die testamentarisch verfaßt werden, wie in Bezug dessen, dass der VK des Hauses nicht erwünscht ist, sind nicht bindend. Lediglich reines Wunschdenken, was die Erben berücksichtigen können.

Die 2. Schwester, die ihren Anteil haben will, hat ein berechtigtes Interesse am VK. Die 1. Schwester kann sich diesem Interesse nicht entziehen, da die 2. Schwester auf alle Fälle einen entgeltlichen Anspruch auf 50 % hat.

Verweigert die 1. Schwester die Unterschrift, kann die 2. Schwester das Haus zwangsversteigern lassen, um an ihren Erbteil zu kommen.

Der Weg bis dahin ist lang und steinig, aber sie kann diesen Weg gehen, da die 1. Schwester der 2. Schwester den Erbteil nicht vorenthalten darf! Und die Möglichkeit auch nicht heraus zögern darf.

Da Schwester 2. von einem eigenen Einzug in das Haus absieht und Schwester 1 ggf. kein Geld hat, ihr ihren Anteil auszuzahlen, bleibt nur die letztendliche Einwilligung zum VK oder das Haus geht letztenendes in die ZVS.

Maßgeblich bei der ganzen Sache ist immer, dass ein Erbe, egal in welcher Form es hinterlassen wird, immer in Geldwerten bemessen wird.

Und derjenige, der erbberechtigt ist, dem steht das Geld zu, wenn er den Sachwert nicht haben will.

LG Janette

Beitrag von steffsche84 14.10.10 - 23:15 Uhr

Hallo, ich danke euch für die schnelle Hilfe. Das hat mir schon weiter geholfen.

lg steffsche#winke

Beitrag von wilma.flintstone 15.10.10 - 08:45 Uhr

Hallo steffsche,

lasst Euch am besten mal erbschaftsrechtlich beraten, nicht das es ins Auge geht. Dies gilt vor allem für den Fall, wenn einer der potentiellen Erben Geldprobleme hat...

Gruß W.

Beitrag von parzifal 15.10.10 - 08:55 Uhr

Ein Verkauf ist jederzeit möglich. Dann ist das Haus nicht mehr Gegenstand der Erbmasse.

Sollte der Kaufpreis allerdings nicht angemessen sein (zu niedrig), und der Erbfall vor Ablauf von 10 Jahren nach Verkauf erfolgen, kann ein Erbe Ergänzungsansprüche erheben.

Die Erblasser können prinzipiell auch testamentarisch die Auseindersetzung untersagen. Dann sollte man aber Rechtsrat einholen (insbesondere um Konstellationen zu bedenken wann das Haus doch verkauft werden darf).

Beitrag von steffsche84 15.10.10 - 11:17 Uhr

Hallo,

man könnte aber doch auch meine Mutter als Alleinerbin einsetzen und meine Tante würde dann nur den Pflichtteil erben, oder?

Oder z.B. meine Mutter bekommt das Haus und die Schwester Auto, und Sparbücher (Aktien, Wertbriefe), kann man doch im Testament so festlegen?

Beitrag von parzifal 15.10.10 - 12:10 Uhr

Das geht natürlich.

Wenn Deine Mutter Alleinerbin ist, besteht nur ein Geldanspruch für den Pflichtteilsberechtigten. Der Pflichtteil ist aber nur die Hälfte vom gesetzlichen Erbteil.

Dieses Ergebnis würde also dazu führen, dass Deine Mutter als Erbe wertmäßig das 4fache von dem erhalten würde, was Deine Tante erhielte.

Will man das? Dies kann (und wird aller Wahrscheinlichkeit nach) zu lebenslangem Streit führen.

Wie jede andere "ungerechte" Lösung.

Wenn Wertpapiere etc. genausoviel wert sind wie das Haus ist auch letzteres eine "gerechte" Lösung.


Beitrag von landmaus 15.10.10 - 12:23 Uhr

Hallo,

in einem Fall wie Euren würde ich persönlich eine Erbfolgemediation anraten. Da können die Beteiligten die bestmögliche Lösung für alle finden. Das erspart Euch den Streit nach dem Erbfall und gibt den Erblassern das gute Gefühl ihre Angelegenheiten verlässlich geregelt zu haben.

Ich wiess nicht wo ihr wohnt, aber diese Mediatorin/ Rechtsanwältin würde ich wärmstens empfehlen: http://www.schoener-erben.de

Liebe Grüße