Vanessa - Kleiner Sturkopf mit dem Popo voran in die Welt (lang!)

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von lerethia 01.11.10 - 13:54 Uhr

Von Beckenendlagen und Fehlalarmen:

Eigentlich war alles ganz anders geplant: Eine Geburt im Geburtshaus, betreut von der besten Hebamme der Welt. Dass es nicht so enden sollte, merkte ich relativ zeitig. Die kleine Madamme in mir drin wollte sich einfach nicht drehen, hat immer nur den Popo nach unten gestreckt und das seit der 21. Schwangerschaftswoche!
Moxen, Bettruhe, Indische Brücke und Osteopath haben nicht geholfen. Prinzesschen war der Meinung, sie müsste so sitzen bleiben ;) Und somit war eine außerklinische Geburt nicht mehr möglich.

Da es so bleiben würde (mein Muttermund war recht früh schon weich und der kleine Popo nicht mehr abschiebbar), informierte ich mich ausführlich über meine Möglichkeiten. Ein geplanter KS kam für mich absolut nicht in Frage, ich wollte es spontan wenigstens versuchen und war sehr froh, dass die Uniklinik hier in Leipzig das ermöglichen konnte. Auch die Geburt im Vierfüßler-Stand ist dort bei Beckenendlagen Standard...alles was ich mir also gewünscht habe.

Das Vorgespräch mit den Ärzten lief auch wirklich gut. Gut, es ist ein Krankenhaus und das sind alles Mediziner, aber für diese Verhältnisse war das Gespräch gut ;) Und *jubel* sie passt durch mein Becken, wieder eine Sorge weniger, eine spontane Geburt ist als möglich.

Alles war vorbereitet. Das Kinderzimmer war fertig eingerichtet, unsere Unterlagen lagen im Kreißsaal bereit, nur am Muttermund tat sich nix. Wehen hatte ich dann schon bald, nur leider nicht produktiv, wenn auch sehr nervig. Die Zeit vertrieb ich mir mit geburtsvorbereitender Akupunktur, Damm-Massage, zwei mal die Woche und CTG sowie Nelkenöltampons ab der 38. SSW. Himbeerblättertee wurde auch täglich frisch gekocht, Milchreis mit Zimt (eher Zimt mit Milchreis ;) ) war fast das einzige, was ich gegessen habe. Kurzum: Geburtsvorbereitung war voll im Gange! Endlich reagierte dann auch der Muttermund. Fingerdurchlässig und weich!

Am 31.7. nachts bekam ich Wehen. Nicht sehr stark, aber an Schlaf war nicht mehr zu denken. Alle 7 Minuten wurde mein Bauch hart und tat auch etwas weh. Also ab in die Klinik.

Dort kam ich gut gelaunt an und meinte zu den Hebammen, dass ich jetzt gern ein Kind bekommen wollte ;) Und was sagen die Hebis? "Na, wenn sie noch so gut drauf sind, kann es eigentlich noch nicht so weit sein." *seufz* Ab ans CTG, da waren auch schöne Wehen zu sehen, nur leider waren weder Arzt noch Hebamme davon überzeugt, dass es jetzt los geht. Da war es so gegen 7 Uhr frühs glaub ich. Wir wurden wieder nach Hause geschickt, sollten aber um 10 wieder kommen um zu schauen, ob sich was getan hat.

Leider waren die Wehen auch dann nicht besser, ich sollte aber da bleiben, schauen wie es sich entwickelt.
Die Nacht konnte ich schon nicht schlafen, ein Mittagsschlaf von einer Stunde und eine weitere Stunde Schlaf in der folgenden Nacht sollten innerhalb 50(!!!!!!) Stunden das einzige sein! Am Muttermund hatte sich allerdings nichts getan, trotz Wehen aller 5 Minuten mittlerweile.

Wenigstens bekam ich eine weitere tolle Beschäftigung: CTG aller 2 Tage bei meiner Hebamme und weiter Nelkenöltampons sowie Muttermundmassage und Eipollösung.

