2 Fragen - Einsamer Arbeitsplatz plus kontrollsüchtiger Chef (laaaang)

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von emestesi 27.10.10 - 16:55 Uhr

Hallo Zusammen,

heute brauche ich mal wieder Rat:

Ich arbeite als Marketingkoordinatorin in einer Klinik; bis vor kurzem noch in VZ nun auf 3/4-Stelle, aber mit mehr Verantwortung. Was ja schön ist und worüber ich mich sehr freue :-). Zuvor saß ich in unserem Hauptgebäude mit jede Menge Leuten um mich herum und immer hatte ich somit den für meinen Job so wichtigen Kontakt zu Kollegen.

Ich muss dazu sagen, dass es so keine Marketing-Abteilung gibt, sondern nur mich, die alles regelt. Dennoch hatte ich immer Leutz um mich herum. Nun wurde ich - auch durch bauliche Maßnahmen - in ein anderes Gebäude "verlegt" und sitze nun mutterseelenallein auf einem Geschoss, was manchmal nicht nur unheimlich ist (es ist wirklich niemand außer mir dort), sondern mich auch ziemlich einsam macht. Im kommenden Jahr soll die Verwaltung auch dort hin ziehen, aber alle sitzen dann auf anderen Geschossen. Es gibt so dann auch kaum bis keinen Kontakt.

Das macht mir schon ganz schön zu schaffen, zumal ich in meinem seit fast 20 Jahren währenden Berufsleben noch NIE ganz allein gesessen habe. Gut, man schafft dadurch extrem viel vom Tisch, weil es keinerlei Ablenkung gibt, aber rein menschlich betrachtet zieht es einen doch langsam aber sicher mental runter. Vor allem, da ich ein recht kommunikativer, fröhlicher Mensch bin. Wie kann ich meinem Chef klar machen, dass er mich bitte in eine lebendigere Atmosphäre umplatzieren möchte, ohne dass ich gleich wie eine Quatschtante wirke, die immer und mit allen ratschen muss?

Wobei wir gleich bei Problem Nr. 2 wären. Mein Chef ist absolut kontrollsüchtig. Ich habe manchmal das Gefühl, dass er mir nichtmal zutraut, den kleinsten Flyer allein hinzubekommen - immer muss er seinen Senf dazu geben und hat ganz klare Vorstellungen wie er was haben möchte. Das diese Vorstellungen werbetechnisch oftmals total konfus sind, nicht ins Design passen oder manche seiner Entscheidungen, was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, einfach nicht gehen, will er nicht sehen.

Ich habe 13 Jahre Werber-Berufserfahrung und bin weiß Gott keine Anfängerin, aber jedes Mal "fährt" er mir quasi über den Mund und zerrt die Zügel in eine Richtung, in die das "Pferd" einfach nicht laufen sollte. Dass wir dadurch ein völlig konfuses Auftreten in der Öffentlichkeit haben, wirft er mir dann im Nachhinein als meinen Fehler vor, weil der rote Faden in der Darstellung fehlen würde. Wenn ich dann sage: "Hallo?! Das war doch IHRE Entscheidung!", wischt er das vom Tisch und sagt mir, dass er von mir die richtige Richtung erwartet (Häh?! WAS mache ich denn die ganze Zeit?! ER reißt die Zügel doch immer dahin, wohin ER sie haben will).

Ihr glaubt nicht, wie oft ich mir da schon den Mund fusselig geredet habe; einmal habe ich ein recht großes Projekt auf eigenes Risiko ohne ihn durchgezogen, um ihn nachher mit dem Erfolg zu konfrontieren (nach dem Motto: Schau mal, es klappt!!! Vertraue mir doch einfach mal, dass es wirklich hinhaut). Fand er erstmal nicht wirklich komisch, war im Nachhinein aber begeistert und lobte mich (vielleicht mit ein Grund für die Beförderung :-)). Aber diese Begeisterung hält immer nur kurz an. Dann muss ich mich wieder auf Diskussionen und Total-Eingriffe in meine Arbeit einstellen, die nie enden. Ich muss dazu sagen, dass mein Chef zu einem der Menschen gehört, die wirklich glauben, Werbung sei ja alles nur Geschmackssache. Wobei ich ihm schon häufig gesagt habe, dass Werbung wie ein Köder ist, und die Kunst ist, den Köder so zuzubereiten, dass er dem Fisch schmeckt und nicht dem Angler. Hat er zwar herzhaft drüber gelacht, aber dann wieder auf seine Entscheidung bestanden.

