Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll...

Archiv des urbia-Forums Gesundheit & Medizin.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Gesundheit & Medizin

Hier könnt ihr Fragen stellen zu allen Themen rund um Gesundheit, Vorbeugung, Kinderkrankheiten, Hausmittel und Naturheilmittel. Beachtet dabei bitte, dass medizinische Empfehlungen von interessierten Laien nicht den Gang zum Arzt ersetzen können.

Beitrag von sweethardstyle 03.11.10 - 15:48 Uhr

Hallo Ihr Lieben!

Ich muss mir einfach mal den Frust von der Seele schreiben und hoffe, dass irgendwer eine Idee hat, was ich tun könnte.

Kurz nach der Geburt meines Sohnes bin ich ganz blöd gestürzt und habe mir dabei einen Wirbel zertrümmert. Das Rückenmark wurde auch verletzt.
Im Krankenhaus wurde ich sofort operiert (meine Wirbelsäule wurde versteift), damit das Rückenmark nicht noch mehr geschädigt wird. Ich konnte meine Beine nicht mehr bewegen und die Ärzte waren nicht sehr zuversichtlich, dass ich jemals wieder laufen kann. Auch die Blase funktionierte überhaupt nicht mehr.

Nach ein paar Tagen konnte ich die Beine wieder bewegen. Auch meine Blase funktioniert wieder ein bisschen. Nach dem Krankenhausaufenthalt ging es zur Anschlussheilbehandlung.

Danach ging es mir wirklich sehr gut. Ich hatte kaum Schmerzen und konnte ein halbwegs normales Leben führen. Allerdings war es so, dass ich meinen Sohn (damals 4 Monate alt) nicht mehr tragen durfte. Ich brauchte also immer Hilfe. Auch einkaufen konnte ich nicht alleine.

Nach 1 1/2 Jahren wurden die Schrauben wieder entfernt und der ganze Horror fing an. Dadurch dass die Ärzte das Metall nachweislich zu früh entfernt hat, ist meine Wirbelsäule regelrecht in sich zusammengesackt. Ich bin ganze 5 cm kleiner geworden und bekam einen richtigen Buckel. Die Schmerzen waren die Hölle. Ich bekam stärkste Opioide. Kein Arzt konnte mir helfen.

So konnte es nicht weitergehen. Ein Arzt gabe mir die Adresse von einer Spezialklinik. Ich besorgte mir einen Termin. Die Ärzte dort waren sehr freundlich. Sie waren sehr entsetzt, als ich von meiner bisherigen Behandlung erzählte. Aber sie wollten mir helfen. Es sollte eine erneute OP stattfinden, in der die Wirbelsäule wieder versteift wird. Diesmal allerdings noch ein Stück weiter.

3 Monate später war es soweit. Die 9 stündige OP habe ich gut verkraftet. Mein Rücken war wieder gerade und ich hatte meine alte Größe zurück. Die Schmerzen waren auszuhalten.

Ein halbes Jahr später fuhr ich zur Reha. Die Ärzte dort hatten überhaupt keine Ahnung. Ich bekam wieder unbeschreibliche Schmerzen und wurde mit Opioiden vollgepumpt. Als ich dem Arzt berichtete, dass ich die Übungen in den Gruppen nicht mitmachen kann, guckte er mich ganz erstaunt an. Er schaute in meine Akte und sagte: "Oh, es tut mir Leid, da habe ich sie in die falschen Gruppen gesteckt! Dort dürfen gar keine operierten Menschen teilnehmen! Das erklärt natürlich auch ihre Schmerzen!" Das ist leider nur ein Beispiel von vielen. Die Reha hat meinenZustand komplett verschlechtert, weil alles schief lief, was nur schief laufen kann.

Die Schmerzen bringen mich fast um. Ich kann und will so nicht mehr weiter leben. Meine Medikamentendosis kann man nicht mehr höher dosieren, weil ich schon die stärksten Mittel bekomme. KG, Akkupunktur, Strom, Entspannung, Fango, usw. bringen nur kurzzeitig eine minimale Linderung.

