Schwieriges Verhältnis zum Bruder belastet mich sehr!

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von lulu1977 16.10.10 - 23:11 Uhr

Puh, wo fang ich nur an #kratz?

Mein Bruder, 6 Jahre älter, Anwalt und "Herr Wichtig" in Person. Mittlerweile verheiratet und Papa eines kleinen Sohnes. Durch den großen Altersunterschied hatten wir nie ein sehr intensives Verhältnis, aber niemals ein schlechtes. Als mein Vater vor 6 Jahren starb, wurde das Verhältnis zunehmen schlechter - leider.

Ich kann gar nicht so genau sagen warum. Er ist einfach schwierig. Er war es immer schon, hatte immer Probleme mit den Lehrern, immer Ärger mit meinen Eltern, fühlte sich grundsätzlich falsch behandelt etc. Ich habe sehr viel geschluckt und die Klappe gehalten. Zum einen weil jegliche Diskussion mit ihm nichts bringt (sehr schwer zu erklären, aber wer ihn kennt, muss das leider einsehen) und zum anderen, weil ich einfach nur Frieden haben wollte und meiner Mutter nicht antuen wollte, dass wir uns ernsthaft streiten.

Über Jahre habe ich also die Klappe gehalten, viel in mich reingefressen, mir des lieben Friedens willen Mühe gegeben bis im letzten Jahr ein Streitgespräch seinerseits total eskalierte. Er betitelte mich nicht gerade sehr nett - es wäre zu umfangreich das zu erklären. Endlich nach langer, langer Zeit machte es bei mir "klick". Nein, so wollte ich nicht mehr mit mir umgehen lassen, mich ständig verletzten zu lassen, ein Nervenbündel zu sein, wenn ich wußte, dass er zu Besuch kommt (er wohnt 600 km entfernt, aber trifft beim Besuch meiner Mama zwangsläufig auf mich, da meine Mama und wir gemeinsam ein Haus bewohnen). Ich wollte vorerst keinen Kontakt mehr und habe das auch konsequent durchgezogen und es ging mir endlich mal wieder gut!! Es fiel wie ein großer Balast von mir ab, jedoch tat es mir wieder furchtbar weh zu sehen wie sehr meine Mama darunter litt.

Wäre meine Mutter nicht, hätte ich den Kontakt niemals wieder aufgenommen. Da mir das Wohlergehen meiner Mutter aber natürlich am Herzen liegt, habe ich auf ihr drängen hin dann nach 9 Monaten eine Karte geschrieben und ihn darin gebeten, dass wir einfach einsehen müssen, dass wir nicht so richtig miteinander können und uns zu Liebe unserer Mutter aber zusammenreissen sollten und wenigstens oberflächlich klar kommen sollten. Und was war das Resultat? Wieder genau das gleiche wie immer: Er drehte mir jedes Wort im Mund um und legte eine derart gemeine, verletztende Art an den Tag, dass ich sofort wußte wie richtig eigentlich die Entscheidung war erstmal keinen Kontakt zu haben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie würdet Ihr Euch verhalten? Ich möchte keinesfalls mehr so einen engen Kontakt, denn der belastet mich, macht mich traurig und wütend, weil man mir ständig schlechtes unterstellt :-[. Wie schaffe ich nur den Spagat mir selber treu zu bleiben, aber meine Mama nicht unglücklich zu sehen?

Es ist vielleicht nicht unwichtig, dass wir derzeit weiterhin nichts voneinander hören, jedoch kurzen Smalltalk halten, wenn er hier zu Lande ist. Ich möchte auch so wenig wie eben möglich mit ihm mehr zu tuen haben. Ich pack das einfach nicht mehr :-(.

Nun steht in ein paar Wochen die Taufe unserer kleinen Tochter an und meine Mutter erwartet natürlich, dass ich ihn und seine Familie einlade. Sie würde wohl die Krise kriegen, wenn ich das nicht tue. Aber ich weiß jetzt schon, dass das wieder zig schlaflose Nächte bedeutet und der Tauftag doch eigentlich ein schöner Tag für uns als Eltern sein soll. Aber ich werde derart angespannt sein, dass das kaum möglich ist. Zudem würde er dann wohl erst Recht "ausflippen" #augen.

