Zungenbaendchen - soll ich oder lieber nicht??

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von schmunzelmonster123 29.10.10 - 16:44 Uhr

Hallo zusammen,

ich habe mal eine Frage wegen meiner Tochter Skye (wird im Dezember 4). Sie hat ein relativ stark ausgepraegtes Zungenbaendchen, was meiner Ansicht nach ihre Sprachentwicklung behindert. Sie redet sehr undeutlich, manche Laute kann sie sehr schlecht aussprechen und man muss oft nachfragen, was sie denn meint - was sie mittlerweile als peinlich empfindet - und dann gar nichts mehr sagt! Ich habe hier in Schottland schon diverse Male nachgehakt, ob man das Zungenbaendchen nicht durchtrennen koenne - sie war fuer einige Zeit in sprachtherapeutischer Behandlung, aber die meinen, es sei nicht erwiesen, dass das Problem von dem Zungenbaendchen kommt - und darum wird nichts gemacht.

Das Problem ist aber das sie hier naechsten Sommer in die Schule kommt und ich will nicht, dass sie benachteiligt ist durch ihre verzoegerte Sprachentwicklung. Ich habe Kontakt mit einem Chirurgen in Deutschland gemacht, der meine Mutter einige Male sehr gut behandelt hat und der bietet mir an, dass ich es fuer 200 - 250 Euro privat bei ihm durchtrennen lassen koennte. Das wuerde ich im April machen, wenn ich fuer 2 Wochen in Deutschland bei meinen Eltern zu Besuch bin.
Ich bin hin und hergerissen, denn auf der einen Seite will ich meiner Tochter den Stress natuerlich ersparen, wenn es moeglich ist. Auf der anderen Seite will ich ihr aber auch den bestmoeglichen Start in die Schule bieten - und der Eingriff dauert keine 20 Minuten wurde mir gesagt und ist wirklich klein. Aber es ist eben nicht sicher, ob es ihr hilft...

Mir ist klar, dass die Entscheidung letztendlich bei mir liegt, aber wie wuerdet ihr Euch entscheiden??

Liebe Gruesse

Sabine

Beitrag von juni78 29.10.10 - 16:59 Uhr

Hallo,

ich würde sie viell. dann in Deutschland erstmal einem Kinderarzt vorstellen, ehe operiert wird.
Der kann dir zumindest eine 2. Meinung geben ob eine OP nötig ist.
Der Chirurg will doch nur Geld verdienen, da kann man keine unabhängige
Meinung erwarten.

Natürlich ist es nur eine kleine OP, aber auch da kann es Komplikationen geben.

LG
Tanja

Beitrag von bine3002 29.10.10 - 17:00 Uhr

Die Sprachentwicklung deiner Tochter ist noch gar nicht abgeschlossen. Man kann das also erst ab etwa 4 Jahren richtig beurteilen, d.h. dann sollte sie alle Laute können. Es gibt da aber auch natürlich individuelle Unterschiede. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Gib ihr Zeit, sei geduldig und warte einfach mal ab.

Beitrag von claudia_71 29.10.10 - 17:13 Uhr

Hallo,

soweit ich weiß, ist die Durchtrennung des Zungenbändchens kein (!) einfacher Eingriff.
Ich würde erstmal noch die Meinung eines Kinderarztes oder auch eines Logopäden einholen, wenn du den Eindruck hast, es stört beim Sprechen.

LG Claudia

Beitrag von kati543 29.10.10 - 17:45 Uhr

Ich würde es nicht machen lassen.
Die Ärzte, die dein Kind kennen, denen traust du eine kompetente Entscheidung nicht zu - und ein Arzt, der nur an deinem Kind verdienen würde, der dein Kind noch nicht einmal kennt, dem traust du eine Entscheidung zu??? Mein Sohn ist 4 und redet auch noch undeutlich. Laß ihr Zeit.
Was würdest du denn machen, falls es doch zu Komplikationen kommt bei der OP??? Du weißt schon, dass das dann verdammt teuer wird, oder?