Hinzu kommt, dass ich immer Hilfe brauche. Ich kann nicht mal mehr alleine staubsaugen oder einkaufen.

Auch meine Blase nervt nur noch. Ich merke zwar, wenn ich auf die Toilette muss, kann aber absolut nichts halten.

Als ob das noch nicht reichen würde... Nein, nun soll mir auch noch die Gebärmutter entfernt werden, weil Krebszellen entdeckt wurden.

Ich fühle mich zur Zeit einfach nur schlecht. Mein Sohn ist mitlerweile 5 Jahre alt und muss schon so viel helfen, weil ich nicht kann. Andere Mütter toben mit ihren Kinder und ich darf nicht. Ich komme mir echt vor wie eine Rabenmutter. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass ich mich mit meinem Sohn so beschäftigen kann, wie er das möchte. Ich kann ihn nicht auf den Arm nehmen. Wenn irgendwas ist, muss er selbst auf meinen Schoß kommen.

Ich will doch einfach nur ein ganz normales Leben! Ein Leben, wo ich mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich kann/darf und was nicht. Ein Leben ohne Schmerzen!

Ich bin an einigen Tagen nicht mal fähig, meinen Sohn in den Kindergarten zu bringen, weil ich es einfach nicht schaffe, aufzustehen, wenn die Schmerzen so doll sind.

Manchmal würde ich am Liebsten alle meine Medikamente aufeinmal nehmen, damit ich endlich Ruhe habe.
Natürlich würde ich das niemals machen, weil ich meinen Sohn niemals alleine lassen würde. Aber die Gedanken sind eben da. ich hasse mich so sehr dafür!

Auch die finanzielle Seite sieht bei mir dementsprechend sch*** aus. Wer stellt mich mit dem Behindertenausweis denn ein? Wer lässt sich darauf ein, dass ich alle halbe Stunde aufstehe? Vom Arbeitsamt bekomme ich keine Hilfe. Da ich maximal 3 Stunden am Tag arbeiten darf, gestaltet sich die Jobsuche schwierig. Außerdem müsste ich meinen Arzt anbetteln, dass er mich gesund schreibt.

Mir fällt hier die Decke auf den Kopf. Ich würde so gerne wieder etwas machen. Aber was? Was soll ich bitte machen? Mein Arzt sagt, dass es am Besten wäre, wenn ich von zu Hause aus arbeiten könnte. Aber was gibt es da für Möglichkeiten?

Ich kann einfach nicht mehr! Ich laufe nun seit 5 Jahren mit höllischen Schmerzen rum und weiß absolut nicht, wie es weiter gehen soll. Jeder weiterer medizinische Eingriff würde die Schmerzen nur verstärken. Eine Schmerztherapie wurde von der Krankenkasse abgelehnt.

Danke, dass Ihr zugehört habt. Es tat echt gut, alles mal aufzuschreiben.

Beitrag von gluecksbaerchen80 03.11.10 - 15:54 Uhr

Hallo!

Da fehlen mir echt die Worte.

Es tut mir sooo leid was du alles durchmachen musstest und noch aushalten musst.

Ich weiß das Worte dich sicher nicht trösten können.
#liebdrueck

Wieso wurde die Schmerztherapie abgelehnt?

Bekommst du Betäubungsmittel oder normale Schmerzmittel?

Wäre eine Kur/Reha eine evtl. vorübergehende Lösung um das du vorallem auch psychisch betreut werden kannst und Hilfe bekommst?

Du schreibst von helfenden Händen..aus der Familie oder über die Krankenkasse gestellt????

LG von einer fassungslosen Doreen


Beitrag von sweethardstyle 03.11.10 - 16:02 Uhr

Danke für deine lieben Worte!

Die Schmerztherapie wurde abgelehnt, weil ich vor einem halben Jahr erst zur Reha war. Leider hat diese Reha alles nur schlimmer gemacht.
Eine erneute Reha wird so schenll auch noch nicht genehmigt werden. Ein Versuch ist es aber dennoch wert.

