Trotzphase?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von maggi1108 25.10.10 - 15:43 Uhr

Hallo,
ich wollt euch mal um Rat fragen, was die Erzeihung einer 3-Jährigen angeht.
Problem: Scheidungskind, nur alle 2 Wochen beim Papa. Sie ist bei Oma und Opa zu Hause, welche die Kleine sehr gern haben, was ja auch kein Problem ist, im Gegenteil, aber gerade Opa erlaubt ihr ALLES. Wenn Papa nein sagt, gibt Opa vor der Kleinen einen gegenteiligen Kommentar ab und sie darf doch. Sie bekommt auch alles was sie möchte, möchte sie beim Essen auf seinem Schoß sitzen, darf sie das, obwohl sie super alleine essen kann und langsam auch soll. Soll sie mitkommen zum Anziehen, und sie will aber noch weiter spielen, spielt Opa eben weiter mit ihr.
So, dass nur so zum Thema Oma und Opa. :) Ich weiß, dass Omas und Opas auch da sind um zu verwöhnen, aber es geht zu weit, wenn es in die Erziehung zu sehr eingreift.
Die Kleine hat es gut drauf sofort anzufangen zu weinen, einmal richtig laut zu kreischen und einen Vorwurfsvoll anzuschauen oder mit Gegenständen nach einem zu werfen, zu treten oder zu beißen.
Es ist mir klar, dass eine solche Phase normal ist in dem Alter, aber wie verhält man sich? Man kann ihr ja nicht den Willen geben, damit sie nicht schreit?!
Beispiel: Meine Mutter hat einen kleinen Hund, die Kleine mag ihn super gern, auch der Hund kommt super mit ihr klar, dennoch braucht auch der Hund mal seine Ruhe. Die Kleine verbringt aber keine Sekunde dann ohne den Hund. Der Hund muss immer auf ihrem Schoß sitzen, soll immer zu ihr kommen, bei ihr schlafen usw usw.. wenn man ihr das im ruhigen sagt, dass der Hund auch mal schlafen muss, oder man ihn nicht zwingen kann auf ihrem Schoß zu liegen, kreischt sie und weint, bis jemand nach gibt. Sie kennt dann auch kein anderes Thema mehr, hat sie sich gerade beruhigt geht es wieder los dass sie erneut sagt, dass der Hund zu ihr kommen soll. Wir fahren schon gar nicht mehr gern zu meiner Mama, da jedesmal extremer Stress ist weil sie nur am weinen ist. Wie kann man ihr das noch beibringen? Bzw. kennt ihr das auch, dass eure Kinder gleich los weinen und kreischen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen???

Wie gesagt, ich weiß, dass diese Phase normal ist, aber man muss ja damit auch umgehen können um nicht nervlich irgendwann am Ende zu sein, ich möcht nur ein Paar Umgangstips, wenn sie wieder so bockt.
Ganz liebe Grüße

Beitrag von lisasimpson 25.10.10 - 16:18 Uhr

da du es nicht für nötig häls zu erklären wer du in dem beziehungsgeflecht bist, wie lange du die kleine kensnt, wer opa und oma sind und wie die bindung dorthin ist (warum sie dort wohnt und nicht bei mutter oder vater usw), wie die bindung zum vater ist und und und stellst du das problem so dar, als ob ein kind völlig losgelöst von seinen bindungen und beziehungen existiert und man nur einen bestimmten knopf drücken müßte, damit es dies oder das macht und einen andern knopf, damit sie sich komplett anders verhält.

Erziehung geht immer nur über beziehung.
Beziehungen spielen in unserem Leben eine enorm wichtige rolle.
je nachdem wo wir sind, mit wem wir im kontakt sind, wie wir in beziehung zueinander stehen wird sich unser verhalten anpassen.
je nachdem an welchen ort ich bin und was dieser ort für mich und die mich umgebenden bedeutet werde ich mich anders verhalten (in der kirche anders als auf dem jahmarkt, bei freunden anders als beim vorstellungsgespräch)

wenn du also fragen hast, die die erziehung betreffen mußt du dich erst mal fragen, in welcher beziehung du stehtst.
gibt diese beziehung es überhaupt her, daß du in die erziehung eingreifst?
wer hat ein problem mit ihrem jetzzigen verhalten?
warum greift niemand ein?
wer hätte ein problem, wen nsie ihr verhalten ändert?
bringt das das kind in einen loyalitätskonflikt ?

und und und..