Beitrag von schmunzelmonster123 29.10.10 - 18:38 Uhr

Hallo Du,
Nach dem "Health Visitor" (also nicht der Aerzte) ist es nicht erwiesen dass es das Problem ist. "Es koennte sein, muss aber nicht... darum warten wir mal ab" und zur Zeit ist Sye im Kindergarten eines der undeutlichst sprechenden Kinder in ihrer Altersgruppe, so dass die Kindergaertnerinnen sie an die Sprachtherapie weitergeleitet haben. Die Sprachtherapeuten sagen auch: "mmmmh koennte sein, aber vielleicht ist es das auch nicht... also warten wir mal weiter ab" mittlerweile ist Skyes Therapieblock zuende, es ist keine hoerbare Verbesserung eingetreten und ihr Selbstbewusstsein beim Sprechen laesst merklich nach. Bevor gefragt wird: ein weiterer Block Sprachtherapie ist zur Zeit nicht vorgesehen, weil ihr nur 8 Stunden zustehen. Aerzte habe ich drauf angesprochen (die die Skye kennen, wenn man das hier so nennen kann...) und die verweisen mich an den Health Visiotor, weil die es besser beurteilen koennen. Wie lange soll ich denn noch abwarten? Sie kommt im August in die Schule und der Lehrer wird sie nicht verstehen koennen und was soll mit lesen etc werden?? Dummerweise hat Skye nicht wie in Deutschland noch 2,5 Jahre bis sie eingeschult wird... und wie gesagt ich sehe bzw. hoere einfach keine Verbesserung.
LG
Sabine

Beitrag von sunny_harz 29.10.10 - 18:14 Uhr

Hallo Sabine.

Wir haben die Erfahrung gemacht und leider falsche Entscheidungen getroffen, das war ein Horrortrip für meine Tochter und uns.
Schmerzen ohne Ende, da das ein HNO-Arzt gemacht hat.

Meine Erfahrungen: wenn ihr euch dafür entscheidet, dann sucht euch bitte einen kompetenten Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Dann muß dieser mit Laser arbeiten.

Bei einer ZB-Plastik wird das ZB Y-förmig eingeschnitten und vernäht, die Fäden lösen sich selber auf. Mit der Plastik wird verhindert, daß das ZB vernarbt wieder verkürzt zusammenwachsen kann.

Die Zunge wird ziemlich stark anschwellen, kauen ist nicht möglich für mind. 3 Tage. Mit Laser wird die Schwellung etwas geringer ausfallen als mit dem Skalpell. Jedoch weiß ich nicht, ob beim Laser auch genäht wird,
die Laser-Methode habe ich erst hinterher genannt bekommen.

Laßt es auf jeden Fall unter Vollnarkose machen, der Chirurg kann besser und genauer arbeiten.

Wenn du noch Fragen hast, schreib mich an. Bin allerdings morgen und So nicht online da. Deine Tochter soll nicht so was schlimmes erleben wie meine. Habe immer noch Albträume von der Aktion.

Was es gebracht hat? Ihre Aussprache hat sich verbessert, da sie mit der "längeren" Zunge die Laute besser formen kann.

LG; SUnny

Beitrag von grauntoene 29.10.10 - 19:34 Uhr

Hallo,

also Zungenbändchen weiss ich nicht, aber bei mir wurde damals (und da war ich schon etwas grösser) das Lippenbändchen weggeschnitten und es waren grosse Schmerzen.

Ich würde evtl an Deiner stelle auch noch etwas abwarten, ob sich das mit dem Sprechen nicht noch gibt.

LG

Beitrag von janni75 29.10.10 - 20:02 Uhr

Hallo Sabine,

ich arbeite beim Kieferorthopäden und machen die "OP" hin und wieder.
Es würd noch mit Spray betäubt und mit dem Skalpell ein kleiner Schnitt gemacht, blutet kaum. Die Kinder können dann wieder besser Eis schleckern und hat auf die Sprachentwicklung bestimmt auch Auswirkungen. Ich weiß natürlich nicht wie es bei euch gemacht wird. Der lat. Begriff Ankyloglossektomie.
Danach haben die Kinder eigentlich keine Beschwerden könen Eis essen wegen der Kühlung und scharfe Sachen meiden.


