Als typischer Mittelschichtler nicht im Mittelschichtland wohnen ....

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Aktuelles und Zeitloses rund um das (Familien-) Leben im Allgemeinen. Auch gesellschaftliche Themen sind in dieser Rubrik willkommen. Alles rund um den Internet-Handel, Versand etc. gehört in das Forum "Internet & Einkaufen".

Beitrag von scotland 23.10.10 - 23:52 Uhr

Vielleicht eine doofe Frage. Meine Tante (alt und nie verheiratet), besaß ein schnuckeliges kleines Stadthäuschen mit Garten mitten in der Innenstadt. Das muss man sich vorstellen wie im Film oben - alles um sie veränderte sich, nur sie und das Häuschen nicht.

Dann war sie alt und betagt und zog in ein Altersheim. Von ihrem Häuschen, in dem sie zur Welt kam, wollte sie sich nicht trennen und so zog ich zu Studizeiten hier ein. Damals war ich sehr genügsam, von Renovierung verstand ich nichts. Geil war halt die Lage und der Garten. An alles andere habe ich mich gewöhnt - das Haus ist halt aus dem frühen 19. Jahrhundert und kein Neubau.

Irgendwann hatte ich Kinder und mein Studium fertig und meine Tante starb. Sie war glücklich, dass wir in dem Häuschen wohnten und vermachte jedem in der Verwandtschaft ein Stück, aber wir bekamen das Wohnrecht. So nach und nach haben wir alle ausbezahlt und jetzt ist es unseres. Es ist halt ein altes Haus, das wir der Reihe nach zwar renoviert haben (Fenster, Leitungen, etc.), das sich aber doch von den Standard-
Neubauten unterscheidet.

Das Problem ist, dass das Haus unmittelbar an eine sozial schwache Gegend grenzt. Auch kein Problem wirklich, denn ich kenne viele unserer Nachbarn seit 10 Jahren und länger, es stört mich überhaupt nicht, wenn sie von Hartz 4 leben und manchmal andere Ansichten im Leben haben.

Das Problem ist nur, dass ich den sozialen Druck spüre. Ich möchte meine Tochter nächstes Jahr auf einer Privatschule anmelden und habe Angst, dass sie wegen der Adresse aussortiert wird. Während alle meine Kollegen in schniecken Reihenhäusern wohnen ist unser Haus halt "urig" mit vielen Uraltmöbel - aber auch IKEA dazwischen und es ist halt anders.

Ich liebe mein Haus und meine Nachbarn. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, in "Mittelschichtland" zu wohnen, aber ich habe Angst, dass auf Dauer meine Adresse meinen Kindern schadet. (Die Adresse würde als "Brennpunkt" identifiziert werden, nicht als altes Einfamilienhaus).

LG
Scotland

Beitrag von morjachka 24.10.10 - 00:00 Uhr

Hallo!

Kann sich ein Teil der Familie vielleicht bei jemand anders anmelden?
Also weiter in dem Haus wohnen, aber woanders gemeldet sein?
Oder ist es möglich, einfach eine andere Adresse anzugeben, ohne sich umzumelden? Also bei Freunden oder jemanden aus der Familie?
Und meinst du, der Wohnort ist wirklich so wichtig, wenn das Geld stimmt? Einer Privatschule könnte man ja Kontoauszüge vorlegen usw.
Umziehen auf keinen Fall!

Beitrag von jabberwock 24.10.10 - 00:23 Uhr

Tja.... wenn du es gut findest, dass die Menschen anhand ihrer Adresse katalogisiert/kategorisiert werden, dann zieh um.

Ansonsten halte dagegen und bleib - ist eigentlich ganz einfach, oder? ;-)

Beitrag von k_a_t_z_z 24.10.10 - 01:46 Uhr


Ich kann Dein Problem nachvollziehen aber weisst Du denn dass sie wirklich so selektieren? Rechtlich ok wäre das natürlich nicht, aber wir wissen ja wie die Welt funktioniert...

Wir hatten ein ähnliches Thema - mein kleiner Bruder hätte in eine wirklich üble "Problemgrundschule" gehen müssen, laut Wohnort - auch so eine Grenzsituation denn meine Eltern wohnten in einem schönen Viertel.

Wir haben ihn dann bei meiner Großmutter wohnhaft gemeldet, fertig.


