Mein Kind-mein Beruf-meine Entscheidung

Archiv des urbia-Forums Familienleben.

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von elcheveri 21.10.10 - 20:00 Uhr

Hallo Ihr lieben,

ich muß mir heute doch mal was von der Seele schreiben......
Ich bin Krankenschw arbeite aber seit Jahren im Behindertenbereich..nach einem Jahr Elternzeit bin ich mit einer 0,25 Stelle wieder eingestiegen.....habe ein Jahr lang in der Beschäftigungstherapie gearbeitet als meine Chefin irgendwann berichtete das Sie in ein anderes Haus wechselt.Viel Pflege-kein Pflegepersonal und und und......ich sagte spontan das ich gern mitwechseln würde,und mir auch vorstellen könnte auf ne 0,5 Stelle zu erhöhen.(mein Mann arbeitet von zu Hause aus,deshalb kein Problem)
Gesagt getan.....seit Juni bin ich dort-sehr viel Arbeit,viele Überstunden-trotzdem mach ich es gerne.Aussicht auf eine tolle Fortbildung mit anschließender Stellenveränderung-also alles super!
Die andere Seite ist das ich viel (gedanklich)mit nach Hause nehme,sehr unentspannt bin schlecht schlafe usw....kurzum mir gehts nicht gut damit und meine Familie bekommt alles ab....
Ich hatte Urlaub und hab lange lange gegrübelt und nachgedacht...gestern habe ich einen Änderungsvertrag unterschrieben,ich gehe ab Nov erstmal wieder auf eine viertel Stelle zurück,verzichte damit auf die FO usw......und was ist?
Hab Abends geheult weil ich das wirklich gerne gemacht hätte und nicht begreifen kann warum ich es nicht schaffe beides unter einen Hut zu bringen.........
Danke fürs Lesen....#sonne Eva

Beitrag von october 21.10.10 - 20:17 Uhr

Hallo,
irgendwo hab ich jetzt einen Denkfehler... Wenn du so viele Überstunden (bezahlt oder unbezahlt?) hattest, dann wärst doch sinnvoller gewesen deine Stunden zu erhöhen?
Lohnen sich denn 10 h Arbeiten überhaupt? Das ist doch wahnsinnig wenig???

LG Annika

Beitrag von scura 21.10.10 - 20:28 Uhr

Sie schafft es psychisch nicht!

Kann mir vorstellen das so ein Berug psychisch ne Menge verlangt.
Mein Mann arbeitet in einer Notstelle für Obdachlose. Er ist oft fertig, hat den ganzen Tag mit schwierigen Leuten zu tun, ist müde und ewig unausgeglichen. Manchmal befürchte ich Burn-Out. Stundenmässig macht er sich auch nicht tot, aber die Belastung ist enorm.

Ich denke mal Krankenschwestern geht es da ähnlich.

Beitrag von october 21.10.10 - 20:30 Uhr

Achso, ich hatte es so verstanden, dass die Arbeit die selbe geblieben ist.

LG Annika

Beitrag von alkesh 22.10.10 - 11:23 Uhr

Aber wenn sie es psychisch nicht schafft, bringen 10 Std. weniger doch auch nichts, die Patienten und damit deren Schicksal bleibt doch das Gleiche!

Also ich versteh das gerade auch irgendwie nicht #kratz#gruebel

LG

Beitrag von gismomo 23.10.10 - 17:46 Uhr

Doch, das bringt schon was. Man hat mehr Zeit um sich zu regenerieren und in der "Freizeit" aktiv Ausgleich zu betreiben. Es geht nicht um "alles-oder-nichts" sondern darum, dass die Psyche in der Balance bleiben kann! Das ist sicherlich schwer zu verstehen für jemanden, der einen Beruf hat, der einen psychisch nicht fordert - aber jemand der einen ähnlichen Beruf hat, versteht es sofort...

lg
k.

