Gedanke an Hochzeit bedrückt noch immer

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Forum: Hochzeit

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Beitrag von sarosina1977 22.10.10 - 13:58 Uhr

Hallo Mädels.

Ich möchte mich bei Euch für Eure Anteilnahme an meinem Hochzeitsthema bedanken. Ihr habt mir viel Klarheit verschafft, aber meine Grübelei über unsere Heirat hört einfach nicht auf.

Ich habe ja dieses Mutter-mit-Borderline-Problem geschildert; hier habe ich eine Entscheidung getroffen - aber meine Entscheidung zieht noch weitere Kreise: Ich will einfach nicht groß und mit TamTam heiraten.
Mein Künftiger ist ein ganz toller Mann, ich fühle mich so richtig "angekommen" im Leben, wir gehen mit großem Respekt und viel Liebe miteinander um - ich bin sehr glücklich mit ihm. Und ich freue mich wirklich, seine Frau zu werden.

Aber es gibt ein Aber:

Neben meiner vertrackten Familienkonstellation (ich berichtete) haben wir auch eine nicht sonderlich leichte Basis für unsere Beziehung gehabt. Ich mache es kurz: Wir sind beide Personen des öffentlichen Lebens, haben uns über den Job kennen und lieben gelernt, schmachteten uns zwei Jahre lang an - aber er war in einer Beziehung (Keine Ehe, keine Kinder und ich wusste von der Beziehung nichts). Er hat sich getrennt, die Ex zog aus. Ich war zwar nicht der Grund für die Trennung, wohl aber der Auslöser, der letzte "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen" brachte. Wir leben jetzt hier in seinem Heimatort, (seine Ex übrigens auch), natürlich waren wir Gesprächsthema Nr. 1; dem haben wir getrotzt, ich bin mit Kind zu ihm gezogen und ich finde mich ganz gut zurecht, obwohl ich eine gewisse Altlast schon merke.

Mein Künftiger will mit einem mittleren TamTam heiraten. In seinem Heimatort. Dort ist er in wichtigen Funktionen involviert. Er will ein Zeichen für uns setzen, frei nach dem Motto: "Jetzt erst recht". Ich verstehe ihn total. Er war noch nie verheiratet, er ist voller Begeisterung, macht Überstunden, um genug Geld zusammen zu kriegen, schickt mir Links zu Weddingplaner-Seiten, macht sich Gedanken über sein Outfit, wir haben schon Ringe angeguckt, gehen auf Hochzeitsmessen usw. Ganz arg süß...

Aber wir haben noch nicht mal einen Termin. Der Grund: Wir sollen - das wünscht er sich so sehr - das erste Paar sein, das in einem neu zu eröffnenden Gebäude des Orts heiratet - natürlich in gewisser Hinsicht spektakulär...Ein Eröffnugnstermin ist bis dato nicht abzusehen. Eröffnung könnte im Februar sein, oder aber auch im März. Planung? Kaum möglich. Dabei bin ich eher ein flexibler Mensch. Er kommt vom Land, ich bin "Auswärtige", geschieden, mit Kind. Zwar habe ich eine ganz gute Position hier im Ort, aber ich will einfach kein Publikum bei unserem großen Tag dabei haben. ich mag Tratsch und Klatsch nicht. Es ist bekannt, dass wir heiraten werden. Direkt drauf ansprechen tut uns niemand, aber natürlich wird getratscht.

Außerdem: Da ich schon mal verheiratet war, weiß ich ganz genau, was mir Ehe und Heiraten bedeutet. Es geht mir um den Sinn der Ehe, dem sich-zueinander-bekennen. Ich bin kein Mensch, der eine große Bühne braucht - mir geht es um den Sinn, und nicht darum, möglichst groß zu "klotzen".

Wir haben schon darüber geredet. Wir streiten darüber nicht. Er versteht meine Einwände, ich seine. Aber er wünscht es sich so sehr, mich in seinem Ort zu seiner Frau zu machen.
Mein Gefühl sagt aber, dass es aus bestimmten Gründen (u.a. wegen der Exfreundin, mit der er viele Jahre zusammen war) besser wäre, ein bisschen diskreter zu sein. Außerdem bin ich noch nicht mal richtig in seiner Familie angekommen, die natürlich auch mit den blanken Tatsachen konfrontiert wurde: Erst die eine, über Jahre hinweg - dann plötzlich ich, mit Kind und Kegel.

Ich träume von einer kleinen, stillen Standesamtshochzeit, nur mit ihm, mir und meinem Kind - irgendwo. Vielleicht an der Nordsee, wo wir gleich Urlaub machen können.

Und dann als Ehepaar zurück zu kommen - das hat schon was...


Danke fürs Lesen. Und auch für Ratschläge.


Beitrag von stormkite 22.10.10 - 14:18 Uhr

Hallo Sarosina,

möglicherweise gibts eine einfache Lösung: Ihr heiratet möglichst bald ganz einfach und still - Standesamtlich. Und ein zweites mal Kirchlich - mit dem Aufwand, den dein Mann sich wünscht - in einem oder zwei Jahren.

Ich verstehe euch beide: ich persönlich mag die "stille" Hochzeit lieber. Aber eine Heirat ist von ihrem Wesen her die öffentliche Bekanntmachung: "schaut alle her, dieser Mensch ist jetzt meine Familie." Es ist ein wichtiges Übergangsritual, das deutliche Zeichen für einen selber UND für das gesamte Umfeld setzt. Dieses öffentliche Bekenntnis ist natürlich um so gewichtiger, je öffentlicher eine Person in ihrem Umfeld wahrnehmbar ist.

Liebe Grüße, Kite

Beitrag von sarosina1977 22.10.10 - 15:53 Uhr

Liebe Kite.

