Sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von später vielleicht 18.10.10 - 00:14 Uhr

Hallo,

ich würde gern von euch meine aktuelle Familien- und Paarsituation beurteilen lassen.

Also vorab: Wenn etwas unklar ist oder Fragen bestehen, gebe ich sehr gern Auskunft. Ich möchte ja Meinungen und erhoffe mir dadurch auch einen klaren Blick auf die Lage. Ich bin jedoch im Alltag sehr eingespannt und daher kann es mit den Antworten etwas dauern.

Vorgeschichte:

Ich habe meinen Freund kennen gelernt, als ich 18 und er 23 war. Wir hatten Höhen und Tiefen - aber eine stabile Beziehung.

Mit 21 wurde ich - gewollt - schwanger. Ich habe meine Berufsausbildung vorzeitig beendet (war schon vor der Schwangerschaft so geplant) und 4 Monate später ein gesundes Kind zur Welt gebracht - dachten wir.

Während meines Studiums hat unser Sohn mich meine ganze Kraft und Zeit gekostet. Mein Freund hat Vollzeit auf dem Bau geschuftet und war abends k.o.

Für Beziehung im engeren Sinn war kein Raum, weder real noch emotional.

Die Probleme mit unserem Spatz wurden aber schlimmer, vor allem als auch ich anfing Vollzeit zu arbeiten. Wir zogen in eine andere Stadt, er musste daher in einen anderen Kindergarten.

Heute wissen wir, unser Kleiner hat Autismus - Es ist Asperger und er macht super Fortschritte.

DAS ist ein Kampf - er hängt unheimlich an mir. Mein (jetzt) Mann und ich haben es so geregelt, dass ich das Meiste mit dem Kind mache, weil das eben klappt und er dafür im Haushalt einspringt.

Wir arbeiten beide Vollzeit - dann das Kind, der Haushalt. Einkaufen mit einem autistischen Kind ist ein Hürdenlauf.

Der Geräuschpegel bei uns ist dadurch einfach sehr hoch. Die Empfindlichkeitsgrenze dagegen sehr niedrig.

Wir waren teilweise mit den Nerven am Ende, aber es klappt. Seit einem halben Jahr etwa geht es stetig bergauf. Unser Sohn ist jetzt 4,5 Jahre alt.

ABER: Mein Mann und ich haben uns aus den Augen verloren. Wir machen nichts mehr gemeinsam, sind froh, wenn wir unsere Ruhe haben, gehen getrennt unserem Sport nach und ich bin sehr einsam.

Er ist auch einsam und wir beklagen uns beide, dass wir nichts mehr miteinander machen. Dann sehen wir uns an und widmen uns wieder unseren Hobbies.

Als es so eine richtig "schlimme" Familiensituation war, uns die Jobs und unser Kind einfach total überfordert haben, haben wir beschlossen, erst mal alles daran zu setzen, Stabilität in Lebensgrundlage (Jobs) und Lebensgrund (Familie und Kind) zu bringen. Wir haben nicht gestritten, nur weil wir überfordert waren.

Wir wollten uns durch sinnlose Streits nicht das Leben noch schwerer machen. Zur Inangriffnahme der Sanierung unserer Beziehung wollten wir abwarten, bis wir wieder mehr Kraft haben. Dafür hat es einfach lange nicht gereicht.

Jetzt ist es soweit.

Wir haben darüber gesprochen und wollen auch als Paar weiter zueinander halten und uns mehr umeinander kümmern.

Nur wie? Es ist, als hätte diese lange Entfremdungsphase so etwas wie Scham und na ja, Fremdheit zurückgelassen.

Wie lernen wir uns als Menschen wieder neu kennen?

Habt Ihr Tipps?

Vielen Dank auf jeden Fall schon mal für die Geduld beim lesen.

Diesen Beitrag zu verfassen, hat mir neuen Mut gemacht.

LG

Beitrag von besser jetzt 18.10.10 - 03:10 Uhr

Zuerst mal herzlichen Glückwunsch dazu, wie ihr das alles bis jetzt gemeistert habt!
Du bist jung Mutter geworden und ihr habt eure Probleme sehr erwachsen zu lösen versucht.
Ich rate euch zu einer Eheberatung/Paartherapie.
Eine Paarberatung geht für wenig Geld bis umsonst bei der Caritas oder ähnlichen Einrichtungen.
Eine Therapie würde ich bei einem ausgebildeten Therapeuten machen, in den caritativen Einrichtungen sind meist Psychologen beschäftigt, aber keine ausgebildeten Therapeuten, kostet viel, aber vielleicht benötigt ihr nicht sehr viele Stunden.
Aber vielleicht kann euch eine Beratung schon weiterhelfen, den Wald wieder zu sehen.

Ich wünsche euch alles Gute.

Beitrag von raena 18.10.10 - 12:46 Uhr

Ich rate euch auch zu einer Paarberatung/Therapie. Ihr habt die besten Voraussetzungen, ihr wollt beide als Paar zueinander finden und habt euch verlaufen. Ich denke ein aussenstehender Berater/Therapeut kann euch zeigen/helfen wir ihr euch im Wald wieder findet.

Darüber hinaus wäre es für euch als Eltern vermutlich sinnvoll nach einer Selbsthilfegruppe zu suchen. Denn geteiltes "Leid" ist halbes Leid und kann so zusätzlich helfen die "Paarsituation" zu entlasten.

LG