Schönen Abend

janni75

Beitrag von sunny_harz 29.10.10 - 20:11 Uhr

Viele Zahnärzte und Kfo machen das so. Allerdings ist nach Aussage meines MKG_Chirurgen die Gefahr sehr groß, daß das ZB anschließend vernarbt und verkürzt wieder zusammenwächst. Und wenn man danach wieder ran muß, gibts oft Komplikationen.

Und so ein Spaziergang ist das nun mal nicht. Sorry, aber wir haben das durchgemacht.

Beitrag von schmunzelmonster123 29.10.10 - 20:14 Uhr

Danke fuer Deine Antwort, der Arzt hat mir zugesagt, dass es unter Vollnarkose gemacht werden wuerde. Er kennt Skye nicht - und ich bezweifel dass sie solange ruhig halten wuerde...
Das mit dem Eis stimmt uebrigens. Skye kann es nicht schlecken. Sie stopft sich immer die ganze Kugel in den Mund und nimmt es mit den Lippen ab, schlecken geht gar nicht! Es sind einige Sachen, bei denen es sie "hindert" - wobei sie es ja gar nicht anders kennt!! Fuer mich ist eben die Sprachentwicklung das ausschlaggebende Argument!

Sabine

Beitrag von cori0815 29.10.10 - 20:46 Uhr

hi Sabine!

Nutz doch lieber die erste Woche in Deutschland, sie einem Kinderarzt und einer Logopädin vorzustellen (vorher Termine ausmachen). Vielleicht können die eine verbindlichere Aussage dazu treffen, ob die Sprachdefizite vom Zungenbändchen her rühren können. Vorsorglich könntest du schon für die zweite Woche einen Termin beim Chirurgen machen. Das ist ja wirklich eine Mini-Sache, wurde bei mir mit einer örtlichen Betäubung beim Kieferorthopäden gemacht.

Wenn die Ärzte hier nicht ausschließen können, dass das Zungenbändchen die Ursache ist, würde ich es durchtrennen lassen.

LG
cori

Beitrag von karin... 29.10.10 - 21:16 Uhr

Hallo,

ich würde es machen lassen. Selbst wenn es nicht direkten Einfluss auf die Sprachentwicklung hätte. Man kann einfach die Zunge viiiiel weiter rausstrecken.

Leider ist deine Tochter schon etwas älter. Ich habe gehört, dass es ein recht einfacher Eingriff ist, wenn das Kind noch sehr jung ist.

Meinem Sohn wurde das Zungenbändchen bei der U6 mal "eben so" durchtrennt.
Hier mein sehr positiver Erfahrungsbericht, den ich damals für meinen Blog verfasst habe:

Ich habe den Arzt nach der Untersuchung noch einmal auf Eriks kurzes Zungenbändchen angesprochen. Eriks Zunge sieht aus wie ein Herz, weil das Zungenbändchen zu sehr mit der Zungenspitze verwachsen ist. Irgendwie tat er mir richtig leid, weil er seine Zunge vor dem Spiegel trotz größter Bemühungen nicht wirklich weit rausstrecken konnte. Ihn hat es wahrscheinlich nicht gestört, denn er liebt es trotzdem "bääääh" zu machen.
Der Arzt hat gemeint, man könnte noch abwarten, ob sich das auf die Sprachentwicklung auswirkt. Ich hatte aber gehört, dass der Eingriff sehr einfach ist und wollte das Problem angehen. Da meinte Dr. Weiner, "Na soll ich es jetzt gleich machen?", und grinst mich an. Ich wusste erst nicht, ob er es wirklich ernst meint. Dass es nun so unkompliziert sein könnte, hätte ich auch nicht gedacht. Es war aber so. Der Arzt holte seine Arzthelferin und eine Schere, die aussah wie eine Babynagelschere. Erik hat sich ein bissel gewehrt, aber Sekunden später ging es schnipp schnapp - und das Bändchen war durchtrennt. Ganz kurz dachte ich bei mir: Das hätte man auch selber machen können ;-)

Erik hat zwar ein bisschen geweint, hat aber nach zwei Minuten im Wartezimmer schon wieder mit der Kugelbahn gespielt und wollte gar nicht nach Hause.
Mittags gab es dann Eierkuchen auf den Schreck. Erik hat zwei Stück verschlungen. So schlimm kann es dann wohl nicht gewesen sein.

