Wie mit diesem Schmerz umgehen??

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von traenenreich2010 18.10.10 - 10:39 Uhr

Hallo zusammen,

ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, weil ich gerade im totalen Gefühlschaos stecke!

Zur Vorgeschichte: Mein Mann ist mir fremd gegangen. Es kam aus der damaligen Situation heraus. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich ihn noch liebe und er hat sich einer anderen Frau anvertraut. Wie das dann häufig so ist, hat sie ihn in allen Dingen verstanden und hat ihm das Gefühl gegeben wieder "begehrt" zu werden. So kam eines zum anderen und die Bombe kam kurze Zeit später zum platzen!

Mittlerweile ist ein 3/4 Jahr vergangen und ich habe das Gefühl, dass ich mich nur im Kreis drehe und keinen Schritt weiter gekommen bin. Dieser Schmerz holt mich immer wieder ein und ich weiß langsam nicht mehr wie ich damit umgehen soll. Dieses Thema beherrscht meinen Alltag und schrenkt mich in vielen Dingen ein. Ich will das nicht, aber ich kann mich gegen meine Angst und Verletztheit nicht wehren, so sehr ich es auh versuche!
Ist mein Mann zu Hause, also bei mir, ist alles gut. Die Beziehung hat sich schon sehr verändert (zum positiven), aber sobald er wieder arbeiten ist (SIE ist eine Arbeitskollegin), spielen sich in meinem Kopf "Horrorszenarien" ab und ich werde wahnsinnig vor Unsicherheit, Wut und Schmerz.

Ich sehe es eigentlich als eine Art wach rütteln, aber der Schmerz durch den Vertrauensbruch vergeht überhaupt nicht und ich stelle mich sehr häufig die Frage WAS ich tun kann, damit ich mit der Sache besser umgehen kann!?

Beitrag von milka700 18.10.10 - 10:49 Uhr

Wenn die Kollegin eine "Granate" wäre, dann würde er jetzt bei ihr wohnen.
Männer sind da recht simpel. Die bleiben da, wo es mehr Sicherheit gibt - evtl. ist diese Kollegin ja schon ziemlich durchgereicht worden.
So wie sich das anhört, solltet ihr einen "Punkt setzen" und ganz neu anfangen. Und wenn er sagt, das war ne einmalige Sache, dann kannst du nicht mehr als ihm glauben.
Arbeite an deinem Selbstbewusstsein und überlege, warum du mit deinem Mann zusammen bist. Ich glaube, dass es da viel mehr Zweifel gibt.

Beitrag von lichtchen67 18.10.10 - 11:41 Uhr

Und wie geht Dein Mann damit um?

Wenn man das liest hört es sich an, als entschuldigst Du "seine Taten" und nimmst fast die Schuld auf Dich, dass er "Dir" fremdgegangen ist, weil der Arme da so reingerutscht ist..... Völlig verkehrt meiner Meinung nach.

Wie Du diese Szenen loswerden kannst ist schwierig, der einen gelingt es, der anderen nie. Ich habe es einmal versucht mit so einem Vertrauens-Missbrauch umzugehen, das ist heute mein Ex. Noch einmal würde ich mir so etwas nicht antun und direkt gehen.

Man rutscht da nicht so einfach rein und eines kommt zum anderen..... das ist eine verharmlosung, den Mann hat Dich betrogen, weil er es in dem Moment wollte.

Lichtchen

Beitrag von traenenreich2010 18.10.10 - 11:52 Uhr

nein, versteh meine zeilen nicht falsch. ich will für nichts die schuld auf mich nehmen!

meinst du nicht, dass man manchmal in etwas hinein rutscht, ohne es zu merken?!
für den betrug muss ganz allein er gerade stehen, aber für die "ausganssituation" sind wir beide verantwortlich. hätten wir geredet, wäre es wohl nicht so weit gekommen. ändern kann es jetzt niemand mehr.

wie mein mann damit umgeht?
ich merke das es ihn sehr belastet. die ganze situation ist alles andere als einfach und er muss wirklich viel aushalten. er hat geduld und steht mir immer wieder rede und antwort. den kontakt zu ihr hat er abgebrochen bzw. ihre kommunikation dreht sivch nur noch ums berufliche!
er gibt sich alle mühe, um zu zeigen wie wichtig ich ihm bin, aber ich kann ihm immer wieder aus allem einen strick drehen

Beitrag von lichtchen67 18.10.10 - 12:04 Uhr

Sicher sind an der Ausgangssituation beide schuld, nur ist die Lösungsstrategie "ich poppe mit ner anderen" die falsche ;-). Wie Du sagst, hätten wir geredet, wäre es nicht so weit gekommen....

