Arbeitsrechtsprofis hier? Kündigung während angeblicher Probezeit ...

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Beitrag von schnuppi1983 23.10.10 - 13:25 Uhr

nach der Elternzeit..l


Hallo,

ich fange mal von vorne an:

Also heut endetete meine Elternzeit, sprich, wäre heut Montag oder so, wäre ich heut wieder arbeiten gegangen.

Ich hab seit Beginn meiner Schwangerschaft Stress mit meinen Chef gehabt, weshalb ich nach Krankheit in ein Beschäftigungsverbot ging.

Ich hatte eine vertrgl. geregelte Probezeit von 6 Monaten, kurz vor Ablauf dieser Probezeit kündigte er mich, was allerdings rückgängig gemacht wurde, durch die Schwangerschaft.

Nun bekomm ich heute ein Kündigung zugestellt, ... kündigen wir innerhalb der Probezeit zum....

ist das so rechtsmäßig? Ich meine, dass die Probezeit sich unter Umständen verlängern kann, weiß ich. Aber hätte mir dass dann nicht mitgeteilt werden müssen?

Zumal meine Probezeit rechtmäßig zum 31.3.09 endete, ich danach dann mein Beschäftigungsverbot folgte.

Wäre lieb, wenn mir jemand helfen könnte. (möchte nicht gleich wieder zu einem Anwalt rennen, da ich in der Vergangenheit meine Rechtschutz dahingehend genug geschröpft habe und eine Kündigung wäre nicht so gut)

lg

Beitrag von susannea 23.10.10 - 13:27 Uhr

Du brauchst nicht gleich zum Anwalt rennen sondern kannst gleich beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage einreichen. EIne Probezeit verlängert sich keinesfalls durch eine Schwangerschaft, somit ist die Probezeit um und sie können dir nur normal kündigen!

Beitrag von schnuppi1983 23.10.10 - 13:36 Uhr

ok danke dir.

lg

Beitrag von hippogreif 23.10.10 - 16:42 Uhr

Entgegen der anderen Antwort oben ist es durchaus möglich, dass eine Schwangerschaft/Elternzeit die Probefrist "hemmt".
Kündigungschutz hast Du nach 6 Monaten, also nach Ablauf der Probezeit. Diese dient aber eben für beide Seiten der Erprobung, wie der Name schon sagt. Wenn Du nun nur 2 Monate gearbeitet hast und danach in ein Beschäftigungsverbot und Elternzeit gegangen bist, dann kann man durchaus darüber nachdenken, ob eine Kündigung in der Probezeit möglich ist, da der AG eben keine richtige Möglichkeit hatte, Deine Arbeitskraft ausreichend zu beurteilen, da Du nur so wenig bisher bei ihm gearbeitet hast.
Entscheidend ist dafür ist, wie lang Du vor Krankheit und Beschäftigungsverbot für Deinen AG gearbeitet hast.
Grundsätzlich gilt: nach Erhalt der Kündigung hast Du 2 Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Kündigungschutzklage einzureichen. Dafür brauchst Du keinen Anwalt. Du marschierst einfach zum ArbG, welches für Deinen AG zuständig ist und gibst dort bei einem Urkundsbeamten zu Protokoll, dass Du gegen die Kündigung Kündigungsschutzklage erheben möchtest. Geht wirklich ganz einfach.
Bei weiteren Fragen helfe ich gerne!

Beitrag von schnuppi1983 23.10.10 - 20:00 Uhr

hallo,

danke auch dir. Mit der Frist zur Einreichung einer KSchuKlage weiß ich, dass sind drei Wochen.

Also ich hatte unfähr 5 von den 6 Monaten Probezeit gearbeit, der Rest war Kinderkranktage und leider meine eigene Krankheit. Kurz vor Ablauf der Probezeit kam dann die Kündigung, die nichtig war und ich war nochmal 4 Wochen krank, was in die eigentliche Probezeit aber dann gar nicht mehr fiel, da abgelaufen (oder halt auch nicht).

Erst danach griff das Beschäftigungsverbot.

Alles verzwickt ..man.

