Hilfe

Archiv des urbia-Forums Jugendliche.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von prinzessinyvi 02.11.10 - 18:55 Uhr

vor 3 Wochen rief mich der Lehrer meines Sohnes an, ganz aufgeregt.
folgender Sachverhalt :

3 Schüler versuchten am Auto eines Lehrers Ventilkappen abzudrehen.

mein Sohn satnd mal ganz kurz dabei, gingn danach aber weg.

Polizei und Jugendamt in Schule, ANzeige alle 4 Jugendlichen, mein Sohn auch.

Polizei meint : mitgehangen- mitgefangen.

Alle Schüler erhielten einen Verweis.

Ich unterschrieb ihn jedoch nicht, weil da ddrin stand Versuchter Diebstahl und Sachbeschädigung.

Der Lehrer sollte dies ändern- keine Reaktion mehr.

Heute kam die Rechnung des geschädigten Lehrers 299 € zu zahlen bis 2.12., sonst Zivilrechtliches Weiterverfahren....

was soll ich nun tun ????

keine Post von Jugendamt oder Polizei bis jetzt .

danke

Beitrag von jazzbassist 02.11.10 - 20:21 Uhr

Wie ist denn dort überhaupt ein Schaden bei entstanden? Wer hat diesen Schaden verursacht? Und was heißt „er stand mal ganz kurz dabei“? Ist er da zufällig langgegangen, hat sich das ein paar Sekunden angesehen und ist weitergegangen? Ist er mit denen dahin gegangen, hat sich das angeschaut, und, ist dann wieder weggegangen? Wie alt ist Ihr Sohn? Wieso erwarten Sie Post vom Jugendamt oder der Polizei? Was hat der Schulverweis damit zu tun? An wem ist die Rechnung adressiert? Von wem genau kommt die Rechnung (also privat vom Lehrer selbst?)? Auf welcher Grundlage? Wenn Ihr Sohn nichts kaputtgemacht hat, muss er zivilrechtlich auch nicht haften. Wenn er noch nicht volljährig ist, kann es durchaus sein, dass keiner dafür haften muss respektive derjenige, der zum Zeitpunkt die Aufsichtspflicht über Ihren Sohn hatte und diese Pflicht verletzt hat (wer wäre das denn? Die Schule?). Sind Sie rechtschutzversichert? Sofern ihr Sohn haften muss; sind Sie haftpflichtversichert (ist sicherlich der bequemste und stressfreiste Weg)?

Irgendwie ist das alles zu verworren, um darauf zu antworten.

Beitrag von prinzessinyvi 03.11.10 - 08:55 Uhr

Hallo,

angeblich sollen die Räder total zerkratzt gewesen sein, die Ventilkappen verbogen...
Den Schaden verursacht hat der Mitschüler K. meines Sohnes.
Mein Sohn selber ist 13, soll angeblich Schmiere gestanden haben, obwohl er nur kurz dort stand und sich dann ins Schülercafe bewegt hat. Dummerweise ist er nah dem Schülercafe nochmal dahin gegangen, hat quasi zugesehen.
Sicher hätte er es den Lehrern melden können, das da jemand am Auto eines Lehrers rumschraubt.
Polizei und Jugendamt sollten Eltern doch informieren, wenn eine Anzeige vorliegt ???
Ich muss mich doch mit meinem Kind dazu äussern können ?!
Die Rechnung ist an den Lehrer adressiert, als Kopie an alle betroffenen Eltern weitergereicht.
Mein Sohn wurde angezeigt wegen versuchtem Diebstahl und Sachbeschädigung, hat jedoch nicht mal das Auto berührt.
Ich bin leider nicht Rechtschutzversichert, nur Haftpflicht.
Es war nach Unterrichtsende .

Beitrag von jazzbassist 03.11.10 - 12:51 Uhr

Strafrechtlich ist das ganze uninteressant, da Ihr Sohn noch Minderjährig ist. Er kann also strafrechtlich nicht belangt werden (vgl. § 19 StGB), egal ob Diebstahl, Sachbeschädigung oder Mord. Es gibt dort also nichts, worüber man Sie informieren könnte, was sie nicht ohnehin schon wüssten. Auch können Sie sich dazu nicht äußern, da Sie offensichtlich nicht dabei waren.