Ich kann wirklich nachvollziehen, das man in so eine Situation hineinrutscht, da ist jemand, der mich bewundert, Schmetterlinge fliegen wieder, alles nachvollziehbar. Passiert das, sollte ich jedoch meine Beziehung hinterfragen und nicht meinen Dödel auspacken. Da hört das Verständnis dann auf.

Dein Mann scheint sich ja gut und fair zu verhalten, jetzt. immerhin. Aber wie gesagt, eine lösung für Dich zu finden ist schwierig, entweder Du "gewöhnst" dich an die Situation wie sie ist und findest langsam wieder Vertrauen oder nicht.

Lichtchen

Beitrag von traenenreich2010 18.10.10 - 12:17 Uhr

"Ich kann wirklich nachvollziehen, das man in so eine Situation hineinrutscht, da ist jemand, der mich bewundert, Schmetterlinge fliegen wieder, alles nachvollziehbar. Passiert das, sollte ich jedoch meine Beziehung hinterfragen und nicht meinen Dödel auspacken. Da hört das Verständnis dann auf"

so in etwa habe ich auf die Frage, bis wohin ich das Verhalten meines Mannes "verstehen" kann auch geantwortet! Wir sind in Paartherapie und ich sollte mich beim letzten Mal in die Lage hinein versetzen in der mein Mann sich damals befand.

Ohne das jetzt "schön" reden zu wollen, glaube ich das es auch etwas "gutes" hatte. ICH bin mir darüber im klaren geworden das ich meinen Mann doch noch liebe und wir beide haben daraus gelernt zu reden!

TROTZDEM ist der Schmerz ja da und das macht mich wahnsinnig! Ich würde nur zu gerne dagegen angehen, aber es funktioniert nicht. Egal was ich anstelle, dieses Thema schwirrt immer in meinem Kopf herum und ich frage mich wann das endlich ein ende hat!

Beitrag von ichkennedasauch 18.10.10 - 12:25 Uhr

Hallo,

ich weiss genau wie du dich fühlst :-(
Ich bin in genau der gleichen Lage wie du, auch wir hatten eine sehr schlechte Zeit in unserer Ehe (verflixte 7.Jahr), haben nur gestritten , uns böse Dinge an den Kopf geworfen, ich war zu dem Zeitpunkt mit unserem 3.Kind schwanger, und da muss er schon Mail-Kontakt zu dem Mädchen gehabt haben ......

Das darauffolgende Jahr haben die beiden sich immer wieder getroffen, aber ich habe davon nichts mitbekommen, mein Kleiner war ein Schreibaby, ich lief auf dem Zahnfleisch, war so beschäftigt,dass ich es nicht merkte ;((((

Irgendwann kam ich auf die Idee seine Emails zu lesen, und da sah ich ihre Mails.....er stritt lange Zeit alles ab, ich fand noch mehr Beweise, und dann gab er es endlich zu, er meinte allerdingst, dass sexuell nichts lief, es nur eine FLucht war, NAJA, das kann ich glauben oder auch nicht.

Ich musste eine zeitlang Antideppressiva nehmen, sonst hätte ich den Schmerz nicht ausgehalten, und auch heute noch, 1,5 Jahre nach dieser Zeit, tut es immernoch weh, ich halte es ihm manchmal noch vor, sie wohnt hier bei uns im Ort, arbeitet in einem LAden in einer Stadt, wo wir manchmal vorbeilaufen, sie ist also auch bei uns immer präsent.

Ich weiss nicht, wie ich mit dem Schmerz leben kann, er ist jeden Tag da, er lähmt mich beim Einkaufen, bei Arztbesuchen, bei Elternabenden, ich bin nicht mehr die Selbe, fühle mich gebrochen, ausgelaugt, ja Verarscht.

Ich kann nicht mehr richtig lachen, freue mich nicht mehr , es gibt Tage, da ist alles gut, und die Liebe ist da, aber dann reissen die Wunden wieder auf ,und es tut nur noch weh #schmoll

Manchmal denke ich auch, ob unsere Beziehung noch einen Sinn hat?
Ich wünsche mir oft, einfach mal für 2 Wochen alleine wegzufahren, um den Kopf frei zu haben, aber mit drei Kindern geht das nicht, man muss funktionieren, und kann sich nicht erholen.

