Sohn (11) wird in der Schule drangsaliert - wie darauf reagieren?

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Beitrag von supikee 29.10.10 - 18:26 Uhr

Hi ihr,

ich dachte eigentlich, dass mein Sohn sich in der neuen Schule gut eingelebt hat und einigermaßen klarkommt (5. Klasse Realschule), zumindest kamen von ihm keine Klagen.

Zu meinem Sohn ist noch vorweg zu sagen: Er ist ein relativ schüchterner und sensibler Typ...der das aber überspielt mit seiner teils flapsigen, unbeholfenen und schusseligen Art...auch manchmal ziemlich überdreht.
D.h. ab und zu muss ihn die Lehrerin zurechtweisen und dann geht´s auch wieder...notentechnisch ist er ganz gut.
Wichtige Anmerkung: Sein Vater ist Afrikaner, d.h. er selbst auch recht dunkelhäutig.

Nun hatte ich heute Lehrergespräch, um abzuklären, wie es ihm so ergeht und was er für einen Eindruck macht. Die Lehrerin ist recht besorgt, da er in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden ist, was so gar nicht seine Art ist.
Sie berichtete mir ausserdem, dass sie von einer Schülerin aus der 9. Klasse (= auch Tutorin für seine Klasse) und einige andere sie darauf aufmerksam machten, dass mein Sohn ziemlich fies gehänselt, ja gemobbt wird. Mit System!

Nach und nach kam alles raus:
Es gibt wohl zwei Jungs in seiner Klasse, die das Ganze "leiten".
In beiden Pausen sowie in der Mittagsbetreuung wird er verfolgt, ohne Unterlass. Und beschimpft:
Neger, Nigger, Bimbo.....Wasch dich, du stinkst....hast du dich vollgeschissen...brauchst du noch mehr bananen usw.
Natürlich immer so, dass es kein Erwachsener mitbekommt.
Letztens ist er in der Pause verprügelt worden, Lehrer ging dazwischen und es gab ein Klassengespräch....was leider nichts brachte.
Jetzt haben sie über ihn ein "Bimbo-Lied" geschrieben und es unter ihren Kumpels verteilt.
Im Bus geht es dann munter weiter....mit dem Grusssatz: Mal gucken, was wir morgen für dich haben, Bimbo.

So, mein Sohn hat nicht geäussert, dass er die Schule wechseln will oder er Angst hätte. Er will einfach nur seine Ruhe haben und ist furchtbar genervt.
Er wehrt sich körperlich gar nicht, verbal nur manchmal. Er meinte, das verschlimmert das dann nur. Also lässt er es über sich ergehen und will sich keinem anvertrauen. Mittlerweile ist er ausser zum Fussball spielen ziemlich oft zuhause.

Wie soll ich nun reagieren, was soll ich machen? Die Eltern anrufen, die Jungs zur Brust nehmen? (= genau der gegenteilige Effekt?).
Mich bekümmert das sehr; er ist normalerweise ein richtiger Sonnenschein und man hat viel Spaß mit....mittlerweile ist er recht nachdenklich und ernst. Es tut mir leid, ihn so zu sehen #schmoll

Habt ihr Tipps für mich?

Verena

Beitrag von brotli 29.10.10 - 18:47 Uhr

hallo

ich bin entsetzt #schock

was unternimmt die schulleitung dagegen?
was der lehrer?
gibt es keine klaren ansagen gegen diese jungens?
ich bin auch nicht fürs schlagen, aber so geht er da unter.
ich würde erstmal verlangen, das die schulleitung da etwas unternimmt und sich die jungs schnappt.
und klar, wäre ich als mutter da und mir selber die auch schnappen und klare ansagen machen. so haben sie ja freie hand und machen was sie wollen.

er alleine ist überfordert und wird sich immer mehr verschließen und es ertragen.
schulwechsel würde ich drüber nachdenken, wenn sich nichts sofort ändert, würde ich über einen wechsel nicht nachdenken, sodern das machen.
ich hoffe du bekommst noch gute ratschläge hier.
l.g.

Beitrag von supikee 29.10.10 - 19:38 Uhr

Danke für deine Antwort.

Es gab dieses Klassengespräch.
Sie meinte zu den Kindern, dass dieses Verhalten auf der Schule nicht geduldet wird und zum Ausschluss führen kann.
Es lief dann halt heimlich weiter.

Wir wollten noch mit dem Schulleiter reden.
Und mein Freund will auf ALLE Fälle die Eltern der Jungs mit einbeziehen.
Ich hoffe nur, dass sie dieses Verhalten nicht einfach auf den Schulweg z.B. verlegen.