LG, katzz

Beitrag von gingerbun 24.10.10 - 01:58 Uhr

Ich habe ehrlich gesagt noch nie über die Wirkung unserer Adresse nachgedacht. In keinerlei Richtung. Ich denke dass Du da eventuell ein Problem machst wo gar keines ist. Macht Dich denn als Mensch das Haus/die Wohnlage und die Einrichtung aus (in Bezug auf Deine Kollegen)? Oder mal anders: Vielleicht hebst Du Dich ja irgendwie ab da Du eben kein "Mainstream-Reihenhaus" bewohnst sondern eher individuell..?
Britta

Beitrag von sassi31 24.10.10 - 13:07 Uhr

Hallo,

ich wohne in einem neuen RMH, in einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil, der schon allein dadurch einen schlechten Ruf genießt. Geht man hier durch die Straßen und schaut sich ein wenig um, stellt man fest, dass das hier ein ganz normales und recht schönes Wohngebiet ist. Die Häuser sind gepflegt, die Bewohner sehen absolut normal aus und verhalten sich auch so. Krawalle gibts hier auch nicht häufiger als in den anderen Stadtteilen.

Wenn ich nun aber etwas bei einem Versandhaus bestellen möchte, könnte ich unter Umständen eine Ablehnung erhalten (ist aber noch nie passiert), weil dieses Gebiet als finanzschwach gilt. Das habe ich auf einem Seminar bei der Creditreform gelernt. Da wurde unser Stadtteil nämlich als Beispiel aufgeführt. Menschen werden also nicht nur anahnd ihrer finanziellen Möglichkeiten eingeschätzt, es zählt auch die Wohngegend.
Mitunter ist es also durchaus ratsam, sich über die Wohngegend Gedanken zu machen.

Ich würde trotzdem nicht umziehen. Mir gefällt es hier, weil es stadtnah, aber trotzdem ruhig ist. Meine Nachbarn sind auch nett und wir vertragen uns alle gut.

@ TE: Ich würde das Kind einfach auf der Schule anmelden. Wenn du in der Lage bist, die Gebühren zu bezahlen, sollte denen eigentlich egal sein, wo du wohnst.

LG
Sassi

Beitrag von pupsy 24.10.10 - 07:52 Uhr

Hallo Scotland,

wenn du nicht dazu stehen kannst wo ihr wohnt, dann solltet ihr umziehen.

Aber mal ehrlich, jeder wird doch in irgend einer Schublade gesteckt, ob er will oder nicht.

Wovor hast du Angst? Doch nicht etwa als Asi abgestempelt zu werden, oder?

Wenn jeder so denken würde wie du, na dann gute Nacht.

Wo jemand lebt, ist doch scheiß egal. Brennpunkt...Mittelschicht, wenn ich das schon höre. Kein Wunder das es immer mehr Leute gibt, die solche Aussagen machen. Demnächst gibt es nur noch arm und reich. Gut und Asi

Sorry

Nicole

Beitrag von nisivogel2604 24.10.10 - 07:53 Uhr

Weißt du, ich finde, wer so aussortiert, wegen einer Strasse und einer Hausnummer der denkt nicht weiter als das Schwein pupst und auf solche Menschen kann man im Leben doch gut verzichten.

Und wenn der Schulleiter nichtmal über diesen Tellerrand hinausschauen sollte, dann würde ich mich fragen ob dieses enge und begrenzte Weltbild an dieser Schule normal ist.#zitter

lg

Beitrag von valentina.wien 24.10.10 - 07:54 Uhr

Ich verstehe dein Problem absolut.
Dagegen halten, wie vorgeschlagen, würde ich persönlich nicht!
In Wien gibt es furchtbare Schulen, die allerdings vor allem deshalb so schlecht sind, weil Eltern aus höheren Bildungsschichten und mit höheren Einkommen ihre Kinder dort nicht hinschicken- typische Ghettoisierung. Ich finde das natürlich sehr schade und bin mir bewusst, dass sich diese Probleme nicht lösen, wenn Eltern nicht "dagegen halten". Aber: ich tu es auch nicht. Weil es um meine Kinder geht und ich die nicht (überspitzt formuliert) für den Kampf um eine bessere Welt "opfere"- ich bin einfach Mutter.

Du könntest deine Kinder wirklich woanders melden. Bei Freunden oder Verwandten.
Diese Praxis ist sowieso Gang und Gebe um Schulplätze in bestimmten Bezirken zu bekommen.


