ortswechsel,spießige dorfschule,chaotische stadtschule?

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von brotli 24.10.10 - 12:11 Uhr

hallo
bei uns steht ein ortswechsel an. entweder in die eine richtung aufs dorf. oder in die andere richtung , richtung kleinstadt.
mir fehlt die "normale" grundschule grade, aber ich habe nur die wahl zwischen diesen beiden jetzt grade und verzeifel langsam gedanklich.

zur zeit habe ich noch die wahl, ich wollte es nun von den 4 grundschuljahren abhängig machen, welchen weg wir gehen werden.aber die zeit in allem drängt, ich muss zu bzw absagen geben und entscheiden.

beide wohnungen sind gut, wobei die auf dem dorf schon besser wäre, weil größer und nette nachbarn nebenan. ohne kinder, trotzem sehr sehr nett.
bitte mal um neutrale müttermeinungen !
mein sohn ist sehr lieb, sehr offen und hat beide schulen besuchen dürfen einmal.
in der dorfschule durfte ich nicht mit hinein , er war alleine dort als gastkind. nette lehrer, kinder sehr sehr sehr ruhig und meinen sohn nur anstarrend, sind ihm aus dem weg gegangen, wenig kinder in der klasse,
kein gekloppe und gerangel auf dem schulhof, zusammen frühstücken danach pause, mein sohn hat das erste mal "grundlos" den jungen neben sich gehauen, nur so, weil er kurz vorm weinen war und nicht erzählen wollte wie er heisst vor der klasse.
aber..laut lehrer, dürfe er dann auch nicht hauen. nein, klar nicht, aber andrerseits erzählte man mir mittags er wäre sehr traurig gewesen und unsicher, dann könnte man das vorstellen vielleicht auch übernehmen. naja..
meine angst ist, das mein sohn außenseiter wird dort, das er schwer kontakte bekommt, denn selbst die lehrer haben ihn angestarrt, weil irgendwie die paar kinder dort alle gleich waren und ich den eindruck hatte, das mein sohn wie ein kleiner außerirdischer dazwischen wirkte.
aber im grunde genommen auch wieder das, was man sich wünscht, ein nettes miteinander irgendwie. aber alles war extrem leise dort. ich glaub ihr wißt was ich meine.

andere schule. klasse lehrer, klasse unterrichtsart, ich durfte selber mitschauen ,viele viele kinder pro klasse, viele chaoten,alle haben mit ihm gesprochen, er wurde vom lehrer vorgestellt, wirkte wie einfach einer unter vielen, und im rest ist mein sohn untergegangen. in der pause, gekloppe ohne ende, jacken, mützen, brote geklaut, also irgendwie bestand alles nur aus " wer kann wen ärgern".ein paar ruhige kinder standen abseits für sich leise rum, wurden aber auch hin und wieder umgerannt.
das reinlaufen eine katastrophe, alle rennen jeden über.
meine angst ist, das er dort genauso wird oder total untergeht.
aber der unterricht war ganz toll gestaltet und die lehrer total bemüht und offen und alle haben miteinander geredet und man fühlte sich im raum selber sehr wohl.er war einfach, einer unter vielen in der klasse.

ich habe angst zu scheitern, den falschen weg zu gehen,wenn ich die falsche entscheidung treffe.er erzählt jetzt noch das die alles kaputtgemacht haben da und ihn gehauen....stimmt..im reinlaufen nach der pause bekam er auch eine geklatscht.. von der anderen erzählt er noch, das die lehrer nur schimpfen und die kinder nicht geantwortet haben, als er gefragt hat ob er mitspielen dürfte.
l.g.

Beitrag von kleinehexe1606 24.10.10 - 13:11 Uhr

und was ist jetzt an der Dorfschule spießig ? versteh ich nicht.

Beitrag von brotli 24.10.10 - 13:51 Uhr


vielleicht ist spießig nicht der richtige ausdruck gewesen,
ließ den beitrag von barbarelle unter dir,
sie hat es genau auf den punkt getroffen, was ich meine.

Beitrag von barbarelle 24.10.10 - 13:17 Uhr

Hallo brotli,

schwere Entscheidung das. Wir sind auch vor 6 Jahren von der Stadt ins Dorf gezogen. Unser Kind war damals knapp 2 1/2 Jahre alt. Mit drei kam sie in den Kindergarten.

Unser Stand in dieser eingeschworenen Gemeinde war schwer. Wir waren exoten. Unkonvetionell mit einem unkonventionellem Kind. Mein Kind war bei den Kindern beliebt und über Freunde konnte sie sich nicht beklagen.

