Familienfrust...Ausheulposting

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von besser so 18.10.10 - 08:44 Uhr

Hallo,

ich muss mich mal ausheulen. Es passt nicht in Partnerschaft, aber ich würde gerne schwarz schreiben.

Ich bin fast 28, habe studiert und arbeite seit kurzem. Ich habe eine Partnerschaft mit Höhen und Tiefen und komme mit meinem Leben eigentlich gut klar.

Nun ist es so, dass ich noch eine kleine Schwester habe, welche erst im zweiten Anlauf eher schlecht als recht den Hauptschulabschluss geschafft hat, eine Ausbildung abgebrochen hat. Nun hat sie zwar ne Ausbildung absolviert, aber nur 2 Jahre und in einem Beruf den sie nun an den Nagel hängen kann (sie ist 23). Sie hatte in ihrer Jugend probleme mit gewalttätigen Typen, hatte viele wechselnde Partner, nahm Drogen und hat eigentlich immer nur Probleme gehabt/gemacht. Meine Familie hat sich für sie den Allerwertesten aufgerissen und immer wieder die Kartoffeln aus dem Feuer geholt. Nie musste sie für irgendwas alleine gerade stehen. Dadurch dass sie immer nur Probleme hatte, hat sie die volle Aufmerksamkeit meiner Familie genossen. Ich lief quasi immer nebenbei. Ich krieg auch heute noch zu hören, wenn ich mich beschwere, dass sich mal keiner meldet, dass ich ja schon groß sei und bei mir ja alles läuft. Wenns anders wäre, würd ich mich schon alleine melden. Das macht mich ehrlich gesagt wahnsinnig sauer.
Ich habe meinen Eltern nie wirklich Probleme gemacht. Als ich mein Studium beendet habe, hab ich zu hören bekommen, dass man es eh nicht anders von mir erwartet hat. Das hat mich irre enttäuscht.

So, nun planen mein Freund und ich Nachwuchs...nächstes Jahr im Herbst soll es losgehen mit Üben...vorher können wir uns ein Kind nicht leisten.
Nun rief mich letzte Woche meine Schwester an...ich werde Tante. Ja, ganz toll. Freuen kann ich mich nicht. Sie ist noch so jung, mit einem Kind kann sie ihren Job vergessen, der Vater dazu will sie nicht und ein Kind schon gar nicht (hat schon eins und die beiden kennen sich seit 2 Monaten). Sie konnte sich bisher kaum um sich selbst kümmern...Miete hat Oma gezahlt, Lebensmittel mein vater...sie brauchte ihr gehalt für Disko, Friseur, Nagelstudio, etc. Wie will sie das mit nem Kind machen? Dazu kommt, dass sie absichtlich auf Verhütung verzichtet hat...es war also ihr Plan schwanger zu werden.
Meine Familie ist total aus dem Häuschen...alle freuen sich. Nur ich nicht und ich habe auch meine Meinung dazu gesagt und nun bin ich die Böse...nun meldet sich erst recht keiner mehr bei mir. :-( Aber sehe ich es echt so falsch, dass es absolut dämlich ist in so ner Situation ein Kind in die Welt zu setzen?
Und weils eh schon alles blöd ist, hat meine Oma nun angekündigt, nur noch meine Schwester zu unterstützen, ich würde ja nun selbst verdienen. Sie hat uns immer mal ein bißchen geld zugesteckt, aber immer gerecht verteilt.

Ich bin gerade total frustriert und traurig und sauer, weil meine Schwester mal wieder die volle Unterstützung der Familie hat und ich wieder der Depp bin. Kennt das vielleicht jemand und kann mir irgend nen Rat geben?

LG

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 09:37 Uhr

Moin,

ohne es böse zu meinen, aber dein Hauptproblem ist gerade die Eifersucht, würde ich mal behaupten.

Dieses ewig lange Aufzählen, was deine Schwester schon alles falsch gemacht hat im Leben. Und wie richtig du doch alles gemacht hast.