Finanziell ist das ganze auch ziemlich uninteressant, da Sie haftpflichtversichert sind. Also entweder (unter der Annahme, dass es so vorgefallen ist, wie geschildert) muss Ihr Sohn selbst für den Schaden haften (vgl. § 828 III BGB) - was ich bei einem 13-Jährigen und einer solch dummen Aktion für am wahrscheinlichsten halte. In diesem Fall würde Ihre Haftpflichtversicherung zahlen, da er durch diese mitversichert ist. Wenn er nicht haften muss (da er nicht hätte wissen können, das bei solch einer Aktion ein Schaden entsteht):

Wenn dass ganze zur Schulzeit passiert ist, dann haftet die Schule, sofern sie ihre Aufsichtspflicht verletzt hat (vgl. § 832 I 1 BGB). Alternativ, wenn das ganze nicht zur Schulzeit passiert ist und wir ihnen unterstellen, dass Sie die Aufsichtspflicht hatten. Dann müssten Sie haften, wenn Sie diese Pflicht verletzt haben. Ist bei einem 13-Jährigen unwahrscheinlich, wenn er nicht schon häufiger solche Aktionen gerissen hat und sie hätten wissen müssen, dass wieder soetwas passiert. Also Eltern von "Problemkindern" könnten hier durchaus haften, da man ihnen dann die Aufsichtspflichtverletzung unterstellen würde. Aber - einen normal entwickelten 13-Jährigen darf man ruhig unbeaufsichtigt lassen - dass alleine ist keine Aufsichtspflichtverletzung. Unterstellen wir Ihnen diese dennoch, würde ebenfalls Ihre Haftpflichtversicherung zahlen.

Unterstellen wir, dass der Aufsichtspflichtige (Schule oder Sie) seine Aufsichtspflicht NICHT verletzt hat, bleibt der geschädigte gem. § 832 I 2 BGB auf seinen Schaden sitzen. Er hat folglich pech gehabt. Kraft Gesetz muss dann nämlich niemand für diesen Schaden haften. Wobei man m.E. dann anstandshalber als Elternteil (als Kulanz) zahlen sollte. Fände ich nämlich ansonsten doch ein wenig asozial.

Vier Möglichkeiten, und, bei jeder kommen Sie finanziell gut bei weg.

Interessant wird es jedoch, wenn Ihr Sohn "schmiere" gestanden (also selbst keinen Schaden verursacht hat) hat, denn, hier hätte ich mich dann auf meine Rechtschutzversicherung ausgeruht und dass einfach mal darauf ankommen lassen, wie ein Gericht hier die Schadenssumme auf alle Beteiligten aufteilt, und, ob ein Gericht zu dem Urteil käme, dass ein 13-Jährige, der nur "schmiere" steht, die Einsicht hätte haben können, dass dabei ein Schaden entstehen könnte und er für diesen Schaden folglich anteilsmäßig haften muss, auch, wenn er selbst nichts kaputt gemacht hat. Mein Bauchgefühl sagt mir: Ja. Mein Sohn ist erst 11, und, ihn hätte ich hier für reif genug gehalten, genau das erkennen zu können. Wobei das nichts daran ändert, dass dann die Haftpflicht zahlt ... also - egal wie man es dreht - es bleibt immer witzlos, sobald die Eltern haftpflichtversichert sind.

Mein Erziehungsansatz wäre, dass mein Sohn diesen Schaden selbst und sofort bezahlen müsste (Kraft "Weil Papa das so sagt"-Gesetz). Das würde ich ihm vorstrecken (da ich es dem Lehrer gegenüber unfair fände, wenn dieser auf seinen Schaden sitzenbleibt [also eine reine Leistung aus Kulanz]). Hätte für mich also reinen Erziehungscharakter; selbst bei Ausgang 4. Dann würde ich einfach mal meinen Versicherungsagenten anrufen und fragen, ob meine Haftpflicht sich berufen fühlen würde, mir die 300 Euro wiederzugeben. Müsste sie, da ich schon davon ausgehe, dass selbst mein Sohn mit seinen 11 Jahren hätte wissen müssen, dass bei solchen dummen Aktionen irgendwas kaputt gehen kann. Selbst, wenn er nur "Schmiere" gestanden hätte. Somit müsste er haften und folglich meine Haftpflicht zahlen.