So auch am Mittwoch, den 4.8. Da ich mittlerweile psychisch echt am Ende war (hatte die ganze Zeit über Wehen aller 5-7 Minuten!), war ich eigentlich froh, dass meine Hebamme nichts sagte, als sie den Muttermund untersuchte. Hätte sie gesagt, dass sich nichts getan hat, wäre ich in Tränen ausgebrochen. Hätte sie gemeint, es würde voran gehen, hätte ich mir evtl Hoffnungen gemacht, die dann enttäuscht werden könnten. Also, war alles gut so wie sie es getan hat.



Die Geburt:

Gegen 14 Uhr wurden die Wehen echt stark. War ich eigentlich auch schon gewohnt, da ich immer mit Wehen auf einen Nelkenöltampon reagierte, die dann aber auch wieder nachließen. Also habe ich mir erstmal nichts weiter dabei gedacht und abgewartet. Irgendwann diesen Nachmittag rief meine beste Freundin an, dass ihre Eltern einen Autounfall hatten (zum Glück niemand verletzt) und sie deshalb nicht kommen kann, falls es vor Sonntag los gehen sollte (sie sollte eigentlich bei der Entbindung dabei sein). Ab 18 Uhr wurden die Wehen dann aber wirklich heftig. Musste veratmen. Wannentest war positiv!

Gegen 20 Uhr sind wir dann auch in die Klinik gefahren. Die Reaktion der Hebammen war dann nicht mehr so sehr locker, ich durfte auch gleich in einen Kreißsaal zum CTG schreiben, nicht mehr nur in den CTG-schreib-Raum ;)

Wehen waren natürlich wunderbar da, veratmen musste ich natürlich auch schon ne Weile. Nach glaub ich 1,5 bis 2 Stunden CTG wurde ich gefragt, was ich mir denn so vorstelle für die Geburt. Mein erster Wunsch, ein Einlauf, wurde mir dann auch gleich erfüllt (meine absolute Horrorvorstellung war eine Darmentleerung unter der Geburt). Währenddessen durfte mein Schatz den Klinikkoffer aus dem Auto holen (oh mein Gott, es geht jetzt wirklich los ;D )
Dann kam die neue Hebi incl Schülerin (*freu* Schüler sind toll, die sind soooo lieb und geben sich voll Mühe und müssen noch üben. Ich mag sie einfach :D ) und schaute erstmal nach dem Muttermund. Der war 2cm und sie wich von ihrem ersten Standpunkt, mich die Nacht nochmal Schlafen zu lassen und morgen weiter zu machen, schnell ab. ;)
Es folge weiteres CTG (bei BEL-Geburten leider ganz viel davon) und danach durfte ich in die Wanne. das war sooooo schön :) Die Wehen wurden nochmal um einiges stärker, aber die Wehenpausen waren wunderbar entspannend im warmen Wasser. Ich weis nicht wie lang ich da drin lag, aber ich glaub auch so ne Stunde oder so.

Es war dann etwa gegen 2 Uhr (eher etwas davor, weil ich ziemlich genau 2 Uhr die PDA bekommen habe), als mein Muttermund kontrolliert wurde. Ich habe einige Veränderung erhofft, da die Wehen wirklich biestig waren. Und was hat sich getan? Rein gar nichts :'( Noch immer 2 cm! Ich war so geschockt und deprimiert. Wehen hatte ich auch seltsame: Eine Wehe dauerte etwa eine Minute, dann hatte ich 30 Sekunden Pause, dann kam schon die nächste! Und trotzdem hatte sich nichts getan! Ich fühlte mich eigentlich noch fit, hatte ja den Tag zuvor einen schönen Mittagsschlaf gemacht, aber zu wissen, dass sich trotz dieser wirklich bösen Wehen rein gar nichts getan hat und die Vorstellung dessen, was denn da noch kommen muss, damit sich am Muttermund auch endlich was tut, war wirklich übel.