Du bist eifersüchtig auf die Schwangerschaft, die du selber anstrebst. Und du bist eifersüchtig auf die Unterstützung, die deine Schwester erfährt. Weißt du, es wird sich immer mehr um die gekümmert, die Sorgen bereiten.

Versuche doch erst mal Abstand zu nehmen davon, dass deine Vorstellungen fürs Leben auch die einzig richtigen sind für deine Schwester. Du musst nicht gut finden, was sie macht. Aber es ist ihr Ding. Ihr Leben.

Sie geht ihren Weg, wie auch immer der aussieht. Und du gehst den deinen. Freu dich doch einfach darüber, dass du diese Unterstützung so nicht notwendig hast. Das du dir eine solide Basis geschaffen hast. Allein (bzw. mit Partner).

Anstelle darüber zu hadern, wie ungerecht die Welt doch dir gegenüber ist, solltest du vielleicht mal darüber nachdenken, ob du dich nicht ein wenig darüber freuen kannst, dass deiner Schwester zur Abwechslung mal etwas Wunderbares widerfährt.

Gruß
p

Beitrag von anyanca 18.10.10 - 09:42 Uhr

#pro

Genauso hätte ich auch geantwortet!

LG
Lisi

Beitrag von besser so 18.10.10 - 09:52 Uhr

Hallo,

danke für deine Antwort. Ja, ich gebe zu, dass ich eifersüchtig bin. Ich finds halt einfach ungerecht. Sicher ists toll, dass ich auf die Unterstützung nicht angewiesen bin, aber es kommt ja nicht mal was von meiner Familie, wie z.B. das sie stolz sind oder so. Nö, es wurde erwartet, dass ich immer alles richtig mache und sonst nix.

Und nimms mir nicht übel, aber ich kann nicht ganz erkennen, was meiner Schwester gerade wunderbares widerfährt. Sie wird alleinerziehend sein, finanziell ewig vom Staat abhängig und von meiner Familie und ihren Job kann sie vergessen. Was ist daran schön? Wäre es wirklich aus versehen passiert hätte ich gedacht, ok ist es eben so, aber sie hat es auch noch mit Absicht gemacht.Und nun reißen sich wieder mal alle für sie den Allerwertesten auf. Es gibt kein anderes Gesprächsthema mehr in meiner Familie und ich werde noch doof angemacht weil ich mich nicht freuen kann.

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 10:05 Uhr

>>Sicher ists toll, dass ich auf die Unterstützung nicht angewiesen bin, aber es kommt ja nicht mal was von meiner Familie, wie z.B. das sie stolz sind oder so. Nö, es wurde erwartet, dass ich immer alles richtig mache und sonst nix. <<

Ja, das ist nicht schön, da hast du Recht. Hast du das deiner Ma oder deinem Pa irgendwann auch mal so, ganz in Ruhe gesagt? Viele Eltern vergessen, wie wichtig es ist, dem auch mal Ausdruck zu verleihen.

>>Und nimms mir nicht übel, aber ich kann nicht ganz erkennen, was meiner Schwester gerade wunderbares widerfährt. <<

Sie bekommt ein Kind, das ist immer etwas Wunderbares. Du strebst das doch selber an, also weißt du auch, wie besonders das ist. ;-)

Und egal, ob sie allein erziehend sein wird oder nicht, egal ob vom Staat abhängig oder nicht, wunderbar bleibt es trotzdem.

Außerdem warte doch erst mal ab. Viele Frauen reifen durch eine Schwangerschaft und Geburt enorm (ja, nicht alle, aber es besteht durchaus Hoffnung ;-)). Vielleicht wird sie die erste Zeit vom Staat abhängig sein. Vielleicht auch für immer, das wir die Zeit zeigen. Aber vielleicht gehört sie auch zu jenen, die durch das Kind endlich in Schwung kommen und Verantwortung für sich selbst und ihre Kinder übernehmen. Arbeiten kann man auch mit Kind. Sogar eine Ausbildung kann mit Kind machen (logischerweise, wenn man die entsprechende Unterstützung der Familie hat ;-)).

Auch wenn die Grundlagen nicht die sind, die du anstrebst oder die ich anstreben würde, trotzdem gibt es bald ein Kind, dass neues Leben in eure Familie bringt. Und das sich seine Situation nicht ausgesucht hat.

