Unter 2,9 Mio. Arbeitlose

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Beitrag von imzadi 18.10.10 - 19:43 Uhr

Gerade wurden im Fernsehen die neuen Arbeitlosenzahlen freudig verkündigt. So wenig wie seit 1992 nicht mehr.

Ich frage mich gerade ob die uns verarschen wollen. Seit Jahren höre ich in meinem Umkreis das der Freund, Sohn, ect. nach wer weiß wievielen Bewerbungen nur einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma bekommen hat. Troz Ausbildung, guten Abschluss oder etlichen Berufsjahren. Fast nirgends wird mehr einer zu einem normalen Tarifvertrag eingestellt. Falls ja, dann wird nur in Firmen eingestellt wo der Stundenlohn unter 9 Euro ist.

Wieso rückt unser Staat nicht mal raus wieviele von der Arbeitenden Bevölkerung noch Geld nebenbei vom Staat beziehen muss, um überleben zu können? Immer wieder hört man so positive Zahlen und trozdem geht es jeden seit Jahren immer schlechter was ich so höre, und auch selber spüre. Merkt das in der Politik keiner oder interessiert sie das einfach nicht?

Beitrag von fred_kotelett 18.10.10 - 19:53 Uhr

Hi,

siehst du so unterschiedlich können Eindrücke sein.
In meinem Umfeld können sich die meisten Leute nicht mehr vor Anrufen und Emails von Headhuntern retten.
Ein paar meiner Freunde sind Ärzte und obwohl die ja immer jammer, läuft es für die auch sehr gut und sie bekommen jetzt ja sogar noch einmal einen saftigen Aufschlag.

VG
Fred

Beitrag von king.with.deckchair 18.10.10 - 19:58 Uhr

Bei allem Verständnis, dass die Entwicklung in Sachen Zeitarbeit etc. höchst ärgerlich ist - aber du schreibst Unsinn!

1. "Ich frage mich gerade ob die uns verarschen wollen. Seit Jahren höre ich in meinem Umkreis das der Freund, Sohn, ect. nach wer weiß wievielen Bewerbungen nur einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma bekommen hat"

Wo ist da die Verarsche? Sie sind doch schließlich nicht mehr arbeitslos. Dass die Löhne und das Gebahren der ZA-Firmen teils diskussionswürdig sind, ist klar.

2. "Wieso rückt unser Staat nicht mal raus wieviele von der Arbeitenden Bevölkerung noch Geld nebenbei vom Staat beziehen muss, um überleben zu können?"

Auch diese Zahlen werden veröffentlicht:

http://www.tagesspiegel.de/politik/aufstocker-subventioniert-der-staat-niedrigloehne/1903184.html

http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistische-Analysen/SGB-II-Kennzahlen/2010/Mai/Zu-den-Daten-Nav.html

Ich teile deine Ansicht, dass die Entwicklung mit den Billigjobs eine Katastrophe ist - aber du solltest vielleicht nicht Dinge durcheinanderschwurbeln und nicht einfach Sacehn behaupten, die schlicht unwahr sind (von wegen, die Zahlen würden nicht veröffentlicht).

Beitrag von imzadi 18.10.10 - 23:41 Uhr

Ja sind nicht mehr Arbeitslos. Aber ist das das Ziel des Staates das keiner mehr Arbeitslos ist? Ob man davon zufrieden Leben kann ist uninteressant?

Zig Tausende leben nicht viel weniger schlecht vom nichts tun. Das ist für dich auch Unsinn?

Beitrag von fraukef 21.10.10 - 15:34 Uhr

Du schreibst schon wieder Unsinn...

1) Arbeitslosigkeit ist mehr als nur Geldmangel - wobei man natürlich auch den Geldmangel nicht unterschätzen sollte...

2) "leben nicht viel weniger schlecht" ist eine nette Satzkonstruktion - aber was willst du damit sagen? Vielleicht ist ein Zeitarbeitsjob ja auch wieder ein Einstieg in den normalen Arbeitsmarkt? Zumindest ist das sicher besser als arbeitslos zu Hause zu sitzen...

3) jeder der arbeitet hat definitiv mehr Geld als ein reiner ALG II Empfänger. Das ist Fakt. Aufstocker bekommen ja einen gewissen Eigenanteil nicht berechnet.

wobei ich aber
4) King recht gebe, die Bezahlung ist mehr als diskussionswürdig... Aber das ist doch nicht alles...

und
5) ja - ich weiß wovon ich rede - ich hab auch mal bei ner Zeitarbeitsfirma gearbeitet und bin schon sehr froh, jetzt wieder einen ganz normalen Job zu haben... Trotzdem war auch bei mir Zeitarbeit besser als zu Hause vor sich hin zu gammeln...