Beitrag von alkesh 23.10.10 - 18:15 Uhr

Ich arbeite auch im Gesundheitswesen und verstehe es nicht #schein

Beitrag von gismomo 24.10.10 - 01:17 Uhr

Dann bist du wahrscheinlich psychisch gesehen einfach eine andere Sorte Mensch. Bei uns Lehrern gibt es auch "solche und solche". Meine Schwiegermutter ist auch Lehrerin, aber vom Typ her völlig anders als ich. Sie versteht so was auch nicht. Das ist auch absolut in Ordnung, nicht alle Menschen sind gleich. Leider kann man nicht mal in die Haut eines anderen schlüpfen, sonst könntest du es mal ausprobieren, und dann würdest du merken, was ich meine. Ich kanns jedenfalls gut nachvollziehen, dass nicht der Beruf an sich das Problem ist, sondern das "Zuviel" der gleichen Art von Stress. Deshalb macht eine Reduktion der Stundenzahl durchaus Sinn, man muss nicht gleich den Beruf aufgeben oder sich für den Beruf als ungeeignet ansehen.

lg
K.

Beitrag von sinastern 22.10.10 - 08:58 Uhr

hi ich bin auch Krankenschwester ab okt.11 gehe ich 80 % .....alle schichten, meine motte ist dan 1,5 , mein mann die woche auf montage...
wie soll ich das schaffen ? Was du schreibst macht mir angst#zitter

Gruß Linda , die sich schon vor den Nachtdiensten fürchtet (6 am stück!)

Beitrag von frau_e_aus_b 22.10.10 - 14:52 Uhr

Hallo...

Man schafft das.... glaub mir #liebdrueck

Ich bin auch Krankenschwester. Arbeite seit 1Jahr wieder (bin kurz nach Yannicks 2. Geb wieder angefangen).
Alle 3Schichten, mein Mann nur am WE zu Hause (Soldat und 200km von uns entfernt).

Ich hatte einen 25Std/Wo, da es bei uns allerdings nach Jahresstunden berechnet wird, hatte ich auch mal Monate wo ich 130-140Std/Monat hatte.

Wie ist dein Kind betreut?

Ich hatte bis zum Sommer eine ganz tolle TaMu, die rund um die Uhr betreut hat.
Nun geht Yannick in den Kiga. Hätte auch gerne weiter im KH gearbeitet (Hätte dann halt die TaMu "behalten" )
Aber meine Chancen auf Vertragsverlängerung standen schlecht und ich hab dann super Jobangebot in einer Tagesklinik bekommen (Mo-Sa und nur von 8-18Uhr geöffnet). Arbeite dort dann 30Std mit Option auf mehr wenn ich möchte.

LG
Steffi

Beitrag von elcheveri 22.10.10 - 20:18 Uhr

Hi Steffi
ich arbeite ja schon wieder seitdem Henry 1 Jahr alt ist....nun ist er 2,5 und ich wollte nie das er so früh von einer Tamu betreut geht oder in die U3 Betreuung im Kiga.......Mein Mann arbeitet von zu Hause aus und ist für Henry da wenn ich arbeite.....
Ich arbeite im Schwerstmehrfachbehindertenbereich,im moment halt 20std/Woche bin ca 3 volle Tage dort.....habe in 4 Mon 60 Überstd gemacht,nun die anstehende FO die ca 1 Jahr dauern würde in Blöcken immer von 9 bis 17 Uhr....Mein Mann ist unser Hauptverdiener und arbeitet dann wenn ich wieder da bin.
Klar schafft man das aber zu welchem Preis????
Lg

Beitrag von schneutzerfrau 22.10.10 - 10:21 Uhr

Hallo

ich habe auch nur 10 stunden, aber obwohl sie mir nie was ausgemacht haben finde ich es zur Zeit sehr anstrengend , weil es bei uns (physiotherapeutin) soviele unstimmigkeiten und so weiter gibt. ich kann verstehen wie du dich fühlst. Andersherum... wenn du diese fobi willst .... dann mache weiter . es kommen ruhiger phasen. Suche dir einen für dich guten ausgleich.

arbeit nicht mit nach hause nehmen fällt mir schwer vor allem wenn man so manchen schicksalschlag dabei hat, aber es ist wichtig sich an der Praxis tür wenigstens vom meisten zu lösen.

