Gibt es die "Liebe meines Lebens" wirklich?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von zweifelhaft 31.10.10 - 02:54 Uhr

Hallo,

ich bin nach 3 Kindern und 15 Jahren Beziehung frisch (und einigermassen glücklich) getrennt. Wir haben uns eingestehen müssen, dass wir schon lange nicht mehr liebevoll miteinander umgegangen waren. Beide waren unzufrieden und zuhause herrschte Stress und jeder meckerte den anderen wegen Kleinigkeiten an. Ich hatte oft das Gefühl, dauernd versuchen zu müssen, die Beziehung zu retten, vor allem für die Kinder und er war einfach bequem in der Gewohnheit gefangen und mit dem Alltag frustriert. Ich (für mich) hatte oft den Gedanken, mich zu trennen, er hatte in all den Jahren einige Affären.
Dann traf er eine neue Frau und von einem Tag auf den anderen waren wir uns einig und zogen den Schlusstrich (bevor er die neue Beziehung anfing ;-)).
Wir hängen zwar weiterhin aneinander, mögen uns, kümmern uns gemeinsam um die Kinder und streiten und stressen uns viel weniger als vorher, aber wir fragen uns wie das passieren konnte. Offensichtlich können wir weder mit noch ohne den anderen, es war damals Liebe auf den ersten Blick. Aber was ist Liebe eigentlich?
Gibt es die wahre Liebe?
Und ich frage das nicht aus der Resignation der Trennung heraus, sondern ich frage mich ernsthaft, ob es sich lohnt, auf DIE grosse Liebe zu hoffen.
Als ich anfing unsere beendete Liebesbeziehung zu analysieren, fiel mir auf, dass ich KEIN EINZIGES glückliches Paar kenne, deren Glück auch dem 2.Blick standhält. Es gibt um mich herum nur Paare/Familien, die entweder offensichtlich aus Bequemlichkeit weitermachen, Fremdgänger, frustrierte Frauen, die aufgegeben haben etwas ändern zu wollen oder getrennte Paare. Einzig meine Eltern scheinen ehrlich glücklich zu sein, aber auch bei denen hats nicht beim ersten Versuch geklappt ;-)
Seid mal ehrlich: seid Ihr wirklich richtig glücklich mit Eurem Partner? Werdet Ihr auch nach 10 Jahren noch auf Händen getragen und toleriert die Fehler Eurer Partner noch wie am ersten Tag? Ich höre so oft, hach mein Mann ist der Beste und dann merke ich, dass er nur ab und an mal der Beste ist und den Rest der Zeit zuviel arbeitet, zu oft am PC sitzt, zu viel trinkt, zu wenig im Haushalt macht, zu wenig auf seine Frau eingeht, sich nicht um die Kinder kümmert, es gibt keinen Sex mehr...etc. (die Sicht der Männer ist sicherlich ähnlich, aber die kann ich hier nicht authentisch rüberbringen ;-))

Bei uns waren auch alle sehr überrascht, als sie von unserer Trennung erfuhren - wir waren schon ein kleines Traumpaar mit einer wunderbar romantischen Liebesgeschichte... Aber das war einfach nur eine gute Fassade, wir waren nicht ehrlich zu uns selbst.
Und wir sind nun beide sehr skeptisch, ob wir uns mit der rosaroten Vorstellung von einem Partner bis zum Tod nicht ein wenig etwas vormachen und ob es nicht vielleicht wahrscheinlicher ist, dass wir entweder allein bleiben (was mich ehrlich gesagt schon mal mehr verschreckt hat) oder frustriert von einer Liebesaffäre zur nächsten hüpfen auf der Suche nach dem/der richtigen... (oder vielleicht eine Mischung aus beidem: allein sein mit gelegentlichem Sex ;-))
Bitte macht mir Hoffnung, dass es sich lohnt, weiterzusuchen!

lg z.

Beitrag von rosenrot1974 31.10.10 - 07:34 Uhr

Also ich glaube -nach einer Scheidung- auch nicht an DIE Liebe des Lebens. DIE EINE. Nö. Echt nicht.

A B E R...