Dann kriege ich 300 Euro von meiner Versicherung und mein Sohn bezahlt den Schaden von seinem Taschengeld #ole Naja - so gemein wäre ich dann natürlich nicht, aber, für so eine dumme Aktion käme mein Sohn auch nicht mehr ohne Strafe davon. Ich würde ihm wohl dass Taschengeld für 1-2 Monate etwas kürzen; von dem Geld könnte er sich dann ein kleines Geschenk für den Geschädigten aussuchen und sich noch mal für diese Dummheit entschuldigen.

PS: Eine Rechtschutzversicherung lohnt sich auch ;-)

Beitrag von stormkite 03.11.10 - 15:53 Uhr

Hallo Jazzbassist,

du kennst dich offenbar gut aus - nur mal aus Interesse gefragt:

Nehmen wir mal an, die Aussage "Er ist vorbeigegangen, hat kurz zugesehen, und ist dann weitergegangen" stimmt so. Also der Jüngling stand NICHT Schmiere, sondern hat nur "Nichts getan" - also weder versucht seine Kumpels von der Missetat abzuhalten, noch eine Aufsichtsperson informiert (also nicht gepetzt).

Ist man grundsätzlich (als Erwachsener) verpflichtet einzuschreiten, wenn man eine Straftat beobachtet? Besteht die Pflicht einzugreifen, oder die Polizei zu informieren, weil man sich sonst mitschuldig macht? (Es geht um kleinere Delikte, wie sie hier vorliegen – nicht um unterlassene Hilfeleistung oder so).

Und wie sieht das aus im Falle eines Jugendlichen?
Bzw. bei einem unter 14-Jährigen?

Neugierige Grüße, Kite

Beitrag von jazzbassist 03.11.10 - 18:16 Uhr

Also im deutschen Strafrecht unterscheidet man zwischen zwei Unterlassungsdelikten. Einmal ein echtes Unterlassensdelikt. Das ist immer dann der Fall, wenn die Tat nur dadurch stattfindet, da Sie etwas unterlassen haben. Beispielsweise, wenn Sie eine geplante Straftat nicht anzeigen (vgl. § 138 StGB) [kennen wir aus dem Krimi (und stimmt ausnahmsweise auch mal)] oder, ganz klassisch natürlich auch die unterlassene Hilfeleistung (§323c StGB) [kennen wir sicherlich aus der Fahrschule].

Dann gibt es noch unechte Unterlassungsdelikte. Ausschlaggebend ist hier der § 13 StGB. Der zieht immer dann, wenn das "Unterlassen" einem "Tun" entspricht, der den Straftatbestand verwirklicht. Damit können Sie jeden § im Strafrecht erweitern. Steht im § drin: "Wer A tut, wird mit B bestraft", sorgt § 13 StGB dafür, dass der § wie folgt lautet: "Wer A tut (oder A nicht verhindert, obwohl er dazu verpflichtet ist), wird mit B bestraft". Wichtig ist, dass es hierbei IMMER einer Garantenstellung bedarf. Also, Sie müssen verpflichtet sein, einzuschreiten. Klassisch wären hier z.B. Eltern, wenn Sie bei ihren Kindern etwas unterlassen, da sich die Pflicht der Eltern (zu handeln) aus der elterlichen Sorge (1626 I BGB) ergibt. Hier gibt es ziemlich viele Konstellationen, wo so eine Garantenpflicht herrscht. Sowohl bei Polizei/Feuerwehr, aber, auch bei sog. Gefahrengemeinschaften. Wenn Sie z.B. mit einer Gruppe gemeinsam Tauchen gehen, einem Teilnehmer passiert etwas, und Sie helfen da nicht, hätten Sie auf Grund dieser Gefahrengemeinschaft ganz automatisch diese Pflicht - zu helfen - gehabt. Sie wären also Beschützergarant.

In unserem Autodemolierungsbeispiel also: Nein, der Schüler hat keine Beschützergarantenstellung gegen seinem Lehrer. Er muss hier also nicht handeln. Anders wäre es, wenn der Lehrer zufällig sein eigener Vater gewesen wäre. Dann hätten wir die Garantenstellung über das Konstrukt Familie. Ansonsten gibt es aber keine Pflicht, zum eingeifen, wenn Sie gerade eine Straftat beobachten. Wenn Sie ihren Nachbarn belauschen und mitbekommen, dass er morgen eine Bank ausrauben möchte, müssten Sie dies entsprechend aber schon zur Anzeige bringen (§ 138 StGB).

