Berufsunfähigkeitsversicherung?

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Beitrag von filo 02.11.10 - 10:50 Uhr

Hallo,

habe da mal eine Frage. Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen.

Und zwar spiele ich mit dem Gedanken, eine Versicherung wg. Berufsunfähigkeit abzuschließen.
Nun weiß ich aus Fällen in meiner eigenen Familie, dass da eh schon sehr selten was bezahlt wird. Meine Mutter z. B. ist Reinigungskraft und muss ihr Bein nachziehen, weil sie nicht mehr richtig gehen kann. Kriegt aber trotzdem nix. So lange sie noch - irgendwie - laufen kann, ist ja alles "in Ordnung" #augen

Bei mir ist es so, dass ich Rechtsanwaltsfachangestellte bin, also einen Büro-Job mache. Nun habe ich aber schon seit vielen Jahren Probleme in der Lendenwirbelsäule, die wohl auch nie mehr ganz verschwinden werden. Ich mache schon viel Ausgleichssport, aber wirklich weg kriegt man es natürlich nicht mehr.
Nun bin ich 35 und habe so meine Zweifel, ob ich in 35 Jahren (oder eher schon) noch täglich 8 Stunden auf einem Stuhl aushalten werde.

Deswegen dachte ich jetzt an so eine Versicherung. Meine eigentliche Frage dabei ist: Wenn bei Abschluss der Versicherung bereits Vorschäden vorhanden sind, darf ich dem Versicherungsmenschen das sicherlich nicht sagen, oder? Und wenn es tatsächlich irgendwann mal zum Versicherungsfall kommen sollte: Das würden die doch sicherlich rauskriegen, dass ich deswegen schon mal Ärzte konsultiert habe etc.?
Mit anderen Worten: Am Ende würde ich wahrscheinlich sowieso nix kriegen, wenn schon Leute wie meine Mutter da abserviert werden?

Was meint ihr?

LG Filo #herzlich

Beitrag von gg82abt 02.11.10 - 11:04 Uhr

Hallo Filo,

du musst alle Vorgeschichten angeben. Denn sonst droht dir der Verlust des Versicherungsschutzes.

Mein Dad ist Versicherungsfachmann daher weis ich das

Beitrag von wemauchimmer 02.11.10 - 11:25 Uhr

Klar, Du wirst nach allen Vorerkrankungen gefragt und musst wahrheitsgemäß antworten.
Mit den BUs ist das so eine Sache... (ich hab keine): Die günstigen zahlen nur, wenn Du überhaupt nicht mehr arbeiten kannst, also auch nicht in irgendeinem anderen Beruf, und das läuft drauf raus - wie bei Deiner Mama - daß sie eher nicht zahlen. Die, die tatsächlich zahlen, sind sehr, sehr kostspielig, da lass ich es halt lieber drauf ankommen.
Also, ich an Deiner Stelle würde wohl eher medizinischen Rat suchen und was für die Wirbelsäule tun, bzw. mehr tun. So soll ja zum Beispiel Rückenschwimmen sehr gut sein, natürlich mußt Du da auch einige Zeit investieren.
Kannst ja auch überlegen, ob Du ein anderes Sitzmöbel im Büro verwendest oder sogar stehst. Denn überleg mal, wenn Du wegen Rücken berufsunfähig bist, ist es auch mit einer Rente von der Versicherung kein schönes Leben mehr.
LG

Beitrag von haifa 02.11.10 - 12:04 Uhr

Hallo,


hole Dir doch mal verschiedene Offerten ein und erkundige Dich, wie das mit den Gesundheitsfragen ist.

Ich meine, dass manche Policen auch so angelegt sind, dass mit Beginn des Rentenalters die einbezahlten Beträge wieder erstattet werden.

Du hättest somit eine weitere Sparanlage.

LG
haifa

Beitrag von anna031977 02.11.10 - 22:05 Uhr

Eingezahlte Beiträge in BU erstattet: Wo? Da will ich auch hin!!!
Weißt du da was genaueres...

Beitrag von malisch 02.11.10 - 12:32 Uhr

Hallo,

es gibt auch Versicherungen, die nicht auf einen anderen Arbeitsplatz verweisen. Das kann man sich aussuchen. Leider werden bei den meisten Versicherungen die Vorschäden ausgeschlossen. D.h. wenn du es angibst, dann werden alle Fälle um die Wirbelsäule rum ausgeschlossen.

Bei meinem Mann wollte eine Versicherung die Erkrankungen der Haut ausschließen, weil er Heuschnupfen hat! Dann haben wir einfach eine Versicherung gefunden (über buforum24.de), die keinen Ausschluss verlangt hat und gute Konditionen hat.

Und unsere beiden Versicherungen haben übrigens den Verweis auf einen beliebigen anderen Arbeitsplatz nicht! Das war mir sehr wichtig. D.h. : entweder können wir den zuletzt ausgeübten Beruf ausüben oder nicht. Auf keinen Fall darf es unter unseren Bildungsstand gehen (er als Techniker wird nicht auf eine Elektriker-Stelle verwiesen).

Gruß
Tatjana

Beitrag von steffiausdud 02.11.10 - 16:43 Uhr

Hallo!

Ich bin gelernte Versicherungskauffrau und Fachwirtin. Arbeite im Bereich der Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeit.

