Vernachlässige ich....

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Ohje.... 25.10.10 - 13:42 Uhr

... mich? Mein Baby?

Ich bin Mitte 20, mein Mann Ende 30. Wir haben einen 4 Wochen alten Sohn.
Ich habe bereits vor der Schwangerschaft und während der Schwangerschaft Kurse besucht um einen Abschluss nachzuholen.
Die sind immer Abends und gehen jetzt auch weiter. Jeden Abend 4-5 Stunden bin ich dann nicht da. Ich dachte in der SS das wär kein Problem, jetzt ist der Kleine da.. Und ich merke, ich möchte ihn eigentlich ungern so lange alleine lassen.
Außerdem betreut mein Mann ihn dann und er hat dann zwischen Arbeit und Baby auch keine Freizeit mehr.
Ich würde auch gerne wieder Sport machen im Fitnesstudio.. Und bin für 2 Babykurse in der Woche angemeldet.
Ausserdem lässt sich das alles schlecht planen mit einem Baby, aber ich muss total durchorganisiert sein, wenn ich das alles irgendwie schaffen will.

Ich habe Angst mein Baby zu vernachlässigen, was zu verpassen.
Aber auch davor gar keine Zeit mehr für mich und meinen Mann zu haben.. Wir sehen uns dann max. Am WE.
Auf der anderen Seite.. Bin ja auch ich und mir läuft die Zeit davon. Ich werde immer älter und habe immer noch nicht diese gewünschte Qualifikation.
Ich hab zwar einen Job in der Hinterhand, den ich in 2 Jahren theoretisch wiederhaben kann.. Aber ich wollte ja eigentlich was anderes machen.
Oder kommt es auf diese 1-2 Jahre nicht an?

Ich bin echt zerrissen, habe mich schon mit meinem Mann gestritten, weil ich so unsicher in die Zukunft blicke. Und mein Mann ist einer, der absolut nicht weiter denkt. Der denkt maximal 3 Monate weiter.. Und macht keine Pläne.
Das macht mich total fertig. Ich habe wirklich versucht ihn dazu zu bringen mal weiter zu denken, aber er ist einfach nicht der Typ und ich kann das schlecht akzeptieren.
Habe schon an Trennung gedacht, weil sich scheinbar unsere Lebenswege absolut auseianderführen..

Was denkt ihr?

Beitrag von thyme 25.10.10 - 13:49 Uhr

Weisst, ihr deutschen Mütter jammert auf hohen Niveau. In der CH ist nix mit zwei Jahren Elternzeit. Wir haben 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, das ist alles.

Also go for it. Mach deinen Kurs, geh zum Sport, wird dir bestimmt gut tun. Und dem Baby schadet es nicht, wenns eine Weile mit dem Papa alleine ist. Die zwei schaffen das schon.

Das Loslassen-Können müssen Mütter hingegen üben, das ewig schlechte Gewissen hinten anstellen auch.

Viel Erfolg wünscht

thyme

Beitrag von lichtenstein 25.10.10 - 14:22 Uhr

Habe ich Dich richtig verstanden, dass der Kurs Montag - Freitag jeweils abends staffinden würde? Um was für eine Ausbildung handelt es sich denn bei den Kursen und wie lange dauert das Ganze insgesamt?

Jeden Abend 4 - 5 Stunden weg zu sein ist eine ziemlich Aufgabe, auch ohne Kind. Mit Kind lässt sich das sicherlich bewältigen, allerdings müssen dabei beide Partner wirklich an einem Strang ziehen und von der Sache überzeugt sein.

Kann es sein, dass Dein Mann die Dinge einfach anders sieht als Du? Vielleicht hat er einfach schon vergessen, wie wichtig eine qualifizierte Ausbildung ist, weil er selber schon so lange im Berufsleben steht.