Vielen Dank für Deine Nachricht. Es gibt schon wieder Neuigkeiten...Vor einer Stunde fand ein Gespräch statt, zwischen ihm und mir. Er ist so verletzt über meine Aussage, dass ich mir derzeit eine Hochzeit im Ort nicht vorstellen kann und will, dass er gesagt hat: "Dann lassen wir alles."

Nun gut - unter diesen Voraussetzungen wäre eine Heirat wohl eher unangebracht. *frotzel*

Ich weiß jetzt auch, WAS mich an diesen ganzen Vorbereitungsgedanken so stört: Ich fühle mich nicht wohl. Mit meinem Partner fühle ich mich sehr wohl. Aber dieser ganze "Zauber" drumherum... Er ist durch seine Funktionen im Ort ein "begehrtes Objekt der Begierde" und neulich kam er nach Hause, und erzählte, dass Frau X (alleinstehend) ihn schnippisch abgecancelt hätte, wohl weil sie weiß, dass wir heiraten wollen. Diese Frau wäre übrigens bei der standesamtlichen Hochzeit dabei (aus dienstlichen Gründen). Möchte ich das??? Ich fühle mich nicht wohl. Und es ist dieses Jahr so viel vorgefallen, durch unser Zusammenkommen - meine Belastungsgrenze ist erreicht. Ich möchte einfach nichts machen, hinter dem ich nicht stehen kann.
Er meinte vorhin, dass ich alles negativ sehen will. Es sei doch egal, wer was redet. Ja, ist es auch. Ich habe viel auf mich genommen, um diese Beziehung führen zu können. Momentan kann ich nicht noch mehr leisten.

Deine Ausführungen, Kite, finde ich sehr schön. Unter diesem Aspekt habe ich das "Procedere" noch gar nicht betrachtet. Ich kann solchen Spektakeln nun mal einfach nichts abgewinnen und unter solch schwierigen Voraussetzungen schon gar nicht.

*seufz*

Mal sehen, wann mein Schatz wieder nach Hause kommt. Er ist vorhin einfach weggefahren, mit dem Kommentar: "Das muss ich erst mal verdauen."

Ich auch.


Beitrag von sunshine1176 22.10.10 - 19:49 Uhr

Liebe Sarosina,

leider kann ich dir keinen wirklichen Rat geben, da ich deine Situation recht schwierig finde und auch irgendwie trautig!

Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen, ihre Idee finde ich echt gut, scheint mir ein guter Kompromiss für euch sein zu können!

Warum ich dir trotzdem antworte: Ich möchte dir einfach sagen, dass ich dich absolut verstehen kann! Ich würde genauso denken, fühlen und handeln!

Ich finde egal was für eine öffentliche Person man ist, es gibt einfach Dinge, die sind privat und die gehen keinen was an und wenn ich schon lese, dass Frau X teilnehmen müsse, da hätte ich persönlich keine Lust mehr zu heiraten!

Versucht einen Kompromiss zu finden, der euch beide glücklich macht, versuch nochmal mit ihm zu sprechen, wenn er wieder kommt und ihr beide ein wenig Luft hattet. Muss ja nicht heute sein.

Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr eine Lösung findet, die euer Glück auch weiterhin aufrecht hält!

Alles Liebe
sunshine

Beitrag von sarosina1977 23.10.10 - 05:58 Uhr

Hallo Mädels.

Ach, ist das alles aufregend... Unsere Diskussion haben wir fortgesetzt und sie war ziemlich kontruktiv - wie sehr ich ihn dafür liebe #verliebt

Ich muss einräumen, dass ich mich derzeit einfach auch ein wenig belastet fühle. Wir haben seine Trennung, die alles andere als einfach war, gemeinsam bewältigt, meine familiäre Konstellation ist äußerst heikel, ich habe einen Umzug hinter mir, die Kleine hat den Kindergarten gewechselt und brauchte dafür auch meine Unterstützung, dann mussten wir uns auch in seiner Familie einfinden, die quasi von heute auf morgen mit mir als "Nachfolgerin" konfrontiert wurde usw. usw.

Er sagt: "Ich bin stolz, so eine Frau wie Dich zu bekommen; jeder soll mein Glück sehen. Und Du musst Dich nicht verstecken!"

Ich sage: "Ich wünsche mir Zeit für Dich und mich, ein wenig Ruhe, weil immer irgendwas los ist."

Durch seine Ämter und durch meine Position sind wir irgendwie ständig unterwegs, sehen uns manchmal nur zwischen Tür und Angel. Das ist nicht schlimm, weil wir das beide von unseren Berufen gewöhnt sind - aber irgendwie wünsche ich mir einfach Luft zum Durchatmen - vor allem an unserer Hochzeit.

Wir sind jetzt so verblieben:

Wir wollen beide jetzt zur Ruhe kommen und ich werde in aller Ruhe über die Heirat in seiner Heimat nachdenken. Und wenn ich mich nicht dazu entschließen kann und will, heiraten wir ganz klein und privat in der Ferne.
Dafür holen wir - danke an Dich, Kite, für Deinen Vorschlag - eine Riesensause nach, wenn unser geplanter gemeinsamer Nachwuchs da ist. Mit Kirche und Taufe und allem pipapo. Diese Vorstellung erschreckt mich zum Beispiel überhaupt nicht. Seltsam...

Vielleicht bin ich einfach zur Zeit überstrapaziert. Es war halt wirklich sehr, sehr viel los...und nicht nur Schönes. In unserer Beziehung fühle ich mich wahnsinnig wohl. Aber das Drumherum - das ist für mich derzeit einfach ein Graus.

Aber Ihr seht - wir wandeln auf einem guten Weg nach vorn...

Danke fürs Lesen...

sarosina