LG, Lulu (die hofft, dass in dem Wirrwarr noch jemand durchblickt ;-))

Beitrag von ficus 16.10.10 - 23:26 Uhr

Hallo Lulu,
irgendwie kommt mir das von dir Geschriebene sehr bekannt vor. Mein (jüngerer) Bruder ist Richter und wir haben auch keinen Kontakt mehr. Dieses rechthaberische Gehabe und das Wörter-im-Munde herumdrehen und mich meiner Mutter gegenüber schlecht machen ging mir auch so dermaßen aufs Gemüt, dass ich den Kontakt abgebrochen habe. Meine Mutter leidet auch darunter. Nur ist bei uns der Vorteil, dass wir alle nicht so sehr nah beieinander wohnen und uns somit aus dem Wege gehen können.
Allerdings standen seit der Funkstille keine größeren Familienfeierlichkeiten an, zu denen ich ihn ausladen musste. Ich wüsste auch nicht, wie ich mich da verhalten sollte.
LG
ficus

Beitrag von lulu1977 16.10.10 - 23:31 Uhr

Das muss am Studiengang liegen ;-).

Ich glaube die lieben Juristen können ihr Gehabe im Privatleben nicht ablegen #aerger.

Beitrag von bruchetta 16.10.10 - 23:28 Uhr

Ich denke schon, dass Deine Mutter in der Lage sein sollte, einzusehen, dass die Geschwisterbeziehung einfach nicht funktioniert.
Das kann man akzeptieren und trotzdem zu beiden Kindern guten Kontakt halten.
Ich würde mal mit ihr reden und ihr ganz klar sagen, wie sehr Du immer unter ihm und der Situation gelitten hast und wie sehr Du noch leidest.

Ich habe übrigens auch kein gutes Verhältnis zu meinem Bruder, habe überhaupt keinen Kontakt zu ihm und wenn eine Familienfeier ansteht, setze ich mich weit weg von ihm und dann hat sich das.
Vielleicht kannst Du Dir alternativ dahingehend ein dickeres Fell anschaffen.

Beitrag von bruchetta 16.10.10 - 23:31 Uhr

Ach so, er ist übrigens Politiker, falls das alles was mit dem Beruf zu tun haben sollte.... ;-)

Beitrag von lulu1977 16.10.10 - 23:36 Uhr

Ich glaube gewisse Berufe laden gerade zu ein sich es mit seiner Schwester zu verscherzen ;-).

Meine Mutter weiß wie sehr ich drunter leide. Nach dem einen eskalierten Gespräch bin ich völlig ausfgelöst zu ihr und sie hat mir derart den Rücken gestärkt, weil sie selber fassungslos über sein Verhalten war. Tja, das war mal. Je mehr Zeit ins Land ging, desto mehr drängte sie auf "man muss auch mal vergessen können" oder "wir sind doch nur so eine kleine Familie" etc.

Als Mutter kann ich das wirklich verstehen, aber wenn man selbst als Mutter sieht wie unmöglich sich die eine Seite verhält.....

Ich weiß einfach nicht wie ich dieses Thema aus meinem Kopf verbannen soll. Während der Funkstille war das nicht der Fall, ich fühlte mich regelrecht frei, aber kaum sind ein paar blöde Sätze gefallen, ist das Thema täglich präsent und ich habe immer schon Magenschmerzen, wenn ich weiß, dass er wieder zu seinem Heimat-Besuch aufläuft :-(.

Beitrag von froehlich 16.10.10 - 23:56 Uhr

Du lädtst ihn nicht ein. Punkt. Warum sollst Du Dir die Taufe Deiner Tochter versauen?! Ich komme aus einer großen, turbulenten aber glücklichen Familie....natürlich gab's und gibt's hin und wieder Streit unter Geschwistern, aber niemals so wie Du es beschreibst! Wenn ich zu einem meiner Geschwister ein derart belastetes Verhältnis hätte, würde ich den Kontakt abbrechen, Mutter hin oder her. Ich kann sehr gut verstehen, daß Dir der Kummer Deiner Mutter auf's Gemüt schlägt. Aber Du trägst jetzt, als erwachsener Mensch in erster Linie Verantwortung für Dich und Deine eigene kleine Familie - und Du musst auch für Dich selbst Sorge tragen. Wenn Du vor lauter Ärger ein Magengeschwür bekommst und womöglich noch Deine eigene Beziehung belastest durch diesen ewigen Bruderstreit (denn so ist es ja meistens) leiden Deine Kinder auch. Also: bleib konsequent, lade die Leute ein, die Du wirklich bei der Taufe Deines Kindes sehen willst und lasse Dich auf keinerlei Diskussionen ein. So hart es auch klingt. Es geht um EUER Wohlergehen. Ihr wollt eine schöne Taufe. Und auch Euer Kind hat ein Recht darauf!!!!!!!!

