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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von jr-the-cat 19.10.10 - 02:12 Uhr

...sofern man es überhaupt so nennen kann.

Aber Hallo erstmal an alle,

ich weiß gar nicht wo und wie ich anfangen soll...

Mein Sohn ist 20 Monate und ich bin eigentlich mit unserem Alltag vollends zufrieden. Er hat viele Freiheiten, darf vieles ausprobieren und ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn irgendwas verschüttet wird, umfällt etc. Die Wohnung ist kindersicher, wobei es natürlich - wie sichererlich überall - einige Dinge gibt, die er nicht darf.

Ich halte mich für sehr konsequent. Wie gesagt, er bekommt nicht viel verboten, was ich ihm verbiete, setze ich aber auch durch (wenn ich die "Zuwiderhandlung" mitbekomme). Auch achte ich darauf, dass meine Ansagen mit dem Übereinstimmen, was ich tatsächlich auch mache. Es gibt zwischen uns nicht viele Reibungspunkte.

Klar gibt es immer wieder "unerfreuliche" Situationen. Aktuell ist es die große Freude mit Gegenständen auf andere Gegenstände (Möbel etc.) bzw. auf die Mama zu schlagen. Ich unterbinde es immer, sage ihm, warum er das nicht machen soll (die Sachen gehen kaput, der Mama tut das weh) und reagiere - wie ich meine - kosequent indem ich nach zwei Ansagen die Sache wegnehme.

Beim Essen (eigentlich mein "Hauptproblem") lasse ich ihn alles ausprobieren. Er kann eigentlich ganz gut mit Löffel und Gabel umgehen, wenngleich er sich natürlich noch in der Versuchsphase befindet.
Das Essen ist bei uns regelmäßig eine große Sauerei. Ich unterbinde es natürlich, dass er Essen bzw. sein Besteck, seinen Trinkbecher mit Absicht auf den Boden oder sonst in der Gegend herumwirft, aber er spielt und matscht viel mit seinem Essen rum.

Tja, nun habe ich Euch so zugetextet...

Mein Problem ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob diese weitgehende laisser-faire Einsellung meinerseits ok ist. Kommt das richtige Verhalten, bsp. bei Tisch wirklich von selbst? Muss man mit steigendem Alter auch mehr verbieten?

Ich hoffe, ihr versteht, worüber ich mir Gedanken mache und verzeiht gleichzeitig mit unglaubliches Geschwafel. Ich kann meine Gedanken leider schlecht beschreiben, habe aber - wie gesagt - hin und wieder das Gefühl "härter durchgreifen" zu müssen.
Andererseits ist er ja noch so klein...

Vielleicht kann ja jemand von Euch irgendwas nettes dazu schreiben.

Vielen Dank an alle, die es bis hierher ausgehalten haben


und viele Grüße

#katze

Beitrag von mamavonyannick 19.10.10 - 07:07 Uhr

hallo,

nein, ich glaube nicht, dass das "richtige" Verhalten immer und überall von selbst kommt. Und sicherlich müssen Kinder z.B. das essen lernen und können es nicht von Anfang an perfekt. Aber mein Sohn durfte von Anfang an lernen, dass Essen eben NICHT zum Spielen und matschen da ist. Das kann er im Sandkasten machen.
Und vllt solltest du dich mal von dem zwang: "Ich darf nicht so viel verbieten" lösen und verbieten mal durch "leiten" ersetzen. Dein Kind weiß nicht, was richtig oder falsch ist. also wirst du es "anleiten" und ihm nach bestem Gewissen zeigen, was richtig oder falsch, was gefährlich und weniger gefährlich ist. Und mit steigendem Alter wirst du nicht mehr verbieten... das wäre ja schlimm... Aber dein Sohn wird sachen lernen, die für ihn dann altersgerecht sind. Je älter er wird, desto mehr Dinge wird er ausprobieren. Die einen sind okay, die anderen nicht und du wirst ihn wieder "zu richtigem Verhalten" anleiten und ihm zeigen, was er darf oder nicht darf.

vg, m.

