Betriebsbedingte Kündigung nach Elternzeitende

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Beitrag von amarilla1979 25.10.10 - 16:53 Uhr

Guten Tag,

angenommen eine Arbeitnehmerin meldet sich 3 Monate vor Elternzeitende (15 Monate Elternzeit) bei seinem AG um die nötigen Formalien zwecks Rückkehr (Vollzeit) zu besprechen.

In besagtem Gespräch wird gesagt, dass die Abteilung in der die AN tätig war, teilweise nicht mehr so existiert wie damals und es momentan in keiner anderen Abteilung eine freie Stelle gibt und es wahrscheinlich zu einer betriebsbed. Kündigung komme.

Als Hinhaltetaktik wurde erwähnt, dass möglicherweise jmd. aus einer anderen Abteilung kündigt und diese Stelle dann besetzt werden könnte (allerdings würde dann eine "Degradierung" vom Projektmanager zum Projektassisenten stattfinden, da ganz anderes Metier)...!

Ist es überhaupt rechtens zu kündigen mit der Rückkehr aus der Elternzeit, da es der Firma ja gut geht und es vorher auch keine betriebsbedingten Kündigungen gab.

Falls eine betriebsbed. Kündigung ausgesprochen wird, lohnt es sich auf eine Abfindung zu klagen (natürlich würde ich nicht auf einen Arbeitsplatz klagen)

Danke für die Hilfe

MFG

Beitrag von myimmortal1977 25.10.10 - 17:18 Uhr

Um jemanden betriebsbedingt kündigen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Ob diese Voraussetzungen überhaupt erfüllt sind und ob sie der Realität entsprechen, klärt zur Not das Gericht.

Erstmal abwarten, was die Firma Dir anbietet. Wenn Kündigung kommt, sofort Kündigung widersprechen und Klage einreichen.

Man darf nach Rückkehr aus der EZ nicht schlechter gestellt werden. Nun ist es mit den firmeninternen Umstrukturierungsdingen immer so eine Sache. Jede Firma, auch wenn es ihr nicht schlecht geht, darf intern umstellen, Abteilungen schließen und outsourcen. Das ist nicht verboten.

Wenn Du 20 Jahre auf ein und dem selben Platz gearbeitet hast, ist es schlecht Dich anderweitig einsetzen zu können. Z. B. entscheidet ein Medienunternehmen, seine Verwaltung out zu sourcen und blieben letzten Endes nur Redakteursstellen, hättest Du, wenn Du keine entsprechende Ausbildung bzw. Studium hättest und in der Verwaltung sitzen würdest, ganz schlechte Karten, einen Platz als Redakteur zu bekommen, da Dir schlichtweg die Quali fehlt.

Alles ist eine Einzelfallentscheidung, die zur Not gerichtlich geklärt wird. Nur es kann Dir immer passieren, dass auch das Gericht sagt, wieso, sie hätten doch eine neue Stelle haben können. Das mit dem weniger Geld, zählt manchmal nicht. Dann wird der Kündigung statt gegeben und Du machst ne lange Nase.

Investiere auf jeden Fall ein paar Euros in ein Beratungsgespräch beim Fachanwalt, wenn sie Dir tatsächlich was Schriftliches unter die Nase reiben und unterschreibe freiwillig erstmal nichts.

Rein faktisch können Sie Dich nach der EZ immer kündigen, denn einen besonderen Schutz genießt Du dann nicht mehr. Wenn es eine große Firma ist und ihr einen Sozialplan habt, bist Du mit Kind, denen ohne Kinder besser gestellt. Aber die gucken auch, ob Du Alleinverdiener bist oder nicht.

Einer ehem. Arbeitkollegin hatte das AG damals eine Abfindung zugesprochen, da meine ehem. Arbeitskollegin damals durch einen Formfehler hätte eigentlich einen Anspruch auf einen FV gehabt. Unsere Abteilung wurde auch outgesourct. Sie wollte den Arbeitsplatz aber nicht. Dann bekam sie vor Gericht eine für ihr kurzes Angestelltenverhältnis recht ordentliche Abfindung zugesprochen. 20.000 € für etwas über 3 Jahre. Sie war Mutter von 2 Kindern und Alleinverdienerin, da geschieden.

LG Janette

Beitrag von amarilla1979 25.10.10 - 18:54 Uhr

Hallo Janette,

danke für deine ausführliche Antwort.

Mir wäre die Kündigung eigentlich egal, allerdings ist es ja so, dass man die betriebsbedingte kündigung wahrscheinlich erst kurz vor dem 1. Arbeitstag bekommen wird und dann ist es natürlich wenig Zeit einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Auch ist es natürlich extrem zeitaufwendig mich jetzt intensive die nächsten 4-5 Wochen zu bewerben und dann die Info zu bekommen, ich würde doch irgendeine Stelle im unternehmen bekommen.

Könnte ich eigentlich schon die nächsten 2-3 WOche um die Kündigung bitten (ich kann dies ja begründen mit der Suche nach einer neuen Stelle bzw. mein Mann muss die Elternzeit ja auch rechtzeitig einreichen!)....!

Eigentlich muss ich ehrlich zugeben, würde ich auch nur für einige Monate zurückkehren, da ich wieder schwanger werden möchte (naja, wenn ihc bis Januar schwanger werden würde, wäre es ja nicht möglich mir zu kündigen, aber da muss ich erstmal schwanger werden!).