Ich kann gut verstehen, dass es dich nervt, dass es zurzeit kein anderes Thema für deine Familie gibt. Das ist das Los der anderen, wenn das erste Enkelkind unterwegs ist, ist leider häufig so.

Wenn es dir zu viel ist, zieh dich ein wenig zurück, aber klinke dich nicht ganz aus. Und stelle dir nebenbei die Frage, ob es dich auch so stören würde, wenn deine Schwangerschaft der Grund für dieses Dauerthema wäre.

Gibt dir ein wenig Zeit, dich mit diesem Umstand auseinanderzusetzen, dich an ihn zu gewöhnen. Du musst nicht in Jubelschreie ausbrechen, aber du solltest auch nicht versuchen, die Freude allen anderen madig zu machen.

Grüßle
p

Beitrag von frejas.sal 18.10.10 - 13:06 Uhr

Hier muss ich Einspruch einlegen. Mir ist es ähnlich ergangen – meine Eltern haben meiner Schwester, meinem ExSchwager und meinem Sohn unter die Arme gegriffen. Sie haben heute alle 3 ein eigenes Haus – ich lebe in einer Mietwohnung und meine Kinder müssen sich ein Zimmer teilen. Ihre Begründung war immer, dass ich ja alleine klar komme…ich habe ja Abitur….

Ich bin eifersüchtig, ja. Aber zu Recht. Es tut weh, übergangen zu werden. Aber nicht nur das. Es ist einfach ungerecht. Warum wird man ander behandelt, nur weil man sich Mühe gibt, kämpft, sich nicht hängen läßt? Fair ist was anderes. Ja, ich habe Abitur, habe brav meine Lehre gemacht, habe mich immer kaputt gearbeitet, um über die Runden zu kommen, weil sie das von mir erwartet haben und weil ich ihnen nicht auf der Tasche liegen wollte. Das ist Charaktersache. Meine Schwester und mein Sohn haben immer wieder dumme Fehler gemacht, sind den einfachen Weg gegangen, haben sich hängen lassen und sich bei meinen Eltern ausgejammert. Weil sie es können. Warum werden sie dafür belohnt? Warum sind sie arm und bedauernswert? Sorry, da läuft doch etwas arg schief.

Meine eigene Kinder erziehe ich anders. Ich unterstütze sie so lange, wie sie etwas tun, an ihrer Zukunft bauen. In dem Moment, wo sie sich hängen lassen können sie sich an Vater Staat wenden….das Geld, das ich mit harter Arbeit verdiene soll nicht dafür verwendet werden, sinnloses Herumhängen und Bocklosigkeit zu finanzieren und eine Lebenseinstellung zu unterstützen, die der Gesellschaft belastet und letztendlich dem Kind selbst schadet. Sie wissen das. Und sie lernen so, für sich selbst zu sorgen.

Manche Eltern – oder Grosseltern – machen sich echt keine Gedanken darüber, was sie da eigentlich anrichten….

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 16:23 Uhr

Hallihallo,

>>Hier muss ich Einspruch einlegen. Mir ist es ähnlich ergangen – meine Eltern haben meiner Schwester, meinem ExSchwager und meinem Sohn unter die Arme gegriffen. Sie haben heute alle 3 ein eigenes Haus – ich lebe in einer Mietwohnung und meine Kinder müssen sich ein Zimmer teilen.<<

Wie... haben deine Eltern diese Häuser bezahlt?

>>Ich bin eifersüchtig, ja. Aber zu Recht. Es tut weh, übergangen zu werden. Aber nicht nur das. Es ist einfach ungerecht.<<

Ja, ich habe ja auch nicht gesagt, dass es gerecht ist. Aber es ist immer wieder zu beobachten. Manchmal geschieht es bewusst, weil es ein "Lieblingskind" gibt, meistens jedoch merken die Eltern das gar nicht.

Hast du das denn mal bei deinen Eltern angesprochen? Wie haben sie reagiert?