Wie kann ich diesen Chef noch positiv "erziehen"? Ich weiß, das ist schwer, aber irgendwann - und da kenne ich mich - schmeiße ich ihm alles vor die Füße und werde ihm sagen, dass er ja eh' alles besser weiß und dann kann er den Job gleich selbst machen. Würde das natürlich gern umgehen und suche daher wirklich gute Ratschläge.

Ist ziemlich lang geworden. Tut mir echt Leid, aber kürzer gings nicht. Ich danke jedem, der es bis hierhin durchgehalten hat und freue mich über konstruktive Tipps #blume.

Lieben Dank im voraus von
Emestesi

Beitrag von ppg 27.10.10 - 17:19 Uhr

Zum ersten Problem:

Mach jeden Tag eine Runde zu den Kollegen, damit Du auch arbeitstechnisch und nicht nur menschlich auf dem laufenden bleibst.

Zu deinem Chef:

Es ist vollkommen normal das das Marketing und die Kunden vollkommen verschiedene Auffassungen haben , wie was laufen soll. Arbeite mal in einer Agentur, da hast Du nicht nur einen von der Sorte, sondern Dutzende...

Ute

Beitrag von emestesi 27.10.10 - 17:24 Uhr

Danke für deine Antwort.

Die Kollegen haben so nichts mit meiner Arbeit zu tun. Es gibt arbeitstechnisch so keinen Grund sie aufzusuchen, außer wir haben ein Projekt zusammen.

Ich HABE 13 Jahre in einer Agentur gearbeitet. Ich weiß, wie beratungsresistent manche Kunden sind. Das hilft mir aber mit meinem Chef nicht weiter. Mein Chef ist nicht mein Kunde. Und es bringt auch nichts, ihn so zu sehen. Denn das habe ich bereits getan. Und es ist schon ein Unterschied, ob du mit deinem Chef zu tun hast oder mit einem Kunden. Das ist eben mein Problem :-(.

VLG Emestesi

Beitrag von ppg 27.10.10 - 17:59 Uhr

Natürlich ist Dein Chef dein Kunde - und nichts anderes! Du solltest beginnen ihn so zu sehen - das ist die Grundlage jedweder interner Kommunikation. Das ist im Übrigen auch keine Einbahnstrasse. Ich weiß das dies gerade bei manchen Einzelpersonen nicht immer einfach ist.

Außerdem ist gerade im Marketing aktuelles Wissen um die Firma ( oder die Klinik ) oberstes Gebot. Natürlich gehört es zu deinem Job tagesaktuell zu sein - auch außerhalb von Projekten - auch hier wieder der Verweis auf die interne Kommunikation. Beim Marketing müssen alle Fäden zusammenlaufen, schließlich bist Du für die Außendarstellung des Unternehmens verantwortlich.

Ich bin Selbständig als Consulterin, gelernte und erfahrene Account Managerin, Marketing Managerin und Personaltrainerin in Personalunion. Und wie ich das sehe besteht bei Euch erhöhter Trainingsbedarf. Nachfragen, Angebote und Referenzen gerne über VK

Ute

Beitrag von emestesi 27.10.10 - 19:05 Uhr

Ähm ... ja, toll - du hast großartige Kompetenzen #augen. Zumindest von dem, was du schreibst. Allerdings fühle ich mich augenblicklich sogar noch mehr wie Jemand, der keine Ahnung von seinem Job hat, nicht weiß, was er zu tun hat und wie dämlich er vor seinem Chef reagiert.

Sorry, mit diesem Statement wirkst du sehr überheblich. Natürlich bin ich an Rat interessiert. Besonders von professionellen Coaches. Schreib mir gern von deinem Angebot (PN hast du schon), aber Basis jeden Coachings sollte doch sein, dass sich der gecoachte nicht wie ein Neandertaler fühlt .... Du gibst einem wirklich das Gefühl, ein Elefant im Porzellanladen zu sein. Dabei kennst du mich und auch meinen Chef und seine Eigenheiten nicht einmal.