Beitrag von Ohje.... 25.10.10 - 14:40 Uhr

Ja, der Kurs ist Mo bis Fr, jeden Abend.
Es ist ein Abschluss, damitich studieren kann.
Mein Mann ist schon fertig mit dem Studium und arbeitet in einem sicheren Job.
In der Schwangerschaft wars manchmal schon anstrengend da jeden Abend hinzumüssen. Aber jetzt, kann ichs mir nur schwer vorstellen.

Ich denke, mein Mann denkt einfach nicht weit in die Zukunft. Er warteteinfach ab, was passiert. Dass das in mir tiefe Existenzängst auslöst, versteht er nicht.

Beitrag von lichtenstein 25.10.10 - 15:11 Uhr

Vielleicht hat Dein Mann unbewusst die Angst, dass Du ihm nicht zutraust, für seine Familie zu sorgen. Gerade wenn Männer ganz frisch Väter geworden sind, sehen sie oft diese Aufgabe als ihre allerwichtigste an.

Deshalb wäre es wichtig, Deinem Mann klar zu machen, dass Du diese Ausbildung für Dich machst. Man weiß nie, was das Leben bringt, deshalb sollte man zusehen, dass man beruflich weiterkommt. Und sei es nur, damit die Rente später mal nicht ganz so kläglich ausfällt. Denn, wie Du schon so richtig erkannt hast, irgendwann ist der Studium-Zug abgefahren.

Beitrag von thyme 25.10.10 - 15:11 Uhr

Sorry, hab nicht bis zum Schluss gelesen #hicks

Du kannst ja deinem Mann mal vorrechnen, wieviel mehr Geld ihr zur Verfügung habt, wenn du eine bessere Ausbildung hast. Vielleicht springt er darauf an?
Wenn du erst deinen alten Job machst, kriegst du wahrscheinlich nicht gleichzeitig den Abschluss hin. Das wären dann nicht 1-2 Jahre sondern womöglich sehr viel länger. Bringt also niemandem was, schon gar nicht dir.

Vielleicht kann euch eine Oma oder ein Babysitter, gute Freundin, Patentante was auch immer auch gelentlich etwas entlasten, damit ihr euch nicht ganz aus den Augen verliert?

Noch was: Versuche mit der Zeit eine gute Balance zu finden zwischen Ausbildung, Muttersein und Partnerschaft. Nach vier Wochen Elternschaft ist alles noch sehr frisch.

LG thyme

Beitrag von nicht verzweifeln 25.10.10 - 17:24 Uhr

Tief durchatmen. Die erste Zeit nach einem Baby ist immer schwer und nichts geht so, wie man es will.

Ich habe einen Mann geheiratet, der supernett ist und wirklich ein toller Vater - aber beruflich bekam er nichts auf die Reihe. Ich habe studiert und daher war klar, dass ich arbeiten gehe. Also nichts mit Mutterschutz, sondenr gleich 8 Wochen hinterher wieder. Bei meinem mittleren Sohn wars so, dass der zu spät kam, meinen Chef so arg in Terminnot brachte, dass ich 10 Tage nach der Geburt an einem Abend ein Kundengespräch geleitet habe, während mein Chef mit dem Baby auf dem Arm durch den Gang getigert ist. #schein.

Ein schlechtes Gewissen ist bei mir oft dabei, stamme ich doch von einer "Volbluthausfrau" ab. Es ist in Deutschland oft so, dass man erwartet, dass man als Mutter alle eigenen Interessen sofort hinten anstellt und nur noch für das Kind da ist.

Ich finde es sehr wichtig, dass man auch an seiner eigenen Ausbildung arbeitet. Eine Freundin von mir hat aus lauter Liebe damals nicht mal das Studium abgeschlossen - das finde, ganz ehrlich, mehr als fahrlässig. Sprich mit deinem Mann. Der Kurs kann ja nicht ewig dauern und er hat als Vater auch eine Verantwortung. Sonst -wenns finanziell geht- besorg dir für einen Abend einen Babysitter und lass ihm sturmfreie Bude.

LG