Psychologe - Vater willigt nicht ein

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von sarosina1977 02.11.10 - 11:59 Uhr

Hallo Mädels.

Ich habe folgendes Problem: Ich habe mich schon 2005 von meinem Exmann getrennt, weil ich mit seiner permanenten Besserwisserei, seinen Schikanen und seiner Manipulation nicht mehr klar gekommen bin. Alles, was ich machte, was schlecht. Ich selbst war die Inkompetenz in Person - in seinen Augen. Ich bin daran fast zerbrochen.

Als wir uns trennten, war unsere Tochter 17 Monate alt. Seither bin ich allein erziehend und ich komme mit unserer Konstellation sehr gut zurecht. Wir haben aber eine schlimme Zeit hinter uns: Mein Exmann hat mir vier Jahre per Anwalt das Leben zur Hölle gemacht wegen Unterhaltszahlungen, Umgang, Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmung. Er hat eine ganze Website gepflegt, auf der er über mich lästerte, er bekam zeitweise nur noch betreuten Umgang und ich musste eine einstwillige Anordnung erwirken, weil er mir das Kind bei einem Umgangstermin einfach aus dem Arm riss, als die Kleine nicht mit ihm mitwollte.

Da ich in einem Landkreis wohnte, in dem das Cochemer Modell gepflegt wird, schien dieser Terror kein Ende zu nehmen. Denn beim Cochemer Modell sind beide Eltern immer gleichberechtigt, egal, was passiert.
Für einen Umzug in einen anderen Kreis fehlte mir damals schlicht und einfach die Kraf und die Gesundheit. Mein Exmann sagte sogar vor unserer Jugendamtsbetreuerin, dass er alles unternehmen wird, damit ich eines Tages unter der Brücke schlafe.
Also ein Vernichtungszug gegen mich als Mutter. DAs hängt aber mit seinem Machtdenken zusammen.
Erst seit diesem Jahr gibt es einigermaßen Ruhe. Er zog wegen des Unterhalts bis vors OLG und scheiterte letztendlich.

Seit heute gibt es aber einen neuen "Aufreger": ich war mit der Kleinen beim Kinderarzt, weil ich wegen ihrer Fingernagelkauerei Rat suchte. Sie kaut seit etwa 9 Monaten und zieht sich die zudem die Nagelhäutchen ab. Manchman blutet das sogar. Meine alte KÄ fand das nicht bedenklich. Jetzt habe ich den KA gewechselt, weil diese Nagerei einfach nicht besser wird. Der KA sagte sofort und sehr deutlich, dass dies ein Fall für den Psychologen ist, vor allem wegen der ganzen Vorgeschichte.

Da wir aber das geteilte Sorgerecht haben, kann ich ohne seine Zustimmung keine Therapie für sie in Angriff nehmen. Es geht ja bei der Therapie um die Ursachenergründung für das Kauen. Jetzt rief ich meinen Exmann an. Wie sollte es anders sein: Er lehnt eine psychologische Behandlung ab. Er hält davon nichts. Vielmehr soll man der Kleinen das Nagen einfach verbieten. Man soll das beobachten und Verbote aussprechen.

Ich kenne ihn nicht anders. Er hat seine Meinung und es gibt nur diese und sonst keine.

Ich habe meinem neuen KA gesagt, dass ich vermute, dass mein Ex einer Therapie nicht zustimmen wird.

Inzwischen bin ich auch umgezogen, wohne seit 2 Wochen in einem anderen Landkreis, wo es kein Cochemer Modell gibt. Der KA hat mir klipp und klar gesagt, dass es hier um das Kindswohl geht und wenn er nicht zustimmt, ist das unterlassene Hilfeleistung und ein Fall fürs JA.

Wie würdet Ihr jetzt vorgehen? Gleich zum JA gehen? Nochmal mit ihm reden?

Ich befürchte, dass diese kleine Stabilität, die wir gerade gewonnen haben, wieder zusammenstürzt, weil es wahnsinnige Streitigkeiten gibt. Ich bin gesundheitlich durch diese Hölle der letzten Jahre wahnsinnig angeschlagen (chronische Trigeminusneuralgie) und brauche einfach Schützenhilfe vom Amt, um meinem Kind helfen zu können. Alleine wie die letzten fünf Jahre schaffe ich das nicht - vom JA mit Cochemer Modell hatte ich so gut wie keine Hilfe. Da wurde es nicht mal als negativ bewertet, dass mein Ex nicht zum vereinbarten Mediations-Gespräch kam. "Man kann niemanden zwingen..." war die Antwort der Mitarbeiterin.