>>Warum wird man ander behandelt, nur weil man sich Mühe gibt, kämpft, sich nicht hängen läßt? Fair ist was anderes. Ja, ich habe Abitur, habe brav meine Lehre gemacht, habe mich immer kaputt gearbeitet, um über die Runden zu kommen, weil sie das von mir erwartet haben und weil ich ihnen nicht auf der Tasche liegen wollte.<<

Hier liegt vielleicht der Unterschied zwischen uns beiden. ;-) Ich betrachte es für mich nicht als negativ "sich Mühe zu geben, zu kämpfen, sich nicht hängen zu lassen, brav seine Lehre zu machen" etc.pp.

Ich mach das ja für mich (und meine Lieben). Ich genieße meine Unabhängigkeit und bin froh, sagen zu können, da wo ich bin, bin ich durch eigene Kraft, nicht weil Mami und Papi es mir hinterher getragen haben.

>>Meine Schwester und mein Sohn haben immer wieder dumme Fehler gemacht, sind den einfachen Weg gegangen, haben sich hängen lassen und sich bei meinen Eltern ausgejammert. Weil sie es können. Warum werden sie dafür belohnt? Warum sind sie arm und bedauernswert? Sorry, da läuft doch etwas arg schief. <<

Auch wenn es sich für dich so anfühlt, deine Eltern haben das sicher nicht gemacht, um deine Schwester und deinen Sohn zu "belohnen", sondern "Damit das arme Mädchen, der arme Bursche es nicht so schwer hat im Leben (o.Ä.)". Sie haben es gut gemeint. Womit wir wieder beim Thema wären "Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint". ;-)

Dennoch ist meine Haltung dazu eine andere. Mein Bruder, der inzwischen deutlich auf die 30 zugeht, wohnt seit einigen Jahren nach einem "kurzen Fluchtversuch" ;-) wieder zu Hause. Seine erste Ausbildung ist abgeschlossen, dennoch konnte er sich eine Weile lang nicht so recht entscheiden, wie es mit ihm weitergehen soll, dann hat er sich für ein Studium entschlossen.

Mein Vater finanziert ihm seinen kompletten Lebensunterhalt, mit allem Drum und Dran, was mein Bruder so zum Leben braucht. Und weiß du was... ich freu mich drüber. Ich freue mich, dass mein Vater meinem Bruder das so ermöglicht.

Mein anderer (Halb-)Bruder kam mit Mitte 30 auf die Idee, jetzt studieren zu wollen, nachdem alle anderen beruflichen Versuche vorher ziemlich erfolglos waren. Auch den hat mein Vater unterstützt. Und auch da fühle ich mich nicht übergangen/ungerecht behandelt.

Ob es sich am Ende gelohnt hat, kann man noch nicht sagen. Bruder I studiert noch, was dann kommt... who knows... Und Bruder II hat sein Studium geschmissen, dann irgendwo gearbeitet, die Firma ist wohl in Konkurs gegangen, dann hat er eine Ausbildung versucht, die Firma ist auch wieder in Konkurs gegangen, jetzt will er sich wohl selbständig machen... man wird sehen.

Egal jedenfalls, ob sie am Ende was aus dem investierten Geld gemacht haben oder nicht… das berührt mich höchstens insofern, als dass ich mir für beide wünschen würde, dass sie endlich „ihre“ Jobs finden.

>>Meine eigene Kinder erziehe ich anders. Ich unterstütze sie so lange, wie sie etwas tun, an ihrer Zukunft bauen. In dem Moment, wo sie sich hängen lassen können sie sich an Vater Staat wenden….das Geld, das ich mit harter Arbeit verdiene soll nicht dafür verwendet werden, sinnloses Herumhängen und Bocklosigkeit zu finanzieren und eine Lebenseinstellung zu unterstützen, die der Gesellschaft belastet und letztendlich dem Kind selbst schadet. Sie wissen das. Und sie lernen so, für sich selbst zu sorgen. <<

Ähm... *Hüstel, Hüstel* Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber so ganz scheinbar ja nicht, sonst hätte ja dein Sohn (schreibst du ja die ganze Zeit) nicht den Weg zu deinen Eltern gewählt. ;-)

Na ja, vielleicht liegt es tatsächlich einfach an meiner Einstellung zu diesen Dingen, dass ich grundsätzlich sehr zufrieden mit meinem Leben bin. Ich weiß ganz genau, wenn es darauf ankäme, würde mein Vater auch mich unterstützen. Aber ich brauche es einfach nicht. Ich freu mich darüber.

