Von einer ehemaligen "Abtreiberin" und kurz darauf wieder schwanger...

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Forum: Ungeplant schwanger

Was ist, wenn eine Schwangerschaft überraschend und ungeplant kommt? Hier kannst du fragen, wie andere diese Situation bewältigt haben. Grundsatz-Diskussionen um das Thema Schwangerschafts-Abbruch sind allerdings besser im Forum "Allgemeines" aufgehoben.

Beitrag von TutnichtzurSache 17.10.10 - 12:25 Uhr

Gewordenen.

Hallo ihr alle zusammen.

Ich schreibe heute hier in schwarz weil ich

a) Anderen mit meiner Geschichte Mut machen möchte
b) es wohl irgendwo mal niederschreiben muss um es endlich zu verarbeiten.

Noch heute schießen mir Tränen in die Augen wenn ich Postings wie diese hier im Forum lese - weil ich mich in die Zeit damals zurückgesetzt fühle.

Meine Geschichte:

Im Januar 2006 stellte ich fest, dass ich schwanger bin. Meine Regel blieb aus, ich machte einen Test, so war es dann auch. Ich war damals schon in der 9. Woche, ging zum Frauenarzt, zur Schwangerschaftskonfliktberatung und 2 Wochen später hatte ich dann einen Termin zur Abtreibung was ich geschehen ließ. Ich war damals 19, gerade so mit der Lehre fertig, hatte mich von meinem Ex getrennt und war emotional sehr instabil. Im Großen und Ganzen habe ich die Abtreibung nicht bereut.

Nur: 1 Jahr später, im Januar 2007, stellte ich fest, dass ich wieder schwanger bin! #schock Ich hatte damals frisch eine neue Arbeitsstelle angetreten und schob die morgendliche Übelkeit auf das Neue, Aufregende. Meine Regel blieb nicht richtig aus, aber heute weiß ich, dass es eher Schmierblutungen (wie oft in der Schwangerschaft anfangs der Fall) waren. Ich verdrängte das Gefühl, den Gedanken, schwanger zu sein. Somit machte ich erst sehr spät einen Test und saß erst in der 13. Woche endlich beim Arzt, der dann die Schwangerschaft feststellte. Aus heutiger Sicht muss ich sagen "das war Schicksal". Das Schicksal hat mir die Entscheidung abgenommen nochmals diese schwere, quälende Entscheidung zu treffen, mein Baby zu töten.
Ich fragte mich sehr lange Zeit wie frau so dämlich sein und es zweimal hintereinander passieren kann. Irgendwann sagte mir dann eine Psychologin, dass es bei sehr vielen Frauen so ist. Unterbewusst wird die Abtreibung von "damals" versucht zu entschuldigen, wieder gutzumachen, indem man das zweite Kind dann bekommt.
Ich weiß noch wie ich mich damals fühlte, im Januar 2007. Mit meinem Freund kriselte es sehr, wir standen eigentlich kurz vor der Trennung. Ich wohnte in einer WG, die WG-Partnerin wollte ausziehen, ich hatte Schulden, mein Leben nicht im Griff. Es war die schlechtmöglichste Voraussetzung ein Kind in die Welt zu setzen. Aber mir blieb nichts Anderes übrig. Meine Eltern waren damals sehr geschockt, sie konnten sich nicht vorstellen schon Großeltern zu werden. "Du verbaust dir dein Leben!" bekam ich immer wieder zu hören. Ich war das schwarze Schaf der gesamten Familie, des ganzen Wohnortes, so kam es mir vor.
Ich zog dann wieder zu meiner Mutter zurück, raus aus der WG, trennte mich von meinem Ex endgültig. Lieber allein mit Kind als unglücklich in der Partnerschaft.

Und was soll ich sagen? In der Schwangerschaft noch bekam ich meine Schulden in den Griff, sortierte mein Leben. Ich wollte mein Kind nicht in dieses Chaos hineingebären. Und Monat für Monat kam die Freude, die Vorfreude, die Dankbarkeit ein gesundes Kind in mir zu tragen mehr.
Dann war sie da, ich war der glücklichste Mensch der Welt. #verliebt Sie war mein Baby und es war alles so richtig. Keine Spur mehr von Zweifeln, auch bei keinem in meinem Umfeld mehr (und die, die welche hatten, sagten es nicht).

Und heute? Meine Tochter ist drei Jahre alt, ich gehe seit über einem Jahr wieder arbeiten, wir wohnen zusammen in einer eigenen Wohnung. Die Großeltern sind sehr stolze, überglückliche Großeltern und reißen sich um ihr Enkelchen. Mein Leben ist geordnet, ich habe alles im Griff, ein gut erzogenes Kind. Ich weiß, dass mich sehr viele Menschen bewundern, wie souverän ich alles allein meistere. Wer hätte das vor fast vier Jahren erwartet bei dem ganzen Chaos?

Ich habe es geschafft und bin sehr stolz auf mich. Auch heute kommen immer noch die Zweifel, warum ich damals so dämlich war. Aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass es einfach alles genau so sein soll. Ohne die Abtreibung hätte ich heute mein wunderbares kleines Mädchen nicht und ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin. Wer weiß wie es wäre.. Besser, anders? Egal, GENAU SO SOLL ES SEIN! #herzlich

Beitrag von yasmin2101 17.10.10 - 13:28 Uhr

Hallo,

als ich mir dein Posting so durchgelesen habe ist mir eine Frage direkt in den Kopf geschossen...
Weißt du denn wie man verhütet? Wurdest du darüber aufgeklärt? (Das ist wirklich ernst gemeint!)

