Kind sehr Verhaltensauffällig. Kapituliere *weißefahneschwenk*

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von schnupsi76 30.10.10 - 23:39 Uhr

Hallo,

also, die Geschichte:

Der Sohn meines Mannes lebt seit vier Jahren bei uns, da seine leibliche Mutter mit ihm nicht fertig wurde. (Nervenzusammenbruch)

Der Junge ist jetzt acht Jahre alt und massiv auffällig. Er ist sehr, sehr aggressiv, rastet wegen Nichtigkeiten aus, wird prinzipiell "angegriffen" und immer ungerecht behandelt.
Er hat depressive Phasen, die mit Phasen extremen Plapperns wechseln. Er kann Situationen weder im Vorfeld noch im Nachhinein richtig ab- und einschätzen.
Er ist sehr unkonzentriert, kann sich Auftragsketten nur schlecht oder gar nicht merken


In Kindergarten und Schule gibt es regelmäßig Ärger. Er hört nicht, verweigert die Arbeit, plappert ständig, wird auch ausfallend, verläßt das Schulgebäude oder provoziert. Er ist auch Lehrern gegenüber gewaltbereit.

Dieses Verhalten legt er auch zuhause, bei Mama oder Großeltern an den Tag. Freunde hat er keine- dafür massenhaft Hausverbote bei Schulkameraden



Wie gesagt, der Junge ist acht Jahre alt. Hilfe wurde gesucht bei:


2005 Familienpfleger/ Erziehungsberatung des Jugendamtes

2005 SPZ (beide Termine mit leiblicher Mutter)

2006 Ergotherapie mit Mama, aber abgebrochen, da er nicht mitarbeitete

2007 SPZ Folgetermin mit mir (hat sich schon sehr gebessert)

2008 nichts, da Verhalten sich weiter besserte

2009 Kinderpsychologe, totale Verweigerung der Mitarbeit,

2010 Kinderpsychologin (Bewegungstherapie)


Diagnosen: taktile Wahrnehmungsstörung und Störung der sensorischen Integration, ferner Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis.

Der kleine Kerl hat sich wirklich angestrengt, Regeln einzuhalten, nicht zu prügeln, brav zu sein (ich erwarte keinen Musterknaben- nur das Mindestsoll an vernünftigem Auftreten)...wir haben Regelzettel, Strafzettel und sowas gemeinsam gemalt, haben den "Wutknubbel" (kleiner Sandball) erfunden, haben Entspannungsübungen gemacht, ernste Gespräche geführt, Tips gegeben. Ich gebe ihm nur kurze, knappe Anweisungen.

Er hat wirklich mit allen Menschen Ärger (Familie, Schule, Kiga, unser Vermieter!!!, Ladenbesitzer im Ort etc), außer mit seiner kleinen Schwester. Die ist 20 Monate alt und darf alles!
Bis jetzt. Seit drei Tagen schubst er sie, drängt sie die Leiter des Hochbettes hoch und verlangt das sie runter springen soll, wenn er raus geht, gibt ihr Scheren, Filzstifte etc. Was wäre, wenn ich mal nicht aufpassen würde, oder mal eben aufs Klo gehe?! Sobald ich den beiden den Rücken zu drehe- weint sie.

Im Moment ist er wieder so schlimm! Er lügt,ist frech (ohne das man ihn angesehen hat oder angesprochen), provoziert am laufenden Band, stellt sich komplett blöd, macht absolut unlogische Sachen!

Man kann ihn noch nicht einmal fünf Minuten alleine lassen, ohne das er was verbockt.
Als Beispiele: statt sein Bett abzuziehen, schleppt er mir sein Plumeau, Kissen und alles in die Waschküche runter #kratz

Ich flitze zum Bäcker und sage ihm mehrmals, das er weder die Wohnung verlassen soll, noch jemandem öffnen darf- komme nach fünf Minuten wieder, da war er unten und hat den Nachbarsjungen hochgelockt, weil er ihm was schenken wollte. Was, konnte er mir aber nicht sagen.#klatsch

Oder- ich komme morgens ins Kinderzimmer, da liegt er, inklusive Laken auf dem Boden und hat sich da sein Bett gemacht.#zitter

Warum????