Beitrag von bine3002 19.10.10 - 08:46 Uhr

Ich finde, dass es sehr vernünmftig klingt, was Du schreibst. Ich habe es ähnlich gehandhabt und habe ein recht "braves" Mädchen hier. Sie macht so gut wie nie groben Unfug, hört, wenn es darauf ankommt und ist sehr verständig. So richtig was kaputt gemacht hat sie noch nie. Nur im Sommer hatte sie mal eine Phase, wo sie Gegenstände (Möbel, Spielzeug) angemalt hat. Ich habe es einmal gesagt, dann geschimpft und beim 3. Mal waren die Stifte erstmal weg. Wer sich benimmt wie ein Baby, der darf eben auch keine Stifte zur freien Verfügung haben. Das hat sie sich gemerkt und dann war es wieder gut.

Beim Essen war es so wie Du es schreibst. Bis zum 2. Geburtstag durfte sie so ziemlich alles machen, außer absichtlich mit dem Essen rumwerfen. Dann haben wir langsam angefangen, sie darauf hinzuweisen, häufiger mal die Gabel zu benutzen, nicht unbedingt zu schmatzen usw. Aber noch sehr behutsam, d.h. nicht ständig und nicht bei jeder Mahlzeit. Um den 3. Geburtstag haben wir uns geeinigt, dass sie nun bei jeder Mahlzeit mindestens einmal das Messer benutzen soll. Sie sollte immer versuchen, selbst zu schneiden und "Kleinkram" mit dem Messer auf die Gabel schieben. Wenn sie das dann gemacht hatte, haben wir ihr dann geholfen bzw. sie durfte die Finger zur Hilfe nehmen.

Essen allein mit den Fingern war nur noch bei einigen Speisen erlaubt (z. B. Pommes). Wir hatten auch immer mal bestimmte Mahlzeiten, wo wir bewusst erlaubt haben, sich auch mal daneben zu benehmen (z. B. Spaghetti). Das galt dann für uns alle.

Eine Besonderheit war unsere Regelung zum Thema Probieren. Sie musste immer alles probieren, durfte es aber sofort in eine Serviette spucken, die wir vorher bereit hielten. Mir war nur wichtig, dass sie das Essen einmal im Mund hat. Und das klappte gut, sie probiert mittlerweile völlig ohne Aufforderung und bitte vorher um ihre Serviette. Vieles behält sie auch im Mund.

Im Kindergarten gibt es ganz eigene Regeln, die sie aber alle einhält. Jetzt ist sie 4 und hat annehmbare Essmanieren, putzt sich selbstständig den Mund ab, der aber so gut wie nie wirklich schmuddelig ist. Ich bin da ganz zufrieden.

Natürlich hat sie auch ihre "Macken". Sie kann es z. B. nicht so ab, wenn wir Großen uns unterhalten und sie nicht der Mittelpunkt ist. Das muss sie noch lernen. Aber was das sonstige "Betragen" angeht, sind wir glücklich.

Beitrag von redrose123 19.10.10 - 09:34 Uhr

Ich sehe kein Problem, solange er nicht das Essen mutwillig durch die Bude pfeffert ist es doch ok....Kein Kind kann sofort super sauber Essen, da sieht es eben aus.....Weiter so :-P

Beitrag von barbarelle 19.10.10 - 10:24 Uhr

Hallo,

keine Sorge. Kinder geniessen nunmal mit allen Sinnen. Dazu gehört auch das Tasten und das Essen "befühlen".

Ich habe es immer unterbunden mit dem Resultat, dass sie diese Phase nachgeholt hat. In einem Alter noch, wo es nicht mehr besonders schön war :-[

Ist auch vorbei gegangen ;-)

Manieren bei Tisch sind euch ja nicht egal, also wird er es schon noch lernen.

LG
Barbarelle

Beitrag von ayshe 19.10.10 - 11:01 Uhr

Hallo,

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Ich halte mich für sehr konsequent. Wie gesagt, er bekommt nicht viel verboten, was ich ihm verbiete, setze ich aber auch durch (wenn ich die "Zuwiderhandlung" mitbekomme). Auch achte ich darauf, dass meine Ansagen mit dem Übereinstimmen, was ich tatsächlich auch mache. Es gibt zwischen uns nicht viele Reibungspunkte.
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Hört sich doch echt gut an, finde ich.