LG
Frauke

Beitrag von frau.mecker 28.10.10 - 16:25 Uhr

So stimmt das aber auch nicht.

Bezieher von SGB III + SGB II werden in verschiedenen Töpfen verwaltet.

Maßnahmenteilnehmer werden in der aktuellen Statistik nicht benannt, genauso wenig wie Aufstocker, sowie Wohngeld und zusätzl. Kindergeld Bezieher.
Zwar gelten Letztere als erwerbstätig, dennoch stehen Lohn und Brot nicht in einem reelen Zusammenhang, beachtet man dazu auch noch die Entgeltvarianten.

Zwar gibt es auch für diese Statistiken, fasst man aber alle zusammen kommt man nicht auf eine Zahl von 2,9...Millionen AL.



mfg

Beitrag von marion2 18.10.10 - 20:06 Uhr

Hallo,

jemand, der einen schlecht bezahlten Job hat, hat einen Job und ist folglich nicht arbeitslos...

Das weiß man auch in der Politik.

siehst du hier: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Arbeitsmarkt/Arbeitsmarkt,templateId=renderPrint.psml__nnn=true

@fred: Fachkräftemangel gibt es inzwischen in allen Branchen. Das macht es für die Minderqualifizierten aber nicht einfacher einen Job zu finden. Von "Fordern und FÖRDERN" ist in den Bewerbungsmappen, die ich so hin und wieder auf meinem Schreibtisch habe leider nichts zu merken. Lediglich schwachsinnige Maßnahmen, die absolut nicht zielführend sind #augen

Gruß

Beitrag von fred_kotelett 18.10.10 - 20:12 Uhr

Meine liebe Marion,

das ist mir schon klar.

Ich habe mit meinem Post auch nur ausdrücken wolen, das der subjektive Eindruck von Person zu Person stark variiert.
Du weißt ich bin ein Freund von Statistiken, nicht von pauschalem "In meinem Umfeld wirds immer schlimmer"

VG

Beitrag von marion2 18.10.10 - 20:21 Uhr

Das war eher ne Ergänzung zu deinem Beitrag ;-) bissn unglücklich formuliert. und n Absatz fehlt wohl auch.

Beitrag von fred_kotelett 18.10.10 - 20:28 Uhr

Ach Absätze sind komplett überbewertet.
Ich stehe auf Frauen in flachen Schuhen :)

Beitrag von ayshe 19.10.10 - 09:07 Uhr

##
Ich habe mit meinem Post auch nur ausdrücken wolen, das der subjektive Eindruck von Person zu Person stark variiert.
##
Eben.
Und am schlimmsten ist es dann, wenn eine einzelne Person aufgrund ihrer paar eigenen Erlebnisse alles auf tausend andere Leute überträgt und pauschalisiert.
Das ist ja hier dauernd so, total nervig.

Beitrag von milka700 18.10.10 - 21:49 Uhr

Kommt halt drauf an, wie man "arbeitslos" definiert. ;)
Und! jedes Jahr drängen immer mehr Rentner und Pensionäre aus den Statistiken.
2009 waren es wohl insgesamt 120.000 - und die Nachkriegsgeburten"explosion" ist nun "Rentenreif", demnach wird es 2010 sicher an die 150.000 sein, kommendes Jahr ähnlich und mehr. Demgegenüber kommt der arbeitende 68er Pillenknick. Jeder Grundschüler, der in Mathe aufgepasst hat, weiß, wohin das führen wird.
"Positiver" Nebeneffekt: Die Arbeitslosenzahlen gehen runter.

Beitrag von ayshe 19.10.10 - 09:09 Uhr

##
Seit Jahren höre ich in meinem Umkreis das der Freund, Sohn, ect. nach wer weiß wievielen Bewerbungen nur einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma bekommen hat. Troz Ausbildung, guten Abschluss oder etlichen Berufsjahren. Fast nirgends wird mehr einer zu einem normalen Tarifvertrag eingestellt. Falls ja, dann wird nur in Firmen eingestellt wo der Stundenlohn unter 9 Euro ist.
##
Ist in meinem Umkreis nicht so.

Beitrag von grafzahl 19.10.10 - 09:19 Uhr

Welcher Umkreis? Neubundland?