Die Hebamme meinte also, dass eine PDA jetzt das Mittel der Wahl sei. Ich schien mich gegen die Wehen zu wehren und konnte nicht wirklich entspannen (habe ich zwar nicht so bewusst gemerkt, kann aber so sein, sonst hätte sich ja was getan). Die Hebamme konnte verstehen, dass ich mich gegen eine PDA sträubte, unterstütze mich auch in meiner Vorstellung, die Geburt so natürlich wie Möglich zu belassen, meinte aber, dass eine PDA so ziemlich das einzige wäre, was jetzt noch helfen kann, da jede weitere Wehe mich schwächt. Also wurde mir der Aufklärungsbogen gegeben zur Unterschrift, die Hebamme erklärte nochmal, was gemacht wird und zwischen zwei Wehen unterschrieb ich. Das ganze Gespräch über die PDA zog sich ziemlich hin, da ich ja die Wehen zugegebenermaßen recht laut veratmete, ein Gespräch unter der Wehe also nicht möglich war ::)

Die Anästhesistin kam auch recht bald mit einer Assistentin und erklärte mir nochmal, was genau gemacht wird. Ich wusste es zwar schon, aber lass sie halt reden, wenn sie es so toll findet ;D Das legen war gar nicht schlimm, habe nicht mal den Stich der Betäubungsspritze wirklich gemerkt.

Sobald der Schlauch an meiner Schulter befestigt war, legte ich mich wieder hin. Plötzlich bemerkte ich ein Knacken links im Bauch und etwas lief schwallartig aus mir raus. Vor Überraschung rief ich "Au, Blasensprung!", die Hebi meinte nur "Aber das tut doch nicht weh." Hm ne, Recht hat sie, aber ich hatte so gar nicht damit gerechnet ;)

Ich bekam ein schnurloses CTG und das Licht wurde etwas gedimmt. Ich sollte die Zeit zum Ausruhen nutzen. Mein Schatz fuhr nochmal nach Hause, die Hunde mussten gaaaanz dringend pullern ::). Vorher legte er mir allerdings noch die Unplugged-CD von KoRn ein und stellte Repeat ein. Die CD lief dann auch bis zur Geburt im Hintergrund.

Ich legte mich also halbwegs gemütlich hin (soweit es halt möglich ist mit Nadel im Arm und CTG-Dingern am Bauch und Blutdruckmess-dingens um den Arm). Die Wehen merkte ich kaum noch, es war allerdings ein Druck im Becken bei jeder Wehe zu spüren, der auch immer stärker wurde. Ich war also nicht komplett schmerzfrei, worüber ich sehr froh war. Ich döste so vor mich hin, als die Hebamme ins Zimmer gestürmt kam und meinte, ich solle tief in den Bauch atmen. Da merkte ich es auch: Die Herztöne sind ziemlich weit runter gegangen! Ich konzentrierte mich also voll aufs atmen und hatte tierisch Angst um die kleine Maus. Die Hebi telefonierte (ich denke mit einem Kinderarzt), die Ärztin kam (also die Frauenärztin, die ich schon vom Vorgespräch kannte) und die Herztöne normalisierten sich wieder. Das selbe geschah später glaub ich noch ein mal.

Um die Wehen noch etwas anzukurbeln wurde vorgeschlagen, dass man mir schnell nen Katheter legt, um die Blase zu entleeren, also keinen bleibenden ;) Mir war das mittlerweile recht egal, denn die Wehen wurden wieder ziemlich böse. Irgendwas drückte im Becken. Die Hebammenschülerin katheterisierte mich (musste das noch lernen, hat es aber gut gemacht ;) ) und irgendwann kam dann auch mein Schatz wieder. Es war so gegen halb 4 etwa. Er meinte, dass er noch tanken musste, die Tankstelle bei der er war, aber erst um 4 aufmacht (also auf ist sie immer, aber die Tanksäulen sind nicht immer an). Als er dann aber dem Typen erklärt hat, dass er in die Klinik zu seiner Frau muss, die grad ein Kind bekommt, war der so nett und hat schonmal eher auf gemacht :D Also endlich war mein Schatz wieder da :D

Ich zitterte irgendwie seltsam am Oberkörper. So als wäre mir kalt, war es aber nicht. Die Schülerin meinte, das käme von der PDA. War echt nervig, weil ich nicht still halten konnte. Nur mit wirklich gaaaanz viel Konzentration konnte ich das abstellen und irgendwann ging es dann ganz weg. Musste auch immer aufstoßen irgendwie in dieser Phase. War echt seltsam Wehen zu veratmen (der Druck im Becken tat saumäßig weh, ich möchte nicht wissen wie das ohne PDA gewesen wäre!) und nebenbei zu rülpsen :P

Leider gingen die Herztöne der Kleinen unter den Wehen immer wieder runter. Also bekam ich ein wehenhemmendes Mittel, damit sie sich erholen kann um danach mit einem wehenfördernden Mittel alles etwas voran zu treiben, um die Kleine zu entlasten.

