Ärger un und mehr mi Tochter

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von acaena 02.11.10 - 10:52 Uhr

Hallo,
ich bin eigentlich eher die stille Leserin, aber heute brauch ich auch mal Rat.
Zur Vorgeschichte: Meine Tochter (jetzt 19) hat vor 1,5 Jahren ihr erstes Kind bekommen. Sie lebt mit der Kleinen bei uns, hat für sie und sich 2 Zimmer, alles andere nutzen wir gemeinsam. Nach der Geburt hat sie ihre Schulausbildung fertig gemacht und in diesem Jahr die Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Die Kleine betreue ich seit sie 6 Wochen ist, während meine Tochter in der Schule ist. Manchmal auch abends oder nachts, wenn sie mal weggehen möchte. Ihre Fahrschule hat sie in dieser Zeit auch gemacht. Wie Omas so sind, kauf ich natürlich auch immer mal was für die Kleine (Klamotten etc.).
Das Einzige, was ich als Gegenleistung (wenn man überhaupt von Gegenleistung sprechen kann) erwarte ist ein wenig Hilfe im Haushalt. Das heisst aller 14 Tage 1 Woche lang die Küche in Ordnung halten und jedes WE Bad und Toilette in Ordnung bringen (die gerade mal 6 bzw. 2 qm groß sind). Ich muss dazu vielleicht noch erwähnen, dass diese Regelung schon bestand als noch alle ihre Geschwister hier wohnten. Jeder war damit eine Woche dran.
Ich selbst bin eigentlich selbstständig, neben einem großen Grundstück gibt es auch noch großes Haus und Tiere.
Meine Tochter hat es noch nie gern gemacht, es gab immer viel Streit darum, auch mit ihren Geschwistern. Viel zu oft habe ich eingelenkt und dann doch selber gemacht (ja, das war falsch). Meist hat sie auch nur die Hälfte gemacht, oder der Müll blieb tagelang stehen, oder das Bad 3! Wochen lang ungeputzt – bis ichs nicht mehr sehen konnte. Wir beide hatten viel, viel Streit miteinander und manchmal hab ich gedacht, es geht nimmer.
Als sie schwanger wurde, wurde plötzlich alles anders. Sie war richtig friedlich – endlich gab es bei uns keine Auseinandersetzungen mehr. Die gemeinsamen Mahlzeiten, die fast immer im Desaster endeten, waren ganz harmonisch (kleine Zoffs gibt’s ja immer mal, ist normal).
Ich fands toll, hab ihr das auch mehrmals gesagt. Für mich war es normal, sie jederzeit zu unterstützen.
In der letzten Zeit allerdings scheint das Spiel wieder von vorn loszugehen … :-( Kaum Hilfe, aber immer verlangen, das Auto, freie Abende und Nächte. Sie muss viel lernen, das verstehe ich und das ist auch kein Problem, die Kleine nehme ich da ja gern und auch, wenn sie mal weg möchte. Ich war selbst früh schwanger und hatte kaum Hilfe und weiß wie hart es ist, wenn man sich alleine durchbeisen muss. Das wollte ich nie für meine Tochter.
Gestern nun wieder so ein Morgen. Komme früh in die Küche – Geschirr steht da, der Müll stapelt sich etc. Mein Mann (nicht ihr Vater, aber versucht das seit 10 Jahren) war sauer und meinte, dann müsste es eben wieder so sein wie bei kleinen Kindern und heißen: Wenn du dich nicht an Regeln hältst, dann kannst du auch nicht weggehen, oder das Auto bekommen.
Im Grunde gebe ich ihm recht, ich wollte es nur nicht am Morgen klären, wegen Schule und so, sondern erst Nachmittags. Er hat dann aber doch angefangen, sie ist arg pampig geworden, dann sind mir die Nerven durchgegangen und ich habe ihr gesagt, dass sie ja ausziehen kann, wenn es ihr nicht passt, nur dass sie dann wahrscheinlich im Müll versinkt…. Naja, war nicht grad die feine Art – aber seitdem ist sie so sauer, redet nicht mehr. Verzieht sich mit der Kleinen aufs Zimmer, kam nur zum Abendbrot raus und ist dann auch gleich wieder verschwunden. Heute morgen nur ein kurzes Tschüss. Anschließend haben wir uns kurz über sms ausgetauscht und da kommt der Vorwurf, das sie ja immer die Dumme ist, dass wir sie für dumm, unfähig und und und halten. Sie würde nicht mehr mit mir reden, weil wir sie so verletzt hätten . Sie könne es eben nicht Haushalt, Kind und Schule….andere vielleicht, sie nicht. Die Sache ist völlig verfahren. Ich weiß nicht mehr weiter. Meine andere Tochter meinte, sie wüsste gar nicht, wie gut sie es hat und müsste mal `nen Dämpfer kriegen, ich solle mal nicht mehr auf die Kleine aufpassen und dabei bleiben, dass sie ausziehen soll. Ansatzweise hab ich das ja schon, mit dem Ergebnis, das alles noch mehr eskalierte. Reden kann man mit ihr nicht … leider, sie rastet immer gleich aus. Deshalb auch die SMS. Nur kann man sich da ja nicht so gut ausdrücken. Breif, ja auch gut, doch es wird so sein, wie bei der SMS…. Alles läuft irgendwie falsch und nach ihren Vorwürfen hab ich das Gefühl nur ausgenutzt worden zu sein unf fühle mich ebenfalls verletzt und unsagba r traurig...

