Rechtschreibung 3. Klasse

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Forum: Kids & Schule

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Beitrag von caffi 19.10.10 - 16:55 Uhr

Hallo,
Folgendes interessiert mich brennend:
Wie wird es bei Euren Kids in der Klassenstufe gehandhabt mit der Rechtschreibung?
Unsere Tochter "soll" so schreiben wie sie spricht- also sich aus dem "lautieren" ableiten, wie mans schreibt- das machen sie nun schon seitdem sie in der Schule ist und schreiben(technisch) gelernt hat.. Wir als Eltern versuchen sie zu motivieren bei Textproduktion auch auf die Rechtschreibung zu achten- also wenigstens Gross- und Kleinschreibung und verschiedene andere Sachen, von denen wir wissen, dass sie sie "kann"..Wenn wir sie dann darauf ansprechen ist sie kurz vorm durchdrehen, und beruft sich immer wieder auf den Lehrer- "wir dürfen schreiben wie wir wollen"..."also lass mich in Ruhe"
Lehrer gefragt, da hieß es damals- ne, ne, das hat noch Zeit.. INzwischen- jetzt in der 3 Klasse dachten wir, dass nun mal lngsam auch von Schulseite angezogen wird, und da sie einen Lehrerwechsel just hat in Deutsch, waren wir ja mal ganz gespannt- nichts verändert sich aber, weil auch der Lehrer (laut Antworten vom Elternabend) der gleichen Meinung ist, dass Kinder noch nicht in dem Alter lernen müssen, WIE etwas geschrieben wird- Hauptsache, dass sie die Lust und Motivation am Schreiben haben... schön und gut; mit unserem Argument konfrontiert, dass es ein Schüler dann irgendwann, wenn plötzlich ein Fehler rot gemakert wird, dann ein RIESENPROBLEM vor sich hat_ nämlich, dass er es gewohnt ist, so zu schreiben wie er will, und sich dann um so schwerer umgewöhnt...
Mal nebenbei erwähnt: Da wird eh wenig geschrieben und Diktate waren seit den Sommerferien gar nicht... und das in einer dritten Klasse....ahhh...
schiebe gerade beim Gedanken an die Schule schon wieder Panik, dass es die Falsche für unsere Tochter ist..

Bin einfach mal neugierig, wie da Eure Erfahrungen sind..

Freu mich über viele Antworten..
caffi

Beitrag von ansahe 19.10.10 - 17:31 Uhr

Hallo,

auf der Grundschule meiner beiden "Großen" fingen sie bereits in der 1. Klasse mit Lernwörtern an. Das heißt sie konnten alles so schreiben, wie sie es auch sprechen, bis auf die Wörter die sie gerade lernten.
In ihrem Buch gab es immer kurze Texte und aus diesem Text dann eine Liste mit den "Lernwörtern", diese wurden wochenlang geübt... in der Schule und auch als Hausaufgaben. Die Diktate wurden dann natürlich mit Texten aus diesen Lernwörtern geschrieben. Die geübten Wörter mussten richtig sein, alles andere durfte irgendwie geschrieben werden.

Je höher die Klassenstufe, um so umfangreicher wurden natürlich die Lernwörter. Zwischendurch wurden dann auch immer mal wieder alte Lernwörter wiederholt.
Die Groß-und Kleinschreibung kam auch irgendwann dazu, da weiß ich allerdings die Klassenstufe nicht mehr so genau.

Sie sind jetzt 8. und 6. Klasse und haben mit der Rechtschreibung zum Glück wenig Problem.

Insgesamt war ich mit dem "Schreiben lernen" zufrieden (auch wenn ich diese vereinfachte Ausgangsschrift immer merkwürdig fand :-p ), hab allerdings auch keine Vergleichsmöglichkeit.

LG, Anja

Beitrag von 3erclan 19.10.10 - 18:21 Uhr

Hallo

ich habe mich schon in der 1.Klasse drüber aufgeregt warum sie so schreiben dürfen wie sie es hören.

Seit der 2.Klasse müssen sie auf Rechtschreibung achten.Sie bekommen regelmäßig Lernwörter die dann im Dikat abgefragt werden.

lg

Beitrag von schneeglitzern 19.10.10 - 18:49 Uhr

Such mal ein paar Threats weiter zurück mit dem Stichwort
"schreiben durch hören"

Da wurde schonmal drüber diskutiert.