Von der Kinderseite aus alles prima aber der Kontakt wurde gerne von den Eltern auf Sparflame gehalten. Es war nicht sonderlich erwünscht. Dabei war mein Kind eigentlich ganz normal (in unseren Augen :-p ). Keine die Krawall suchte oder sich gar wehrte körperlich. Sie hat gute Ideen, ist sehr kreativ und wenn ich sie abholte oder mich mit anderen Eltern traf, waren diese immer voll des Lobes.

Trotzdem. Ein Glück bin ich ein recht offender Typ und gehe auf Leute zu. Habe mir also den Stand hier "erkämpft". Wenn es nach uns ginge, wären wir allerdings lieber heute als morgen wieder in einer Stadt. Dort haben wir Eltern uns wohler gefühlt.

Krawall, Streit, Rangeleien gibt es hier in der Schule auch - in der Stadt natürlich extremer, geballter. Vielleicht sind die Lehrer deshalb auch bemühter. Aber unter uns? Ich mag diese Stadtkinder einfach ;-)

Vorteil hier ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Alles ist zu Fuss gut erreichbar. Das Kind kann die 200 m zur Schule alleine oder mit Freunden laufen, in der Stadt wäre das nicht möglich.

Die Familien hier sind alle "gut situiert" (was auch immer das heißen mag) aber auch sehr elitär. Wäre meine Tochter nicht so gut in der Schule, wäre ihr Stand noch schwerer. Und ein Glück ist sie sehr beliebt.

Alles neue wird hier im Dorf erstmal sehr lange kritisch beäugt. Entweder man passt sich irgenwie an oder bleibt alleine. Ein Glück haben wir Eltern auch ein paar nette Kontakte gefunden. Es hat sehr lange gedauert.

In der Stadt war es unkomplizierter. Freundlicher irgendwie.

Aber das sind meine Ansichten. Es kann sein ihr fühlt euch dort ganz wohl. Wichtig ist auch, dass ihr Eltern euch wohl fühlt. Es nutzt nichts alles dem Kind zu Liebe einzurichten und dann geht man selbst dabei unter.

LG
Barbarelle

Beitrag von brotli 24.10.10 - 13:58 Uhr


danke,
punktgenau getroffen.
jeder satz.
ich denke darüber nach.
l.g.

Beitrag von zanadu01 24.10.10 - 16:41 Uhr

Hallo, warum soll jetzt die Dorfschule spizig sein? Ich finde allerdings nicht das es viel mit Dorf und Stadt zutun hat. Ich kenne Zwergenschulen mit extemem Umgang , ich kenne Dorfschulen mit lauter "Zicken "und Eltern von Wunderkindern, ich kenne auch unsere Stadtschule da wird niemand umgerannt . Das hauen nicht in Ordnung ist wird wohl an jeder Schule den Kinder vermittelt.
Ansonsten ist es besimmt sehr schwer eine Endscheidung zu treffen. Ich habe mir einige Schulen angesehen. Irgendwie gib es nicht das richtige . Grade ruhige Jungs gehen unter.Wir sind nicht reich genug für teure Privatschulen, aber zu reich für Schulen mit sehr vielen Armen Kindern. Viele meiner Bekannten haben die Priavtschule gewählt, irgendwie haben meine Jungs keinen richtigen Anschluss mehr bekommen. Ich kann mit den meißten Eltern aber auch nichts anfangen.

Beitrag von schokaholik 24.10.10 - 21:11 Uhr

Hallo Brotli,

die Entscheidung, bezüglich der einen oder der anderen Schule kann dir keiner abnehmen, aber von meiner Kindheit möchte ich dir gerne etwas erzählen.

Meine Eltern meinten damals, dass sie uns Kindern eine große Freude bereiten wenn wir auf dem Land großwerden.

Wir zogen dorthin, da war ich knapp ein Jahr. Mein Bruder noch nicht ganz drei.

Wir gehörten nie dazu, wir waren "Zugezogene" mit denen keiner viel zu tun haben möchte. In der Schule war es eigentlich ganz ok wir hatten lose Freundschaften, aber nichts festeres/engeres, so wie ich es von meiner Tochter her kenne.

Wir wurden zu keiner Feier eingeladen, und es kamen auch wenige zu uns. Meine Eltern wohnen jetzt schon 27 Jahre dort und es ist immer noch da, diese Ablehnung, die es nur auf so einem kleinen Kaff geben kann.