Danke fürs lange mitlesen

Lg Heidi

Beitrag von redrose123 02.11.10 - 12:16 Uhr

Naja wenn sie nicht tut was du willst/verlangst, dann kann sie weniger weggehen. Ganz einfach, das du aufpasst wenn sie Beruflich was tut ok aber privat würde ich einschränken bis sie was tut ;-) Wenn du alles machst und nur maulst wieso sollte sie auch einlenken?

Beitrag von acaena 02.11.10 - 21:02 Uhr

Danke für deine Antwort.
Ja sicher hast du recht - aber es ist auch gar nicht so einfach ;-) Aber ein bissel was werd ich schon ändern.....

lg Heidi

Beitrag von ich-habe-zwei-davon 02.11.10 - 12:40 Uhr

hallo heidi,

ich gebe deinem lebensgefährten vollkommen recht.

wenn deine tochter bockig ist, lass sie bocken, sie bockt auch wieder aus, spätestens wenn sie deine hilfe in bezug des babys brauch.

klar kann man als außenstehender viel raten, weil man ja eben nicht selbst von betroffen ist.

was mir sofort durch den kopf schoss:

- alles einstellen was möglich ist, so erkennt sie was sie von euch bekommt
- abendbrotzeiten würde ich alleine wahrnehmen, sollte sie sich dazu setzen ok, rufen würde ich sie nicht mehr zum dazu kommen
- abends aufpassen wenn sie weg will, gibts nicht mehr
- die kleine abnehmen wenn sie lernen muss, wirds nicht mehr geben, muss sie lernen wenn die lütte schläft
- auto geben, nein, feierabend damit

- lege ihr provokant wohnungsangebote vor die nase
- lehrlingsgeld, kindergeld & unterhalt fürs kind, eventuell unterstützung von euch(?) damit kann sie sich eine kleine zweiraumwohnung finanzieren


bleibe hart, sie ist 19jahre, mutter und muss verantwortung übernehmen. euch mag sie nciht helfen, also müsst ihr handeln!



vg

Beitrag von acaena 02.11.10 - 21:07 Uhr

Lieben Dank für deine Antwort. Du hast in vielen Dingen recht und einiges werd ich auch ändern. Ich möcht hier jetzt nicht alles doppelt schreiben, vielleicht schaust du mal hier:
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=12&tid=2878284&pid=18214307

