Wie Freundin beistehen?

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von hebchri 29.10.10 - 09:01 Uhr

Gute Morgen zusammen #blume

Ich hoffe ich schreibe hier im richtigen Forum da ich mir etwas unsicher bin wo ich posten soll. Und zwar geht es um folgendes.

Vor ca. einem halben Jahr habe ich eine Frau auf dem Spielplatz kennen gelernt. Schon bei der ersten Unterhaltung waren wir uns sehr sympathisch. Wir hatten beide unsere zwei Jungs dabei und einen dicken Bauch ;-)
Wir unterhielten uns sehr nett und haben uns immer wieder auf dem Spielplatz zufällig getroffen. Irgendwie merkte ich dass wir auf einer "Wellenlänge" sind. #freu

Als dann im September unsere großen Jungs zusammen in die Schule gekommen sind, wurde der Kontakt noch intensiver worüber ich mich sehr gefreut habe, da ich diese Frau wie gesagt sehr sehr nett finde. Ich denke es beruht auf Gegenseitigkeit da wir jetzt immer mehr zusammen unternehmen. Ja, ich hatte jetzt wirklich das Gefühl es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen uns bzw. ich sehe sie mitlerweile als Freundin.

Jetzt gerade in der Zeit des "anfreundens" werde ich aber vor einer Herausforderung gestellt bei der ich mir wirklich unsicher bin wie ich reagieren soll. :-( Sie hat vor zwei Wochen ihr drittes Kind zur Welt gebracht. Ich rief sie ein Tag danach an um ihr zu gratulieren und wir haben uns nett unterhalten. Letzte Woche habe ich dann bei ihr geklingelt um ihr einen großen Topf Kürbissuppe vorbeizubringen. Als ich dann mit rein kam zum Baby anschauen fing sie plötzlich an zu weinen. Sie meint, sie hätte das Gefühl mit dem Kind stimmt etwas nicht. Sie umarmte mich und ich hörte ihr zu. (Wir haben uns das erste Mal umarmt)

Das ganze spitzte sich dann etwas zu. Die Kleine trinkt sehr schlecht, nimmt schlecht zu, hat kaum Körperspannung. Auch die Kinderärztin ist beunruhigt und der Begriff der eventuellen Behinderung ist bereits mehrmals gefallen. Selbstverständlich gibt es noch keine Diagnose aber die Kleine zeigt eben einige Auffälligkeiten.

Meine Freundin ist nun verständlicherweise total am Ende. Sobald wir uns sehen fängt sie an zu weinen. Gestern nahm ich ihr die zwei Großen ab und als wir vom Spielplatz zurückkamen stand sie wieder weinend in der Haustüre. Ich bin kurz mit rein, habe sie in den Arm genommen und wir haben etwas geredet. Doch in bin mir so unsicher wie ich ihr helfen kann.
Habe Angst etwas falsches zu sagen und wie gesagt wir kennen uns noch nicht so lange. Ich habe deshalb so detalliert von unseren Begegnungen erzählt (erste Umarmung und ähnliches) damit ihr verstehen könnt wie Nahe wir uns bisher stehen.
Finde das ganze eben noch so komplieziert da wir uns gerade erst anfreunden. Bei langjährigen Freunden wäre ich da bestimmt etwas sicherer.

Ich habe sie vorhin angerufen, dass ich heute für zwei Familie kochen um sie etwas zu entlasten. Ich bringe ihr nachher das Mittagessen vorbei und werde somit wieder mit der Situation konfrontiert.
Welcher Worte können in dieser von Angst geprägten Zeit wirklich helfen? Mit welchen Geste tue ich ihr etwas Gutes? Mal Mittagessen kochen ist ja wirklich nur eine Klenigkeit. Ich wäre so gerne mehr für sie da. Oder sollte ich mich als NEUE Freundin doch lieber im Hintergrund halten?

Sorry, dass mein Text so lang geworden ist, allerdings ist mir diese ganze Sache wirklich wichtig. Sie tut mir so leid und ich möchte doch so gerne helfen aber nicht im Wege stehen...

Ich bedanke mich im vorraus für wirklich jede auch noch so kurze Antwort.
Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht euch
Hebchri mit #baby Silas, #baby Florentin und #schrei Johann

Beitrag von scrollan01 29.10.10 - 09:28 Uhr

Ich finde es schon super, dass du Essen für sie mit kochst!

Das hilft ihr auf jeden Fall, auch wenn es augenscheinlich nicht gerade die Hilfe bedeutet, die du bieten möchtest - aber es ist eben doch eine große Hilfe!!!!!!

Manchmal entwickelt sich eine Freundschaft quasi rasant!

Ich habe eine ewig langjährige super super Freundin - da ist es quasi gewachsen, aber seit 15 Jahren ist sie meine allerbeste Freundin und Vertraute!

Daneben hatte ich früher NIE!!!! Freunde!

Und vor 5 Jahren fand ich über das Internet eine Freundin die auch zeitgleich schwanger war - sie mit dem 1. Kind, ich mit dem 2. Kind!
Es ging sehr schnell und wir vertrauen uns auch wirklich!
Sie wohnt in der selben Stadt wie ich!
Schon ganz früh halfen wir uns.

Und vor ca. 1 Jahr lernte ich dann hier ein Mädel kennen die dann auch bei uns anfing zu arbeiten - und da stimmte auch die Chemie und da war bei ihr eine Situation in der ich helfen konnte. Sie hat zwar noch die Clique ihres Mannes und da ist auch meine Schwester quasi drin - ich aber nicht und ich will es auch nicht!