LG

Beitrag von derhimmelmusswarten 24.10.10 - 07:59 Uhr

Ich würde auf Leute, die auf sowas achten ......!!!! Ich finde es total sympathisch, dass ihr dort wohnt und auch dort bleiben wollt und meinen Kindern würde ich die gleichen Werte vermitteln. Besser in einem bezahlten kleinen Haus wohnen als in einem teuren Schuppen, der jahrzehntelang abbezahlt werden muss. Oder irgendwann versteigert wird. So wie bei uns im Ort in der teuersten Straße, wo sich einige reiche Möchtegern-Fuzzis ihre Villen plötzlich nicht mehr leisten konnten ;-)

Beitrag von brausepulver 24.10.10 - 09:00 Uhr

Huhu

ich würde mir da nicht so einen Kopf machen. Dann gehst du einfach hin und erkundigst dich mal über die schule und so ergibt sich doch ein Gespräch und was du draus machst ist deine Entscheidung. Oft bringt sowas schon viel. Ja, man ist einer von hunderten, die da hinkommen, ich weiß. Du solltest es aber versuchen :-)

Liebe Grüße

Beitrag von dina131283 24.10.10 - 09:04 Uhr

Hab ich das richtig verstanden? #gruebel

Ne oder?

Du wohnst da gerne, aber die Adresse ist scheiße weil man sie mit der "unter Schicht" verbindet?


Entweder ziehst du aus, oder du stehst dazu #augen

Und ne Schule die anhand einer Adresse selektiert, ist keine Schule!


Beitrag von dore1977 24.10.10 - 10:11 Uhr

Hallo,

Du solltest dazu stehen wo ihr lebt. Du machst ein Problem aus einer Sache die keine ist.
Meine Tochter geht auf eine Privat Schule und ist vermutlich das einzige Kind das in einem Reihenhaus aufwächst.
Bisher hat mich noch niemand darauf angesprochen ob wir nicht das Haus wechseln können damit kein schlechtes Licht auf die Schule fällt. #augen

Etwas verständnisslose Grüße Dore

Beitrag von hummingbird 24.10.10 - 11:40 Uhr

Ich dachte immer, Privatschulen nehmen den, der zahlen kann?

Beitrag von tomatenjoe 24.10.10 - 11:55 Uhr

Du denkst nicht falsch!
Es ist so!
ABER im Vorfeld wird schon geschaut, ob man auch standesgemäß ist.
Und wenn dann Henriette Piepmalschön eben aus der "guten" Gegend ist, bekommt sie den Platz.
Man soll nicht glauben, dass Privatschulen nicht gut besucht sind! Die Plätze sind heiß begehrt. Zumindest ist das bei der Schule meines Sohnes so gewesen.

Vielleicht sollte die TE schon mal Ballons sammeln um mit dem Häuschen ( das sicherlich Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde ) dahin zu fliegen, wo HartzIV nur vom Hörensagen gekannt wird.

LG
H.

Beitrag von scotland 24.10.10 - 13:05 Uhr

LOL. Die Idee mit den Ballons gefällt mir. Im Ernst, ich wollte gar nicht so wirklich in "Mittelschichtland" leben. Mir gefällt es hier und ich stehe dazu. Ich mag meine Nachbarn. Unsere Freunde rekrutieren sich eben nicht nur aus der Mittelschicht und viele sagen offen, dass sie es bei uns entspannend finden, dass es eben nicht nach dem Motto "mein Haus, mein Auto, mein Boot" geht.

Das Problem ist nur, dass mir erstmals aufgeht, dass es meinen Kindern "schaden" könnte. Die Schulsituation hier ist wirklich schwierig. Wir haben eine Realschule am Ort, die einen wirklich schaudrig schlechten Ruf hat, wo oft die Polizei kommt, etc. Dann bricht die Mittelschichtmama in mir durch und ich schiele sehnsüchtig nach der Privatschule, die wirklich 120 Bewerbungen auf 30 Plätze hat und meiner Tochter ein total anderes Umfeld bieten würde.

LG
Scotland

Beitrag von manavgat 24.10.10 - 13:36 Uhr

Das Problem mit der Adresse hatte ich auch. Ehemals "türkische Straße" mit den üblichen Problemen, saniert und Eigentum. Leider war das bei den Lehrern nicht angekommen...

Ich würde eine andere Adresse angeben für die Post oder das Kind vorrübergehend bei einer Freundin anmelden.

Gruß

Manavgat

Beitrag von shabnam85 24.10.10 - 15:59 Uhr

Oh oh, ich bin "Ausländerin", deshalb bekamen wir nur eine Wohnung in einer "Assi"-Gegend, deshalb wurden Bewerbungen bei namenhaften Unternehmen garnicht erst beachtet...

Meine Kinder müssten wirklich kämpfen, und wer weiß ob sich dieser Kampf lohnen würde...Denn den Namen und das Aussehen können sie nicht ändern...

Wir werden auswandern, dahin wo wir zwar nie wirklich gelebt haben ( außer im Urlaub ), aber sind wir keine "Assis".


LG#ole