Laut Psychologen verarbeitet er die Trennung von seiner Mutter nicht und hat deswegen Probleme. #kratz
Wir haben schon so oft gesagt, das die Probleme seit frühester Kindheit vorliegen (2004) und der Umzug ja erst viel später statt fand.(2006)

Was haltet ihr davon?

Ich habe zwei eigene Kinder, seit sechs Jahren ein Pflegekind und ja auch noch seine leibliche, ältere Schwester....Durch Freunde der Kids habe ich immer schon Kinder um mich herum gehabt. Ich kann also behaupten, Ahnung von Kindern zu haben. (Haben SPZ und Psychologen in laaaaangen Gesprächen auch immer wieder bestätigt) Aber sowas? Sorry, bin mit meinem Latein am Ende.

Hatte schon an Autismus oder ADHS gedacht- aber das wurde von den Psychologen nie angesprochen.

Bitte, bitte laß jemanden bei Urbia sein, der mir Tips und Ratschläge geben kann.#schein


Liebe Grüße

Beitrag von visilo 31.10.10 - 05:42 Uhr

Mein Sohn hat einen "Freund" bei dem läuft es ähnlich ab. Er ist aus sämtlichen Regelschulen rausgeflogen und nun an einer Sonderschule aber selbst da darf er nur mit einer Schulbegleiterin zum Unterricht weil er sonst sich und andere gefährdet. Mein Sohn ist 3 Jahre jünger wie dieser Junge aber ich hab manchmal das Gefühl das sich der Große meinen Sohn ausgesucht hat weil er ihn leicht zu Blödsinn verführen kann. Die beiden waren 1 Jahr zusammen im Kiga ( mein Sohn hat auch einige Verhaltens und Sprachprobleme, genau wie der andere Junge).
Die Eltern laufen auch von einem Spezialiten zum anderen. Nun wurde ein Test gemacht und es stellte sich heraus das er wohl eine Stoffwechselerkrankung ( Schilddrüsenfehlfunktion#kratz)hat, die soll wohl nun der Auslöser für sein Verhalten sein#kratz.
Die Ernährung den Kinds wurde umgestellt ( möglichst keine Fertigprodukte mit Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern und so wenig Zucker wie möglich). Die Verhaltenstheraphie wird versucht weiterzumachen aber er arbeitet halt garnicht mit. Ich hab das Gefühl das er in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden ist das sagen auch die Eltern.
Wir haben allerdings den Umgang mit diesem Jungen auf ein Minimum reduziert weil ich es einfach für sehr gefährlich halte beide zusammen spielen zu lassen da er manchmal ohne Vorwarnung ausrastet und dann auch direkt zuschlägt.

Frag du doch einfach mal geziehlt nach ADHS oder sprich mit den Lehrern die haben doch sicher Erfahrung mit ADHS Kindern und müßten ansatzweise erkennen ob das das Problem deines Siefsohnes ist oder ob es etwas völlig anderes ist.

Ich wünsche Euch viel Kraft und hoffe das dem Jungen bald geholfen werde kann ich denke für ihn wird es sicher genauso schwer sein wie für euch.

LG
visilo

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 17:45 Uhr

Hallo und lieben Dank für die schnelle Antwort.

Wegen der Freunde geht es ihm genau so. Den einzigen, den er hat, der ist genau so wie er. Klar,m das ich den nicht gerne bei uns zu Besuch habe....


Das mit dem Zucker habe mal ausprobiert. Also bei Zucker oder Phosphorsäure (in Limo) dauert es, fast auf die Minute eine halbe Stunde und er dreht so richtig ab!!!!

Wußte aber nicht, das das an der Schilddrüse liegen kann. Das müssen wir auf jeden Fall testen lassen. Er ist eh sehr, sehr eigen was das Essen an geht. Es dürfen niemals zweierlei Lebensmittel auf dem Teller liegen und mäkelig ist er total. Er wiegt bei knapp 1,40 nur 29 Kilo


Lieben Dank

Beitrag von starwarslady 31.10.10 - 08:15 Uhr

Hallo

ich würde euch raten das Kind einer Autismusambulanz vorzustellen.

ADHS wird manchmal verwechselt und falsch gedeutet, und auch mal ein IQ -test machen zulassen.