Ausbildung und guten Abschluss in welchem Beruf?


Mein Vorschlag: Umzug dahin, wo ordentlich bezahlt wird. Und einen Beruf lernen, in dem ordentlich bezahlt wird.

Gibt es nicht?

Doch, gibt es.


Und nicht nur über die böse Politik jammern. Das ist würdelos.

Beitrag von imzadi 19.10.10 - 09:52 Uhr

Kleinstadt in NRW. Mein Umkreis: auf der Arbeit, Eltern von Mitschülern meines Sohnes, Freunde. Wer jetzt genau welche Ausbildung hat weiß ich auch nicht, aber selbst die soll ja nicht so leicht zu finden sein.

Wenn ich mich so an das Jahr 1992 erinner wo es ähnlich gut gewesen sein soll; da hatte ich ein Auto, ein Motorrad und eine eigene 75 qm Wohnung wo ich allein finanziert habe. Neben dem normalen Urlaub ging es einmal im Jahr mit Freunden in den Skiurlaub. Und nun, hab seit Jahren nicht mehr gehört das einer meiner Freunde in den Skiurlaub fährt.

Wie auch immer, mir kommts vor als war früher alles besser :-p

Beitrag von grafzahl 19.10.10 - 10:43 Uhr

Wenn ich, in Niedersachsen im Speckgürtel von Hamburg lebend, in eine niedersächsiche Kleinstadt ziehen würde, ginge es mir wirtschaftlich vermutlich auch deutlich schlechter. Und meine Verwandten, die in niedersächsischen Kleinstädten leben, ziehen alle in Richtung Hamburg, weil es keine ordentlich bezahlten Jobs gibt, dort wo sie jetzt leben. Insbesondere die Schulabgänger.

Eine Wanderungsbewegung weg von strukturschwachen Gegenden in die Metropolen lässt sich nicht aufhalten. Sie ist in vollem Gange. Man mag das bedauern. Aber eine schrumpfende und alternde Bevölkerung hat keine Alternative.

Ich war übrigens noch nie im Skiurlaub. Daher vermisse ich das nicht.

Beitrag von ninnifee2000 19.10.10 - 09:54 Uhr

Soll man immer da hin ziehen, wo man ordentlich bezahlt wird???

Aber gibt es auch dann auch eine Arbeitsstelle, die man sein ganzes Leben hat? Heute meistens nicht mehr. Warum auch immer...

Soll ich jedesmal, wenn es dem AG nicht mehr gut geht oder wenn ich mich mit meiner Arbeitsstelle nicht mehr wohlfühle, dem Geld hinterziehen, weil es bei meinem Wohnort/im Umfeld keine weiteren Jobs gibt?

Irgendwann will jeder sich irgendwo niederlassen. Immer weg von Freunden, von Familie - bloß wegen dem Geld? Das ist würdelos.

Beitrag von grafzahl 19.10.10 - 10:36 Uhr

> Soll man immer da hin ziehen, wo man ordentlich bezahlt wird???

Das muss jeder für sich persönlich entscheiden.


> Aber gibt es auch dann auch eine Arbeitsstelle, die man sein ganzes Leben hat?

Kann sein. Muss aber nicht.


> Immer weg von Freunden, von Familie - bloß wegen dem Geld? Das ist würdelos.

Nicht der Umzug ist würdelos. Würdelos ist das Gejammer, wenn man sich entschieden hat, zu bleiben wo man ist. Würdelos sind Sätze wie

"Merkt das in der Politik keiner oder interessiert sie das einfach nicht?"

Warum soll sich die Politik um mein Wohlbefinden kümmern? Bin ich nicht ein mündiger Bürger, der für seine persönlichen Entscheidungen einstehen kann?

Beitrag von sneakypie 19.10.10 - 14:00 Uhr

Nunja, in anderen Ländern sind die Menschen auch ein gutes Stück ortsungebundener als hier in Deutschland - Beispiel USA. Da ist es völlig normal, dorthin zu ziehen, wo der Job ist, und das Spielchen alle paar Jahre zu wiederholen, wenn es nötig ist. Ich finde das nicht würdelos, sondern pragmatisch. Hierzulande ist man das einfach nicht gewöhnt - noch nicht.