LG Karin

Beitrag von schnullabagge 29.10.10 - 22:06 Uhr

Zungenbändchen? In dem Außmaß wie du es beschreibst scheint der Eingriff schon etwas größer zu sein. Gerade bei einem so kleinen Kind. Wir haben es mal bei einem wesentlich älteren Kind gemacht.
Weh tut es auf jeden Fall hinterher, weil die Zunge ja ständig in Bewegung ist, beim Sprechen und beim Essen, beim Schlucken, etc.
Wenn es nicht wirklich sein muss würde ich es rausschieben bis sie wenigstens älter ist.
In Deutschland könntest du sie bei einem guten Logopäden vorstellen.
LG Steffi

Beitrag von schmunzelmonster123 30.10.10 - 10:48 Uhr

Hallo Du,

Natuerlich koennte ich sie einem guten Logopaeden vorstellen, wenn ich in Deutschland bin - ABER was wuerde das ausmachen. Selbst wenn der mir bestaetigt, dass das Baendchen nicht stoert, dass sie aber Therapie benoetigt, - zwei Wochen spater sind wir wieder hier und hier wird es keinen interessieren, das ein deutscher Logopaede festgestellt hat, dass sie Therapie braucht! Das ganze System funktioniert hier so anders als in Deutschland, es ist schwer zu beschreiben und schlecht nachvollziehbar. Hier gibt es zum Beispiel nicht wie bei Euch an jeder Strassenecke einen Kinderarzt. Kinder gehen mit zum Hausarzt, der "Health Visitor" hat die Ueberwachung ueber die Entwicklung. U-Untersuchungen gibt es nicht, das Kind wird einmal mit 3 Monaten und dann einmal mit 2 Jahren vorgeladen (und auch dann nur wenn Grund zur Annehme besteht dass was sein koennte). Das war's. Hat der Hausarzt den Verdacht dass das Kind ernsthaft krank sein koennte, ueberweist er Dich mit Kind an einen Kinderarzt, der im Krankenhaus auf der Kinderstation arbeitet - wenn Du Glueck hast bekommst Du innerhalb von 2 Monaten einen Termin, kann aber auch schon mal laenger dauern. Ich habe bei meiner mittleren Tochter ueber 2 Jahre reden muessen, bis man mir glaubte, das da eine Hernie war (weil die sieht man ja nicht immer und anfassen tun die hier Kinder nicht, sonst koennteste sie ja verklagen!) und erst als ich wirklich wuetend geworden bin, weil meine Tochter eines Tages bruellend vor Schmerzen auf dem Boden lag und mir keiner helfen wollte, hat man mich zum Kinderarzt ueberwiesen (was wieder 3 Monate gedauert hat), der einmal gefuehlt hat und meinte: Klar, da ist ne grosse Hernie. Der Schmerzanfall den Laura hatte war entweder ein Teil vom Darm oder Eierstock, der eingeklemmt war. Und wenn es der Eierstock war, kann man nicht genau sagen, ob der jetzt noch funktionstuechtig oder vielleicht abgestorben ist. Und das kam vom Kinderarzt. Die Op ist dann gut verlaufen, aber seitdem vertraue ich hier niemandem mehr - nur noch meinem Gefuehl.
Sorry fuer das viele Schreiben, ich weis dass es nicht wirklich hier hin gehoert, aber vielleicht erklaert es warum ich es lieber in Deutschland beurteilen - und machen lasse als hier??

Liebe Gruesse
Sabine

Beitrag von schnullabagge 30.10.10 - 15:24 Uhr

Hi, ich meinte, das ein Logopäde beurteilen könnte, ob es wirklich die Sprachentwicklung beeinträchtigt, wie du schilderst.
Lg Steffi