Und ich finde, bevor man seine Energie dafür vergeudet, anderen etwas zu neiden, seine Zeit damit verbringt mit dem Leben zu hadern, weil man sich ungerecht behandelt fühlt, sollte man sich auf das besinnen was man selbst geschaffen hat und das einfach genießen. :-)

Grüßle
p

Beitrag von frejas.sal 18.10.10 - 17:39 Uhr

Whoa...OK, ich versuche, kurz und knackig zu antworten....


>>Hier muss ich Einspruch einlegen. Mir ist es ähnlich ergangen – meine Eltern haben meiner Schwester, meinem ExSchwager und meinem Sohn unter die Arme gegriffen. Sie haben heute alle 3 ein eigenes Haus – ich lebe in einer Mietwohnung und meine Kinder müssen sich ein Zimmer teilen.<<

"Wie... haben deine Eltern diese Häuser bezahlt?"

Zum Teil - die Anzahlung und einige Renovierungen.

>>Ich bin eifersüchtig, ja. Aber zu Recht. Es tut weh, übergangen zu werden. Aber nicht nur das. Es ist einfach ungerecht.<<

"Ja, ich habe ja auch nicht gesagt, dass es gerecht ist. Aber es ist immer wieder zu beobachten. Manchmal geschieht es bewusst, weil es ein "Lieblingskind" gibt, meistens jedoch merken die Eltern das gar nicht. Hast du das denn mal bei deinen Eltern angesprochen? Wie haben sie reagiert?"

Meine Eltern merken es sehr wohl. Weil ich es ihnen gesagt habe.
Ihre Antwort war: du kommst ja klar - wenn nicht, gibt es doch
sicherlich staatliche Hilfe.


>>Warum wird man ander behandelt, nur weil man sich Mühe gibt, kämpft, sich nicht hängen läßt? Fair ist was anderes. Ja, ich habe Abitur, habe brav meine Lehre gemacht, habe mich immer kaputt gearbeitet, um über die Runden zu kommen, weil sie das von mir erwartet haben und weil ich ihnen nicht auf der Tasche liegen wollte.<<

"Hier liegt vielleicht der Unterschied zwischen uns beiden. Ich betrachte es für mich nicht als negativ "sich Mühe zu geben, zu kämpfen, sich nicht hängen zu lassen, brav seine Lehre zu machen" etc.pp.

Ich mach das ja für mich (und meine Lieben). Ich genieße meine Unabhängigkeit und bin froh, sagen zu können, da wo ich bin, bin ich durch eigene Kraft, nicht weil Mami und Papi es mir hinterher getragen haben. "

Genau so denke und handele ich auch. Dennoch habe ich viele Jahre an der Armutsgrenze gelebt - alleinerziehend, kein Unterhalt, Vollzeitjob - und gekämpft. Mein täglich Brot waren Kopfschmerzen und Erschöpfung - und von meinen Eltern kam.....nichts. Nur dumme Sprüche und Herablassung. Man soll mit dem zufrieden sein, was man hat, wurde mir gesagt, als ich mal sagte, ich habe mir mein Leben ein wenig leichter vorgestellt.