Ich habe mit dieser Methode äußerst schlechte Erfahrungen gemacht. Mein Sohn ist in der 6 Klasse und eine Rechtschreibkatastrophe.

Gruß
Schneeglitzern

Beitrag von fraz 19.10.10 - 19:19 Uhr

Hallo

Als Lehrerin kann ich da nur den Kopf schütteln...

In der 1. Klasse mag das noch hinhauen, man will ja schliesslich dem Kind die Freude am Schreiben nicht verderben, aber in der 3. Klasse?

Kein Wunder, kann kaum jemand mehr fehlerfrei schreiben heutzutage ;-)

Nein, ich gehe mit dir einig, ich hätte auch kein ruhiges Gewissen mehr...
Wie soll ein Kind, das seit über 2 Jahren falsch schreibt, "plötzlich" doch noch zu einer richtigen Schreibweise finden???

Ich bin froh, haben meine Kinder von sich aus die Wörter von Anfang an richtig schreiben WOLLEN, so dass sie beide heute recht fit sind in der Rechtschreibung.

Beitrag von lotta12 19.10.10 - 19:43 Uhr


Hi,

finde es sehr schlecht, sich die falsche Schreibweise erst anzugewöhnen, je eher man die deutsche Rechtschreibung meiner Meinung nach drauf hat, um so besser.

Denn kleine Kinder lernen schneller.

Unsere Tochter hatte da auch so einige Probleme. Zu Hause verlangte ich jedesmal ihre Wörter zu korrigieren.

Es gab auch zu viele Blattkopien mit dem Ankreuzen der Antworten. Da wurde nicht genug geschrieben, klar dass man keinen Erfolg sah.

Erst jetzt, in der 5.Klasse sind viele Aufgabenstellungen und kleine Texte abzuschreiben. Dadurch hat sich ihre Rechtschreibung enorm verbessert.

LG und üben, üben....

Beitrag von aquila-et-arbor 19.10.10 - 20:42 Uhr

Hallo,

aus welchem Bundesland bist du denn? Ich habe hier (Bayern) noch nie gehört, dass in der 3. Klasse noch so geschrieben werden darf wie "man hört". Das gabs bei uns nur in der 1. Klasse und ab der 2. Klasse wurde die korrekte Schreibweise massiv mit dem Lernen von "Lernwörtern" aufgebaut. Mein Sohn ist jetzt in die 4. Klasse gekommen und seine Rechtschreibung ist sehr gut. Ich denke, wenn ein gewisser Grundwortschatz an richtig eingeprägten Wörtern besteht, dann können die Kinder auch unbekannte Worter meist richtig schreiben, weil sie ein Gefühl für die Rechtschreibung entwickelt haben. Aber wie soll das denn gehen wenn sie nie gelernt haben wie man Wörter richtig schreibt???????

Beitrag von caffi 19.10.10 - 21:27 Uhr

oh,oh, ich habe all diese Antworten befürchtet....und hab ein ganz schlechtes Gewissen, dass wir nicht schon viel früher unserem eigenen Instinkt gefolgt sind, und uns gegen diese Methode wehren.. Ich bin aus Schleswig-Holstein und das Besondere ist noch, dass unsere Tochter eine dänische Schule besucht. Lehrpläne sind die selben- also da gibts mal keine Unerschiede... ist auch an anderen dänischen Schulen mit der Methode, wie ich durch Bekannte weiss, auch ganz anders..Also, soll heissen, dass wir speziell an der Schule den Griff ins Klo gemacht haben, allerdings haben wir an dänischen Schulen keine freie Schulwahl- sonst wären wir schon längst von der Schule weg....
Naja, ich muss das Ganze nochmal tiefgründiger durchdenken und mir Möglichkeiten schaffen für unsere Tochter.... so kanns jedenfalls nicht bleiben....(auch wegen anderen Dingen, da ist diese Rechtschreibthematik nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt..)
lg caffi

Beitrag von ilva08 19.10.10 - 21:15 Uhr

Mit dem "schreiben wie man hört" sollte man es natürlich nicht übertreiben.