ohne die beziehungen zu kennen sind tips zur erziehung mehr als kontraproduktiv

lisasimpson

Beitrag von maggi1108 25.10.10 - 17:13 Uhr

Hallo und danke für die Antwort. Gut, auch wenn ich es eigentlich nicht machen wollte kurze Erklärung: Die Kleine ist die Tochter meines Partners, ist alle 2 Wochen für 2 Tage beim Papa, der aber im Moment bei seinen Eltern im Haus wohnt. Ich sehe sie auch alle 2 Wochen. Wir haben ein gutes Verhältnis, sie kommt gern zu mir, Papa ist meist abgeschrieben wenn ich da bin. Da die Mutter zeitweise damals auch bei den Eltern meines Partners wohnte, und die Kleine meist nur bei Oma und Opa gelassen wurde von ihr, wenn der Papa arbeiten war, haben die Großeltern eben auch dieses innige Verhältnis.
Du fragst, wer ein Problem mit ihrem Verhalten hat. Das haben zzt alle, die mit ihr zu an diesen 2 Tagen zu tun haben. Die Oma fragt mich, was sie anders machen kann, da auch sie merkt, dass die Kleine immer öfter haut und schreit. Der Opa spielt das Thema meist runter, weil er meint, er sieht die Kleine so selten, dass sie machen soll was sie will damit Ruhe ist. Papa ist meist Ratlos, weil er es der Kleinen recht machen will, aber auch möchte, dass sie sich an die Regeln hält. Auch ist es eben schwer, da er sie so selten hat und sich mit der Mutter rein gar nicht versteht, sodass dort keine Einigung der Erziehung stattfindet. Unsere Beziehung leidet darunter schon etwas wenn sie da ist, da es echt an die Nerven geht, wenn sie die 3 Tage nur am Heulen ist, sobald er ihr was sagt.
Ich muss dazu sagen, ich selbst halte mich so gut es geht dabei raus, sage ihm nur, wenn wir alleine sind, was ich anders machen würde, weil ich denke, dass es nicht mein Recht ist, sie zu erziehen. Ich sage lediglich was, wenn ich mich mit ihr beschäftige, sie anziehe oder sonstiges und sie mich haut oder tritt. Dann sage auch ich ihr das ich das nicht möchte. Dennoch möchte ich einige Tips haben, um ihm etwas zu helfen. Vielleicht sehe ich es auch falsch, aber ich denke,dass sie schon irgendwann versteht, was sie bei Papa darf und was nicht und was bei der Mama. Oder? Ich hab nur Angst, dass es immer so weiter geht, das sie irgendwann gar nicht mehr reagiert und wir nicht mehr wissen was wir machen sollen. Ich liebe die Kleine ganz doll, ich möchte auch alles richtig machen. Mag ihm ja helfen!

Beitrag von lisasimpson 25.10.10 - 22:12 Uhr

Hallo

ja- also im grunde war es nicht mal unbedingt so gedacht, daß du MIR die fragen beantworten solltest, sondern DIR:)

Aber vielleicht hast du beim schreiben schon bemerkt, daß jeder von euch eine eigne geschichte und eine eigene beziehung zu der kleinen hat- immer spielt in diese beziehung auch die trennung der eltern mit hineine.
immer geht es um Verlustgefühle, die frage der Zugehörigkeit, um Liebesbeweise, um Eifersucht,..
es geht imemr darum sich schnell an eine neue sitaution zu gewöhnen, aus der man kurze zeit später wieder rausgerissen wird.
es ist also ein riesen herausforderung, was sich so einfach anhört.

da jeder seine iegenen wünsche, hoffnungen, vorstellungen... hat- jeder die neue sitaution gestalten will und bestmöglich das wochenende verbringen möchte prallen einfach gegensätzliche erwartungen, vorstellungen und ein viel zu hohes ideal aufeinander

vielleicht solltet ihr erwachsenen euch mal in aller ruhe hinsetzen (an einem wochenende ohne kind!) und ein plakat vor euch legen
dort darf dann jeder draufschreiben, was er sich vom wochenende erwartet, wenn die kleine da ist.
ihr solltet euch über bestimmte regeln einigen (ist die regel: "opa darf verwöhnen auf teufel komm raus" für alle o.k. oder was muß dran geändert werden?) und euch vielleicht eine strukur fürs wochenende überlegen, um euch und ihr sicherheit zu geben, wie es laufen wird.

überlegt sachen, die ihr freunde machen. sie nicht überfordern und die eurern erwartungsdruck nicht so hoch stecken.
teil das wochennde vielleicht in Papa- zeit und Oma/ opa- zeit.
in der oma - opa zeit darf verwöhnt werden was das zeug hält- in der papa zeit ist papa dann dran mit verwöhnen:)

was du willst, ist rational vielleicht nachzuvollziehen, aber du siehst die emotionale seite da zu wenig.
es ist nicht sinn der sache, daß alles sofort super funktioniert.
sondern, daß man die beziehung pflegt.
beziehung und grenzsetzung schließen sich nicht aus.
aber vielleicht sind die anderen noch nicht so weit, daß sie die beziehungsarbeit um grenzsetzung erweitern können- wichtig wäre es hier vielleicht auch die ängste abzuklären, die damit verbunden sind (wenn ich meine tochter eh nur 2 tage in 2 wochen sehen, welche bild bekommt sie von mir, wenn ich ihr etwas verbiete?)

so,- vielleicht waren ja ein paar anregungen dabei für euch

lisasimpson

Beitrag von maggi1108 26.10.10 - 20:29 Uhr

Vielen Dank für die Antwort, ich werd das auf jeden Fall mal ansprechen , dass wir uns zusammen setzen.