>>Meine Schwester und mein Sohn haben immer wieder dumme Fehler gemacht, sind den einfachen Weg gegangen, haben sich hängen lassen und sich bei meinen Eltern ausgejammert. Weil sie es können. Warum werden sie dafür belohnt? Warum sind sie arm und bedauernswert? Sorry, da läuft doch etwas arg schief. <<

"Auch wenn es sich für dich so anfühlt, deine Eltern haben das sicher nicht gemacht, um deine Schwester und deinen Sohn zu "belohnen", sondern "Damit das arme Mädchen, der arme Bursche es nicht so schwer hat im Leben (o.Ä.)". Sie haben es gut gemeint. Womit wir wieder beim Thema wären "Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint". "

Richtig :-D

"Dennoch ist meine Haltung dazu eine andere. Mein Bruder, der inzwischen deutlich auf die 30 zugeht, wohnt seit einigen Jahren nach einem "kurzen Fluchtversuch" wieder zu Hause. Seine erste Ausbildung ist abgeschlossen, dennoch konnte er sich eine Weile lang nicht so recht entscheiden, wie es mit ihm weitergehen soll, dann hat er sich für ein Studium entschlossen.

Mein Vater finanziert ihm seinen kompletten Lebensunterhalt, mit allem Drum und Dran, was mein Bruder so zum Leben braucht. Und weiß du was... ich freu mich drüber. Ich freue mich, dass mein Vater meinem Bruder das so ermöglicht."

Damit finanziert er ihm ja auch etwas positives, etwas handfestes - und nicht, dass er nur rumhängt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.


>>Meine eigene Kinder erziehe ich anders. Ich unterstütze sie so lange, wie sie etwas tun, an ihrer Zukunft bauen. In dem Moment, wo sie sich hängen lassen können sie sich an Vater Staat wenden….das Geld, das ich mit harter Arbeit verdiene soll nicht dafür verwendet werden, sinnloses Herumhängen und Bocklosigkeit zu finanzieren und eine Lebenseinstellung zu unterstützen, die der Gesellschaft belastet und letztendlich dem Kind selbst schadet. Sie wissen das. Und sie lernen so, für sich selbst zu sorgen. <<

"Ähm... *Hüstel, Hüstel* Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber so ganz scheinbar ja nicht, sonst hätte ja dein Sohn (schreibst du ja die ganze Zeit) nicht den Weg zu deinen Eltern gewählt. "

Sie haben ihn grossgezogen - lange Geschichte, die ich jetzt gerne umgehen würde....

"Na ja, vielleicht liegt es tatsächlich einfach an meiner Einstellung zu diesen Dingen, dass ich grundsätzlich sehr zufrieden mit meinem Leben bin. Ich weiß ganz genau, wenn es darauf ankäme, würde mein Vater auch mich unterstützen. Aber ich brauche es einfach nicht. Ich freu mich darüber. "

ich denke, hier liegt des Pudels Kern. Du bist zufrieden mit deinem Leben und weisst, dass deine Eltern dir auch helfen würden, wenn du es nötig hättest. Genau das ist nämlich das, was bei mir nicht der Fall ist. Als ich so wenig Geld hätte - trotz 2 Jobs - weil ich Schulden, mit denen mein Exmann mich hinterlassen hatet, abzahlen musste - und ich meinen Kindern nicht mal Winterjacken kaufen konnte haben sie mir gesagt, ich hätte ihn ja nicht verlassen sollen.

"Und ich finde, bevor man seine Energie dafür vergeudet, anderen etwas zu neiden, seine Zeit damit verbringt mit dem Leben zu hadern, weil man sich ungerecht behandelt fühlt, sollte man sich auf das besinnen was man selbst geschaffen hat und das einfach genießen. "

Normalerweise ja und mittlerer Weile habe ich mich dazu distanziert. Dennoch ist es schwer, wenn einem so etwas widerfahren ist, es einfach in die Schublade zu legen und so zu tun. als wäre nie etwas gewesen. Der Kummer und die Enttäuschung, den ich damals ausgestanden habe vergesse ich nie.

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 18:51 Uhr

Entschuldige, ich glaube, das war die längste Antwort, die ich jemals hier geschrieben habe. #hicks

Also wenn meine Eltern mir so direkt ins Gesicht gesagt hätten, dass sie sich für meine Unterstützung nicht zuständig fühlen, während sie in meine Schwester und meinen Sohn munter das Geld in die Taschen pumpen, dann hätte ich mich auch ungerecht behandelt gefühlt und würde es meiner Familie übel nehmen. Da kann ich dich absolut verstehen.