Evenutell auch mal eine Therapie mit längeren auffenhalt in einer Klinik mit Kinder-und Jugendpsychiatrie.

Verschieden Ärzten das Kind immer wieder vorstellen, oft wie eine Nadel im Heuhaufen das suchen bis zur richtigen diagnose, hat nichst damit zu tun ob du erfahrungen mit Kindern hast.

Lg star

Beitrag von scrollan01 01.11.10 - 11:49 Uhr

Jepp - habe auch sofort an Autismus gedacht!

Dann mal los zu einem Kinderpsychologen der sich damit auskennt!

Und gut ist auch der Austausch bei rehakids. de im Autismusforum!

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 19:46 Uhr

Vielen Dank ihr Zwei. Ich geh mal mal zu rehakids gucken...


Vielen lieben Dank

Beitrag von joshmom 31.10.10 - 09:29 Uhr

Hallo Schnupsi,

erstmal Hut ab vor dem was du alles mitmachst, für das Kind deines Partners.
Eines Tages wird der junge Mann dir wahrscheinlich danken, dafür, das du soviel für ihn getan hast.

Ich würde ihn auf jeden Fall auf AD(H)S testen lassen.

Genau dieses Verhalten, hat meine Schwester in meiner Kindheit an den Tag gelegt. Es war der Horror für mich und meine älteste SChwester.

Früher gab es keine AD(H)S, da war sie einfach ein verhaltensgestörtes verzogenes Kind.
Meine Mutter ist auch überall hingerannt, und hat nirgends wirklich Hilfe bekommen.
Meine Schwester hat auch heute noch Symptome, die darauf schliessen lassen, das sie ein ADS hat.
ABer die Einsicht fehlt.

Bei uns in der Familie gibt es ganz viele AD(H)S´ler. Leider hat es auch meinen grossen erwischt, und bei meinem mittleren steht es im Raum. (bitte nicht).
Ich würde ihn im Notfall auch in einer Jugendpsychatrie unterbringen. Da kann er getestet werden, und bekommt die Therapien die er brauch.

Meine SChwester war auch in einem Heilpädag. Internat, und selbst die, haben aufgegeben.
Der Erzieher von meinem mittleren Sohn, gab mir ein gutes Buch zum Thema (AD(H)S), und ich habe meinem grossen Sohn in diesem Buch wieder gefunden. (ABer auch ein bischen mich selbst #gruebel)

Ich wünsche dir viel Kraft, für die nächste Zeit.


LG
Joshmom

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 17:48 Uhr

Hallo,

also das er mir dafür jemals danken wird, bezweifle ich. Eher denke ich, er wird mich hassen. Er stellt mich zwar oft als seine Mutter vor und meine Meinung ist ihm wichtig, aber letzten Endes bin ich die Böse, die Rgeln aufstellt, schimpft und ihn zu den Ärzten schleppt. Naja- ich hoffe das Beste ;-)


Ich red mit seinem Papa mal darüber...


Vielen lieben Dank

Beitrag von joshmom 01.11.10 - 18:57 Uhr

Hallo,


und dafür, dasd du all das für ihn machst.
du bist für ihn da, und all das machst.

aber ich kann das von meinem grossen ja auch, er ist zudem noch nierenkrank, und wir haben das schon seit über acht jahren das ich ihn immer zum arzt schleppe. ich bin die verantwortliche, die ihn zum blutabnehmen schleppt und ihm das weh tut.

aber mal ehrlich, in dem alter waren wir unseren eltern doch auch nicht dankbar, oder??

bleib stark.

lg
joshmom

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 19:47 Uhr

#schein

Ja, du hast recht....

Mach ich, danke. Bleib du aber auch stark!
Alles Liebe an deinen armen Sohn

Beitrag von rienchen77 01.11.10 - 14:47 Uhr

es kling ja ganz arg schlimm bei euch, es tut mir Leid um den kleinen Kerl...

aber ich würde, auch wenns blöd klingt, drüber nachdenken ihn bei einer stationären Kinderpsychotherapie vorzustellen...

deine Tochter fällt wohl nicht mehr in den "Welpenschutz" oder besser gesagt funktioniert das Kindchenschmea bei deinen Sohn nicht mehr...

nicht das es für euch noch in einer Katastrophe endet...