Irgendwann nachdem der 2. Tropf angehängt wurde bekam ich ein seltsames Gefühl. Irgendwie wollte ich pressen. Das teilte ich der Hebamme mit, die meinen Muttermund untersuchte, der mittlerweile fast weg war :D Die Schülerin blieb ab dann bei uns und half mir die ersten Presswehen zu veratmen, was echt sch**** schwer war. Unbewusst drückte ich allerdings doch mit bei jeder Wehe, auch wenn ich versucht habe es zu verhindern. Dank der BEL musste ich noch einige weitere Presswehen veratmen, damit der Geburtskanal sich auch für den Kopf genug weitet. Der Druck im Becken war mittlerweile unerträglich. Sie hatte Probleme, sich richtig zu positionieren, irgendwie hat sie die "Kurve" nicht gekriegt, im wahrsten Sinne des Wortes ;)

So verging sicherlich eine halbe Stunde, in der ich Presswehen veratmete und insgeheim darum bettelte, dass es bald vorbei ist. Dann irgendwann war es so weit: Die Hebamme schaute und meinte, es würde gut aussehen, ich dürfte laaaaangsam mit pressen, aber ganz vorsichtig und dann wieder hechelnd veratmen. Das tat richtig gut :)
Nach weiteren geschätzten 10 Presswehen setzte sich die Hebi neben mich (ich lag auf der Seite) und hielt m ein Bein hoch. Nun durfte ich endlich vollends mit pressen und jede Wehe voll ausnutzen. Ich hielt mein Bein in der Kniekehle fest und drückte was das Zeug hielt. Zwischenzeitlich untersuchten Hebamme und Ärztin, wie weit die Kleine runter rutscht und scherzten darüber, dass man bei BEL-Kindern immer zuerst die Sch**** sieht (der Bauchi wird im Geburtskanal so zusammengepresst, dass alles rausgedrückt wird):P Aber das Outing wurde bereits bestätigt, es war wirklich ein Mädchen ;D

Jede Wehe presste ich was das Zeug hielt (einmal musste ich abbrechen, weil ich einfach keine Luft mehr bekam), aber so wirklich tat sich glaub ich nichts. Ich merkte auch, dass sie zwar in der Wehe vorwärts kam, aber dann wieder zurück rutschte (ist zwar normal, aber unterm Strich blieb sie glaub ich da wo sie war und rutschte nur hin und her :P )

Endlich durfte ich in den Vierfüßler-Stand. Ich stützte mich am Kopfende des Bettes ab, das dafür irgendwie hochgefahren wurde und hing mich da halb drüber. Die Schwerkraft tat ihr übriges und es ging wirklich vorwärts nun. Jede Wehe sorgte dafür, dass der Druck in meinem Becken noch stärker wurde, irgendwann gar nicht mehr verschwand. Jede Wehe brachte mir noch mehr Schmerzen in den Pausen, aber ein Zurück gab es nun nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, mich zerreißt es (was es ja auch tat, wenn auch nur wenig) und mit jeder Wehe und mit jedem Pressen wurde es schlimmer (welch grandiose Motivation weiter zu machen ::) ). Der Schmerz war irgendwann so groß, dass ich dachte, ich muss sterben. Ich merkte allerdings auch, wie die Kleine endlich raus kam. Ich schrie den ganze Kreißsaal zusammen. Und dann kam der wohl genialste satz meines Mannes: "Schatz, du siehst verdammt sexy aus!" Öhm, okay, dachte ich mir. Ich weis ja, wie er es meinte und fand es echt süß. Aber erzählen darf man es eigentlich keinem ::)

Als die Presswehe zuende war und ich grad Kraft schöpfen wollte für die nächste, meinte die Hebamme, ich solle weiter pressen. Sie war bis zu Taillie draußen, der Rest aber noch drin. Also musste ich ohne Wehe den ganzen Brustkorb herausdrücken. Wenn ich gedacht hatte, alles vorher wäre schlimm gewesen, das hat wirklich alles getoppt!