Nur, was mach ich in dem Moment wo sie so kreischt? Ignorieren?
LG Anja

Beitrag von lisasimpson 26.10.10 - 21:30 Uhr

am besten das, was ihr gemeinsam verabredet:),
eine methode, die ihr alle gut heißt, die genau der durchführt, der vom "team" bestimmt wurde (oder sich in der lage dazu fühlt:)


lisasimpson

Beitrag von bamsel 26.10.10 - 21:54 Uhr

Hallo
Also ich bin auch Mutter einer 3 jährigen Tochter u. keine Psychologin. Was meine Vorrednerin schreibt, hört sich ja verdammt schlau an, aber auch ziemlich abgedreht. Deine Tochter befindet sich in der schönsten Trotzphase u. sie hat gemerkt,das sie die Leute um sich herum mit ihrem Geschrei u. Getobe hervorragend beeinflussen kann. Oma u. Opa springen ja auch schon wenn sie anfängt. Ich gebe Dir nur den Rat: Sei konsequent. Wenn Du ein Verbot aussprichst, bleib dabei, egal wie sehr sie tobt. Ist am Anfang schwierig, aber mit der Zeit wird es besser u. sie bekommt auch nicht mehr so oft Wutanfälle. Wir haben so eine kleine tickende Zeitbombe hier zuhause sitzen. Ohne Konsequenz wäre ich schon im Irrenhaus gelandet. Du kannst nicht alles durchgehen lassen, nur um Deine Ruhe zu haben.

Gruss,
bamsel

Beitrag von maggi1108 27.10.10 - 06:52 Uhr

Hallo, danke, was mach ich also dann? Sie schreien lassen, wenn sie ihren willen nicht bekommt? Wenn sie haut? Das kommt manchmal bis zu 10 oder mehr mals vor am Tag, v.a. wenn sie keinen Mittagsschlaf macht, oder nur ne Stunde schläft. Was ja auch verständlich ist, da sie dann müde ist, aber ich kann ja nix ändern, wenn sie dann wach ist, zum schlafen zwingen kann man niemanden.

Beitrag von perladd 28.10.10 - 15:09 Uhr

@ lisasimpson
Der beitrag ist wirklich wahnsinnig schlau und ich halte von solchen tiefgründigen aussagen rein gar nix. Es ist nicht wichtig in welchem verhältnis die beitragsschreiberin mit dem kind steht, denn was das kind macht ist auf keinen fall ok, weder bei mama, noch bei papa, oder bei der stiefmutter.

Ich finde das schrecklich, dass heutzutage immer und immer wieder auf dieser psychologieschiene rumgeritten wird, anstatt sich einfach mal an früher, an der eigenen kindheit, oder am instinkt zu orientieren!
Kinder dürfen ihren kopf nicht durchsetzen, so einfach ist das. Wenn ein erwachsener sagt das wird so gemacht, dann wird das so gemacht - basta!

Sicher gibt es ausnahmefälle, aber grundsätzlich stellen wir die regeln auf, weil wir dazu in der lage sind und (in den meisten fällen) auch gründe dafür haben wieso etwas so gemacht wird und nicht anders. Kinder haben diese grenzen zu akzeptieren.

Wenn die beitragschreiberin eben nicht will, dass die kleine dem hund nachstellt, oder beim essen immer auf dem schoss sitzt, dann ist das so und nicht anders.

Leider wird man hier ständig gesteinigt, weil man seinen kindern grenzen setzt. Es geht hier nicht um gewalt, sondern darum, dass kinder einfach wissen müssen wie weit sie gehen können und wo nun mal schluss ist. Das macht das zusammenleben für alle leichter und nur so werden aus kindern anständige erwachsene mit respekt und anstand. Woher sollen sie denn sonst lernen was im umgang mit anderen erwünscht ist und was nicht wenn man sie alles tun lässt was sie wollen???


So und nun dürft ihr euch gerne auf mich stürzen!

Beitrag von perladd 28.10.10 - 15:18 Uhr

apropos:
Ich habe auch ein "Stiefkind" und die gleichen sorgen und probleme wie du. Wir stellen für uns und unser zu hause unsere regeln auf und danach muss sie sich richten.
So ein kind leidet sicher unter dieser trennung und muss sich in dieser neuen situation erst einmal zurecht finden, aber das darf doch nicht heissen, dass sie allen auf dem kopf rumtanzt. Es tut der kleinen nicht weh wenn man auch mal nein. Diese trotzreaktionen legt sie ja nicht nur bei uns an den tag, sondern auch zu hause bei ihrer mama. Das problem ist halt, dass sie von klein an im mittelpunkt stand und sich ihre mama immer nach ihr gerichtet hat, egal um was es ging. Man merkt halt genau, dass es in diesen situationen nur darum geht ihren willen durchzusetzen, weil sie immer erfolg damit hatte.
Das mache ich aber nicht mit und deshalb bin ich trotzdem kein schlechter mensch!

Beitrag von maggi1108 28.10.10 - 15:38 Uhr

Ich danke dir für deinen Beitrag und bin froh das ich nicht alleine mit dieser Meinung da stehe. Was machst du denn, wenn das Kind seinen Willen durchsetzen will und kreischt, beißt oder haut?
LG