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Klar gibt es immer wieder "unerfreuliche" Situationen. Aktuell ist es die große Freude mit Gegenständen auf andere Gegenstände (Möbel etc.) bzw. auf die Mama zu schlagen. Ich unterbinde es immer, sage ihm, warum er das nicht machen soll (die Sachen gehen kaput, der Mama tut das weh) und reagiere - wie ich meine - kosequent indem ich nach zwei Ansagen die Sache wegnehme.
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So habe ich das auch immer gemacht, Erklärung und wenn nicht aufgehört wird, das Teil einkassieren.


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Beim Essen (eigentlich mein "Hauptproblem") lasse ich ihn alles ausprobieren. Er kann eigentlich ganz gut mit Löffel und Gabel umgehen, wenngleich er sich natürlich noch in der Versuchsphase befindet.
Das Essen ist bei uns regelmäßig eine große Sauerei. Ich unterbinde es natürlich, dass er Essen bzw. sein Besteck, seinen Trinkbecher mit Absicht auf den Boden oder sonst in der Gegend herumwirft, aber er spielt und matscht viel mit seinem Essen rum.
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Ich halte das schon für normal, auch daß Essen nochmal aus dem Mund geholt und begutachtet wird etc.
Ich habe meine Tochter so weit gelassen, aber das Essen sollte auf dem Teller bleiben, nicht mit Absicht rumwerfen, jedenfalls nicht mehr mit 2 Jahren.
Und ich habe nur wenig aufgeladen, auch Becher nur teils befüllt.

Ein gewisses Experimentierverhalten halte ich aber für normal und altersgerecht, habe es auch nie komplett unterbunden.


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Mein Problem ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob diese weitgehende laisser-faire Einsellung meinerseits ok ist. Kommt das richtige Verhalten, bsp. bei Tisch wirklich von selbst? Muss man mit steigendem Alter auch mehr verbieten?
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Ich denke, in dem Sinne von allein nicht, aber man ändert auch mit dem Alter automatisch seine Akzeptanzgrenze.
Was ein Kind mit 1,5-2 am Tisch so treibt, würde man auch bei einem mit 5 Jahren eher nicht hinnehmen.
Für mich war es so, daß es sich allein entwickelt hat.
Meine Tochter ist jetzt 6,5 und sie ißt natürlich schon lange völlig anders als mit 2. Und es ist ja eine stetige Veränderung auch ohne Verbieten.
Auch ihre eigenen Ansprüche beim Essen wurden anders.
Rumpantschen wurde irgendwann auch uninteressant, das "Thema war durch", kann man sagen.
Wenn 5 oder 6-Jährige noch eine Sauerei mit Absicht veranstalten, würde ich mir wirklich Gedanken machen.


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habe aber - wie gesagt - hin und wieder das Gefühl "härter durchgreifen" zu müssen.
Andererseits ist er ja noch so klein...
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Ja, er ist noch klein und verhält sich eben auch so.
Aber normalerweise wird er auch nicht die nächsten 10 Jahre auf dem Stand eines 20-monate altem Kindes stehenbleiben ;-)

Beitrag von lisasimpson 19.10.10 - 11:46 Uhr

hallo

Nein! "richtiges" verhalten kommt nicht einfach so
(sost würden sich überall auf der welt immer alle gleich verhalten)

Welches verhalten als angemessen (oder eben nicht) betrachtet wird ist kultur- gesellschafts und in eurer fall natürlich auch familienabhängig.

Daher ist es nicht ausreichend zwei mal zu sagen, was er NICHT machen soll (mit dem tein gegen tisch klopfen), sondern ihm zu sagen, was er STATT DESSEN machen soll (zwei steine aneinander hauen macht musik, mit was weichem auf dem tisch hauen macht keine geräusche, mit schaumstoffschlägern auf mama hauen bringt diese dazu in einen schaumstoff-schwertkampf zu gehen usw)
ein bedürfnis, einen wunsch, eine kreative ausdrucksform einfach zu unterbinden und nichts dagegen zu setzen funktioniert in den seltensten fällen- denn häufig wird dan ndas spiel folgendermaßen aufgebaut werden
- ich klopfe gegen die scheibe- mama sagt nein- ich klopfe nochmal gegen die schiebe- mama sagt nein, ich klopfe nochmal gegen die shceibe, mama nimmt den stein weg.
ich klopfe mit dem neue stein gegen den tisch usw...
ist auch ein spannendes spiel..

