Ich hab sie doch nicht mehr alle...*lang*

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von sasula 29.10.10 - 20:25 Uhr

Hallo,

weiß jetzt nicht genau, ob es die richtige Rubrik ist, ansonsten bitte einfach verschieben!!

Ich muss jetzt mal ein wenig ausholen.

Im Dezember 2007 wurde in meiner Schwangerschaft festgestellt, dass mit unserem Sohn was nicht stimmt. Es wurden mehrere Untersuchungen gemacht und es kam raus, dass er nicht lebensfähig sein wird. Nach mehreren Gesprächen mit verschiedenen Ärzten, hatten wir uns entschlossen, dass wir unserem Sohn weiteres Leid ersparen wollten und haben ihn im Januar 2008 in der 25.SSW gehen lassen müssen.... Mich und meinen Mann hat es sehr mitgenommen.

Bei mir ist ein sehr großer Teil mitgestorben und ich hatte das Jahr 2008 echt Probleme damit zurecht zukommen. Ich war auf Mutter-Kind Kur und war in einer Tagesklinik. Das hat mir alles soweit recht gut geholfen. So das ich es wenigstens wieder geschafft habe ein Familienleben zu führen. Ich wurde im Oktober 2008 wieder schwanger, habe das Baby aber in der 6.Woche verloren. Damit kam ich recht gut zurecht.

Wir haben dann beschlossen erstmal Pause vom Kinderwunsch zu machen und ich bin wieder arbeiten gegangen, was ich 2008 nicht geschafft hätte.

Im August 2009 wurde ich wieder schwanger und nachdem die Schwangerschaft nicht so schön war, (Krankenhausaufenthalte und ständig irgendwas anderes) haben wir im April 2010 unsere Maus bekommen. Doch leider war auch mit ihr nicht alles in Ordnung und sie lag 6 Wochen in der Kinderklinik, da sie NEC hatte, obwohl sie kein Frühchen war.

Die Zeit war sehr, sehr anstrengend, da ich jeden Tag 70km hin und zurück (die ersten drei Wochen) zu ihr gefahren bin und nachmittags noch die große aus dem Kiga geholt habe.... Hatte noch ne Ausschabung, da ich noch reste in mir hatte, die sich entzündet hatten...

Als wir unsere Maus zuhause hatten, hatte ich die ersten Wochen echte Probleme, da ich mich nicht so gefühlt hatte, als wäre sie nicht mein Kind. Irgendwie fehlte mir die Bindung zu ihr. Gott sei Dank hat es sich gebessert, aber ich fühl mich trotzdem nicht so wie eine super glückliche Mutti....

Ich bin neidisch, wenn Frauen schwanger sind, oder ihre Babys grad auf die Welt gekommen sind... Dabei sollte ich mich doch für sie alle freuen oder? Ein Baby ist doch soooo schön. Aber mir setzt das stiche ins Herz...

Vorallem hab ich wieder einen so großen Kinderwunsch. Dabei bin ich mit meinen beiden Mäusen voll ausgelastet.... Ich versteh das gar nicht...

Grad hab ich bei WKW gelesen, dass eine frühere Freundin von mir ein Baby bekommen hat. Und das Baby heißt Julian... Genau wie mein Sohn.... Ich musste so weinen.... Es tut so weh....

Ich fühl mich grad, als hätt ich nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich hab das Glück gehabt nocheinmal ein gesundes Kind zu bekommen und ich hab so Gedanken...

Ich mach das auch momentan mit mir aus, denn mein Mann würd mich glaub ich gar nicht verstehen. Ich glaub sowieso, dass mich eh keiner versteht, immerhin bin ich ja erst Mama geworden und ich sollte mich doch freuen... Aber irgendwie kann ich das gar nicht... Es ist schwer zu beschreiben.

Ich liebe die kleine total und ich kann mir mein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen, aber es ist irgendwie als wäre etwas in mir im Weg. Versteht ihr was ich mein? Wie son Stein auf dem Herz.

Ich kling schon wie ne Rabenmutter....

Traurige Grüße
Suse

Beitrag von hannih79 29.10.10 - 20:49 Uhr

HAllo,

bist du denn weiterhin in Behandlung wegen des Verlustes eures Sohnes ?
Mir scheint es, als hättest du das Ganze längst noch nicht richtig verarbeitet, so dass es die Trauer um deinen Sohn ist, die dir "wie ein Stein auf dem Herz" immer im Weg zu sein scheint.

Wenn du es nicht längst getan hast, begib dich nochmal in Behandlung.... denn nun brauchen ja deine Kinder ( die am leben sind !) deine ganze Liebe, und dazu ist es wichtig, dass du wieder einigermaßen freudestrahlen nach vorne schauen kannst.