Ich bin mit 16 Jahren zu meiner Tante in die Großstadt gezogen. Es war herrlich, ich fühlte mich dort wohl, hatte/habe Freunde mit denen ich mich auch nach der Schule treffen konnte. Ich fing endlich an zu leben.

Kurz gesagt, ich würde mir und meinen Kindern nie antun auf ein Dorf zu ziehen und wenn mir jemand dafür eine Million schenken würde.

Um gleich Kritik vorweg zu nehmen, natürlich sind nicht alle Dörfler gleich. NEEEEEEIIIIIIINNNNNN natürlich nicht, nur verdammt ähnlich sind sie sich schon.

LG
Schokaholik

Beitrag von brotli 24.10.10 - 21:48 Uhr

hallo

ja, du hast schon recht, nicht alle dörfer und leute sind gleich, aber alle doch sehr ähnlich. es sind ja nicht umsonst dörfer. irgendwo merkt man dann doch die unterschiede zu städten.

klar mache ich mir viele gedanken dazu, sonst würde ich hier auch nicht fragen.
je näher es rückt umso weniger vorteile erkenne ich darin.
ich glaube von weit weg, sieht es meißt alles toll und ruhig aus. ideal für kinder...denkt man.
ja, ich werde sehr nachdenken müssen und bin im grunde genommen froh über meinungen hier, die mein inneres bestätigen.

#winke

Beitrag von froehlich 24.10.10 - 21:12 Uhr

Zunächst mal: ich verstehe Dich und Euren Entscheidungskampf sehr gut! Wir standen vor einem Jahr genau an der selben Stelle, wenn auch nicht mit dem Thema Stadt/Land Konflikt.... . Wir leben in der Stadt, haben uns aber sehr, sehr lange überlegt (und wirklich damit herumgequält) ob wir unseren Sohn, der heuer eingeschult wurde, auf eine Waldorfschule oder in die Regelschule in unserer Gegend schicken sollen. Nur kurz zu unserem Hintergrund: wir haben lange Jahre im Ausland gelebt und als wir nach 8 Jahren mit unserem damals 5jährigen Kind zurückkamen war er HIER (trotz Großstadt) eben doch auch der Exot im städtischen Kindergarten. Mit seinen Erlebnissen in Afrika und Vietnam konnte (irgendwie ja auch verständlich) kein Kind etwas anfangen und er war lange Zeit sehr einsam und unglücklich. Die Waldorfschule schien da eine prima Alternative zur Regelschule zu sein (zumal die, die wir uns angesehen haben - da gibt's ja große Unterschiede!): aufgeschlossen, kreativ, liebevoller Umgang.... . Die Regelschule in unserer Nähe hat ein (gelinde gesagt) teilweise furchtbar elitäres Publikum, reiche Eltern, verwöhnte Kinder....eigentlich also das Gegenteil dessen, was wir unserem Sohn jahrelang als Entwicklungshelfer vorgelebt haben. Was haben wir uns die Köpfe heiß geredet und nachgedacht, ganze Abende lang....! Am Ende fiel dann doch die Entscheidung für die Regelschule - entscheidende Argumente waren für uns vor allem der kürzere Schulweg und letzendlich dann eben doch Restzweifel an der anthroposophischen Philosophie Rudolf Steiners sowie die Frage, wie unser Sohn einen Wechsel verkraften würde, wenn wir doch irgendwann wieder ins Ausland gehen.
Nun geht mein Sohn seit 5 Wochen in die Schule und kommt super zurecht. Natürlich hat's ein paar "komische" (finden wir :-)) Eltern und hochnäsige Kids da, aber es gibt auch genug andere, nette Kinder in der Klasse und in der Aufregung der Einschulung findet unser Sohn sowieso alles toll und neu und aufregend. Und weisst Du was? Wahrscheinlich wäre es ihm in der Waldorfschule ebenso gegangen. Will sagen: im Rückblick denken wir, daß wir uns viel zu viele Gedanken gemacht haben und daß wir die "Schwere" der Entscheidung viel zu "folgenreich" eingeschätzt haben. Alle Schulen und Klassen und Lehrer haben Vor- und Nachteile....wer die Qual hat hat die Wahl. Aber letztendlich sind Kinder wunderbar flexible Geschöpfe die sich (meistens) sehr schnell überall entsprechend eingliedern. In der ersten Klasse werden die Karten für gewöhnlich neu gemischt, da kennt niemand den anderen so richtig (weiß natürlich nicht, wie das auf dem Dorf ist), da fangen alle von vorne an. Deswegen: versucht, Euch zu entspannen. Diese Aussage: ich habe angst zu scheitern, den falschen weg zu gehen,wenn ich die falsche entscheidung treffe. ....hätte vor einem Jahr EXAKT von mir kommen können. Heute kann ich darüber fast ein bisschen lächeln. Ihr werdet so oder so nichts komplett falsch machen, da bin ich mir sicher! Sucht Euch Euren Wohnort lieber nicht nur nach Schulkriterien aus, sondern vor allem danach, was Euch instinktiv am meisten zusagt fürs LEBEN und Wohnen. Denn Schule ist nicht alles. Ihr als FAMILIE müsst Euch wohlfühlen, vor allem auch ihr als Eltern.....damit ihr Euren Kindern einen guten Rückhalt geben könnt.