Eine BU-Leistung wird immer dann gezahlt wenn die Gesundheit für mehr als 6 Monate mehr als 50 % beeinträchtigt ist.

Da gibt es allgemeingültige Tabellen wieviel Prozent ein Bein oder ein Arm bspw. hat.

Mit deiner Vorerkrankung wirst du vermutlich einen Ausschluss für diesen Bereich bekommen. Wenn du die Vorerkrankung nicht angibst, verlierst du deinen Versicherungsschutz.
Ausserdem kann es auch sein, dass eine Anfrage an deinen HA gestellt wird und dann würde der Vertrag nicht oder nur mit Ausschluss zustande kommen.

Eine BU macht bei dir noch sinn, um andere Risiken abzusichern. Es muss ja nicht nur der Rücken grund für die BU sein.

VG
Steffi

Beitrag von kapulli 02.11.10 - 16:55 Uhr

Hallo!

Vorerkrankungen müssen auf jeden Fall angegeben werden, ansonsten droht der Verlust des Versicherungsschutzes. Bei Fälligkeit einer Zahlung holen sich die Versicherer sämtliche Befunde etc. von allen Behandlern. Da wird alles geprüft.

Wichtig ist wie schon erwähnt, dass der Vertrag nicht unbedingt die sogenannte Verweisklausel erhält. Dann kannst Du dich darauf berufen, dass Du beruflich nicht ausweichen musst.
Sinnvoll ist es auch, wenn der Versicherer nicht darauf besteht, dass die Berufsunfähigkeit prognostisch mindestens 3 Jahre beträgt. Bei vielen Verträgen besteht man nämlich darauf. Lautet die Prognose dann eventuell nur ein Jahr o.ä., geht man ebenfalls leer aus.

Schau auch, ab wann bezahlt wird. Einige Unternehmen zahlen rückwirkend ab dem ersten Krankheitstag, andere erst nach 6 Monaten.

Gut wäre es auch, sich die Zahlungmoral der einzelnen Versicherer anzuschauen. Ich glaube, Stiftung Warentest hat diesbezüglich mal recherchiert.

Meine BU hat damals nach einem Bandscheibenvorfall für ein 3/4 Jahr bezahlt. Allerdings auch erst nach einer Unmenge Papierkram und zähem Ringen.

L.G. Kapulli

Beitrag von anna031977 02.11.10 - 22:08 Uhr

Man braucht im Vertrag die echte Berufs- oder Dienstunfähigkeitsklausel, dann kann man nicht in einen anderen Beruf verwiesen werden:

hat zum Beispiel die Debeka oder die winterthur

Beitrag von pete1323 03.11.10 - 13:20 Uhr

Hallo Filo,

"Und zwar spiele ich mit dem Gedanken, eine Versicherung wg. Berufsunfähigkeit abzuschließen."

-> Das ist generell nicht die schlechteste Idee!

"Nun weiß ich aus Fällen in meiner eigenen Familie, dass da eh schon sehr selten was bezahlt wird. Meine Mutter z. B. ist Reinigungskraft und muss ihr Bein nachziehen, weil sie nicht mehr richtig gehen kann. Kriegt aber trotzdem nix. So lange sie noch - irgendwie - laufen kann, ist ja alles "in Ordnung"."

-> In einigen anderen Antworten hast Du schon gelesen, dass BU-Versicherung nicht = BU-Versicherung ist; hier gibt es wesentliche Unterschiede. Gerade bei älteren Verträgen sind die hinterlegten Bedingungen wesentlich schlechter als heute.

"Bei mir ist es so, dass ich Rechtsanwaltsfachangestellte bin, also einen Büro-Job mache. Nun habe ich aber schon seit vielen Jahren Probleme in der Lendenwirbelsäule, die wohl auch nie mehr ganz verschwinden werden."

-> Die Probleme mit dem Rücken müssen bei Antragstellung genauer beschrieben werden. Erst dann ist zu klären, ob der Antrag ohne weiteres angenommen werden kann. Unter Umständen kommt es zu einem Risikozuschlag, zu einem Leistungsausschluss oder zu einer Ablehnung. Du solltest aber nicht vergessen, dass es noch ganz andere Gründe gibt, weshalb man berufsunfähig werden kann. Ganz vorne stehen heute wohl die psychischen Probleme.

"Wenn bei Abschluss der Versicherung bereits Vorschäden vorhanden sind, darf ich dem Versicherungsmenschen das sicherlich nicht sagen, oder?"

-> DU MUSST ES IHM SAGEN!!!

"Und wenn es tatsächlich irgendwann mal zum Versicherungsfall kommen sollte: Das würden die doch sicherlich rauskriegen, dass ich deswegen schon mal Ärzte konsultiert habe etc.?"

-> Ganz genau.

"Mit anderen Worten: Am Ende würde ich wahrscheinlich sowieso nix kriegen, wenn schon Leute wie meine Mutter da abserviert werden?"

-> Kaum ein "bestehender BU-Fall" lässt sich mit einem anderen, auch bezogen auf dem zugrunde liegenden Vertrag, vergleichen.

Such Die am besten einen Berater vor Ort (oder auch mehrere) und lasse Dich ausführlich beraten. Sollte es später zu einem Leistungsfall kommen, wirst Du glücklich sein, wenn Dich jemand bei den ganzen Formularen und Fragestellungen unterstützt.


gruß pete