Und dann endlich durfte ich mich ausruhen, endlich einen kurzen Moment der Ruhe genießen. Ich sah an mir herunter. Aus mir ragte ein kleiner Körper, Beinchen lagen da, kleine Arme waren auch dran, nur der Kopf fehle noch. Wirklich realisieren konnte ich es nicht. Sie lag so ruhig da, bewegte sich nicht. War alles okay? Bestimmt, sonst würden die Ärtze sicherlich was tun. Die nächste Wehe kündigte sich an und unterbrach meine Gedanken.

Ich presste nochmal mit voller Kraft, merkte wie die Hebamme der Kleinen half den Kopf frei zu bekommen. Noch einmal unsagbarer Schmerz und dann war es vorbei. Einen kurzen Moment war alles ruhig. Einen Moment stand für mich die Zeit still.

Ich lehnte mich zurück und schaute an mir herunter. Ich saß in einer Lache aus Blut und Fruchtwasser und Babykaka und mittendrin lag ein kleines rosanes Wesen. Ich nahm sie hoch. Ich kann nicht mal sagen, ob sie geweint hat, weis nicht ob sie die Augen auf hatte, sie war einfach nur da. Neben mir massierte die Hebamme ihre Füßchen, um die Atmung voran zu treiben. Aber ganz schlimm war es nicht, ich glaub sie hat geatmet, zumindest wurde sie nicht blau, also war sicherlich alles okay, irgendwas in mir sagte es so.

Langsam kam ich zu mir, merkte wie mein Schatz die Nabelschnur durchschnitt und die Hebamme Blut daraus nahm. Ich fragte sie noch wofür das wäre, schon stand die Kinderärztin mit einem Handtuch neben mir, um die Kleine mitzunehmen. Ich gab unser kleines Mäuschen also weg (das fiel mir leichter, als ich ursprünglich gedacht hatte), der stolze Papa ging mit und kaum waren sie aus der Tür raus, hatte ich ein seltsames Gefühl im Bauch und mit einem Schwall Blut kam die Plazenta.

Unendlich geschwächt drehte ich mich um, setzte mich hin und lehte mich an. Irgendwie war alles noch so unwirklich. Ob ich zuerst genäht wurde und mir dann die Plazenta gezeigt wurde (ich wollte sie sehr gern sehen, mir wurde dann aber schwindelig und ich lehnte mich wieder zurück) weis ich nicht mehr.

Irgendwann kam mein Schatz mit unserer Prinzessin im Arm wieder. Sie wurde gewogen und vermessen:


Vanessa Katleen Vivian

5:03 Uhr
50cm
3430g
34cm KU
APGAR 7/8/9


Tino zog sie mit Hilfe der Hebamme an. Sie wurde mir wieder gegeben. Nach einer Weile musste sie allerdings nochmal weg, nochmal eine Untersuchung, weil sie ein paar Anpassungsschwierigkeiten hatte. Tino ging natürlich wieder mit und ich konnte kurz telefonieren. Musste ja schließlich der Familie sagen, dass unser Nachwuchs endlich da ist ;)
Nach der Untersuchung wurden wir auf die Station gefahren und konnten unser Zimmer beziehen.