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 17:41 Uhr

Danke

Werd meinem Mann mal darauf ansprechen... Ist ein komischer Gedanke, das Kind in einem "KH" unterzubringen. Man denkt dann, man müsse doch einfach anders mit ihm umgehen und dann muß es doch klappen. Aber wenn das so einfach wäre :-(

Das mit dem Welpenschutz....davor hab ich auch Angst...Man ist ja eh den ganzen Tag am jagen, wegen der Kids- aber nun muß man auch noch extra aufpassen, damit der Kleinen nichts "passiert"

Lieben Dank

Beitrag von minkabilly 01.11.10 - 19:24 Uhr

;-) Ich würde es auch mal beim Kinderpsychater testen lassen;der kennt sich mit beidem aus :AD(H)S und Autismus

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 19:45 Uhr

Hallo,
ja, das machen wir. Er ist ja seit Jahren bei verschiedenen Kinderpsychologen vorgestellt worden.

Derzeit sind wir seit einem Jahr in derselben Praxis. Würde nur zu gerne mal wissen, warum von denen niemand auf die Idee kommt auf ADHS oder Autismus zu testen.
#kratz

Ich kenne selber keine Kinder mit ADHS, nur einen Autisten. Der arme Kerl ist aber mittlerweile 16 und ist ganz anders. Ist aber auch ein schlimmer Fall. Sein Wortschatz beschränkt sich auf Tschööö und außer seiner Mutter duldet er niemanden bei sich. Ist also nicht vergleichbar.

Dankeschön!

Beitrag von minkabilly 01.11.10 - 19:54 Uhr

ich bin zwar kein "Fachmann" aber vom lesen her hatte ich Richtung ADS /ADHS geschätzt;
Autisten brauchen ja eher "keinerlei Veränderung im Tagesablauf" etc., sonst ticken sie total aus ;schreien ,stampfen u.s.w.(so ist es bei meinem Sohn)

Beitrag von schnupsi76 01.11.10 - 20:50 Uhr

Ja, das sehe ich hier auch immer wieder. Bitte jeden Tag denselben Ablauf. Erst anziehen, dann den Ranzen, erst die Trinkflasche- dann die Brotdose.
Gegessen wird eh nicht Neues. Neue Kleidung wird immer (!) erst kritisch beäugt. Socken dürfen niemals doe Naht soundso an den Zehen haben etc...
Dachte immer, das sei für ihn eine Art die Kontrolle zu halten. Da er ja nicht bestimmen konnte , bei Mama zu bleiben, wollte er das halt so kompensieren. .

Weißt was ich meine?

Beitrag von minkabilly 02.11.10 - 06:30 Uhr

ja, ich kanns nachvollziehen;
hab gehört, daß oft Autismus und AD(H)S enge Paralelen hat und oft schwierig ist zu sagen "das ist Autismus" und das eher "AD(H)S"...soll auch beides vorkommen können...daher ist es wichtig sowas beim Kinderpsychater (nicht Psychologe) abzuklären; die stellen nach Tests solche Diagnosen

Beitrag von scrollan01 02.11.10 - 09:31 Uhr


Hast PN!!!

LG

Beitrag von wallbreaker 04.11.10 - 08:58 Uhr

hallo,

klingt anch klassischer sensorischer integrationsstörung....
ich würd dir ans herz legen mal folgende bücher zu lesen:



http://www.amazon.de/Sensorische-Integration-Dialog-Verstehen-Gleichgewicht/dp/3808006625/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1288857313&sr=1-1

http://www.amazon.de/Praxis-Sensorische-Integration-Dialog-berichten/dp/3808006315/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1288857313&sr=1-2

da wirst du viele dinge wiedererkennen und vl den einen doer anderen hilfreichen ansatz im umgang mit ihm finden.

und ich würde mir eine therapeutin suchen, die eine sehr gute ausbildung in sensorischer integration hat und wenn möglich dialogisch arbeitet.....

in wien könnt ich dir schon geeignete therapeuten sagen, aber denke ihr lebt wo anders.... (hab nicht geschaut)

alles liebe

elke
(mutter eines kindes mit schwerer si-störung, si-pädagogin)