Wie seht ihr das: Tochter wurde von Teenager umgerannt

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von dentatus77 01.11.10 - 09:06 Uhr

Hallo!

Wir hatten am Samstag eine unschöne Situation beim Einkaufen, über die ich mich heute noch ärgere:

Ich war mit meinem Mann und meiner Tochter in der Spielwarenabteilung beim Müller, ich stand an einer Schlange an um etwas zu bestellen, meine Tochter steht unmittelbar vor einem Regal und schaut sich die Spielsachen an, mein Mann sieht ihr dabei zu.

Ich hatte mich gerade von meiner Tochter abgewand, als ich nur noch einen dumpfen Schlag und gleich darauf auch das Brüllen meiner Tochter höre. Hab mich natürlich sofort umgedreht und seh nur noch einen ca. 12-13jährigen Jungen durch die Gänge stürmen. Der hatte meine Maus einfach umgerannt :-(! Gut, der Junge war mir vorher schon einmal aufgefallen, weil die Mutter ihn einfach nicht im Griff hatte, er sollte stehen bleiben und auf sie warten und er ist immer weg. Mir schien, der Junge war entweder extrem hyperaktiv oder sogar geistig behindert - also mildernde Umstände.
Mein Mann ist dem Jungen dann hinterher und wollte ihn zur Rede stellen (so klein war er ja auch nicht mehr), wurde aber vom Vater des Jungen aufgehalten. Mein böser Mann hätte dem armen Jungen ja etwas antun können. Was mich aber besonders ärgert, ist, dass die Eltern des Jungen grad im Vorbeigehen ne Entschuldigung gemurmelt haben (sagt zumindest mein Mann, ich hab nichts gehört :-[)und sich nicht einmal erkundigt haben, ob meiner Maus etwas passiert ist. Abgesehen von dem Mords Schrecken, den sie ja bekommen hat, ist sie voll mit dem Kopf auf den Boden geknallt, hat ne große Beule, mehr ist Gott sei Dank nicht passiert.
Von allen anderen unbeteiligten Kunden kamen zu mindest Worte des Mitleids und auch der Empörung über den Jungen, aber die Eltern waren nur mit ihrem Sohnemann beschäftigt, dass ihnen anscheinend völlig egal war, was mit meiner Kleinen passiert ist.

So, das musste ich einfach mal loswerden. Bei dem Gedanken daran wird mir heute noch ganz anders, obwohl meine Kleine den Vorfall wahrscheinlich schon wieder vergessen hat. Aber wie seht ihr das denn? Bin ich zu empfindlich? Kann ich ne ordentliche Entschuldigung und zumindest die kurze Frage: "Ist der Kleinen etwas passiert?" nicht erwarten? Es hätte ja auch etwas schlimmeres passiert sein können, wenn der Junge z.B. auf meine Tochter gesprungen wäre... Dann wären ja die Eltern auch haftbar gewesen.

Liebe Grüße und danke fürs "Zuhören"!

Beitrag von ayshe 01.11.10 - 09:16 Uhr

Ich finde es schon erschreckend, wie wenig Gefühl dieser Junge hat, mangelhaftes Sozialempfinden.
Was ich hier immer so lese #augen
Scheinbar gibt es echt eine Menge Kinder, die so sind, zum Teil muß es doch aber auch an den Eltern liegen oder nicht?

Erlebt habe ich so etwas bisher nicht, eher im Gegenteil, daß eben Kinder, denen aus Versehen so etwas passiert, auch Anrempeln o.ä. sich entweder entschuldigen oder eben das betroffene Kind ansprechen je nach Alter mehr oder weniger beholfen.

Beitrag von dentatus77 01.11.10 - 09:28 Uhr

Ja, das ist wohl auch war! Aber hier mach ich ehrlich gesagt dem Jungen am Wenigsten Vorwürfe, wie gesagt, er war zumindest nicht normal entwickelt, schien mir wirklich gestört oder geistig behindert zu sein (die Eltern mussten ihn davon abhalten, dass er nicht die Regale umstößt). Aber gerade bei einem solchen Jungen hätte ich es für wichtig gehalten, dass man ihn mit den Folgen seines Verhaltens konfrontiert, dass man ihm zeigt: Das kleine Mädchen hat sich wehgetan und weint, weil du es umgerannt hast (Der Junge war wirklich wie eine Furie durch den Laden gestürmt). Auch behinderte Kinder können doch Sozialverhalten lernen. Ganz davon abgesehen, sollte man sein Kind - wenn man es denn samstags nachmittags, wo in den Geschäften ja nun einmal viel los ist - unter kontrolle haben oder daheim lassen (Der Junge hat nicht im Geringsten das getan, was die Mutter gesagt hat).
Liebe Grüße!

Beitrag von bine3002 01.11.10 - 09:38 Uhr

"wenn man es denn samstags nachmittags, wo in den Geschäften ja nun einmal viel los ist - unter kontrolle haben oder daheim lassen"

Häh? Provokation: Dann lass Du doch dein Kind bitte auch im Buggy, wo es nicht umgerannt werden kann. Also da verstehe ich deine Einstellung nicht wirklich.