Denn sonst könnte ich mir deine Situation nicht erklären #kratz

LG
Yasmin

Beitrag von TutnichtzurSache 17.10.10 - 14:13 Uhr

Hallo Yasmin!

Die Frage ist durchaus berechtigt....
Beim "ersten Unfall" nahm ich noch keine Pille, da war es ein klassischer Kondomfehler (ist gerissen, was weiß ich..), beim "zweiten Unfall" nahm ich die Pille (kurz nach der Abtreibung verschrieben bekommen, eben dass sowas nicht mehr passiert), gleichzeitig zu der Zeit dann aber auch Antbiotika und ich hatte die Augen davor verschlossen, dass die Pille so nicht wirken kann. Heute glaube ich ja auch, dass es unterbewusste Absicht war!

Inzwischen habe ich ja auch drei Jahre lang schon wieder Sex (die Schwangerschaft zähle ich jetzt nicht mit) und es ist nichts mehr passiert. Heute nehme ich ganz normal die Pille, regelmäßig und ohne Einnahmefehler.

Also, Fazit: Ich wurde aufgelärt und wusste immer, was passieren kann. EIN Fehler kann passieren (Kondom), der zweite eigentlich nicht. Und ich bin mir auch sicher, dass mir das heute nicht wieder passieren würde.

LG, TNZS

Beitrag von yasmin2101 17.10.10 - 14:20 Uhr

Hey,

ah ok verstehe!

Naja die Hauptsache ist das du jetzt eine glückliche Mama bist :-D
Wünsche dir alles Gute und versuch das Negative hinter dir zulassen!

LG
Yasmin

Beitrag von charlotte24435 17.10.10 - 13:39 Uhr

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Du Dein Leben so gut in den Griff bekommen hast, dass Du eine süße kleine Tochter hast, wieder arbeiten kannst und Dein Leben meisterst.
Du hast nun am eigenen Leib erfahren, dass eine Abtreibung nicht nur mal so schnell zwischendurch geschieht. Aber Du konntest es nun endlich verarbeiten.
Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Freude mit Deiner Tochter.
Charlotte

Beitrag von TutnichtzurSache 17.10.10 - 14:17 Uhr

Hallo Charlotte!

Danke für deine lieben Worte.
Ich bin heute mit meinem Leben auch wirklich sehr glücklich.

Trotzdem bin ich mir manchmal nicht sicher, ob ich die Abtreibung wirklich verarbeitet habe. Es gibt da ein bestimmtes Lied, wenn ich das höre muss ich immer weinen. Mein erstes Kind wäre jetzt 4 Jahre alt und wenn ich 4-jährige Jungs sehe (ich bilde mir ein, es wäre einer gewesen) muss ich schon oft schlucken. Auch um die Adventszeit herum (da wurde ich schwanger, beide Male, und bin sowieso immer sehr sentimental) denke ich viel "was wäre wenn..". Aber ich kann mich eben durch die Gedanken an meine Tochter immer wieder schnell auffangen.
Videos von Babys in der 11. SSW kann ich mir zB gar nicht anschauen. Damals habe ich mich nicht so genau informiert, heute weiß ich, dass es ein fertiges Baby war, das ich da getötet habe. Diese Gedanken sind nicht immer leicht zu ertragen. Aber: Ich kann es so oder so nicht rückgängig machen. Ich kann nur dem Kind, was da ist alle Liebe geben und dafür sorgen, dass sie einen guten Start ins Leben hat. Mehr nicht.

LG, TNZS

Beitrag von interessiert nicht 17.10.10 - 15:02 Uhr

Hallo!


Du, mir ging es jetzt fast genauso.
War im November letztes Jahr schwanger. Habe aber abgetrieben, da ich da (heute auch noch) sehr mit Panikattacken zu kämpfen hatte.
Nun wurde ich im Juli wieder schwanger.
Dieses Mal wollte ich es aber behalten.
Leider verlor ich das Kind in der 10.SSW.
Ich mache mir jetzt natürlich Vorwürfe und sehe es als Strafe an.


Ich habe schon 2 gesunde Kinder. Daher weiß ich dass ich schwanger werden kann.
Aber da ich es im November nicht behalten wollte, durfte ich jetzt nicht. :-(

Beitrag von sunny22092001 17.10.10 - 16:15 Uhr

Hallo,
erst mal bewundere ich deinen Mut, deine Geschichte hier aufzuschreiben.
Ich bin nicht generell gegen Abtreibungen, aber auch nicht unbedingt dafür. Sicher gibt es Situationen in denen ein Kind so garnicht reinpasst, aber es gibt ja auch Verhütung. Ich persönlich könnte es nicht übers Herz bringen, ein Kind abzutreiben. Das sag ich jetzt. Wie es allerdings wäre, wenn ich in solch einer Situation wäre, wie du damals, wüßte ich nicht.
Da du es selber nicht bereut hast, denke ich, du hast damit abgeschlossen.
Alle, die sagen, hättest du mal verhütet, würde ich sagen, hab ich nicht und es war ein Fehler. Denn dann wäre es wahrscheinlich nicht so weit gekommen.
Freu dich, dass du jetzt eine wunderbare Tochter hast. Genau, wie in deinem letzten Satz geschrieben. Hättest du damals nicht abgetrieben, wäre jetzt dein kleines Mädchen nicht bei dir.
LG Susan:-)