... der Gedanke ist doch nicht schlimm! Es gibt viele verschieden "Lieben". Ich bin sicher man(n)/frau kann immer wieder lieben... Immer wieder anders. Mal leidenschaftlich, mal ruhig, mal angekommen, mal chaotisch... Und JEDES davon hat etwas für sich!!!!

Ich habe weiter unten im Thread ja in den höchsten Tönen von meinem Freund erzählt. Und genau SO empfinde ich für ihn.

A B E R...

... wir hatten bis zu unserer Tochter eine echt schwierige on-off-Beziehung! Und sein Verhalten mir gegenüber war sicher nicht immer das gelbe vom Ei #nanana... (und das ist nett ausgedrückt). Wir sind ganz sicher nie das gewesen, was man ein Traumpaar nennen würde und dennoch ist es für mich mehr Traumpaar als meine Ehe (die nach aussen hin Traumpaar-mässig wirkte) es je sein konnte.

Ähnlich wie bei Dir waren mein Ex-Mann und ich nicht ganz ehrlich mit uns und vieles war mehr Fassade als Wahrheit...

Meine jetzige Beziehung ist wahnsinnig ehrlich! Es gibt keine Fassade. Noch nicht einmal nach aussen hin. Vielleicht hätte ich mir das hin und wieder gewünscht, aber mein Freund hätte dieses "Theater" nicht gespielt und so bekam jeder Hinz und jeder Kunz unser hin und her ständig mit...:-(.

Klingt nicht traumhaft, oder???? Und dennoch liebe ich ihn wie eine Wahnsinnige und will ihn nie-nicht missen...!!!#verliebt

Verabschiede Dich vor allem von dem Gedanken von der "grossen Liebe", bei der der Himmel immer nur voll Geigen hängt... DIE gibt es wirklich nicht.

Konzertriere Dich auf Dich und DEINE Gefühle... Denn...

... sollte meine Beziehung tatsächlich dennoch mal auseinander gehen... Dann habe ICH nichts verloren. Ich habe die Zeit an der Seite des Menschen verbracht, den ich abgöttisch geliebt habe. Und was kann mir besseres passieren???

Rosenrot

Beitrag von sternchen730 31.10.10 - 07:41 Uhr

Naja, es kommt halt auf die Erwartungshaltung an.
Erwarte ich die dauer-rosarote Brille?
Dauerromantik?
Ewige Schmetterlinge im Bauch?

Gibt´s ja gar nicht.
Ich denke mir, jeder muss in der Beziehung dafür arbeiten, dass es gut läuft, dass man sich nicht aus den Augen verliert, weiß, wie es dem anderen geht...
Jeder muss dauernd Kompromisse machen...tolerant sein, freundlich und aufmerksam...
Ich erwarte kein Loderndes Liebesfeuer, eher ein beständiges warmes Glühen. Wie kann man´s sagen?
Ein gemeinsames Ziel...
Und nicht alles in einer Beziehung ist toll...wie kann ein Mensch alle meine Bedürfnisse befriedigen? Aber dafür gibt es ja Freunde und Freundinnen und einen gesunden Verstand, der mir sagt, ob es mir reicht.
Ich versuche, mich an kleinen Dingen zu freuen...und zu genießen, dass es im Moment gut ist und keine Versicherung für ewige Glückseligkeit.
Ich finde das Zitat schön: "Die Liebe ist wie ein Fluss, der 2 Länder verbindet."
Grüße, sternchen#stern

Beitrag von dominiksmami 31.10.10 - 08:14 Uhr

>>Seid mal ehrlich: seid Ihr wirklich richtig glücklich mit Eurem Partner? Werdet Ihr auch nach 10 Jahren noch auf Händen getragen und toleriert die Fehler Eurer Partner noch wie am ersten Tag? Ich höre so oft, hach mein Mann ist der Beste und dann merke ich, dass er nur ab und an mal der Beste ist und den Rest der Zeit zuviel arbeitet, zu oft am PC sitzt, zu viel trinkt, zu wenig im Haushalt macht, zu wenig auf seine Frau eingeht, sich nicht um die Kinder kümmert, es gibt keinen Sex mehr...etc. (die Sicht der Männer ist sicherlich ähnlich, aber die kann ich hier nicht authentisch rüberbringen ) <<


ok, ich bin ehrlich *lach*

-seid ihr wirklich richtig glücklich mit Eurem Partner?