Normal ist ein Vorgehen, wie es meine VP geschildert haben: In der 1. Klasse gilt lauttreues schreiben als Grundstrategie, ab Mitte Klasse 1 wird mit Lernwörtern und KLEINEN Rechtschreibregeln begonnen.
(Bsp.: Wortendungen hören sich oft nach -a an, werden aber -er geschrieben - Kater statt Kata; das "e" in der Endsilbe versteckt sich oft: Esel statt Esl usw.)

Wichtig ist aber: Auch später wird noch unterschieden zwischen "Rechtscheibsituationen" und "freien Schreibsituationen".
In Aufsätzen z. B.wird die RS nicht gewertet, weil die Fähigkeiten zur inhaltlichen Textproduktion und die Rechtschreibfähigkeiten im Gehirn noch nicht miteinander vernetzt sind.
Ähnlich wie beim Autofahren: Solange ich noch nicht über die technischen Grundfertigkeiten verfüge, jagt mich kein Fahrlehrer in die Berliner Rushhour. ;-)

Wenn du sagst, ihr hättet vor den Sommerferien Diktate geschrieben... dann hört sich das so an, als gäbe es diese "Rechtschreibsituationen" in eurer Schule eben doch! Wie sonst Diktate schreiben?

LG


Beitrag von caffi 19.10.10 - 21:30 Uhr

Danke für die ANtwort..
Zum letzteren: Diktate schreiben heisst bei meiner Tochter:
Deutsch GAR NICHT- NOCH NIE,
und in Dänisch waren es ca. 10 Stk insgesamt in den letzten zwei Jahren, dann aber höchstens einen Vierzeiler (kurze Zeilen-also wie ein Vers) der dann gute 10 Tage geübt werden konnte, bis man es dann als Diktat geschrieben hat.....

LG caffi

Beitrag von nicicolli 19.10.10 - 21:48 Uhr

Bei uns kommt laut Klassenlehrerin ab Ende der 1. Klasse die Einführung in die korrekte Rechtschreibung! Bis dahin dürfen und sollen sie nach Lautschrift schreiben!

Beitrag von kikou 19.10.10 - 22:27 Uhr

Hallo Caffi,

mein Sohn ist jetzt auch in der 3. Klasse (in einer zweisprachigen Schule) und Rechtschreibfehler werden recht streng bewertet. Ob Gross- oder Kleinschreibung oder andere Dinge, alles wird angestrichen und führt zum Punktabzug.

In der ersten Klassen sollten sie, damit sie Spass am Schreiben bekommen, schreiben, wie sie hören - den ersten selbst geschriebenen Wunschzettel an den Weihnachtsmann heben wir auf und werden ihn zum 18. Geburtstag wieder rausholen :-)
Seitdem werden nach und nach Rechtschreibregeln eingeführt - Gross- und Kleinschreibung, Satzzeichen usw. und es wird erwartet, dass die Kinder diese beherrschen und auch anwenden. Das finde ich auch richtig und sinnvoll, denn wenn sie sich erst einmal was Falsches einprägen, wird es umso schwerer, den Kindern das wieder abzugewöhnen...

Mein Sohn schreibt in ein paar Tagen seinen ersten Aufsatz, da wird auch Rechtschreibung bewertet. Bei der Zeugnisnote für Deutsch wird Rechtschreibung dreifach (!) gewichtet, wird also wichtiger gewertet als Ausdruck oder Aufsatz...

Insofern finde ich es etwas befremdlich, dass das im dritten Schuljahr immer noch so "frei Schnauze" laufen soll.
Gruss
Kikou

P.S.: An der Schule meines Sohnes wird nach dem baden-württembergischen Lehrplan gearbeitet.

