Bericht einer Schwester von Extremfrühchen (Zwillinge) lang

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von mysha 03.11.10 - 06:22 Uhr

Hallo ihr lieben Frühchenmamis und natürlich auch alle anderen,

ich habe hier zwar eigentlich nichts verloren, aber vielleicht kann ich der ein oder anderen durch meinen Bericht Mut machen.

Alles Begann im Jahr 1999. Meine Mutter verkündete uns das sie wieder SS sei und das es dieses Mal Zwillinge werden. Zuerst ein ziemlicher Schock für uns alle. Waren ja immerhin schon insgesamt 5 Kinder. Aber nach kurzer Zeit, haben wir uns dann alle wahnsinnig gefreut.

Zu Beginn der SS lief auch alles gut. Aber bereits im 4 Monat bekam unsere Mutter vorzeitige Wehen und wurde ins KH eingewiesen.

Strikte Bettruhe und keine Aufregung. War natürlich leichter gesagt als getan, aber sie hat es geschafft und in der 23 SSW Woche durfte sie dann mit Auflage die Bettruhe weiterhin einzuhalten nach Hause.

Bei 5 Kindern (davon 3 Kleinkinder und wir großen in Schule und Ausbildung) war das leider nicht immer möglich. Bekamen zwar eine Familienpflegerin, aber die war eben auch nicht immer da.

In der 25 SSW ging dann alles ganz schnell. Mama musste zurück ins KH. Blasensprung und wieder vorzeitige Wehen. Im örtlichen KH, konnte man ihr allerdings nicht helfen weswegen sie dann mitten in der Nacht in die nächstgelegene Uniklinik verlegt wurde.

Nach vielen Untersuchungen, hatte sich herausgestellt das unsere Mutter eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen hat. Die Blutgruppen der Zwerge haben sich nicht mit der unserer Mutter vertragen.

Die Ärzte haben versucht die SS so lange wie irgend möglich zu halten, große Hoffnung hatten sie allerdings nicht. In der 26 SSW mussten sie per Kaiserschnitt geholt werden, weil Lebensgefahr bestand. Sowohl für die Zwerge, als auch für unsere Mama.

Die beiden waren gerade mal 500 g (Mädchen) und 580 g (Junge) schwer und ca. 28 cm groß. Ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Die Ärzte sagten, sie würden alles tun um die kleinen durchzubekommen, sagten aber gleichzeitig das wir jederzeit mit einem Abschied rechnen müssten.

Nach ein paar Tagen, durften wir zum ersten mal zu Ihnen und ich kann euch garnicht sagen was für ein Gefühl es war diese winzigkleinen Wesen mit all diesen angeschlossenen Kabeln und Sonden auf der Brust liegen zu haben. In 3 Monaten Aufenthalt auf der Frühchenintensiv haben die 2 ziemlich viel durchgemacht (künstliche Beatmung und Ernährung, Augen-OP wegen beginnender Netzhautablösung, kompletter Blutaustausch und ein stetiges auf und ab) und es mit der Hilfe vieler Ärzte geschafft. Jeden Tag haben wir gebetet und gehofft und unsere Gebete wurden erhört.

Am 22.12.1999 (dem eigentlichen ET) durften unsere 2 Kämpfer nach Hause und der 24.12. hatte für uns in diesem Jahr überhaupt keine Bedeutung.

Di beiden mussten über 2 Jahre noch mit diesen mobilen Monitoren überwacht werden und die Sauerstoffflasche wurde zum ständigen Begleiter. Aber auch all diese Schwierigkeiten und Erkrankungen(eine Bronchitis jagte die andere) haben die 2 überstanden und mittlerweile sind sie schon 11 Jahre alt.

Bis auf das sie immer noch zur Krankengymnastik gehen und Asthma (wegen der langen künstlichen Beatmung) haben, geht es ihnen gut und sie entwickeln sich prima.

Dieses große Wunder geschah vor über 10 Jahren und mittlerweile sind die Behandlungsmöglichkeiten noch viel viel besser geworden. Vertraut also auf euch, eure Zwerge, Gott und das können der Ärzte.

Ich wünsche euch und euren Zwergen nur das allerbeste.

LG myhsa mit Bauchzwerg 22 SSW

Beitrag von svejuma 03.11.10 - 08:10 Uhr

Hallo mysha,

vielen Dank für Deine Worte.
Schön mal was von Extremfrühchen aus einer ganz anderen Persepktive zu hören! Und noch viel schöner ist es, dass sich die 2 so gut gemacht haben und schon 11 sind! *Wow*

Liebe Grüsse
Julia und Matti
#winke

Beitrag von minkabilly 03.11.10 - 08:16 Uhr

Danke für deinen Bericht; #liebdrueck
es ist schön auch mal was von "ehemaligen" Extremfrühchen zu erfahren; wie sie sich weiterentwickelt haben u.s.w.

für uns wird der 24.12. dieses Jahr etwas "besonderes" sein; da bekommen wir "wahrscheinlich" unser kleines Wunder nach Hause...nach dann fast 6 Monaten Klinik #schwitz; 4 Monate haben wir jetzt schon geschafft