Meine Familie hilft mir viel. Ich hatte eine zeitlang Unterstützung von einer Haushaltshilfe, die von der Krankenkasse bezahlt wurde. Leider sind die Stunden, die einem Versicherten zur Verfügung stehen, restlos aufgebraucht. Dort kann ich erst in 1 1/2 Jahren wieder anfragen, weil es sich um die selbe Erkrankung handelt.
Beim Jugendamt war ich auch schon. Aber auch dort kann man keine Hilfe erwarten. Die kümmern sich nur um Kinder, die vernachlässigt werden. Mein Sohn wird natürlich nicht vernachlässigt, obwohl ich denke, dass es in bestimmten Punkten schon so ist. Soll ich ihn erstmal ein paar Wochen hungern lassen, bevor da jemand hilft? #kratz

Ich verstehe nicht, wieso man jegliche Art von Hilfe ablehnt, obwohl sie wirklich angebracht ist. Es geht mir ja nicht um mich, sondern darum, dass mein Sohn wieder ein unbeschwertes Leben hat. Er kann nur glücklich sein, wenn ich es auch bin!

Beitrag von gluecksbaerchen80 03.11.10 - 16:16 Uhr

Also ich denke du solltest was die Schmerztherapie bzw. Reha angeht auf jeden Fall dranbleiben.

Du bist krank und dir muss geholfen werden.

Keiner muss mit Schmerzen leben.

Das muss selbst in unserem Land mit diesem Gesundheitswesen möglich sein. *kann ich nur den Kopf schütteln"

Ich arbeite in einer Allgemeinarztpraxis, ich hab schon viel mitgekriegt aber sowas hab ich noch nicht gehört.

Sprich mit deinem Arzt darüber (auch wegen der Medis, es gibt die Möglichkeit der Betäubungsmittel...sind besondere Rezepte), geh zur Krankenkasse und mach Druck. Nimm dir Unterstützung mit.

Und ich denke schon das dir auch aufgrund Einstufung mit Behinderung eine Hilfe zusteht.

Lass dich nicht abwimmeln.

Fühl dich dolle gedrückt #liebdrueck

Wenn du noch Fragen hast oder einfach mal jemanden zum reden brauchst, gerne auch über meine VK.

Doreen




Beitrag von sweethardstyle 04.11.10 - 11:36 Uhr

Danke für deine Antwort!

Ich bekomme schon Buprenorphin- Pflaster. Fentanyl vertrage ich leider nicht. Hydromorphon, Oxycodon, Morphin, usw. habe ich schon alles durch. Ich weiß gar nicht, wieso ich so eine hohe Tolleranz habe. Bei mir wirken die Medis nie richtig lange. Die müssen in regelmäßigen Abständen hochdosiert werden. Wenn die höchste Dosis erreicht ist, dann wird wieder zu einem anderen Wirkstoff gewechselt. Entzüge habe ich auch schon hinter mir, damit ich wieder mit der niedrigsten Dosis anfangen kann.
Zu den Pflastern bekomme ich noch ganz normale Schmerzmedikamente wie z.B. Novalminsulfon, Diclofenac und Ibuprofen 800. Für die Schmerzspitzen Temgesic.
Außerdem bekomme ich noch Medikamente, die die Muskeln entspannen (Ortoton und Tetrazepam).
Antidepressiva bekomme ich auch noch.
Eigentlich habe ich das Gefühl, dass meine Medikamente ganz gut aufeinander abgestimmt sind. Allerdings muss ich dazu sagen, dass mein Hausarzt mir alles zusammen gestellt hat.

Ich werde auf jeden Fall dran bleiben. Wenn ich nun nichts selbst erreicht, werde ich dem Sozialverband beitreten. Die werden schon wissen, wie sie mir helfen können. Alleine bin ich echt aufgeschmissen.

Was heißt denn VK? Sorry, bin erst seit gestern hier angemeldet und kenne mich noch nicht so gut aus.

Liebe Grüße,
Franzi