>>Der Kummer und die Enttäuschung, den ich damals ausgestanden habe vergesse ich nie. <<

Vergessen musst du ihn auch nicht. Aber einen Weg finden, für dich trotzdem zufrieden zu leben. #blume

Beitrag von frauke131 18.10.10 - 09:51 Uhr

Ich verstehe Dich! Deine Schwester wird für ihre Unfähigkeit, ihr Leben zu meistern, belohnt. Du wirst "bestraft" dafür, dass Du alles allein auf die Reihe bekommst.
Ich verstehe, das Deine Familie Deine Schwester nicht hängen lassen will, aber manchmal ist es gerade das, was solche Menschen brauchen, um zu sehen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Das haben Deine Eltern sicher von Anfang an versäumt, sonst wäre sie nicht so gescheitert.
Sowohl Du als auch Deine Schwester müssen die Fehler Deiner Eltern ausbaden.

Lass Dich nicht so runterziehen. Wenn es Dir besser geht, zieh Dich zurück, konzentriere Dich auf Deine Arbeit und Deinen Freund, geh Deinen Weg weiter.

Beitrag von jokennich 18.10.10 - 10:03 Uhr

Kenn ich gut, mein Bruder war auch so einer mit Problemen, keiner hat mir zugehört bis der Schock kam und ich vor lauter mobbing auf dem Arbeitsplatz meine Ausbildung abgebrochen habe....Warum haben sie mich gefragt, gesagt hab ich nichts.....Warum auch? Es hat bis dato keinen Interessiert wie es läuft allso braucht niemand wissen wie es weiter geht.....Ich ignoriere meinen Burder der bis heute nichts gebacken bekommt, es bringt nichts. Er ist agressiv arbeitet nur sporadisch rennt wunschträumen hinterher die meine Eltern auch noch unterstützen aber sich aufregen. Tja....#winke

Beitrag von anyca 18.10.10 - 11:13 Uhr

Ein Kind ist keine "Belohnung" dafür, im Leben alles nach Plan gemacht zu haben.

Klar ist ihre Situation nicht die idealste, aber um so mehr ist das Kind (!!!) doch darauf angewiesen, daß die Großeltern sich freuen und Unterstützung anbieten können.

Krieg Du bald Dein Kind und freu Dich, daß es einen Cousin oder eine Cousine haben wird.

Ich wünsche Dir und Deiner Schwester, daß die Mutterschaft Euch einander wieder näher bringt, statt zu Eifersucht zu führen.#klee

Beitrag von badguy 18.10.10 - 11:16 Uhr

Geschwisterneid, mehr fällt mir dazu nicht ein. Ein ganz normaler Konflikt, wenn einer oder mehrere nicht in der Lage sind, sich zu lösen, abzunabeln.

Konträrer könnten eure Standpunkte nicht sein. Da bist du, wohlüberlegt, organisiert und schon fast die eigene Beerdigung geplant und da ist deine Schwester, die das Prinzip verinnerlicht: Sorge dich nicht, lebe!

Weißt du, ich bin an der Stelle wie du und manchmal beneide ich die Menschen wie deine Schwester auch. Sage mir ziemlich oft, dass 90 % aller Zukunftssorgen vergebens sind, weil es eh anders kommt.

Aber bekommst du von keinem was, brauchst du zu keinem Danke zu sagen und es ist doch ein geiles Gefühl, zu wissen, man hat sein Leben im Griff. Ne Kollegin von mir hat ihren 3er BMW zu klump gefahren. Eine Woche später stand ein neuer vor der Tür. Mama und Papa haben es ja. Meine Ex sagt immer, ihre Eltern würden lieber mit warmen als mit kalten Händen geben. Für das Materielle mag das immer stimmen. Aber irgendwann packt, man könnte auch sagen fickt, das Leben dich nicht vorne, sondern von hinten. Dann bist du selbst gefordert, deine persönlichen Qualitäten und dann schlägt deine Stunde.

Neid ist ein scheiß-Gefühl und macht hässlich. Sicher mag das, was passiert, ungerecht sein aber du bist auf der sicheren Basis und auf Dauer zahlt sich ein solides Fundament aus.