Ich wünsche Dir viel Courage! Babs

Beitrag von karna.dalilah 17.10.10 - 11:51 Uhr

"man muss auch mal vergessen können"

Man MUSS gar nichts und mit dem Vergessen ist es auch so eine Sache.
Besser wäre der Satz:
Man sollte auch vergeben können.
Nicht für den Bruder, denn dem ist es wahrscheinlich auch völlig egal.
Nein für dich und deine Seele solltest du vergeben.
Es bedeutet ja nicht dass du nun Kontakt mit ihm halten und dir jeden Spruch annehmen sollst.
Glaub mir Vergeben ist Befreiung für sich selber und schafft oftmals die nötige Distanz zu den Dingen/Worten.

oder "wir sind doch nur so eine kleine Familie"
Damit hat deine Mutter völlig Recht.
Nur haben wir uns das nicht aussuchen können. Wir hatten darauf keinen Einfluss.
Aber ob die Familie nun groß oder klein ist, die gelebte menschliche Qualität und deren Wertigkeit gebietet über den Zusammenhalt der Familie.
Wie heißt es Familie kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon und Freunde sind die selbst gewählte Familie(nergänzung).

Beitrag von rufinchen 17.10.10 - 08:47 Uhr

Guten Morgen,

ich finde, dass der Tauftag eurer Kleinfamilie gehört und du ihn nicht deiner Mutter zu Liebe "zerstören" solltest. Deine Mutter ist eine erwachsene Frau und muss der Realität ins Auge sehen. Das fällt ihr vielleicht schwer, aber es hat doch keinen Sinn, einen Tag mit durchweg angespannter Stimmung zu begehen, der keinem gefällt. Daran kann auch ernsthaft deine Mutter keine Freude haben.
Sicher ist es hart für sie, zu erkennen, dass ihre Kinder sich nicht verstehen. Aber sie kann auch nicht wollen, dass es für sie zur Lebenslüge wird und wichtige Tage für euch zu reinem Stress werden.
Ganz ehrlich...ich würde ihn nicht einladen, sondern ein Gespräch mit deiner Mutter suchen und die Karten auf den Tisch legen. Erkläre ihr, wie es dir dabei geht.

Übrigens hat das sicher nichts mit dem Altersunterschied zu tun. Meine Schwester ist 9,5 Jahre älter als ich und wir verstehen uns gut. Manchmal gibt es das einfach innerhalb einer Familie, dass man nicht miteinander auskommt. Das muss man mit der Zeit akzeptieren können.

LG
Rufinchen

Beitrag von karna.dalilah 17.10.10 - 11:29 Uhr

Ganz ehrlich, die Zeit die du deiner Mutter zuliebe mit deinem Bruder verbringst und dabei leidest, bekommst du nicht gut geschrieben.

Es ist jeder für SEIN Leben verantwortlich und je weniger man sein Wohlergehen vom Umgang anderer Personen miteinander macht, umso besser.

Der Kontaktabbruch ist immer nur eine temporäre Lösung!
Du solltest eine Möglichkeit finden, die dir erlaubt Treffen mit deinem Bruder, emotional neutral zu erleben.
Ihr werdet nicht immer ein Zusammentreffen verhindern können.

Das Grundproblem bei solchen Geschichten ist oft die Erwartung an den Anderen, die Akzeptanz des anderen und der Anspruch.

Leider kenne ich ähnliche Problematik nur zu gut.

Glaube mir, die Lösung liegt nicht darin, dass dein Bruder sich ändert.
Du wirst deine Bewertung ändern müssen oder das Spiel mit allen Konsequenzen weiterspielen.
Eine Schuldfrage gibt es dabei nicht!


Lieben Gruß
Karna

Beitrag von aquila-et-arbor 17.10.10 - 21:01 Uhr

Hallo,

hier ist noch einer..... Mein älterer Bruder ist Architekt und hat auch alleinig die Weisheit mit Löffeln gefressen.......

Ich beschränke den Kontakt auf ein Minimum. Da ich auch in der Nähe meiner Mutter wohne, lassen sich Treffen ebenfalls kaum vermeiden. Bei uns hat es einige Male ziemlich gekracht mit laaaaangen Zeiträumen der Funkstille (als ich noch nicht hier wohnte)#wolke. So sind wir im Laufe der Zeit auf einem Niveau angelangt auf dem er es nicht mehr wagen würde, mich offen anzugehen. Wir schaffen es also, eine Familienfeier gemeinsam zu begehen.