Lg sabrina

Beitrag von mauskewitzki 22.10.10 - 10:47 Uhr

Hallo,

warum man das nicht schafft alles unter einen Hut zu bekommen ist ganz einfach, wir sind "nur" Menschen. Wir können nicht in allem immer gut sein. Gute Mutter, gute Ehefrau, gute Hausfrau, toller Gesprächspartner, gute Arbeitnehmerin..... das ist für keinen auf Dauer zu schaffen. Leider ist unsere Gesellschaft so, dass dies nur wenige zugeben und man den Eindruck bekommt bei anderen würde es doch auch gehen. Heute gibt es mehr Menschen denn je die aus Überforderung krank werden.

Jeder sollte deshalb seine Prioritäten setzten. Das hast du ja getan ;-) Ich denke, du hast es genau richtig gemacht, bevor das wirklich Wichtigste im Leben, nämlich deine Familie leidet, hast du die Reißleine gezogen. Das finde ich sehr mutig und bewunderswert #pro

LG

Beitrag von elcheveri 22.10.10 - 20:22 Uhr

Liebe mauskewitzki

DANKE!!!!! Man braucht dann doch ab und an mal ne Bestätigung das man es richtig gemacht hat und nicht doch einen riesen Fehler macht weil man sich mit der Entscheidung in seinem beruflichen Weiterkommen stoppt.(Worte der Chefin)
Ich wollte nie das mein Kind so früh fremdbetreut wird......und ich hab das alles sozusagen "freiwillig"gemacht weil wir nicht auf mein Geld angewiesen sind ,was natürlich ein riesen Glück ist....
Es funktioniert nicht-und das sollte man früh genug einsehen.....
LG

Beitrag von gismomo 23.10.10 - 16:06 Uhr

Hallo Eva,

schade, dass wir keine Roboter sind, nicht wahr :-P

Nein, im Ernst - ich kann dich sehr gut verstehen. Mir geht es im Prinzip genauso. Ich mag meinen Beruf, ich mag meine Aufgaben zuhause. Beides zusammen ist mir zu viel. Ich nehme berufliche Sorgen mit nach Hause, bin dann angespannt und meine Kinder bzw. mein Mann leiden darunter. Ich wünschte auch, ich könnte "perfekt" sein. Was zur Foge hat, dass ich nun zu allem auch noch ein schlechtes Gewissen habe.

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, seit einem Jahr, und habe mich entschieden, beruflich kürzer zu treten. Ich kann eher auf mein berufliches Weiterkommen verzichten als darauf, dass zuhause alles immer nur faule Kompromisse sind und ich ständig Zoff mit meinem Mann habe, weil ich nervlich angespannt bin. Und das Geld, das ich verdiene, gebe ich momentan sowieso nur für Frustkäufe aus.

Ich habe auch einen Beruf, den man mit Leib und Seele ausüben kann und für den man sich aus genau dem Grund entscheidet - ich habe das zumindest getan. Deshalb kann ich und will ich ihn auch nicht mit 0815-Einsatz ausüben. Das macht mich nicht glücklich. Deshalb reduziere ich meine Arbeitszeit.

Du siehst, es geht anderen Frauen auch so. Das ist kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben - das habe ich mir inzwischen abgewöhnt, denn es bringt mich nicht weiter. Wenn du das Gefühl hast, es ist für die Gesamtsituation besser, dann mach es, und grübel nicht mehr. Vielleicht kannst du dich beruflich wieder mehr engagieren, wenn die Kinder älter sind. Ich sehe vieles einfach als eine momentane Zeitphase an. Das wird auch wieder anders. Ich kann (und "muss") noch 30 Jahre in meinem Beruf arbeiten. Da bleibt noch genug Zeit übrig, meine Stunden aufzustocken, wenn meine Kinder älter sind.

lg
K.