"(Der Junge hat nicht im Geringsten das getan, was die Mutter gesagt hat)."

Na ja und? Muss er deswegen aus dem sozialen Leben entfernt werden? Auch dein Kind wird (vermutlich ziemlich bald) eine Phase in seinem Leben durchlaufen, wo es nicht auf dich hört und Unsinn macht. So ist das mit Kindern. Aber deswegen lässt man sie doch nicht zu Hause.

Beitrag von ayshe 01.11.10 - 09:44 Uhr

Da hast du recht.

Beitrag von dentatus77 01.11.10 - 10:17 Uhr

Klar, ich kann meine Tochter vor allem Gefahren schützen, indem ich sie im Buggy lasse oder auf den Arm nehme (für Gewöhnlich schiebe ich meine Tochter nicht im Buggy durch enge Supermarktregale). Und wie lange soll ich das deiner Meinung nach machen?
Es geht hier - wie ich jetzt sicher oft genug geschrieben habe, nicht darum, dass ein fast erwachsener meine Tochter angestoßen hat, sondern darum, dass so ein Halbstarker (der Junge war sicherlich 1,45-1,50 groß) sie über den Haufen gerannt hat, weil er wie vom wilden Affen gebissen durch den Laden gerannt ist. Das erwarte ich vielleicht von einem 5jährigen (bei dem auch nicht mit größerem Schade zu rechnen gewesen wäre), aber nicht mehr von einem 12jährigen. Und - um auch noch einmal das Thema Aufsichtspflicht aufzugreifen: Wenn ein 12jähriger nur den Verstand eines 5jährigen hat, haben die Eltern auch für einen 12jährigen noch die Aufsichtspflicht wie für einen 5jährigen.

Und davon abgesehen geht es mir ja gar nicht darum, dass der Junge meine Tochter umgerannt hat (ich hatte geschrieben, dass ich ihm keinen Vorwurf mache), sondern darum, dass die Eltern es nicht einmal für Notwendig gehalten hatten, sich nach meiner Tochter zu erkundigen und sich ordentlich zu entschuldigen.

Liebe Grüße!

Beitrag von bea-christa 01.11.10 - 10:45 Uhr

..äh sorry #kratz...ist es nicht so, daß die Älteren (und damit i.d.R. verbunden mit mehr Erfahrung und Wissen) auf die jüngeren "Verkehrsteilnehmer" Rücksicht nehmen sollten ????!!!!

Dieser Meinung kann ich mich leider überhaupt nicht anschließen. Erlebe das immer wieder im Schwimmbad, daß die Älteren, die im Babybecken überhaupt nichts mehr verloren haben, sich dort aufführen, wie die Axt im Walde. Da wird null Rücksicht auf die kleineren Kinder genommen und die Eltern sitzen daneben.

Lieben Gruß - Bea

Beitrag von ayshe 01.11.10 - 09:42 Uhr

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er war zumindest nicht normal entwickelt, schien mir wirklich gestört oder geistig behindert zu sein (die Eltern mussten ihn davon abhalten, dass er nicht die Regale umstößt).
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Ach so, das war mir entgangen.
Tja, schon, die Eltern sich darum kümmern müssen, es ihm erklären.

Beitrag von bine3002 01.11.10 - 09:34 Uhr

"Dann wären ja die Eltern auch haftbar gewesen."

Nein, nicht ohne weiteres, weil der Junge mit seinen 13 Jahren nicht mehr ständig unter der Aufsicht seiner Eltern stehen muss (reich rechtlich gesehen). Die Eltern haben ihre Aufsichtspflicht also nicht verfnachlässigt, wenn sie einen 13jährigen (und selbst einen 8jährigen) unbeaufsichtigt durch ein Geschäft laufen lassen. Da der Junge in dem Alter aber nicht selbst haftbar gemacht werden kann, würdet Ihr auf den Kosten für eine evtl. erforderliche Behandlung (auch auch z. B. Schäden am Auto, Haus usw.) hängen bleiben.

Ebenso könnte man ja auch sagen: Warum steht Euer kleines Kind, das noch nicht so sicher auf den beinchen ist, so alleine in einem Gang rum...

Selbstverständlich könnte man aber rein auf menschlicher Ebene eine Entschuldigung bzw. etwas Mitgefühl des Jungen erwarten. Die Eltern würde ich da aber erstmal ausssen vor lassen, evtl. haben sie den Vorfall gar nicht so beobachtet und nur am Rande mitbekommen und vermutlich sehen sie den Sturz eines kleinen Kindes als normal an und machen sich wenig Gedanken darüber.