Ich wünsche Dir echt alles erdenklich Gute, ganz viel Kraft, ich weiss genau wie es ist, und kann dir auch nicht wirklich einen Tip geben, denn ich suche auch noch ...

Beitrag von traenenreich2010 18.10.10 - 12:31 Uhr

Klingt sehr ähnlich wie bei uns, nur das das meiste negative von mir aus kam :-( ich habe ihn beschimpft, hatte immer etwas zu meckern, obwohl es gar keinen Grund dafür gab und zu guter Letzt habe ich ihn dann links liegen lassen, wollte nur noch ohne ihn sein und das habe ich ihn auch spüren lassen. Ich war ebenfalls schwanger zu der Zeit und das hat das Ganze natürlich noch schlimmer für mich gemacht, weil ich gar nicht mehr wusste wo mir der Kopf steht... ich war so durcheinander mit meinen Gefühlen, konnte nichts mehr zuordnen und dann kam diese Unsicherheit, ob ich meinen Mann noch liebe oder nicht.

die Frage, ob unsere Beziehung noch einen Sinn hat, stele ich mir beinahe täglich.

Bei mir gibt es durchaus auch wirklich gute Tage, wo ich mir sage "ach komm, es ist passiert und es war vielleicht auch ganz gut so, denn jetzt läuft unsere Ehe besser als zuvor" aber am nächsten Tag bin ich dann wieder pessimistisch ohne Ende und stelle alles in Frage. Dieses hin und her nervt mich selber, aber es ist eben so.

Beitrag von badguy 18.10.10 - 12:44 Uhr

An der Stelle würde mich mal interessieren wo der Part deines Mannes gelegen hat. Es gehören zwei dazu, das ist meine feste Überzeugung. Wenn du jetzt meckerst und später sagst, eigentlich gab es keinen Grund dazu, gab es den Grund im Moment des Meckerns ja doch.

Du schreibst, du bist schwanger gewesen. Auch wenn ne Schwangerschaft keine Krankheit ist und auch kein Grund, sich alles zu erlauben, ist sie ja schon ein Ausnahmezustand, in dem man sich als Frau doch mehr Unterstützung erhofft und gleichermaßen gesteigert empfindsam ist. Kein Betrug ohne Gegenbetrug. Sein körperlicher Betrug ist offensichtlich aber wo hat er Betrug empfunden? Was war es genau.

Auch unter der Prämisse, dass du jetzt sagst, du hast deinen Part dazu beigetragen, löffelt ihr ja zur Zeit gleichermaßen gemeinsam eine Suppe aus, die ihr euch zummen eingebrockt habt.

Ich persönlich kann mich über meine eigenen Fehler am meisten ärgern, die vergesse ich auch so schnell nicht. Wo aber ist der Punkt, der dich jetzt immer wieder innehalten lässt, dir an manchen Tagen sagt, nee, ich will so nicht weiter machen.

Beitrag von traenenreich2010 18.10.10 - 12:59 Uhr

Ich glaube man kann nicht sagen das er Betrug empfunden hat. Er war einfach verletzt, weil er von mir nichts mehr von Liebe spürte. Laut seiner Aussage hatte er das Gefühl nicht mehr geliebt zu werden. Egal was er getan hat, es war immer falsch in meinen Augen, seine Anwesenheit alleine hat gereicht, um mir schlechte Laune zu bereiten. Ich denke das hat er auch gemerkt und irgendwann hat auch er sich komplett zurückgezoge. Wir haben eigentlich nur noch nebenher gelebt.

Wo der Punkt ist, der mich immer wieder zweifeln lässt, weiß ich leider auch nicht!

Beitrag von petra60 22.10.10 - 02:18 Uhr

Diesen Schmerz kann ich sehr gut nachempfinden. Der geht auch nicht von heute auf morgen weg, aber er geht, wenn du dich ihm stellst.
Ich habe das Thema in einem Buch verarbeitet. Wenn du magst, kannst du ja mal schauen http://www.petra-dirkes.de
Es tut immer gut, wenn man hört oder liest, dass es anderen ähnlich ergeht und wie sie damit umgehen.

Sei stark, du schaffst das.#liebdrueck

Lieben Gruß