Es liegt halt alles in der Schwebe, und das ist was mir nicht gefällt.

MFG

Beitrag von susannea 25.10.10 - 22:27 Uhr

Mir wäre die Kündigung eigentlich egal, allerdings ist es ja so, dass man die betriebsbedingte kündigung wahrscheinlich erst kurz vor dem 1. Arbeitstag bekommen wird und dann ist es natürlich wenig Zeit einen neuen Arbeitsplatz zu finden.


Wieso kurz vor, sie dürfen dir erst AM 1. Arbeitstag kündigen mit der nromalen Kündigungsfrist (je nach Länge der Elternzeit sind dann meist noch 2 Monate mindestens zu zahlen).

Beitrag von myimmortal1977 25.10.10 - 23:15 Uhr

Du bittest den AG auf gar keinen Fall um eine Kündigung! Was würde Dir das bringen? Gekündigt bekommst Du auch nicht schneller einen neuen Arbeitsplatz (ganz im Gegenteil, gekündigt bewirbt es sich wesentlich schlechter).

Im folgenden Link geht es zwar um EZ für Väter, aber beschreibt im Text genau das, was Du gerade erlebst.

http://www.bild.de/BILD/ratgeber/geld-karriere/2010/10/25/elternzeit-vaeter/wiedereinstieg-job-gelingt.html

Du hast gekündigt nur Nachteile! Keine Vorteile! Kämpf um Dein Recht, wenn Dir der Job so wie so egal ist, kannst Du alle Register ziehen, mit Klage usw usw....

Im besten Falle geht es für Dich um den Weitererhalt Deines Jobs und das ist Goldwert in heutiger Zeit oder um eine hoffentlich hohe Abfindung!

ABER SAGE NIEMALS VOR DEM AG, ER SOLL DIR DIE KÜNDIGUNG GEBEN!!! NIE!!! Tue immer so, als ob Du wieder kommst und Deine Rechte haben und durchsetzen wirst.

Kündige nicht von Dir aus!

Wenn Du in einem großen Unternehmen arbeitest und eine recht lange Betriebszugehörigkeit hast, kann es sein, dass Du bis zu einem Jahr Kündigungsfrist hast (das musst Du aber selbst checken!!!), genug Zeit, um Dir einen neuen Job zu suchen.

Und lass Dich ausführlich anwaltlich beraten. Bevor Du irgendetwas unterschreibst oder auch mündlich zusagst..

LG Janette

Beitrag von hippogreif 25.10.10 - 21:02 Uhr

Arbeiten in Deiner Firma mehr als 10 AN? Dann hast Du Kündigungsschutz.
Eine betriebsbedingte Kündigung geht vor Gericht wegen der fehlerhaften Sozialauswahl fast nie durch. Fast immer sind sie unwirksam.
Nochdazu hast Du ein kleines Kind, also per se schon mal eine hohe soziale Schutzwürdigkeit. Dein AG müßte nämlich einen kompletten Sozialplan vorlegen, bei dem jeder einzelne MA bepunktet wird bzgl. sozialer Schutzwürdigkeit. Und nur demjenigen mit der geringsten Schutzwürdigkeit (bei vergleichbaren Tätigkeiten) dürfte betriebsbedingt gekündigt werden.
Wenn Du die Kündigung daher bekommst, legst Du innerhalb von 3 Wochen Kündigungsschutzklage vor dem zuständigen ArbG ein. Natürlich klagst Du auf Wiedereinstellung, denn das ist der Zweck einer Kündigungsschutzklage.
Du kannst nicht auf Abfindung klagen. Solch eine Möglichkeit existiert in Deutschland nicht.
Nur ist es so, dass viele Parteien vor Gericht einen Vergleich schließen: der AN verzichtet auf den Arbeitsplatz und der AG zahlt dafür eine Entschädigung.

Beitrag von susannea 25.10.10 - 22:24 Uhr

KLAr ist nur, die Kündigung kann erst am 1. Arbeitstag mit entsprechenden Fristen stattfinden (oder mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde, da gibts dann aber vorher eine Anhörung)- Bei Firmen mit mehreren Abteilungen usw. lohtn sich da sicherlich eine Kündigungsschutzklage, denn in der Regel muss dann nach Sozialplan verfahren werden und das ist selten jemand mit Kind sofort.

Es ist eine entsprechende Stelle zum Arbeitsvertrag zu stellen, wie ist sache des Betriebes, denn immerhin hattenb sie dafür genug Zeit sich das zu überlegen!

Beitrag von kati543 26.10.10 - 13:39 Uhr

1. Auf Abfindung kannst du gar nicht klagen.
2. Ab dem ersten Arbeitstag bist du ganz normal kündbar. Der AG muß dich ja zu den Bedingungen des "alten" Vertrages wieder weiter beschäftigen. Kannst du denn so arbeiten? Hast du die Betreuung geregelt für dein Kind? Bist du genauso flexibel wie vorher? Wenn du deinen AG verklagst, mußt du damit rechnen, dass er dich weiter beschäftigt (manche AG können/wollen die Abfindung nicht zahlen) - das kann sehr extrem für dich werden.