LG und viel Kraft

Beitrag von leahhh 29.10.10 - 20:51 Uhr

Hallo Suse,
ich weiß nicht, ob ich Die hilfreich sein kann, aber ich schreibe Dir mal von mir. Ich habe unseren Sohn (auch 2. Kind) Anfang des 5. Monats still zur Welt bringen müssen, weil er einfach gestorben ist. Auch ich bekam im Frühjahr diesen Jahres unser 3. Kind. Ich habe mich wirklich sehr auf sie gefreut, aber oftmals kam mit dieser Freude auch ein schlechtes Gewissen auf. Irgendwie hab ich oft den Gedanken, meinen Sohn zu verraten, was natürlich - wenn man es mit Abstand betrachtet - völlig falsch ist. Aber ich fühle manchmal so. Vielleicht ist das bei Dir auch so. Ich liebe meine 2. Tochter auch sehr, aber es hängt immer irgendein Schleier darüber. Ich stelle mich diesen Gefühlen, rede mit meinem Sohn und sage ihm immer wieder, dass er immer in meinem Herzen bleibt. Ich habe auch oft noch einen Kinderwunsch, obwohl ich immer nur 2 Kinder haben wollte. Aber ich denke, mir fehlt mein Sohn.
Ich wünsche Dir alles alles Gute
Leah

Beitrag von misscatwalk 29.10.10 - 21:25 Uhr

erstmal tut es mir wirklich sehr ,sehr leid für euch, das ihr euren Julian gehen lassen musstet #kerze . Aufgrund deiner Vorgeschichte finde ich deine Gedankengänge durchaus nachvollziehbar und ich denke auch was ich auch nur normal finde ( kann man das überhaupt jemals endgültig ?) das du den Tod deines Sohnes noch nicht richtig verarbeitet hast . Du hast Teil verarbeitet bzw. verdrängt + die FG hat unterbewußt sicherlich auch noch wieder einiges in dir ausgelöst auch wenn du oberflächlich wie du sagst "ganz gut" damit zurecht kamst .
Nun hast du zwar inzwischen ein gesundes Kind bekommen aber durch diese Startschwierigkeiten sind natürlich auch wieder alte /neue Ängste in die aufgestiegen , völlig normal selbst ohne Vorgeschichte , nur mit dieser Vorgeschichte + der Fehlgeburt noch dazwischen nochmals verstärkt .
Diese Sorgen und Ängste um deine Tochter + die räumliche Trennung haben wie du sagst eure Bindung gestört bzw. verzögert . Dir fehlt sozusagen diese sorglose , freudenvolle Anfangszeit ( die du bei deinem ersten Kind erleben durftest ?) , das neugeborene Baby kennenzulernen und zu genießen oder Ängste und Sorgen und unterbewußt sicherlich auch ein Stück weit eine unbeschwerte sorgenfreie Schwangerschaft genau das ist es sicherlich worum du andere Frauen "beneidest " und was einen erneuten sicherlich auch von vielen , vielen Ängsten geprägten Kinderwunsch bei dir aufkommen lassen . Du möchtest so zusagen eigentlich das nachholen was du " verpasst" hast bzw. nicht so schön erleben durftest .
Ich denke das es sicherlich ratsam für dich ist wenn du dir nochmals psychologische Hilfe holst um aufzuarbeiten und herrauszufinden ob bzw. wie fundiert dein Kinderwunsch wirklich ist . Alles Gute für dich !

Beitrag von braut2 29.10.10 - 22:01 Uhr

hallo Suse,

das war alles nicht leicht was Du/ihr durchmachen musstet. Ein Kind still zu gebären ist schlimm, für viele ist eine frühe FG auch schon ein riesen Einschnitt.
Du solltest mal mit Deiner Hebamme sprechen. IdR kann sie Dir weiterhelfen, wenn auch nur mit Kontakten zu anderen Stellen.
Wende Dich auch mal ins Forum "Frühes Ende", da gibt es einige, die eine stille Geburt hatten und die Dir sicherlich erzählen können wie sie damit zurecht kamen oder kommen. Oder geh mal über die Suchfunktion mit "Stille Geburt". Als ich meine FG hatte, hab ich mich viel in dem Forum aufgehalten und auch viel gelesen. Und die Mädels sind sehr nett und hilfsbereit. Auch wenn Du sie über PN anschreibst.

Ansonsten: Dein Gefühl hat nix mit "du hast se nicht mehr alle" zu tun. Du hast recht, es liegt Dir was im Weg.

Ich wünsche Dir alles Gute
b2

Beitrag von bessi 30.10.10 - 15:10 Uhr

Hallo Suse,

wenn Deine Entbindung nicht schon so lange her wäre, würde ich meinen, dass Du eine Depression hast, die ja meistens Mütter betrifft, die gerade entbunden haben und keinen richtigen Draht zur ihren Kindern bekommen.