Danke fürs Lesen.

Beitrag von ppg 02.11.10 - 12:10 Uhr

Nicht aufregen, handeln:

Du stellst - am besten über deinen Anwalt - Antrag auf eine einstweillige Anordnung. Bei uns geht das recht schnell, Du bekommst innerhalb weniger Tage seine Unterschrift vom Amtsgericht ersetzt.

Ute

Beitrag von karna.dalilah 02.11.10 - 12:12 Uhr

Wenn es die Therapie notwendig ist, dann lass die Zustimmung vom Familiengericht ersetzen!

Fingernägelkauen ist immer eine "Ersatzhandlung" und das gehört meines Erachtens geklärt.
Kinder können manchmal gar nicht klar definieren und in Worte fassen, wie es um sie steht und greifen stattdessen zu solchen Signalhandlungen.

Machst du auch eine Therapie?
Oder ist dein Selbstwertgefühl in den Jahren nach der Trennung so gestärkt, dass du weiteren Kämpfen statthälst?
Beneidenswert ist deine Position nicht.

Ich wünsche dir viel Kraft
Karna

Beitrag von sarosina1977 02.11.10 - 12:20 Uhr

Hallo Karna.

Ja, ich mache eine Therapie. Und genau das wurde mir ja auch zum Verhängnis: Weil ich ja angeblich psychisch nicht ganz auf der Reihe bin (wegen der Traumatherapie, die ich mache), stellte er Sorgerechtsantrag. Und zwar genau im Zeitraum, als ich eine Mutter-Kind-Kur machte, die mir und der Kleinen sehr, sehr gut tat. Aber als wir nach Hause kamen, war die ganze Erholung im Eimer, weil dicke Post vom Anwalt da war mit dem Sorgerechtsantrag.

Mich hat das alles sehr, sehr geschlaucht, weil ich ja schon ziemlich mürb aus der Ehe rausging. Wenn man über Jahre gesagt bekommt, dass man nichts ist, nichts taugt, keinen gescheiten Beruf hat, zu dick/zu dünn/zu groß/zu klein ist - da ist das Selbstwertgefühl im Keller.

Kraft und Halt habe ich durch die Therapie gefunden und jetzt auch durch eine schöne, sehr harmonische Partnerschaft (wir wohnen jetzt zusammen), wo auch meine Tochter ganz viel Halt und Liebe bekommt. Zum ersten Mal erleben sie und ich ein richtiges Familienleben. Wir hatten das zu Ehezeiten überhaupt nicht. Das Kind nervte ihn nur, weil es ihn "alt" macht und überhaupt hatte er sich vorgestellt, dass ihm das Kind "mehr gibt" und ihn auch mal in den Arm nimmt (als er das sagte, war sie 6 Wochen alt...)

Ich bin nicht mehr die stärkste Frau. Und meine finanziellen Mittel sind durch die Rechtsanwaltsstreiterein aufgebraucht. Ich habe in den letzten Jahren rund 30 000 Euro nur für RA ausgegeben. Und die aktuelle Rechnung in Höhe von 6 500 Euro ist noch nicht mal beglichen... Er verdient ziemlich gut. Und da ich Freiberuflerin bin und irgendwie meinen Job natürlich auch ausüben möchte (er gibt mir viel Freude und Bestätigung), habe ich notgedrungen einen Verdienst - also kein Recht auf Prozesskostenhilfe. Daher hätte ich gerne den Gang zum Anwalt vermieden.

Beitrag von parzifal 02.11.10 - 14:28 Uhr

Mir scheint Du hast das Cochemer Modell nicht verstanden. Dies ist nicht umsonst Vorbild.

Deine Kritik ist auch viel zu unspezifisch. Was meinst Du wieviele JA in anderen Kreisen nicht tätig werden.

Glaubst Du um Ernst Dein Kind hätte im alten Wohnort keine Therapie bekommen, wenn diese notwendig ist?

Letztlich ist halt der Gang über das Gericht notwenig. Glaubst Du diesen jetzt nicht gehen zu müssen wenn der Vater stur bei seinem "Nein" bleibt, nur weil Du jetzt woanders wohnst?

Zählt denn im Übrigen die Suche nach einer Ursache bereits zu einer Therapie?

