Asperger Mamis - nicht autistische Kinder

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von naykab 28.10.10 - 10:04 Uhr

Hi!

Wie kommt ihr als Asperger Autisten mit euren nicht autistischen Kinder zurecht?
Ich habe zwei Söhne. Der eine ist fast 8 JAhre alt, auch Asperger Autist und der andere wird im Januar 2 Jahre alt, zeigt keinerlei autistische Züge. Mit dem Großen kam ich schon immer super zurecht. Dazu muss ich sagen, dass wir von der Krankheit erst in diesem Jahr erfahren haben. Seit dem der Kleine auf der Welt ist ging es mir von Tag zu Tag schlechter. Er ist soooo normal!!! Naja, nicht ganz. Die Erziehungswissenschaftlerin in der Tagesgruppe sagte, dass er seeeehhhr aktiv ist. Sie würde schon fast von Hyperaktivität reden. Das empfinde ich genau so, aber für mich ist es noch sehr viel schlimmer.

Vielleicht gibt es ja hier jemanden, dem es ähnlich geht!

vg
naykab

Beitrag von scrollan01 28.10.10 - 11:06 Uhr

Hallo

ich bin das Kind eines Asperger - Papas, nie diagnostiziert da er nun 73 ist! Aber ganz klar ...

Ich habe eine 9 jährige, die z.Zt. in der Diagnose ist!
Bei ihr besteht der hohe Verdacht auf Asperger.

Also, mein Vater: das war immer so ein Ding für sich!
Ich muss dazu aber sagen: er ist toll!

Er ist immer ruhig, bedacht, neigt nicht zu Ausbrüchen - nur selten, er ist ein wandelndes Geschichtsbuch, er sammelt Münzen, Briefmarken und allerlei seltsam Dinge, er ist gerne unter Menschen abr nur solang er es mag - er steht mitunter unvermittelt auf und geht einfach weg, er hat seine tägl. Routine, er ist sehr höflich und beliebt, er ist skuril, naja - und vieles vieles mehr! ;-))

Was ein Problem für mich als Kind war:

er mochte keine Freunde bei uns daheim haben, es war ihm zu viel und zu laut. Also war ich meist bei meinen Freunden.
Auch uns sah er am liebsten im Kizi bei geschlossener Türe wenn meine Mutter am WE Dienst hatte und er alleine mit uns war.
Sahen wir fern war es ihm zu laut, also stellten wir das Ding so leise, dass man sich fast davor hocken musste um etwas zu verstehen.

Er kam tägl. zur selben Zeit heim und lief dann unser Haus ab um alles wieder so hin zu stellen wie es vor dem Putzen war.

Eigentlich wollte er immer seine Ruhe haben, half uns aber z.B. bei Mathe - was ich nieiiieeee verstand weil er ganz anders rechnete als ich!
Hat ER etwas verschludert waren es immer die anderen Schuld!
Das ist bis heute so!
Er konnte und kann sich bis heute nicht entschuldigen, muss aufmerksam gemacht werden wenn er etwas "blödes" sagte!

Aber ich kenne ihn nicht anders und finde ihn toll - er erzählt wunderbar bildlich und man stellt sich alles sehr gut vor.
Aber wenn er erzählt, dann wiederholt er seine Geschichten oder das Geschehen ständig, dass es sehr anstrengend ist, diese zum 10. mal zu hören!
Und das liegt nicht an einer Demenz ;-)

Mein Mann liebt ihn weil er unser Leben bereichert und er trinkt gerne mit ihm ein Bier zusammen! ;-))

Er liebt uns sehr, und er war und ist immer sehr einfallsreich wenn es um gewisse Probleme geht ... manch einer würde den Kopf schütteln, ICH finde es super!

Mit den Enkelkindern ist es so:
meine Große hatte vom 1. Tag eine enge Beziehung zu ihm und umgekehrt - die sind gleich! Wie gesagt, sie ist höchstwahrscheinlich auch eine Aspine ;-))

ICH hatte nie ein Problem mit ihr weil ich scheinbar intuitiv auf sie einging.
Aber Fremde haben mich die letzten Jahre oft genug angesprochen!
Und ich denke, jetzt hat sie Probleme, deshalb die Diagnostik!

Meine Kleine ist so normal wie ich, sie ist aber chronisch sehr krank das ist eine andere Baustelle.
Bei ihr hatte ich am Anfang echte Schwierigkeiten, aber jetzt hat jeder seinen Platz gefunden!

Und es läuft genial!

LG Scrollan

Beitrag von nanoukaladar 29.10.10 - 18:22 Uhr

Selber habe ich keine offizielle Diagnose, als Kind wurde ich jährlich getestet und abgeklärt, auf fast alles, aber nie auf Autismus.