Ich wünsche Euch ganz viel Glück und vielleicht ein bisschen mehr Leichtigkeit für Eure Entscheidung!

Babs

Beitrag von luka22 24.10.10 - 21:36 Uhr

Dorf ist nicht gleich Dorf.
Unser "Dorf" besteht aus 2 großen Neubaugebieten und alle junge Familien sind neu zugezogen. Da wird niemand schief angeschaut. Die Grundschule ist zweizügig mit je 17 Schülern, also wirklich ideal von der Größe. Rangeleien auf dem Pausenhof und Gossensprache inklusive #aerger:-). Also alles ganz normal.
Ich würde immer wieder herziehen, aber nur, weil wir hier echte Vorteile haben: Kurze Wege zu Kindi/ Schule/ Sportplatz/ Nahversorgung. Die Kinder wachsen behütet auf.
Wenn es jedoch ein Dorf wäre, wo es nur alteingesessene Bewohner gäbe, würde ich es mir überlegen. Hier war es wohl vor dem Bau der Neubaugebiete auch nicht besondern erträglich für neu Zugezogene ;-).

Grüße
Luka

Beitrag von s30480 25.10.10 - 18:44 Uhr

Dorf ist ja auch nicht gerade Dorf, es kommt ja auch mal darauf an, wie ein Dorf aufgebaut ist (Neubaugebiete etc.) wieviele Einwohner es hat und was für Einrichtungen vorhanden sind, Schule, Kiga, Läden etc., Sportmöglichkeiten.
Grundlegend finde ich sind ruhige Schulen mit kleineren Klassen, großen Klassen vorzuziehen...

Ich bin in einem 2000 Seelen Dorf aufgewachsen, war total schön, alle Freunde zu Fuß oder mit dem Fahhrad erreichbar, später war alles super mit dem Bus zu erreichen. Und irgendwie alles sehr überschaulich und schön. Ich hatte eine tolle Kindheit. Diese Unbeschwertheit kann ich meinen Kindern nicht bieten....

Denn jetzt wohn ich mit den Kindern in einer Kleinstadt, ist auch sehr schön, aber wir müssen ziemlich viel mit dem Auto fahren.
Aber mit der Schule haben wir Glück, der Schulweg ist kurz und wir haben auch ziemlich kleine Klassen (20 Kinder in Luke's 2. Klasse), und auch ein sehr niedriger Anteil an Kindern die kein Deutsch sprechen. Die wenigen Ausländerkinder sind gut integriert und sprechen auch gut Deutsch. Die Förderprogramme bei uns in der Stadt sind ziemlich gut. Auch haben wir ein riesiges Sport- und Freizeitangebot. Allerdings müssen wir jeden Termin der Kinder mit den anderen Kindern koordinieren. Man kann nie sagen schau doch mal spontan zu dem und dem, weil erstens die Wege durch die Stadt zu weit, bzw zu gefährlich sind und jeder meistens nachmittags viele Termine hat...
Das finde ich oft schade und stressig.

Also beides hat Vor- und Nachtteile. Wobei ich persönlich lieber nochmal in einem Dorf aufwachsen würde...
Sieh dich doch einfach nochmal genau um, welche Spielmöglichkeiten beiderseits vorhanden sind, ob Kinder im näheren Umkreis wohnen, zwecks Schulweg, Verabredungen.. Oder ob du vielleicht Leute kennst die da schon wohnen und berichten können..
Schwierige Entscheidung, aber ich würde nicht nur nach eurem Sohn gehen, es ist ja auch wichtig, dass ihr euch wohlfühlt. Denn für mich hört es sich eher so an, als würdest du lieber in die Kleinstadt ziehen ;-)