Und es gibt nunmal auch Leute, denen es relativ wenig ausmacht, umzuziehen. Die wirklich guten Freunde bleiben einem auch auf Entfernung, neue Freunde finden sich immer und Familie bliebt Familie. Was ist daran würdelos? Ist doch besser, man sieht zu, wo man einen Job bekommt, als auf der Stelle zu hocken und zu hartzen. Das liest man nämlich gern im F&B: arbeitslose junge Leute, die aus strukturschwachen Regionen im Osten kommen und schreiben, sie könnten nicht umziehen, sie hätten hier doch ihre Freunde, da beziehen sie dann halt Hartz 4. Ist das würdevoller?

Gruß
Sneak

Beitrag von kessita 19.10.10 - 15:27 Uhr

"Und es gibt nunmal auch Leute, denen es relativ wenig ausmacht, umzuziehen. Die wirklich guten Freunde bleiben einem auch auf Entfernung, neue Freunde finden sich immer und Familie bliebt Familie. "

Das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterschreiben!



Was ist daran würdelos? Ist doch besser, man sieht zu, wo man einen Job bekommt, als auf der Stelle zu hocken und zu hartzen. Das liest man nämlich gern im F&B: arbeitslose junge Leute, die aus strukturschwachen Regionen im Osten kommen und schreiben, sie könnten nicht umziehen, sie hätten hier doch ihre Freunde, da beziehen sie dann halt Hartz 4. Ist das würdevoller?"

Nope, eher schwer nachzuvollziehen. Das sind dann auch meißt die Menschen, bei denn alle anderen an der Situation schuld sind.

LG

Beitrag von ostsonne 21.10.10 - 10:31 Uhr

Ich würde sicher NICHT mehrmals umziehen nur wegen eines Jobs, denn wie sagt man so schön:

Einmal umziehen, ist wie einmal abgebrannt.

Soll heißen, das ein Umzug immer mit hohen Kosten verbunden ist und ich sehe nicht ein, nach der Probezeit vielleicht wieder rausgeschmissen zu werden, warum auch immer.
Einmal umziehen ok, aber dann ist Schluß mit lustig.

ODER: warum soll ich mit drei Kindern ständig umziehen ? Das würde keiner hier machen, das wette ich mit dir !

Beitrag von sneakypie 21.10.10 - 11:46 Uhr

Naja. Meine Eltern sind mit einem Kind einmal und mit drei Kindern noch zweimal umgezogen. Immer dem besten Job hinterher. Gelohnt hat es sich am Ende allemal. Natürlich ist ein Umzug mit Kosten verbunden, aber die sind mit Hilfe von Freunden und Verwandten überschaubar(er) und sollen durch den besseren Verdienst auch bald wieder reinkommen.

Ich kann für meine Seite diese "Einmal-Regelung" nicht verstehen. Man weiß doch nie, welche Chancen sich im Leben noch ergeben.

Gruß
Sneak

Beitrag von nele27 20.10.10 - 09:08 Uhr

Würdelos ist es für MICH, meinen Kindern zuzumuten, dauerhaft am Existenzminimum rumzukrepeln, nur weil ich meinen Hintern nicht hochkriege und mir die Nähe zu Freunden wichtiger ist als Existenzsicherheit meiner Familie. Wirkliche Freunde bleiben eh.

Ich spreche übrigens aus Erfahrung: Ich habe mich 2008 aus einer für mich schwierigen Arbeitsmarktsituation heraus beworben.
Was die Stellen angeht, habe ich, was die Qualität betrifft, sehr ausgebsiebt und nur 8 Bewerbungen geschrieben, da ich wollte, dass der Job halbwegs sicher ist, Spaß macht und die Bezahlung stimmt.
Aber was den Ort angeht, war ich flexibel: Die Bewerbungen gingen von meinem Wohnrort Hannover nach Stuttgart, Leipzig, München, Berlin, Hamburg und zum Zürichsee in die Schweiz. Hamburg ists geworden und ich bin mit Mann und 10 Monate altem Baby ohne zu zögern hierher gezogen.
Die wichtigsten Freunde habe ich behalten, die anderen sind mir inzwischen egal. Eine Freundin ist inzwischen in Nürnberg - Kontakt klappt bestens.
Ich hätte auch in Hannover arbeitslos werden können oder mit einem zweitklassischen Job Vorlieb nehmen. Aber wozu?

LG, Nele

Beitrag von nele27 20.10.10 - 09:08 Uhr

"zweitklassigem" sollte das heißten #klatsch

Beitrag von purpur100 20.10.10 - 09:33 Uhr

Nele, nicht weiter tragisch. Das war hessisch #pro#winke