Ich habe so das Gefühl, dass ältere Brüder oft ziemliche Schwierigkeiten damit haben die kleine Schwester nicht zu bevormunden und ihr auf gleicher Ebene zu begegnen.

Meiner Mutter zuliebe würde ich mich nicht auf "stur stellen", denn dann hätte ich ein schlechteres Gefühl als wenn ich ihm "die Tür offen lasse" Konkret: Ich habe ihn zur Kommunion meines Sohnes in diesem Jahr eingeladen. Er hat aber abgesagt. :-) Hätte ich es nicht getan hätte er bestimmt meiner Mutter die Ohren vollgejammert weil ich ihn ausschließe..... Wäre die ganze Situation umgekehrt gewesen hätte er sich bestimmt auch beklagt über mein "Nicht-Kommen" aber das habe ich einfach nicht nötig.

Na ja, jetzt habe ich dich über meinen Bruder vollgelabert und weiß nicht ob dich das irgendwie weiterbringt (außer dass du weißt du bist nicht allein .....) Du musst dir halt überlegen ob es für dich wirklich ein besseres Gefühl bedeutet, ihn nicht einzuladen, oder ob dich das genauso oder vielleicht sogar noch mehr (wegen deiner Mutter) belastet als eine Einladung.

Vielleicht ist deiner ja noch stinkstiefliger als meiner......

Fühl dich jedenfalls gedrückt!!!!#liebdrueck Du wirst schon das richtige machen.......

LG

Beitrag von lulu1977 18.10.10 - 10:15 Uhr

Vielen, vielen Dank für Eure Antworten!

Ich konnte mich in jeder Antwort ein Stückchen wiederfinden, aber jetzt bleibt nur die Frage wie zum Teufel setze ich das um????????????

Fakt ist, dass ich Ruhe möchte und mir um sowas keine Gedanken machen möchte. Ich habe auch keine Lust zu diskutieren, was mein Bruder aber immerzu will. Er will stets alles klären, aber jeder Klärungsversuch lässt mich emotional wieder tiefer reinrutschen, weil neue Mißverständnisse entstehen. Wir haben halt ein Kommunikationsproblem und das ist nicht zu ändern.

Ich weiß jetzt nicht auswendig wer es von Euch schrieb, aber einer schrieb, dass ich halt gucken muss, dass ich damit klar komme, wenn ich auf ihn treffe. Genau das will ich!!!! Aber wie :-(????

Das Problem ist ja, dass es mal ein Mensch war, den ich echt geliebt habe - diese Gefühle aber nicht mehr habe. Er hat mich sehr verletzt und das so oft, dass es nicht mehr zu kitten ist. Und ich glaube genau wegen dieser Emotionen stelle ich mich auch so an. Ich will nicht nochmal verletzt werden, auch wenn es nur durch sein arrogantes Verhalten ist. Trotzdem sind Konfrontationen immer mal wieder unumgänglich...

Und was ich mit der Taufe mache weiß ich ehrlich gesagt immer noch nicht. Mein Gefühl sagt "nein" - er hat null Bezug zu meinen Kindern, würde mir nur den Tag versauen. Mein Pflichtgefühl sagt "das kannst du nicht machen" #augen.

Beitrag von scrollan01 18.10.10 - 12:05 Uhr

Ganz einfach:

ihr ladet die Menschen ein zur Taufe, die wichtig für euch selber sind!

Dein Bruder wird NICHT informiert und gut ist!

Du steckst da noch ordentlich in dieser Verpflichtung als Familienmitglied drin, aber hier geht es um DEINE Familie und nicht um die gemeinsame mit deinem Bruder - sprich MUTTR.

Du hast KEINERLEI Verpflichtungen irgendjemanden gegenüber außer dienem Mann und deinen Kindern!

Es wird NICHT die Welt untergehen wenn Du das durch ziehst - es werden ein paar Worte an dich gerichtet werden, deine Mutter wird jammern, aber sie hat nunmal in dieser Angelegenheit nichts zu melden!

Lass den Kontakt einfach bleiben, dir geht es gut so!
Und deine Mutter muss für sich ihren Weg finden damit klar zu kommen - aber sie ist ja auch schon 3x7 Jahre alt und wird das mit Sicherheit verpacken!

Mach dich nicht irre wegen dem Spinner - lebe DEIN Leben!

LG