Seltsamerweise passt es auch hier enorm!

DAS reicht jetzt aber auch an Freunden - ich habe sonst keine Zeit mehr ;-))

Will damit nur sagen: manchmal geht sowas recht schnell!

Was wird denn jetzt gemacht?
Wieso ist das Kind nicht mit der Mama im KH wenn es schon so schlecht trinkt und die KÄ so besorgt ist?
Es scheint doch eine Art Notfall zu sein!

Ich würde sie dahin gehend unterstützen, dass sie mit dem Kind überwiesen wird und würde dann die anderen 2 irgendwie beim betreuen mit übernehmen.

Da du auch ein Baby hast, bleibt dir nicht gan zso viel an Möglichkeiten.
Aber frage sie doch einfach und begleite sie u.U. zum KA und sei dabei und stelle die Fragen, die ihr aus Angst und Unsicherheit und Sorge nicht einfallen!!!!

Viel Glück!

Beitrag von sabrinimaus 29.10.10 - 09:45 Uhr

Hallo Hebchri,

ich war selbst in der Situation, dass im Raum stand, dass mein kleines Mädchen behindert ist, was sich hinterher auch leider bestätigte. Komischerweise war es bei mir auch eine noch sehr "neue" Freundin, die mir in dieser Zeit sehr für mich da war und auch heute noch ist.
Ich habe mir total leicht getan mich bei ihr Fallen zu lassen. Sie hat mir viel zugehört. Das hat mir sehr geholfen. Ich denke auch, dass es eigentlich reicht, wenn du zuhörst und sie in den Arm nimmst. Vielleicht schaust du auch mal, dass sie von zuhause raus kommt.

Mir persönlich hat es auch sehr geholfen, dass sie zu mir gesagt hat: Schau dein Baby an, das ist dein Baby und du liebst es über alles und es ist toll wie es ist.

ich hoffe für deine Freundin, dass es nicht allzulange dauert, bis sie weiß was Sache ist. Das hilft enorm und man kann anfangen alles in die Hand zu nehmen und sich damit auseinander zu setzten. Und wenn man dann sein Kind so annimmt, wie es ist, dann kann man alles schaffen und die Zukunft sieht auch nicht mehr so finster aus.

Weißt du was es noch für Auffälligkeiten gibt??? Steht eine Verdachtsdiagnose im Raum?

LG Sabrina mit Viktor (3) und Rosalie (9M)

Beitrag von jindabyne 29.10.10 - 11:00 Uhr

Mir war anfangs in dieser unsicheren Zeit, wo man noch nicht weiß, was los ist, immer wichtig, Leute um mich herum zu haben, die für mich da waren. Die für mich ein offenes Ohr hatten, bei denen ich mich ausheulen konnte, die im Notfall auch mal eingesprungen sind und mich unterstützt haben. Die anderen sollten selber gar nicht so viel sagen, denn wer die Situation nicht kennt, kann da eh nur schwer die richtigen Worte finden. Schlimm fand ich immer, wenn meine Sorgen herabgespielt wurden, ich wollte ernst genommen werden.

Ich finde es toll, dass Du ihr Essen kochst und sie unterstützt. Sei für sie da, biete ihr Hilfe an, hör ihr zu. Das wird dann schon viel helfen.

Lg Steffi

Beitrag von catch-up 29.10.10 - 14:13 Uhr

Ich glaub du machst dir zu viele Gedanken darum, was du tust!

Lass die Dinge doch auf dich zukommen! Vergiss diesen Gedanken "Neue Freundin" und "Wir kennen uns noch nicht so lang"

So, wie ich das hier lese, legt deine Freundin viel Wert auf deine Nähe und deine Meinung! Und nur das ist wichtig, nichts anderes!!!!

Wenn deine Freundin deine Anwesenheit nicht wünschten sollte, würdest du das merken!

Sei für sie da, hör ihr zu, tröste sie, rede ihr gut zu! Damit machst du nichts falsch! #herzlich

Ich wünsche ihr viel Glück!!!! #klee

Beitrag von danimitben 29.10.10 - 21:31 Uhr

Liebe Hebchri,

genau so eine Freundin wie Du es bist hätte ich mir vor zwei Jahren gewünscht.

Ich hatte mein erstes Kind geboren und relativ schnell war klar dass Ben sich nicht so entwickelt wie er sollte. Am Anfang war es für uns kein Problem, denn wir kannten es nicht anders. Für uns war Ben so wie er war, absolut in Ordnung.

Dann kamen immer mehr Diagnosen hinzu. Man sagte uns dass er evtl. behindert oder auch schwerst mehrfachbehindert sein würde. Einige Wochen später kam es noch schlimmer "Ben wird sein erstes Lebensjahr nicht erreichen!"

Es war so ein großer Schock und wirklich so wenige Menschen konnten damit und mit uns umgehen. Mir hätte es gereicht, dass jemand meine Ängste anhört und meine Bedenken. Dass ich meine Wut loswerden kann und meine Fragen. Die meisten Menschen waren damit überfordert.

Du machst es genau richtig. Du bist für deine Freundin da und du nimmst sie in den Arm. Sie hat Vertrauen zu dir und wenn sie reden will hörst du zu.

Du machst schon unglaublich viel - mach genau so weiter!

Alles Liebe
DANI mit BEN im Herzen
http://www.ben-sternenkind.de