Irgendwie kann ich in Ansätzen schon verstehen, dass es Dir nicht so gut geht. Du hast eine schwere Zeit hinter Dich gebracht und vermutlich kann man sein Glück, nach einem so langen Leidensweg nicht wirklich fassen.

Ich an Deiner Stelle würde mir Rat von einem Psychologen einholen und vor allen Dingen, würde ich Dir raten, dass Du mit Deinem Mann sprichst. Er hat ein Recht darauf zu erfahren, was in Dir in vorgeht und ich denke, dass es Dir auch gut tun würde, Dein Herz auszuschütten. Deine Psyche ist vermutlich immer noch angeknackst und es ist kein Beinbruch, sich das einzugestehen. Dies ist vielmehr der erste Schritt zur Besserung.

Es gibt Dinge, die versteht man nicht. Das psychische Wohlbefinden hängt von einer Menge Faktoren ab, die man selbst oft gar nicht so überschauen kann. Du benötigst fachmännische Unterstützung und das ist nicht weiter schlimm. Nachdem was Du erlebt hast, ist das sogar durchaus verständlich.

Sprich mit Deinem Mann und überlegt gemeinsam, was zu tun ist.

LG Bessi

Beitrag von drusilia 31.10.10 - 13:29 Uhr

Das tut mir alles sehr leid für dich.


Bei uns war es so, dass es hiess ich könne keine Kinder mehr bekommen. Nach 1,5 Jahren probieren und immer wieder hinhalten war das ein Schock. Komischerweise wurde ich kurz danach doch schwanger. Die Schwangerschaft war der Horror. Ab der 6. SSW Blutungen, vom FA wurde mir erklärt dass ich das Kind nicht halten könnte, Bettruhe, Blutungen, Bettruhe, Blutungen, KH mit dem Gedanken dass ich eine Ausschabung bekommen, Blutung hörte auf, Kind blieb (GsD). Bis zum Ende der SS immer wieder Blutungen, Wehen, immer wieder: "es wird eine Fehlgeburt/Todgeburt/Frühgeburt" je nach Stadium. Ich habe angefangen das Baby nicht zu mögen (nett ausgedrückt), ich hatte wahnsinnige Ängste, ich war total in meinem Leben eingeschränkt durch die Angst. Als die Kurze da war hatte ich sehr große Probleme sie zu lieben. Sehr lange. Ich kam mir vor wie eine schlechte Mutter. Das hat sich jetzt (nach 2 Jahren) GsD normalisiert, aber zurückdenken kann ich auch nicht.

Einen erneuten Kinderwunsch hatte ich auch sehr schnell, aber ich denke, das liegt daran dass ich mir eine "normale" Schwangerschaft wünsche, da ich beim Großen sehr gerne schwanger war.


Ich kann dir nur raten, dass du dir Hilfe suchst, bei einem Therapeuten oder bei einem Arzt.

LG und alles Gute

Beitrag von pumukel75 31.10.10 - 17:58 Uhr

Mein Sohn wurde 2004 in der 26 SSW still geboren, ich weis also was du da durchgemacht hast. Ich wurde danach recht schnell wieder schwanger, im August 2005 bekam ich einen gesunden Jungen. Die Welt hätte eigentlich in Ordnung sein müssen, war sie bei mir aber auch nicht. Das ganze fing schon im Kreisssaal an, ich habe oder konnte gar nicht wahrnehmen das er lebt. Ich bin wenige Stunden nach der Entbindung mit ihm nach Hause, ich hab es in diesem Krankenhaus nicht ausgehalten.
Die erste Zeit kam ich mir genau wie du, so vor, als ob das gar nicht mein Kind ist, ich habe dann durch Zufall eine Psychologin kennengelernt, kurzum der erste Mensch mit dem ich wirklich reden konnte, weinen...alles was vorher so nicht möglich war.
Mein Kopf ist wieder klar, weil ich jetzt beiden trennen kann und mich von meinem 2004 geborenen Sohn Marlon auch gelernt habe zu verabschieden und zu trauern, er steht jetzt nicht mehr zwischen mir und meinem jüngsten Sohn.
Es hat eine Zeit gedauert, aber wenn du dir Hilfe suchst, bekommst du das wieder richtig hin.
Mittlerweile kann ich auch mit meinem Mann darüber reden und versteht das und kann mir gerade an Geburtstagen usw helfen, weil er weis was in meinem Kopf los ist. Und auch er hat gelernt mit seiner Trauer umzugehen, für Männer ist die Situation ja doch völlig anders als bei uns Frauen.
Wenn du möchtest kannst mich gern über meine VK anmailen, ich wünsche dir jedenfalls alles Gute...