lg Heidi

Beitrag von luka22 02.11.10 - 14:21 Uhr

Wenn deine Tochter kein Kind hätte, würde ich da auch rigoros sein. Wo ich jetzt in eurer Situation richtig Angst hätte: Dass deine Enkelin euren Streit büßen muss. Was ist, wenn deine Tochter tatsächlich ausziehen würde? Hättest du dann eine ruhige Minute? Wie würde sie es hinbekommen ohne eure Hilfe? Würde deine Enkelin zum Schluss nicht die Leidtragende sein?
So, wie ich deine Tochter - deinem Bericht nach - einschätze, wäre sie so unreif und würde dir die Enkeltochter entziehen, um dir eins auszuwischen. Vielleicht würde sie auch einsehen, wie viel du ihr tatsächlich hilfst! Ich würde sie nicht komplett unter Druck setzen, da ich Angst hätte, die Situation würde völlig eskalieren.
Ich würde einfach versuchen im Guten mit deiner Tochter zu reden. Sie ist tatsächliche erst 19 und hat schon richtig viel Verantwortung am Hals, wo andere Teenies nur an den nächsten Diskobesuch denken müssen. Ich denke, es fällt ihr eben nicht leicht. Wahrscheinlich kennen auch andere Jugendliche in ihrem Alter noch nicht die Gefühle der Dankbarkeit. Das kommt sicher! Aber wahrscheinlich erst rückblickend in 10 Jahren :-D. Versuch im Interesse deiner Enkelin ruhig zu bleiben und die Situation friedlich zu lösen. Ich weiß, leichter gesagt, als getan...

Grüße
Luka

Beitrag von syldine 02.11.10 - 18:54 Uhr

Da würde ich dir z.B. rigoros widersprechen -- ja, ich weiß, ich hab selbst keine Kinder und reiß meine Klappe mit guten Ratschlägen auf... aber ich habe selbst ein brüderliches Exemplar, dass sich alles im Hotel Mama in den A... schieben lässt ;)
Zum Glück ist da nun kein (Enkel)kind mit dabei, aber ich sage der TE das, was ich meiner Mutter immer sage: lass sie bocken, lass sie im Notfall ausziehen aber lass dich in Gottes Namen nicht mehr so ausnutzen! Sie weiß genau, welche Strippen sie ziehen muss, um dich weich zu kriegen! So schwer es dir jetzt auch fällt: DU musst jetzt auf stur schalten, sie wird schnell merken, was sie an dir hatte - und wenn sie sich erstmal um sich selbst kümmern muss, wird sie vielleicht auch etwas selbstständiger.
LG

Beitrag von acaena 02.11.10 - 20:59 Uhr

Danke für deine netten Worte - du hast es ziemlich genau getroffen. Meine größte Angst ist tatsächlich, dass die Kleine darunter leidet. Nicht weil Mama sie nicht mehr zu uns lassen würde (da ist sie viel zu sehr auf das Wohl ihrer Kleinen bedacht), eher weil sie nicht mehr hier leben würde.
Sie hat hier alles, was ein Kind an Freiheit haben kann und auch solch Kleine können das aktiv erleben. Wir wohnen ganz weit draußen, ohne Autos mit vielen Tieren, Traktoren, viel zu entdecken und viel Zeit. Es ist immer wer für die Kleine da.
Die Alternative wäre eine kleine Wohnung in der Stadt, frühes Aufstehen und eine vermutlich oft gestresste Mama.
An die denke ich natürlich auch. Ich selber habe meine Große die ersten 2 Jahre allein erzogen und ich war auch erts 18, aber keiner da, der half. Meine Mutter kam nur, wenn ich sie mehrmals bat - nie von allein. Dieses stressige Leben will ich meiner Tochter ersparen, auch weil ich es ihr hoch anrechne, dass sie eben nicht sich zurück lehnt und zu Hause bleibt, sondern weil sie bereits nach 6 Wochen wieder zur Schule ist.
Wir haben heute beide doch noch miteinander geredet, eigentlich weiß sie auch, was schief läuft ... einiges werde ich aber schon ändern, dass hat mir der Tag gezeigt und deine/eure Denkanstöße waren gut und richtig.
Vielen Dank dafür.
Heidi

Beitrag von luka22 02.11.10 - 21:31 Uhr

Super, dass deine Tochter auch einsichtig ist! Hut ab vor dir, wie du das mit 18 hinbekommen hast. Ich war deutlich älter beim ersten Kind und in "gesitteten Verhältnissen" ;-) und trotzdem hatte ich einige durchwachte Nächte, wo ich am Rand des Wahnsinns stand. Da habe ich oft an junge Teenies gedacht, wie die das mit einem anstrengenden Baby so schaffen.

Ich bin mir sicher, dass dir deine Tochter eines TAges sehr dankbar sein wird...im Stillen ist sie es doch jetzt schon!

Liebe Grüße
Luka