Einem Jugendlichen geht es genau so - strafrechtlich kann er belang werden, wenn er eine Garantenstellung hat (also im Regelfall nur über das Konstrukt Familie oder Gefahrengemeinschaft). Ein unter 14-Jähriger kann in Deutschland strafrechtlich für überhaupt nichts belangt werden. Nicht einmal für Mord.

Zivilrechtlich wäre dann das nächste Themengebiet - auch hier gäbe es 1- oder 2 Szenarion, wo man für ein Unterlassen haften müsste. Auch das kennt man eigentlich - wenn Sie z.B. im Winter nicht Streuen und sich deshalb jemand das Genick bricht, müssten Sie für das Unterlassen des Streuens haften. Da sie ihrer Verkehrssicherungspflicht in diesem Falle nicht nachgekommen wären und das die Haftung begründet.

Beitrag von stormkite 03.11.10 - 18:41 Uhr

Hallo Jazzbassist -

herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort.

Das mit der Garantenstellung wusste ich zum Beispiel gar nicht - es entspricht aber meinem Rechtsempfinden. Und ich weiß auch gleich die passende private Anwendung dafür :-)

Gruß, Kite

Beitrag von marsupilami2010 02.11.10 - 21:46 Uhr

Was ist denn mit Ventilkappen gemeint? Die kleinen schwarzen Dinger am Reifen, die über den Ventilen sitzen und die man zur Luftdruckkontrolle abmacht?
Wie sollen denn da 300€ zu Stande kommen? Und: Von wem kommt die Rechnung denn?

Beitrag von prinzessinyvi 03.11.10 - 08:39 Uhr

ja genau die Dinger sind gemeint, der Lehrer hatte die in besonderer Ausführung, nämlich als Raketen.

die Rechnung selber kommt vom Lehrer ( Autohaus) drauf stehen Mietwagen, Lackierung, Rad aus und eingebaut, Scheibenrad ersetzt...

Beitrag von marsupilami2010 03.11.10 - 17:27 Uhr

Hä? Mietwagen, weil die Ventildeckel entfernt wurden? Was soll denn ein Scheibenrad sein? Warde die Flege zerkratzt oder wie? Allerdings bin ich doch etwas überfordert: Wie lange sollen die Jungs denn gebraucht haben, um die Kappen abzuschrauben? Das dauert bei 4 Stck ca. 2 Min (vermutlich sogar weniger), wie soll dein Sohn in der Zeit zum Schülercafé gegangen und zurückgekehrt sein? Und wie haben die dabei was zerkratzt? Die Rechnung passt nicht zu den Ventilkappen. Entweder, die haben versucht die Ventile zu entfernen - sprich dem Leherer die Luft aus dem Reifen zu lassen oder der Lehrer lässt sich die Räder (inkl. Felgen) auf eure Kosten sanieren. Und was die da lackiert haben ist mir auch schleierhaft.
Eine Geschichte stimmt da scheinbar nicht - ob die deines Sohnes oder des Lehrers kann man bei der Infolage natürlich nicht bewerten. Ich würde mir das aber kritisch nochmal anhören und dann, falls die Jungs doch mehr gemacht haben als Ventilklappen zu klauen, den Schaden ggf. ersetzen oder den Lehrer kontaktieren, ihn über die maßlos überzogene Rechnung informieren (MIETWAGEN!) und die Zahlung verweigern

Beitrag von ippilala 03.11.10 - 12:38 Uhr


Warte ab, was bei der Anzeige rauskommt. Die Rechnung des Lehrers ist egal, die zahlst du nicht.
Wenn da überhaupt was rauskommt dürft ihr (er) auch was sagen.

Nur weil irgendwer irgendwas behauptet, müsst ihr nicht irgendwas zahlen.

Und der Verweis ist auch ungerechtfertigt. Die Schule hat damit nichts zu tun. Wie lange ist denn überhaupt der Schulverweis?

Beitrag von prinzessinyvi 03.11.10 - 20:55 Uhr

ich habe dem Verweis widersprochen, da der angegebene Sachverhalt da drinnen nicht den Tatsachen entsprach.
Es kam bis jetzt noch keine Gegenreaktion.