Beitrag von anja9002000 20.10.10 - 10:43 Uhr

Hallo,

ich finde das gefährlich. Ich unterrichte in der Realschule und stelle immer mehr fest, dass die Rechtschreibung bei den Kleinen 6-7 Klassen eine Katastrophe ist. Das ist nun die Schülergeneration, die dieses Grundschulkonzept mitmachen musste.
Ich bin der Meinung - und die Beobachtung in der Praxis gibt mir Recht -, dass etwas, dass sich visuell (bildlich) ins Gedächtnis eingebrannt hat, sehr schwer wieder ausbügeln lässt. Die meisten Kinder prägen sich Wörter bildlich ein und wenn sie es x-Mal falsch lesen, prägt sich dieses Bild von einem Wort richtig ein und dann ist es schwer wieder wegzubringen. Ich finde, dass die Kids spätestens ab der zweiten Klasse mit der richtigen Orthographie anfangen sollten. Gott sei Dank hat meine Tochter eine tolle Lehrerin, die genausowenig von dieser Methode hält wie ich und schreibt jetzt in der zweiten Klasse nahezu fehlerfrei.
Bei meinen Schülern stelle ich immmer wieder fest, dass sie Wörter falsch schreiben, die weder mit der Lautung (so wie sie es hören) zu legitimieren sind, noch mit einer alten Rechtschreibung.
Es ist manchmal grauenhaft, was ich in Aufsätzen so zu lesen bekomme. Nicht zuletzt aufgund dieser Art Schreiben zu lernen werden die Atteste wegen einer Lese-Rechtschreib- Schwäche (LRS) immer öfter erteilt und fast inflationär gehandhabt. In meiner 8ten Klasse habe ich 12 Schüler mit LRS. Ich finde das reichlich viel und glaube nicht, dass diese Kinder vor 20 Jahren als Rechtschreibschwach eingestuft worden wären.

LG Anja, die heute nicht in der Schule ist, weil eine Erkältung ihre Stimme mitgenommen hat.

Beitrag von 3wichtel 20.10.10 - 10:47 Uhr

Mein Grosser durfte in der Schule auch die ersten 2 Jahre schreiben wie er wollte.
Erst fand ich das ganz gut, da er so recht schnell Erfolge gesehen hat, wenn er kleine Texte alleine schreiben konnte.

Aber jetzt (3. Klasse) nervt es mich total: Plötzlich wird Rechtschreibung benotet und Druck gemacht und er hat sich viele Wörter einfach falsch angewöhnt.
Das Umlernen ist viel anstrengender, als es ein "Richtigschreiben" von Anfang an gewesen wäre.


Übrigens, kleiner Tipp von einem Lerntherapeuten: Im falschen Wort das Kind nicht selbst den Fehler suchen lassen oder nur den falschen Buchstaben daneben schreiben: So prägt sich das Kind die falsche Schreibweise optisch nur noch einmal ein.
Lieber das falsche Wort ganz durchstreichen und korrekt daneben/darüber schreiben.

Beitrag von zanadu01 20.10.10 - 18:00 Uhr

Hallo, die Antworten finde ich sehr spannend. Mein Sohn hat riesen Probleme mit der Rechtschreibung. Leider wird jetzt in der dritten Klasse alles bewertet. Er hat leider schon einige 6 kassiert.
Er hör schlecht und hat eine verkürzte merkspanne für Geschriebenes.
Er hat daduch jetz den Mut und die Lust verloren.

Beitrag von s30480 20.10.10 - 20:19 Uhr

Hallo Caffi,
mein Sohn ist zwar erst in der 2. Klasse, aber bei uns ist es bisher so gewesen,
letztes Jahr konnten sie schreiben wie sie wollten, dann haben sie Ende der 1.Klasse noch gelernt, dass man am Satzanfang groß schreibt. Und das wurde auch bewertet. Jetzt Anfang der zweiten Klasse nehmen sie gerade durch, dass man Namenwörter groß schreibt und sie arbeiten auch mit Lernwörtern. Richtige Listen schreiben sie da...
Wir wurden beim ELternabend auch darauf hingewiesen, den Kindern die richtige Schreibweise mitzuteilen, wenn sie etwas falsch schreiben, wir sollen auch immer mal wieder im Hausaufgabenheft schauen ob die Wörter richtig geschrieben sind.
Aber in der 3. find ich schon etwas spät... bin auch der Meinung wenn man zwei - drei Jahre etwas falsch geschrieben hat, hat es sich visuell so eingeprägt dass man es immer falsch schreibt...
Evtl solltet ihr euch nochmal mit Klassenlehrer und Elternsprechern zusammen setzen und euch das Konzept erklären lassen...
Liebe Grüsse