Beitrag von sarosina1977 02.11.10 - 15:41 Uhr

Cochemer Modell hin oder her...es geht letztendlich darum, dass der KV einer Behandlung nicht zustimmt. Es geht doch ausschließlich darum, die Nagerei und die offenen Hautstellen langfristig zu behandeln! Der Kinderarzt kann nichts tun und die Untersuchung auf Hautpilz/Nagelpilz habe ich schon durch!

Soll ich also meinem KV Applaus dafür spendieren, dass er dem nächsten Schritt, dem Psychologen, nicht zustimmt? Vielleicht liegt ja psychologisch keine Ursache für die Nagerei zu Grunde - dann ist das doch prima. Vielleicht ist das nur eine Unart - auch gut. Vielleicht "verwächst" sich das ganze bis zum 10. Lebensjahr, wie man im Internet nachlesen kann.

Aber wer kann das sagen?? Vielleicht brauchen wir den Psychologen nicht. Aber deshalb muss man ihn doch vorher wenigstens zu Rate ziehen!!!

Beitrag von parzifal 02.11.10 - 17:55 Uhr

Ich wollte hauptsächlich Deiner ungerechtfertigten Kritik am Cochemer Modell entgegentreten.

Und das der Vater falsch handelt wurde nicht bestritten.

Beitrag von asimbonanga 02.11.10 - 15:31 Uhr

Hallo,
nur so viel , ich habe Ähnliches hinter mir.
Letztendlich hat die Weigerung des KV, notwendigen Therapien und Behandlungen zuzustimmen dazu geführt , das ich das Alleinige Sorgerecht erhielt.Dies wurde als dem Kindeswohl abträglicher gewertet als alles andere (z.B. Entführung )zuvor.
Also geh in die Offensive-Beratungsstelle, Jugendamt, Ärzte etc.-besorge dir Atteste und Stellungnahmen.Ich hoffe du hast einen guten Anwalt.Meine Kinder hatten außerdem einen Verfahrenspfleger ( gerichtlich angeordnet )-der das Schlimmste verhinderte.

Viel Kraft wünsche ich dir----------
irgendwann ist der Spuk vorbei-ich hoffe für dich,das es nicht so lange dauert wie bei mir.

L.G.

Beitrag von manyatta 02.11.10 - 16:42 Uhr

Hallo!

Ich kann mich den Meinungen hier (zumindest den meisten) nur anschließen.

Wende dich ans Jugendamt, Kinderarzt, Gericht. Wenn von außen schon bestätigt wurde, dass das Kind eine Therapie braucht, dann kannst du das auch durchsetzen. Es geht ums Kind.

Ich kenne deine Situation, so ähnlich. Beim Gericht bekommst du bei Bedarf sehr schnell eine "Einstweilige Verfügung", wenn der Vater der Therapie nicht zustimmt.

Bei uns war es so, dass die Therapie schon beschlossene Sache war. Ein Psychologe hatte meinen Sohn schon "begutachtet", eine Umgangsbegleiterin bestätigte den Bedarf, ein Therapeut war bereits ausgesucht und fing sogar schon mit den ersten Sitzungen zum Kennenlernen an. Der Vater stellte sich anfangs quer, also wurden ihm die Folgen erklärt mit dem Gericht und so. Er willigte dann doch irgendwann ein.

Alles Gute!

Beitrag von sarosina1977 02.11.10 - 16:57 Uhr

Hallo und danke für Eure Anteilnahme.

Habe Mailpost vom KV bekommen. Er hat sich im Internet umgeschaut und ein Kosmetikset entdeckt, das helfen soll. DAs heißt "Mavala" oder so ähnlich.
Angeblich soll es Wunder wirken.
Kostet 30 Euro.

Es geht mir nicht um die 30 Euro, aber es ist natürlich selbstverständlich, dass ich das Zeug jetzt kaufen soll. Er würde von sich aus nie sagen: "Ich bestell das und dann probieren wir das aus" oder "Komm, wir machen halbe/halbe".

Soll ich dem Versuch mit der Kosmetik zustimmen??? Oder soll ich jetzt (mal wieder) zum Jugendamt gehen? Ich bin echt...angekratzt!!!!!

Ich habe es einfach so satt, über Dinge zu diskutieren, die in meinen Augen selbstverständlich sind = einfach zum Arzt gehen.



Beitrag von daisy80 02.11.10 - 20:49 Uhr

Lass die Quacksalberei.
Stimm ihm gegenüber gar nichts mehr zu, beschränke den Kontakt auf das Notwenidgste und geh zum Anwalt.