Die Wöchnerinnenstation:

Zuallererst wurde uns die Kleine wieder weg genommen :'( Die Schwestern wollten sie nocheinmal untersuchen, Tino und ich warteten im Zimmer. Nach einer halben Stunde schickte ich Tino um mal zu schauen, was die so lange machen. Und was war? Sie machten nichts! Die Schwestern hatten noch keine Zeit und die Prinzessin lag in ihrem Bettchen und stand einfach so rum. Wäre ich nicht so schwach gewesen, hätte ich mich aufgeregt und beschwert. Sie hätten sie auch holen können, wenn sie wirklich Zeit hatten. Nach einer dreiviertel Stunde (!!!!) bekamen wir sie wieder.
Die Nachwehen waren der Horror! Ich musste sie sogar veratmen. Schmerzmittel hielten nie lang an, bald durfte ich keine intravenösen Medis mehr bekommen, sondern nur noch Paracetamol. Und davon 1g alle 6 Stunden! Ich litt vor mich hin, fragte die Schwestern nach mehr Schmerzmittel, die mit allerdings verwehrt blieben. Und Paracetamol kann ich auch zu Hause nehmen!
Auch das mit dem Stillen klappte nicht so gut. Zum Anlegen sollte ich immer eine Schwester rufen, die jedoch nie viel Zeit mitbrachte, meine Brustwarze zusammendrückte und den kleinen Kopf dagegen schob. Funktioniert hat das nicht, das brachte die Schwestern jedoch nicht dazu ihr Handeln zu ändern.
Am nächsten Tag bekam unsere Prinzessin böse Bauchschmerzen. Sie schrie und schrie und schrie. Auf mein Nachfragen hin, konnte mir allerdings keiner helfen, was mich zur Verzweiflung brachte. So allein gelassen habe ich mich noch nie gefühlt. Der Entschluss stand also schnell fest: ich werde nach Hause gehen. Nach einem Telefonat mit meiner Hebamme fühlte ich mich in meinem Entschluss bestärkt und rief Tino an. Die Kleine schlief zu dem Zeitpunkt glücklicherweise endlich. Sie war vor Erschöpfung eingeschlafen, leider jedoch nicht lange, da alle furzlang jemand ins Zimmer kam!
Nach einigem Hin und Her (so einfach wollten mich die Schwestern nicht gehen lassen, haben sich etwas quer gestellt, aber das war mir egal), saßen wir endlich im Auto auf dem direkten Weg zu meiner Hebamme.
Sie untersuchte mich, meinte die Naht sähe sehr gut aus.
Ich setzte mich bequem aufs Bett, Salam legte die Kleine an und *freude*, es funktionierte nach nur wenigen Versuchen. Meine Entscheidung zu gehen war also absolut richtig!


Fazit:

Jedem, der vor der gleichen Entscheidung steht wie ich, kann ich nur Mut zusprechen. Eine spontane Entbindung bei Beckenendlage ist durchaus möglich. Allerdings ist ein erfahrenes Team aus Ärzten und Hebammen die absolute Grundvoraussetzung dafür! Denn trotz der mittlerweile weitreichenden Erfahrungen kann einiges schief gehen! Lasst euch nicht den Mut nehmen, sollte nicht jedes Krankenhaus diesen Geburtsmodus anbieten. Meiner Meinung nach lohnt es sich auch sich in einem gewissen Radius bei verschiedenen Kliniken zu informieren!
Ich würde mich trotz der Schmerzen, der Anstrengung und der Ängste jederzeit wieder für eine spontane Geburt entscheiden, denn diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen!

Beitrag von hova 02.11.10 - 15:05 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Maus!

Du hast den Bericht sehr schön geschrieben, vielen Dank :-)
Der letzte Teil spricht mir voll aus der Seele. Zuhause ist mal doch am Besten aufgehoben, wenn man eine gute Hebi hat. Den KH Aufenthalt habe ich auch immer als sehr stressig empfunden.

Viel Spaß und viel Glück :-)

Beitrag von aubergine 03.11.10 - 06:38 Uhr

#pro

Beitrag von pueppi87 04.11.10 - 14:25 Uhr

Vielen Dank für deinen Geburtsbericht! Der liest sich echt toll und macht Mut! Meine Maus liegt auch noch in Beckenendlage hat aer noch ein paar Wochen Zeit sich zu drehen, auch wenn ich irgendwie im Gefühl habe, dass das nicht passieren wird.

Ich möchte, wenn es so bleiben sollte auch gerne spontan entbinden und dein Bericht hat mich in meiner Entscheidung gestärkt!