Ich hab auch noch nen Titel, wo er verpflichtet ist mir ein gutes Arbeitszeugnis (ein vorläufiges) auszustellen, da hatte er mir ein sehr schlechtes (5) erteilt. Ich müsste jetzt die Zwangsvollstreckung gegen ihn anfangen, aber eigentlich brauche ich ja jetzt kein vorläufiges mehr, sondern dann ein Endzeugnis...

O man, dass kann ja dauern...

lg

Beitrag von hippogreif 23.10.10 - 22:00 Uhr

Sorry, natürlich hast Du Recht, es sind 3 Wochen Frist für die Einreichung der Kündigungsschutzklage.
Wenn Du 5 volle Monate gearbeitet hast ohne Unterbrechung, dann sollte die Probezeit tatsächlich abgelaufen sein.
Ich glaube, dass die Kündigung vor Gericht als rechtswidrig befunden würde.
Du hast nichts zu verlieren. Kosten entstehen in der vorgeschlateten Güteverhandlung für Dich ohne Anwalt nicht. Einen Anwalt brauchst Du vor dem Arbeitsgericht in dieser Instanz nicht, Du kannst Dich selbst vertreten. Der Richter wird Dir in der Güteverhandlung alles erklären und eine realistische Rechtssicht schildern.
Du solltest Dir allerdings überlegen, was Du willst. Kommt es Dir auf eine Weiterbeschäftigung an oder wärst Du auch zufrieden mit einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegen eine entsprechende Abfindung? Soetwas wird in der Güteverhandlung besprochen und dann meist ein Vergleich geschlossen.
Ich würde an Deiner Stelle in jedem Fall Kündigungsschutzklage einreichen. Allerdings

Beitrag von schnuppi1983 23.10.10 - 22:21 Uhr

hallo,

es geht mir darum, dass ich ja so noch bis zum 30.November (oder?) volles Gehalt bekäme, wenn hilfsweise der nächste mögliche Termin zur Kündigung erhalten würde.

Man sagt ja vier Wochen zum 15. bzw.1., also wäre es der 1.November oder?

O man, ...

Meinst du denn, da würde mir überhaupt eine Abfindung zustehen? Solche verzwickte Sache hatte ich noch nicht, und man findet dazu im Netz nichts.

Zählt denn das Beschäftigungsverbot, bzw. die Zeit bis zum Mutterschutz und sogar ev. das Elternjahr auch noch in die Beschäftigungsdauer? und ist dann ev. sogar wirklich eine Abfindung mgl.?

Weil wenn nicht, hab ich ja kein Jahr dort gearbeitet, dann wäre Abfindung ja nicht mgl. oder?

lg

Beitrag von hippogreif 23.10.10 - 22:47 Uhr

Die Höhe der Abfindung richtet sich in erster Linie nach der Schwere der Unwirksamkeit der Kündigung.
Wenn offensichtlich ist, dass die Kündigung unrechtmäßig ist, dann muß er Dich eigentlich zurück nehmen. Möchtet ihr das beide nicht, könnt ihr euch statt dessen auf eine Entschädigung einigen, dafür, dass Du quasi freiwillig auf den Arbeitsplatz verzichtest.
Ist Deine Kündigung also rechtswidrig, wovon ich eigentlich ausgehe, so hast Du auch sehr gute Chancen auf eine Abfindung - es sei denn, Du bestehst auf Weiterbeschäftigung.
Taktik in der Güteverhandlung: laß Dir ein Angebot machen bzgl. einer Abfindung. Dann schüttele beim Betrag X, den er nennt, den Kopf und sage, für diesen lächerlichen Betrag setzt Du doch nicht Deinen festen Arbeitsplatz aufs Spiel... ;-)
Was soll er denn machen?
Wenn er Dich wirklich loswerden will, dann muß er Dich schon angemessen entschädigen, so einfach.
Ansonsten entscheidet der Richter nämlich auf Weiterbeschäftigung...

Beitrag von sassi31 23.10.10 - 20:29 Uhr

Hallo,

ich kann mir durchaus vorstellen, dass er berechtigt ist, die Probezeit zu verlängern. Aber bestimmt nicht ohne vorherige Ankündigung.

Nimm dir einen Anwalt. Vor allem, wenn du sowieso eine Rechtsschutzversicherung hast.

Gruß
Sassi

Beitrag von schnuppi1983 23.10.10 - 20:35 Uhr

danke dir.

