Weiß ein Strafverteidiger...

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Beitrag von erdbeerblond 18.10.10 - 11:08 Uhr

Hallo,

...eigentlich immer die Warheit über das begangene oder nichtbegangene Verbrechen seines Mandanten bescheid? Ich hab gestern noch mal etwas über den Fall Kachelmann gelesen und irgendwie kam mir der Gedanke, ob sein Verteidiger die Wahrheit weiß oder wie läuft das ab? Nicht nur bei diesem Fall, im Allgemeinen, da wo Aussage gegen Aussage steht... Ich weiß, komische Frage, aber es beschäftigt mich.

LG

Beitrag von lena1309 18.10.10 - 11:18 Uhr

Hallo,

ja die wissen ziemlich genau, was ihr Mandant gemacht hat oder auch nicht. Sonst können sie keine vernünftige Verteidigung aufbauen und stehen im Gericht plötzlich ganz doof dar, wenn die Beweise vorgelegt werden.
Jedenfalls kenne ich das so bei vernünftigen Strafverteidigern. Sie müssen ja wissen, ob die Strategie auf Freispruch hinauslaufen soll oder ob es um Schadensbegrenzung geht. Da muss man ja die Tat und das Strafmaß kennen.
Aber es ist immer möglich, dass der Mandant lügt und er ist ja schließlich auch der einzige, der das im Gerichtsverfahren darf.

Aber erfahren wird man es bei Kachelmann und den anderen nicht, denn auch Anwälte haben Schweigepflicht.

Schöne Woche
Meike

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 12:29 Uhr

>>Aber es ist immer möglich, dass der Mandant lügt und er ist ja schließlich auch der einzige, der das im Gerichtsverfahren darf. <<

Falsch. Lügen "darf" keiner vor Gericht. Er kann die Aussage verweigern, wenn er sich selbst belasten würden, das ist aber auch schon alles.

Gruß
p

Beitrag von demy 18.10.10 - 14:27 Uhr

Ein Angeklagter darf lügen dass sich die Balken biegen!

Woher hast du den Nonsens dass er nicht lügen darf?

Ein Zeuge ist zur Wahrheit per Gesetz verpflichtet, ein Angeklagter nicht.
Ein Angeklagter kann für das Lügen nicht bestraft werden.

Dass sich das lügen zum Nachteil beim Strafmaß zur Haupttat auswirkt wenn ihm das Gegenteil bewiesen wird ist klar, hat aber nichts damit zu tun, dass das lügen nicht strafbar für den Angeklagten ist.

Gruß
Demy

Beitrag von pupsismum 18.10.10 - 15:19 Uhr

Da ich mich immer wieder gerne eines Bessern belehren lasse:

Wo wird es einem Beklagten ausdrücklich erlaubt, vor Gericht zu lügen? In welchem §?

Auch wenn es nicht der Weisheit letzter Schluss ist... Wikipedia sagt das dazu:

>>Ein Beschuldigter oder Zeuge, der vor Gericht, der Staatsanwaltschaft oder vor der Polizei lügt, kann deshalb bestraft werden, wenn er dadurch tatbestandsmäßig eine Begünstigung i. S. v. § 257 StGB, das Vortäuschen einer Straftat i. S. v. § 145d StGB oder eine Falsche Verdächtigung i. S. v. § 164 StGB begeht. Führt die falsche Aussage für den Zeugen oder Beschuldigten vorhersehbar zur Festnahme einer Person, so macht er sich der Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) durch mittelbare Täterschaft (§ 25 Abs. I 2. Alt. StGB) strafbar.<<

http://de.wikipedia.org/wiki/Vernehmung#Wahrheitsgehalt

Was nur den Beschuldigten selber anbelangt: Es wird vielleicht das Lügen an sich nicht bestraft, aber im Falle dessen, dass er dabei erwischt wird, wirkt sich das für sein zu erwartendes Strafmaß nicht gerade begünstigend aus.

Gruß
p

Beitrag von fee1972 18.10.10 - 11:18 Uhr

Huhu !

Keine Ahnung ! Aber interessant .

Denke , selbst wenn der Verteidiger die Wahrheit kennt ist er zur Verteidigung verpflichtet .

Das wäre für mich schon ein Grund nie Jurist zu werden ! Denn ich könnte gewisse Verbrechen mit Sicherheit nicht mit ruhigem Gewissen verteidigen . Da wäre ich befangen .

LG Dany

Ps. bin aber auf weitere Antworten gespannt

Beitrag von toni_mo 18.10.10 - 11:34 Uhr

Hallo

Nein, sie wissen es nicht immer. Ich habe mehrere Jahre in einer Anwaltskanzlei gearbeitet.

Wenn ein Anwalt die Wahrheit kennt und seinen Beruf seriös ausübt, wird er für ein Schuldgeständnis sorgen, damit sein Mandant mit der niedrigsten Strafe davon kommt.
Kennt er die Wahrheit nicht, muss er ihm "glauben" und seine Verteidigung entsprechend aufbauen. Seine persönliche Meinung zählt in diesem Fall nichts.
Dies gilt aber, sagen wir mal für "Normalos", Menschen, die sich keine Staranwälte leisten können und einfache Strafverteidiger.

Staranwälte bekommen einen Haufen Kohle, Geld regiert die Welt und ich denke, dafür arbeiten sie auch mit allen Tricks und gehen über Leichen.

LG
T#winkeni

Beitrag von louisamarion 18.10.10 - 15:07 Uhr

Hallo,

ein Anwalt weiß nur das ..was ihm sein Mandant erzählt..ob es der Wahrheit enstpricht oder auch nicht .....das weiß nur der Mandant selber#cool


L.G.

Beitrag von flitzkacke 18.10.10 - 18:14 Uhr

Natürlich weiß ein Anwalt immer genau, ob sein Mandant schuldig ist, oder nicht, wozu bekommt man sonst mit bestandenem zweiten Staatsexamen eine Kristallkugel geschenkt?

Beitrag von babell 19.10.10 - 22:15 Uhr

Hahaha #rofl

Beitrag von louisamarion 20.10.10 - 09:08 Uhr

#klatsch...die "KUGEL"..die habe ich ja total vergessen#schein

Beitrag von manavgat 18.10.10 - 22:28 Uhr

Selbstverständlich gibt es Idioten, die ihre Anwälte anlügen. Die Anwälte die ich kenne, legen bei schwerwiegenden Lügen - wenn sie es merken - das Mandat nieder.

Gruß

Manavgat

Beitrag von babell 19.10.10 - 22:14 Uhr

Jaaaaa, das frage ich mich auch ständig...aus aktuellem Anlass. Wir streiten gerade mit unseren Mietern - bzw. mit deren Anwalt.

Und er weiß halt das, was die Mieter erzählen - und durch uns (mit Beweisen / Belegen) erfährt er dann die Wahrheit und weiß so langsam nicht mehr, wie er verteidigen soll...

Ist galub eich auch verdammt schwer, vor Allem müssen manche Anwälte in ihren Fällen doch auch selbst daran zweifeln, was ihre Mandanten erzählen? Was machen die denn dann?!?!

ZUm Glück hab ich was Vernünftiges gelernt ;-) #rofl

LG Isa