Ich hoffe, dass ich ihn wieder ein bissel aufbauen kann...
fussballerisch ist er recht erfolgreich...das stärkt ihn schon.
Aber allein die Frage heute: "Mama, bin ich ein schlechterer Mensch, weil ich dunkel bin?" #zitter

Beitrag von tina73... 29.10.10 - 21:23 Uhr

Wenn ich das lese könnte ich :-[.Dein armer Junge.Es tut einem als Mutter in der Seele weh oder?Man möchte sein Kind am liebsten in Watte packen und vor allem schützen.
Ich würde auf jeden Fall ein Gespräch mit Kindern deren Eltern +Schulleitung arrangieren.Laß Dir das nicht gefallen.Dein Sohn muß vor sowas geschützt werden.Er ist ein genauso wunderbare Mensch wie jeder andere.Unser Sohn geht auf eine Grundschule mit hohem Migrationsanteil.Das klappt wunderbar.Deshalb wollte ich auch gerne das er diese Schule besucht damit er nicht so wird und lernt das alle gleich sind.
L.g und alles gute Tina

Beitrag von luka22 29.10.10 - 22:36 Uhr

Ein Klassengespräch? #kratz
Bei solch schlimmen Vorkomnissen, es sind wirklich keine Lappalien, muss sofort die Klassenkonferenz einberufen werden. Sie besteht aus den Lehrern der Klasse und der Schulleitung. Vorher sollte sich der Klassenlehrer von veschiedenen Mitschülern die Vorfälle schildern lassen und Fakten sammeln. Und dann müssen auf jeden Fall Konsenquenzen folgen. Es gibt im §90 des Schulgesetzes (Ba-wü) verschiedene Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen für solche Vorfälle. Also nachsitzen über mehrere Stunden, Unterrichtsausschluss...je nach schwere der Vorfälle. Es muss unbedingt etwas geschehen. Ich verstehe nicht, wie lapidar die Schule mit solchen Vorkomnissen umgeht. DU solltest auf jeden Fall nicht die Eltern anrufen. Ich hoffe, dass das der Klassenlehrer schon längst gemacht hat?!?

Alles liebe
Luka

Beitrag von leiahenny 29.10.10 - 18:53 Uhr

Umgehend mit der Lehrerin und dem Stufenleiter ein Gespräch vereinbaren und hier einfordern was die Schule gedenkt zu tum um deinen Sohn vor kleinen Rassisten zu schützen. Es ist die Aufgabe der Schule ihre Kinder zu schützen! Und es ist auch oft der einzige Weg der hilft. Lass dich nicht vertrösten, sondern klare Ansage in der kommenden Woche. Ein Klassengespräch reicht hier wohl nicht

Zumal du wahrscheinlich recht hast mit der Einschätzung, dass ein Anrufen bei den Eltern der anderen Kinder eher negativ für deinen Sohn ist und die Situation verschlimmert.

Dein Sohn muss geschützt werden!
Warte nicht bis dein Sohn sich beschwert - sondern mach deinem Sohn klar es geht nicht nur um ihn persönlich, sondern diese Kinder werden wahrscheinlich auch andere Kinder fertig machen.
Warte auch nicht bis er die Schule verlassen will, sondern schau vorher nach Alternativen. Stütze und stärke ihn - vielleicht mehr Kontakt zum Fussball etc.
Eine gute Seite zum Thema , vielleicht auch mal für deinen Sohn. http://mobbing.seitenstark.de
Alles Gute für deinen Sohn.

Beitrag von supikee 29.10.10 - 19:40 Uhr

Danke auch dir! Auch für den Link...den speicher ich mir gleich ab.
Ich hoffe, dass es sich irgendwie verläuft.

Aber wenn man schon mal in der Opferrolle ist...schwierig!

Beitrag von leiahenny 30.10.10 - 09:41 Uhr

Nein verlaufen wird es sich wahrscheinlich nicht - mach wirklich in der Schule ( auch bei der Schulleitung ) Druck. wenn die nicht richtig wollen, mach Ihnen klar du wirst auch weitere schritte unternehmen u.a. Schriftliche Information an den Schulrat/ Schulamt - Information an die Schulbeauftragte der bei aktuell herrschenden Partei. Was bei meinem _Bruder geholfen hat der Hinweis auf Anwalt und Leserbrief an die Tageszeitung.

Beitrag von jsteinba 29.10.10 - 20:39 Uhr

Hier ist in erster Linie die Schule gefragt!

Wir hatten dies im Ansatz auch. Eine Gruppe 9-Klässler hatte meine Sohn auf der neuen Schule auf den Kieker. Dies war wohl erst in den Pausen der Fall "wart nur bis wir dich erwischen" "du wirst noch dein blaues Wunder erleben"... Mein Sohn ist zur Lehrerin gegangen und die 9-Klässler hatten ein Gespräch mit ihrer Lehrerin. Danach war in der Schule Ruhe.

Leider fing es dann auf dem Heimweg an. Ich habe nocheinmal mit der Lehrerin telefoniert und ihre Aussage war auch ganz klar: "Dies ist Sache der Schule". Es gab wohl noch einmal ein (vermutlich nicht ganz so freundliches) Gespräch mit den Schülern und jetzt ist Ruhe.