Ja bin ich, vielleicht nicht rund um die Uhr, jeder hat mal Streß, aber am Glück an und für sich ändert das gar nichts. Wir sind, jetzt nach der Geburt unserer gemeinsamen Tochter sogar noch glücklicher als die 8 Jahre davor.

- Werdet ihr auch nach 10 Jahren noch auf Händen getragen?

Um Gottes Willen ...DAS wäre für mich der Moment in dem ich definitiv NICHT mehr glücklich wäre in einer Beziehung.
Abgesehen davon das wir erst 8 Jahre zusammen sind, hat der liebe Gott mir zwei Beine gegeben damit ich selber gehen und stehen kann....mich muß also niemand auf Händen tragen!
Mag sein das es Frauen gibt die sowas brauchen #zitter

Wenn du damit aber meinst das man einfach versucht auf den Partner einzugehen etc. ...dann ja, dann tragen wir uns gegenseitig. *g*

- und toleriert die Fehler Eurer Partner noch wie am ersten Tag?

sogar noch viel besser als am ersten Tag, weil wir als Menschen und als Paar reifen, zusammenwachsen und ruhiger werden. Dinge die mich vor 8 Jahren noch aufgeregt haben, erscheinen mir heute mitunter lächerlich *g*


- Ich höre so oft, hach mein Mann ist der Beste

DER Beste ist mein Mann sicher nicht...aber er ist für MICH der Beste und nur darauf kommt es an, was andere denken ist mir da vollkommen egal.



- und dann merke ich, dass er nur ab und an mal der Beste ist und den Rest der Zeit zuviel arbeitet, zu oft am PC sitzt, zu viel trinkt, zu wenig im Haushalt macht, zu wenig auf seine Frau eingeht, sich nicht um die Kinder kümmert, es gibt keinen Sex mehr...etc.

nichts davon trifft auf meinen Mann zu, wir sind uns bei unserer Aufteilung sehr einig, er geht wo er kann auf mich ein oder versucht es zumindest, um die Kinder kümmert er sich immer wenn er die Zeit hat, sicher er arbeitet viel....aber meiner Meinung nach ( sähen viele hier vollkommen anders) nicht zuviel, Sex gibts immer noch....aber wie gesagt wir sind auch erst 8 Jahre zusammen.


lg

Andrea

Beitrag von sharizah 31.10.10 - 08:57 Uhr

Na, ich hoffe es. ;) Wir sind erst ein Jahr zusammen und ich bin nachwievor überglücklich und liebe ihn mehr als mein eigenes Leben.
Wir sind damals sofort zusammengezogen, haben ein Baby... daher schon sehr viel "Alltag", wie ihn manche Paare erst nach einigen Jahren erleben. Aber an unserer Liebe hat das bislang nicht einen Hauch geändert.

Ich weiß natürlich nicht, wie es in 9 Jahren aussehen wird. Aber hab ein gutes Gefühl, denn die rosarote Brille Zeit ist schon sehr schnell zu etwas viel tieferen geworden. Wir werden sehen.
Werde hoffentlich in 9 Jahren hier berichten. ;)

Beitrag von stubi 31.10.10 - 08:58 Uhr

Ok, ganz ehrlich nach 17 Jahren Partnerschaft (davon 14 verheiratet):

Die rosarote Brille ist längst weg. Aber ja, ich liebe meinen Mann noch sehr.
Sicher hat er einige Macken, die mich manchmal zur Weißglut bringen (meine ihn sicher auch). Sicher gibt es Tage, an denen wir uns lieber von hinten beim Weggehen sehen. Sicher gibt es Tage, da können wir uns gar nicht einigen und geraten auch mal heftig in Streit. Sicher giibt es Tage, da holt der Alltag uns ein und es bleibt nicht viel Zweisamkeit. Sicher gibt es Momente, da wird der Sex mal weniger.