Nun ja, heute bin ich verheiratet, mein Mann ist frühkindlicher Autist.
Die älteste Tochter ist neurotypisch, die anderen fünf Kinder sind entweder Asperger-Autisten oder "Grenzgänger".
Zur ältesten Tochter habe und hatte ich von Beginn weg die schwierigste Beziehung. Ich liebe sie sehr, bin unendlich stolz auf sie, und doch geraten wir uns ständig in die Haare, fast alles was ich sage findet sie doof, falsch, peinlich. Ich weiss, dass auch sie mich eigentlich liebt, stolz ist, mich teilweise bewundert. Aber alltägliche Gespräche entgleisen oft, viel zu oft.
Sie studiert nun auswärts, wenn sie heim kommt freuen sich alle sehr, sind aber gleichzeitig angespannt, sie ist irgendwie fremd. Der Freund der zweitältesten Tochter (er ist Asperger und lebt praktisch bei uns) ist mir vertrauter als meine eigene Tochter.
Manchmal tut es weh, oft habe ich ein schlechtes Gewissen, und zeitweise kann ich die Situation so annehmen wie sie halt ist.

Beitrag von scrollan01 31.10.10 - 13:06 Uhr

Hui, das ist aber auch schwierig bei euch!

Sie ist also die einzige NT bei euch im Haushalt?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwierig es für sie ist, mit euch umzugehen.
Das ist nicht böse gemeint sondern stellt einfach einen Fakt dar.

Ich habe meinen Vater ja erlebt, erlebe ihn ja auch noch jetzt - und erst jetzt wo ich weiß was los ist, komme ich mit ihm super klar und verteidige ihn auch z.B. bei meiner Mutter!
Weil ich gelernt habe, anders zu denken!

Ich hatte bei meiner Großen auch immer das Gefühl:
Irgendwas ist anders - sie ist so anders als wir hier!
Aber ich habe sie angenommen so wie sie ist und habe zum Glück intuitiv richtig gehandelt!
Erst jetzt, wo wir in der Diagnostik stecken, verstehe ich aber mehr und mehr wie sie eigentlich WIRKLICH tickt!
Und genau das hilft mir ungemein und es läuft noch harmonischer ab als bisher.

Manchmal sehe ich sie auch an wie einen Menschen vom anderen Stern weil ich manchmal nicht schnell genug umswitchen kann.
Dann kommen auch die Probleme sofort hoch!
Aber ich kann alles recht gut auffangen und umleiten!

meine Kleine dagegen ist NT mit gewissen Stereotypen/Zwangshandlungen, die haben ihren Ursprung jedoch durch ihre Grunderkrankung (Leberzirrhose) und dem damit einhergegangenen Stoffwechsel im Gehirn als Baby.
Bedeutet: sie ist ganz normal hat aber gewisse Auffälligkeiten, die sind dann grenzwertig!
Bei ihr wird es sich jedoch verwachsen bis zur Pubertät!

LG


Beitrag von aoiangel 04.11.10 - 19:54 Uhr

Hallo,
also ich hab 2 Jungs 5,5 und 2,5 Jahre alt.
Bei meinem Großen warten wir nur noch auf die bestätigenden Diagnostiktermin im Dezember.
Aber wir sind uns von allen Seiten sicher das AS rauskommen wird, zumal bei mir ebenfalls der Verdacht besteht (ich es aber momentan wichtiger finde erstmal Klarheit für mein Kind zu schaffen).

Das was du schreibst kommt mir sehr bekannt vor.
Mit meinem Großen gab es so nie Probleme, er war auf die Sicht gesehen immer irgendwie anders, aber für mich/uns völlig normal.
Ich merke aber jetzt durch den Kleinen auch immer mehr wie es eigentlich sein könnte/sollte.
Der Kleine ist sehr aktiv/lebhaft, er quasselt wahnsinnig viel, intressiert sich an allem, sucht jetzt schon Kontakt zu andren Kindern,....

Seit der Kleine älter wird gibt es auch zwischen den Jungs immer mehr Reibereien, ich denke das Große merkt das schon auch das der Kleine so langsam zu einer ernsthaften Konkurenz heranwächst.
Außerdem ist der Große jemande der immer alles im Griff haben muss, bedingt durch das AS, aber da spielt der Kleine halt inzwischen auch kaum mehr mit.

Momentan sind sie fast nur noch am Streiten, das ist grad wirklich ne schwere Phase.
Ich hoffe es wird besser wenn der Kleine verständnisvoller wird.

LG Anne