Gerade wenn es in der Pause und Mittagsbetreuung passiert müssen die Lehrer in der Lage sein dies zu regeln. Im Extrem heißt dass auch, dass nicht dein Sohn die Schule wechseln muss sondern die Übeltäter. Wobei dies natürlich ein allerletztes Mittel sein sollte. Aber die LEHRER müssen ganz klar Stellung beziehen und klar machen, dass dies an der Schule nicht geduldet wird und sich ALLE Schüler daran zu halten haben. Wenn die Lehrer dazu nicht bereit sind, würde ich zur Schulleitung gehen.

Viele Grüße
Julia

Beitrag von claudia1500 29.10.10 - 22:31 Uhr

Hallo Verena,

oh man das tut mir so leid für deinen Sohn, das ist ja grauenhaft!!!! Ich kann mir auch vorstellen wie du dich fühlst. Mein Großer ist auch dunkelhäutig und ich muss sagen, bei deinem Sohn ist jetzt genau das eingetreten wovor ich immer Angst habe.
Stärke ihm auf jeden Fall den Rücken und lass ihm wissen, dass er so wie er ist normal und super ist und die anderen sich unter aller Sau benehmen.
Und ja ich würde trotzdem das Gespräch mit den Eltern suchen. Ich für meinen Teil würde auf jeden Fall wissen wollen, wenn mein Sohn ein anderes Kind in diesem Ausmaß fertig macht!!! Das sind ja keine kleine Streitigkeiten mehr...
Ansonsten Schulleitung und etc mobil machen. Weil sowas geht absolut gar nicht und da bleibt auch keinerlei Platz für Verständis oder Entschuldigungen.

Alles Gute für dich und deinen Sohn

Claudia

Beitrag von manavgat 30.10.10 - 10:20 Uhr

Da gibt es nur eine! richtige Reaktion.

Anzeige bei der Polizei. Welcher Tatbestand da greift, das wissen die dort. Lass es nicht kleinreden, das ist ganz übler Rassismus und Du musst sofort scharf schießen. "Verprügelt worden" fordert eine Anzeige wegen gefählicher Körperverletzung (wenn es mehr als ein Täter war, dann heißt das so) mit!!!! Strafantrag. Meldung an die Krankenkasse, dann werden die Täter nämlich angeschrieben und müssen die Arzt- und/oder Krankenhauskosten übernehmen.

Das unglaubliche ist, dass die Lehrer hier offensichtich nicht in der Lage sind, das zu erkennen und im Lehrerkollegium nach Lösungen zu suchen.

Ich habe ein Nachhilfeinstitut und 2 Lehrer die "kohlrabenschwarz" sind. Auch andere Lehrkräfte hatten schon mit rassistischen Kunden zu kämpfen. Unsere Devise: immer auf die 12. Notfalls kündige ich den Vertrag (ist 1 Mal vorgekommen).

Bei den Kindern kommt der Rassismus aus dem Elternhaus, deshalb wirst Du mit Gesprächen mit den Eltern nicht weit kommen.

Ein Schulwechsel bringt überhaupt nichts. Dein Sohn muss lernen sich offensiv zu wehren (Black Pride), notfalls Selbstverteidigung lernen und auf Diskriminierung auch wenn sie nur subtil erfolgt sofort zu reagieren. Gerade schwarze Kinder haben es besonders schwer, auch später bei der Lehrstellen- und Arbeitssuche. Besser Du bereitest ihn darauf vor.

Alles Gute

Manavgat



Beitrag von supikee 30.10.10 - 17:43 Uhr

Mein Freund hat jetzt doch mit den Eltern gesprochen. Er war 12 Jahre Polizist und konnte die notwendigen Mittel bei "Wiederholungstaten" überzeugend vermitteln. Das hoffe ich zumindest.

Die Lehrerin scheint wohl etwas überfordert, sie hat ja niemanden informiert, das Gespräch habe ICH angeleiert!
Der Tipp von ihr zu meinem Sohn: Er soll sich am besten nicht alles zu Herzen zu nehmen! :-[

Ziemlich ungutes Gefühl, ihn wieder in die Schule schicken zu müssen...

Beitrag von manavgat 30.10.10 - 18:48 Uhr

Wie gesagt: bring ihm bei sich nichts gefallen zu lassen.

Wenn Dein Sohn ein wenig älter ist, dann gib ihm mal:

Neger, Neger, Schornsteinfeger zum Lesen von Hans Massaquoi.

Beste Grüße

Manavgat

Beitrag von leiahenny 01.11.10 - 09:27 Uhr

Sprich trotzdem auf jeden Fall noch diese Woche mit dem Vertrauenlehrer, Rektor etc. . Sag Ihnen ganz klar : die Schule muss dies umgehend unterbinden - auch auf dem Schulweg.
denke das Gespräch mit den Eltern wird nicht ausreichen, dazu hat das Mobbing zu weiter Kreise gezogen.