ABER: Er ist immer für mich da, wenn ich ihn wirklich brauche. Er zeigt und sagt mir, dass er mich liebt. Er ist ein liebevoller Papa. Er nimmt mich ebenfalls so an wie ich ihn, mit all unseren Fehlern und Macken. Er merkt, wann ich allein sein will, er merkt wann ich ihn brauche. Er ist bereit, mit mir eine Partnerschaft auf gleicher Ebene zu führen. Er geht Kompromisse ein, wenn wir uns nicht einigen können, genau wie ich.

Ob er meine einzig große wahre Liebe ist? Keine Ahnung. Aber ich liebe ihn, ich fühle mich geborgen bei ihm, ich fühle mich Zuhause bei ihm.

Beitrag von zweifelhaft 31.10.10 - 10:47 Uhr

Aber ist es das? Ich fühle mich bei meinem (Ex)Mann auch zuhause, wir kennen uns gegenseitig in und auswendig und Sex hatten wir bis zum letzten Tag sozusagen, aber wann wird der Alltag zuviel, wann der Streit zu häufig und zu unfair, wann ist die Zweisamkeit zu wenig und wo beginnt die Bequemlichkeit in der Gewohnheit einer Beziehung zu bleiben?
Und gibt es wirklich keine echte Beziehung, bei der die rosarote Brille länger hält?
Alles Liebe für Euch!

Beitrag von stubi 31.10.10 - 18:03 Uhr

Ich brauche keine rosarote Brille, die gab es bei uns eh nie. Ich brauche einen Partner, und das ist mein Mann für mich. Bequemlichkeit und Gewohnheit sind es nicht, da bin ich 100% sicher und solange sich mir genau diese Frage nach dem "warum bin ich mit ihm zusammen" nicht stellt, solange stelle ich auch unsere Partnerschaft nicht in Frage.
Alles andere kann man gemeinsam lösen, wenn beide bereit dazu sind. Auch wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, was Zweisamkeit betrifft, ich eher Familienmensch, mein Mann ist ein Mann mit verdammt vielen und teilweise zeitaufwendigen Hobbys. Aber es funktioniert, wenn man Kompromisse eingeht. Alltag haben wir fast immer, aber wir nehmen uns mittlerweile bewusst eine Auszeit davon, das heißt konkret, alle 3 Monate gehen die Kinder zu Oma und wir fahren 4 Tage weg. Die sind auch so ab und an dort, dann machen wir es uns daheim gemütlich oder gehen aus.

Und glaub jetzt nicht, das es einfach war, dahin zu kommen, wo wir jetzt sind. Auch wir standen schon vor dem Thema Trennung, aber wir haben rechtzeitig erkannt (beide!), dass wir eine Chance haben, unsere Beziehung dahin zu bringen, wo sie jetzt ist und wir haben beide! für dieses Ziel gekämpft. Unsere Ehe läuft jetzt besser als unsere Beziehung zu Anfangszeiten je war.

Beitrag von wuffa 31.10.10 - 14:06 Uhr

Danke für deine zeilen, einen beitrag weiter oben....ich habe mir das zu herzen genommen und mit meinem mann gesprochen. ist es vielleicht einfach die zeit die man zu wenig hat weil einen der alltag auffrißt? wir werden daran arbeiten.
nun zu dir. du schreibst das sehr berührend. ich glaube schon an die liebe des lebens, so einen mann hatte ich und werde kämpfen ihn so wieder zu haben. ich würde auch eine paar-therapie machen. aber unabhängig davon glaube ich in deinem fall das es mehrere solcher begegnungen gibt die unser herz mit einer besondern art berühren. einfach offen sein und tolerant. dann kann gar nicht mehr so viel schief gehen. das war doch noch nicht alles. alles liebe für dich, bewundernswert wie du das mit 3 kinder schaffst, ich hoff sie sind schon größer

Beitrag von zweifelhaft 31.10.10 - 14:56 Uhr

Danke. Unsere Kinder sind 10j, 4j und 20Monate alt, also noch nicht wirklich "gross" ;-) Ich weigere mich aber zu sagen, ich sei alleinerziehend, denn es ist zwar schade dass unsere Beziehung kaputt ist, allerdings sollte unsere Familie daran nicht kaputt gehen...