Natürlich halte ich meine internen Kontakte. Natürlich versuche ich, die Schwingungen mitzubekommen. Aber egal ... Wenn du wirklich glaubst, mir professionellen Rat geben zu können, dann sende mir ein profundes Grundlagenangebot.

LG Emestesi

Beitrag von nobility 27.10.10 - 18:01 Uhr

Hallo Emestesi,

manche Chefs möchten nicht, dass zwischen AN eine Art Vertraulichkeit entsteht und versuchen durch sogenannte Trennungsmaßnahmen dies zu verhindern. Chefs befürchten ihren Machteinfluss bzw. eben ihre Machtrolle auf AN dadurch zu verlieren.

Manche Chefs möchten nicht, dass ihre Angestellten schlauer sind als sie selbst. Das hat kaum ein Chef gerne. Chefs möchten gerne zeigen, wie sehr sie AN fachlich und Intellektuell überlegen sind. Sie befürchten, wenn diese Überlegenheit verloren geht, dass dann ihre Chefrolle abblättert. Das solches Verhalten mancher Chefs höchst unklug ist, weil damit alle Kreativität zur Mitarbeit von AN unterdrückt wird wollen viele Chefs aus Eitelkeitsgründen nicht wahrhaben.

Locke ihn doch mal aus der Reserve. Entwickle mal eine Idee einer Flyergestaltung und bitte ihn doch mal um Mithilfe. Frage ihn doch mal nach seinen Ideen nach seinen Vorstellungen aus. Beziehe ihn mal richtig in deine Arbeit mit ein. Mal sehen wie er reagiert.

Gruß
Nobility

Beitrag von emestesi 27.10.10 - 19:24 Uhr

Danke dir für deinen herzlichen Rat. :-) ... Wenn ich ihn in so etwas wie einen Klinik-Flyer miteinbeziehen würde, wäre dieser weder vor Weihnachten fertig, noch würde er in unsere Range passen. Er IST kein Typ, der um Rat gefragt werden will, er IST der Rat :-(. Egal, welcher Bereich. Von daher ist es schon ziemlich schwierig. Mir wurde ja schon die Empfehlung gegeben, meinen Chef wie einen Kunden zu betrachten. Aber das bringt NIX. Von daher werde ich wohl in Richtung Manavgats Rat gehen und freundlich, aber bestimmt auf meine Kompetenzen verweisen.

VLG von Emestesi

Beitrag von manavgat 27.10.10 - 18:37 Uhr

Ihr glaubt nicht, wie oft ich mir da schon den Mund fusselig geredet habe; einmal habe ich ein recht großes Projekt auf eigenes Risiko ohne ihn durchgezogen, um ihn nachher mit dem Erfolg zu konfrontieren


Da liegt der Hase im Pfeffer. Wer redet, bis er Fransen am Mund hat, redet zuviel.


Sag: Danke für Ihre Unterstützung, ich komme auf sie zu, wenn ich Fragen habe!

Strahl ihn dabei an und geh sofort aus dem Raum.


oder


Ich werde Sie informieren, sobald ich mein Projekt beendet habe. Danke für ihr Angebot mich zu unterstützen/ihr Interesse usw....


ebenfalls anstrahlen (das finden Chefs immer total klasse) und sofort gehen/weghüpfen/wegspringen mit den Worten: ich muss ganz dringend xy erledigen...


Wenn das alles nix nutzt, Holzhammermethode:

Ich bin schon groß. Ich kann das. Sie haben wichtigeres zu tun/andere Aufgaben. Lassen sie mich arbeiten, ihre Kontrolle erstickt meine Kreativität.

Wenn er es nicht schnallt: Zwischenzeugnis fordern.

Gruß

Manavgat

Beitrag von emestesi 27.10.10 - 18:44 Uhr

SUPER Tipp :-). Danke, das werde ich mal austesten! Hab schon gehofft, dass du mir antwortest #herzlich.

VLG Emestesi