Werd mal schauen und mich mit meinem Mann besprechen.

lg

Beitrag von hippogreif 23.10.10 - 22:42 Uhr

Sorry, wenn ich wieder die Keule raushole, aber warum äußerst Du Dich zu einem Sachverhalt, von dem Du keine Ahnung hast????
Die Probezeit kann auch 4 Jahre betragen, trotzdem hat man nach dem dt. Gesetz nach 6 Monaten Kündigungschutz. Die Länge der Probezeit hat nichts mit dem Kündigungsschutz zu tun!#aha

Beitrag von sassi31 24.10.10 - 00:37 Uhr

"ist das so rechtsmäßig? Ich meine, dass die Probezeit sich unter Umständen verlängern kann, weiß ich. Aber hätte mir dass dann nicht mitgeteilt werden müssen?"

Ich beantworte die zweite Frage aus dem Zitat der TE und keine Frage zu einer Kündigungsfrist. Und ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass man eine Probezeit verlängern kann, ohne den AN zu informieren.

Die gesetzlichen Regelungen bzgl. Kündigung und Kündigungsschutz sind mir bekannt. Ich habe 12 Jahre in einer Personalabteilung gearbeitet, hatte aber nie mit verlängerten Probezeiten zu tun.

Du solltest also besser richtig lesen, bevor du "die Keule rausholst".

Gruß
Sassi

Beitrag von sassi31 24.10.10 - 01:21 Uhr

Nachtrag:

Ich erteile hier übrigens keine rechtsverbindliche Auskunft, sondern äußere lediglich meine Meinung, wie ich mir das vorstelle. Dazu gebe ich den Ratschlag, einen Anwalt einzuschalten.

Was ist daran deiner Meinung nach verkehrt oder von Nachteil für die TE? Das würde mich nun wirklich mal interessieren.

Beitrag von hippogreif 24.10.10 - 07:41 Uhr

Oh man.
Nochmal: es kommt überhaupt nicht darauf an, ob hier irgendwer die Probezeit verlängert hat oder oder dies gerne möchte.
Die 6 Monate, in denen man kein Kündigungsschutz hat, sind vom AG grundsätzlich nicht angreifbar. Sie dienen der Erprobung/Beurteilung der Arbeitsleistung des AN durch den AG. Nur in Extremfällen, wenn ein AN z.B. erst sehr wenige Wochen gearbeitet hat und danach ständig fehlt durch Krankheit/Beschäftigungsverbot etc. und für den AG eine Beurteilung der Leistung des AN gar nicht möglich ist, verlängert sich die Probezeit durch das eingetretene Beschäftigungsverbot und wird quasi hinten ran gehängt.
Hintergrund ist, dass dem AG eine Minimum-Zeit zur Verfügung gestellt werden muß, um die Leistung beurteilen zu können.
In diesem Extremfall tritt die Verlängerung der Probezeit automatisch in Kraft und muß nicht extra vereinbart werden.
Nun alles klar?
Im Übrigen und um auf den hier vorliegenden Fall zu kommen, liegt hier bei gearbeiteten 5 Monaten definitiv keiner dieser Extremfälle vor, so dass der Kündigungsschutz greift.

Beitrag von sassi31 24.10.10 - 12:47 Uhr

Wie ich bereits schrieb, sind mir die gesetzlichen Regelungen bekannt. Auch, dass eine Probezeitverlängerung über 6 Monate hinaus problematisch für den AG ist, weil dann eben der Kündigungschutz greift.

Ich kenne es übrigens von einem Bekannten her, dass er die Probezeit verlängert bekommen hat, weil seine Arbeitsleistung innerhalb der 6 Monate wohl total geschwankt hat und der AG ihm eine letzte Chance einräumen wollte, eine gleichbleibend gute Arbeitsleistung zu zeigen. Zwischenmenschlich hat da wohl alles gepasst und deshalb wollte der AG ihn nicht direkt aufgeben. Es kann also durchaus vorkommen, dass 5 Monate für die Beurteilung nicht ausreichen.
Und bevor du dich wieder dran hochziehst: Es hatte für die Probezeit einen befristeten Vertrag.

Und was fandest du nun falsch an meinem Rat, einen Anwalt zu befragen?