Beitrag von dentatus77 01.11.10 - 09:48 Uhr

Wenn das ein normaler 12jähriger gewesen wäre, würde ich dir zustimmen, aber das Kind war auf keinen Fall normal! Ein normaler 12jähriger rennt aber auch nicht im Galopp durch ein Geschäft und kann die Folgen abschätzen. Dieser Junge lief durch den Laden als wäre er total in Panik - fast wie ein Amokläufer ohne Rücksicht auf Verluste. Der Junge war sicherlich zumindest gestört, wenn nicht sogar behindert.
Und wenn die Eltern von dem Vorfall nichts mitbekommen hätten, dann hätte ja der Vater meinen Mann auch nicht aufhalten müssen. Der hat dem Jungen noch zugerufen, er solle stehenbleiben, worauf der Junge aber nicht reagiert hat.
Ganz davon abgesehen ist meine Tochter schon sehr sicher auf den Beinen und stand nicht mitten im Gang sondern ca. 10cm vom Regal entfernt, und mein Mann stand direkt daneben.
Und zur Haftung: Wenn ich recht informiert bin, muss die Haftpflichtversicherung auch für Schäden haften, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben. Ganz im Gegenteil: Bei Verletzung der Aufsichtspflicht kann es sein, dass der Versicherer die Schadensübernahme verweigert.
Liebe Grüße!

Beitrag von bea-christa 01.11.10 - 10:33 Uhr

Hallo,

...ich ärger mich auch immer total über derartige Situationen. Da die Eltern aber schon Probleme haben, eine Entschuldigung verbal zu formulieren, darf man sich dann natürlich bei den zugehörigen Kindern nicht wundern!
Woher sollen sie es denn lernen?

Ich versuche auch, unserer Tochter (28 Mon.) beizubringen, sich zu entschuldigen (auch wenn die Verursacherlage vielleicht mal nicht eindeutig ist) oder z.B. erst zu fragen, bevor man sich etwas von jemand anderen nimmt. Mußte aber leider schon feststellen, daß wir da allein auf weiter Flur sind. So ärgert es mich dann immer, wenn Nina ganz artig frägt, ob sie ein Spielzeug haben darf (sie kann schon super reden) und dann vom anderen Kind, das wesentlich älter ist, einfach keine Antwort bekommt, auch nicht bei 2-3maliger Ansprache. Irgendwann wird sich Nina dann wohl auch mal fragen, warum sie so verfahren soll, obwohl es sonst kaum ein anderer macht :-[

Lieben Gruß - Bea

Beitrag von nynne 02.11.10 - 09:05 Uhr

Wirklich eine ärgerliche Situation.
Ich denke mir auch oft: Meine Güte, was wird nur aus den meisten Kindern werden.
Jeder hat ja seine eigenen Wertvorstellungen und Grundsätze und vor allem verschiedene Prioritäten. Was aber extrem auffällt, dass eine extreme Rücksichtslosigkeit unter den Kids heutzutage herrscht.

Und das kommt ja nicht "einfach so" - sondern ist das was den Kleinen vorgelebt wird und inwiefern sie in ihre Grenzen verwiesen werden.
Und genau dies geschieht heutzutage kaum noch, wenn man sich so umschaut. Nämlich vor allem deshalb, weil entweder viele Eltern selber totale rücksichtslose Stümper sind, denen alles egal ist - frei nach dem Motto: nach mir die Sintflut oder weil man die Kinder "einfach mal machen lassen will".

Meine Maus stand letztens auch im Zoo an einem Terrarienfenster und guckte sich das Innenleben an, als 2 Kinder im Alter von ca. 10 Jahren entlang der Terrarien stürmten und einfach über mein Kind hinweg rannten.
Mein Mann hat sich das eine gleich geschnappt und nett gesagt: langsam, hier ist ein Kind das viel kleiner ist als ihr.
Die Eltern waren weit weg - was mich dann auch wundert: warum lassen die Eltern ihre Kinder schreiend, brüllend durch den Zoo rennen und stürmen?

Aber das sind doch gerade diese Eltern, die sich infach denken: ach, ich lass mal mein Kind machen, es msus sich ja austoben, ich brauche meine Ruhe und bin froh, wenn das Kind sich selbst beschäftigt. Der Punkt der Rücksichtnahme in der Gesellschaft geht durch den puren Egoismus total verloren. :-(
Dadurch wird den Kindern doch schon von den Eltern signalisiert, dass es vollkommen ok ist, sich wie die Axt im Walde zu benehmen.
Nach mir die Sintflut eben.

Ein anderes Beispiel ist, als ich mal mit dem KiWa unterwegs war, kam mir eine Gruppe mit 5 ca. 10jährigen entgegen, einer von denen sah mich, gab auf einmal Gas, sprang mir in den Kinderwagen und brüllte: nur weil du hier mit nem Kinderwagen herumspazierst musst du nicht glauben, ich lass dich hier vorbei"
Im Normalfall hätt ich dem Kleinen die Ohren lang gezogen - ich war aber in dem Moment so geschockt, dass ich richtig starr war. Und mit der Frage zurück blieb: wer erschafft solche Kinder?

In solchen Momenten frag ich mich immer wieder, auch wenns krass klingt: Warum müssen Paare, die sich Kinder aus tiefstem Herzen wünschen und aus verschiedenen Gründen keine haben können, jahrelange Tests durchlaufen bis sie adoptieren dürfen?
Und warum können sich rücksichtslose Egoisten mit ihrer Scheissegaleinstellung einfach vermehren? Da wünscht man sich wirklich einen Führerschein für Eltern.