einem NEIN sollte im idealen fall immer ein "statt dessen" folgen.
das schont deine nerven, das zeigt, daß du sein interesse ernst nimmst- und so wird er auch deines ernst nehmen.
nimmst du seines nicht mal wahr (sondern nimmst es ihm einfach weg), dann wird er wengiger in die lage kommen kooperation zu lernen.
da aber kooperationsbereitschaft der schlüssel zu einem befriedigenden zusammenleben ist- wirst du es ihm vorleben müssen.
dazu ist es völlig wurscht, wie oft du nein sagst und wie oft du was weg nimmst- er hat nichts dadruch gelernt, as ihn dazu bringen könnte kooperationsbereit zu werden.

zum thema essen am tisch.
Ich bi nder meinung, dßa kinder erst mal alles anfassen sollten, sich mit allen materialen beschäftigen können sollten.
aber ein kind von 20 monaten hat ja schon ca 10 monate zeit gehabt das ganz normale essen am tisch zu "begreifen"-
Danach solte meiner meinung nach schon stehen, dßa das kind eine ess-kultur kennenlernt, die eben in westeuropa vorsieht, daß man mit Besteck das essen zu sich nimmt (ausnahmen eingeschlossen) und eben nicht dne reis mti den fingern ißt (was in anderen Kulturen völlig normal ist)
kulturspezifische eigenheiten muß ein kind lernen.
dies tut es über nachahmung und über den wunsch zu einer gruppe dazugzugehören.
bestärke ihn darin es euch gleich zu tun- dann wird er euch einfach nachahmen wollen

lisasimpson

Beitrag von wort75 19.10.10 - 14:39 Uhr

was du machst ist doch gar kein laisse-fair. du hast einige grenzen, die dem alter angepasst sind. dass er in seinem zarten alter so viel ausprobieren muss ist ja klar - wie soll er sonst lernen?

ich finde konsequenz auch gut - aber ich habe auch nur wenige regeln und vorschriften. zu viel schränken die kinder einfach ein. und machen druck. und provozieren streit.

schweinerei beim essen? hey, ich koche immer mal gerne wieder etwas, was man mit den händen essen kann, etwas, das man selber am tisch für sich fertigmachen darf... weil essen mit allen sinnen (hände inbegriffen) einfach wundervoll sinnlich ist. da darfs auch mal kleckern.
bosartig was runterschmeissen - nein. aber kleckern, anfassen, auch mal etwas zermantschen.... wo nur noch ein kind am tisch sitzt, ist das arme ding oftmals unter dauerbeobachtung. früher, als man noch mit vier geschwistern plus groseltern am tisch sass, konnte man auch mal probieren, erbsen aufzupicken, ohne dass jeder den missverfolg gleich komentierte. dass man aus kartoffelbrei und sauce kleine seenlandschaften machte und aus buchstaben-suppe kleine worte bildete - - - das durfte sein. dass man rosenkohl und broccholi in seine einzelnen blätter / knospen aufteilte und sinnlich zerrieb und schliesslich kaute - ging keinem auf den nerv. aber heute ist so eine dauerbeobachtung, dass jede heruntergefallene gabel, jeder zu grosse bissen sofort komentiert wird.
das macht den spass und die sinnlichkeit am essen total zunichte. klar, essen ist reibung - weil man am tisch so exponiert ist - aber lieber matschen, als später kotzen...

Beitrag von matimuc 20.10.10 - 18:55 Uhr

Hi,

ich finde es in Ordnung so wie Du es handhabst.

Bei zu viel Verboten und zu viel NEIN verliert das Wort seine Wirkung.

Ich denke, dass der goldene Mittelweg richtig wäre. Ein NEIN da wo es wirklich wichtig und angebracht ist und nicht ständige Verbote, die sich ein Kind in dem Alter wahrscheinlich nicht merken noch nachvollziehen kann.

Nach einem Nein, z.B. mit Stein gegen Fensterscheibe klopfen, finde ich danach eine Ablenkung wichtig. z.B. schau mal man kann die Scheibe anhauchen oder ganz was anderes. Wo ist denn Dein Feuerwehrauto?

LG
Mati