keine Mahlzeit ohne Stillen bei 11 Mon altem Baby -will aber abstillen

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von weingeist79 04.11.10 - 09:51 Uhr

Hallo zusammen, ich bin am Vrzweifeln mit dem Essverhalten meines 11 1/2 Monate alten Sohnes. Ich stille immer noch so gut wie voll, d.h. es gibt keine Mahlzeit ohne Stillen. An guten Tagen ist er in der Krippe ca. 80g Gemüse-Fleisch-Brei und später nochmal ein paar Häppchen Obst oder Brot. Das sind aber alles keine Mengen, die eine Stillmahlzeit ersetzen. Da ich aber in einem Monat wieder anfange zu arbeiten, muss sich daran etwas ändern! Er akzeptiert keine Milch, die nicht aus der Brust kommt (diverse andere Behältnisse habe ich schon ausprobiert). Wenn ich oder sein Papa mit dem Löffel ankommen, ist das Geschrei meist schon vor dem ersten Happen riesig. Dann ist an Essen nicht mehr zu denken.
Von allen Seiten höre ich nur zwei Lösungen: Zeit lassen - die habe ich aber nicht; er ein paar Tage wegfahren um radikal abzustillen - was mit derzeit der einzige Weg zu sein schein. Hat jemand hierzu Erfahrungen? Wie läuft das ab, wie geht es dem Kind dabei und danach, hat sich im Verhalten des Kindes etwas verändert?
Vielleicht fällt jemandem auch noch eine Möglichkeit ein, das Stillen nicht ganz aufzugeben. Eigendlich würde ich früh und am Abend gern noch weiter stillen.

Liebe Grüße
weingeist79

Beitrag von anarchie 04.11.10 - 10:26 Uhr

Hallo!

ich finde es absolut pervers und grausam ein so kleines Kind durch wegfahren abzustillen!#schock:-[

ich persönlich würde abgepumpte Muttermilch in die Kirppe mitgeben, wenn er Hunger hat, wird er diese aus dem becher schon nehmen.
Und er wird - gezwungenermassen - mehr essen.
Morgens, abends und nachts kann er dann ja weiterstillen.

das heisst, nein, ich persönlich würde einen weg finden, meine gesetzlich festegelegten stillpausen wahrzunhemen und meinem kind diesen Zwang ersparen.

lg

melanie mit den 4 Mäusen

Beitrag von weingeist79 04.11.10 - 14:00 Uhr

Tja, das mit der Muttermilch mit in die Krippe geben haben wir schon durch, leider ohne Erfolg! Die einzige Folge: Er trank tagsüber etwa 70ml Milch uns seinen restlichen Bedarf am Abend und in der Früh. Dieses Resultat finde ich aber für die Einführung regelmäßiger Mahlzeiten eher hinderlich. Ich glaube es ist dann noch schwieriger ihn an richtiges Essen zu gewöhnen.

LG
weingeist

Beitrag von karbolmaeuschen 04.11.10 - 12:10 Uhr

Liebe weingeist79!

1. Beim Abstillen hilft Dir jede Stillberaterin. Eine Stillberaterin findest Du hier:
http://www.afs-stillen.de/front_content.php?idcat=83
Die Beratung ist kostenlos, da wir alle ehrenamtlich arbeiten.

2. Arbeiten ist für das Stillen kein Hindernis. Ich arbeite vollzeit jeweils 12 Stunden Dienste in der Krankenpflege und stille.

3. Du bist nämlich solange Du stillst durch das Mutterschutzgesetz geschützt. Dass bedeutet:
Du hast während der Arbeitszeit gesetzlichen Anspruch auf "Stillzeit", die dir voll bezahlt wird!

Gesetzlich geregelt sind das mindestens zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal täglich eine Stunde. (gerechnet auf eine Arbeitszeit von 8 Std.)

Bei einer zusammenhängenden Arbeitszeit von mehr als acht Stunden hast Du Anspruch auf eine Stillzeit von zweimal mindestens 45 Minuten oder, wenn in der Nähe
der Arbeitsstätte keine Stillgelegenheit vorhanden ist, einmal eine Stillzeit von mindestens 90 Minuten.

Die Arbeitszeit gilt als zusammenhängend, soweit
sie nicht durch eine Ruhepause von mindestens zwei Stunden unterbrochen wird.

4. Die Stillzeit darf von stillenden Müttern nicht vor- oder nachgearbeitet und nicht auf die in dem Arbeitszeitgesetz oder in anderen Vorschriften festgesetzten Ruhepausen
angerechnet werden.
Sprich: die gesetzlichen Pausen hast Du zusätzlich zur "Stillzeit"!

http://www.afs-stillen.de/upload/faltblaetter/FB-2010-StillenBeiErwerbstaetigkeit.pdf

Wenn Du weitere Fragen hast (auch zum Abstillen direkt, dann gerne über die VK)

LG Silke
Stillberaterin AFS

PS:
Es ist so: Da Du schon über einen gewissen Zeitraum gestillt hast, wird die Milchbildung nicht so stark vom Prolaktin (dem Milchbildungshormon) beeinflußt, sondern durch die Entleerung der Brust.

Daher ist es medizinisch nicht zweckmäßig das Prolaktin über Abstilltabletten zu hemmen, da trotzdem Milch gebildet wird.

Es ist bekannt, dass Prolaktinhemmer (sog. "Abstilltabletten") sehr starke Nebenwirkungen haben.
Aus diesem Grund sind sie in einigen EU-Ländern auch nicht zugelassen.

Dies betrifft Bromocriptin, Kirim, Pravidel, Dopergin, Dostinex, Liserdol und Norprolac.

Beitrag von weingeist79 04.11.10 - 14:10 Uhr

Hallo Silke, ist ja super was Du alles zusammen getragen hast. Vielen Dank!!
Die Abstilltablette habe ich für mich auch schon ausgeschlossen.
Nun zu den gesetzlichen Stillzeiten: Ich werde 6h am Tag arbeiten. Habe ich da auch Anspruch auf 1h Stillpause am Stück? 1/2 h reicht nämlich nicht aus, um in die Kita zu fahren, zu stillen und wieder auf Arbeit zurück. Theoretisch könnte ich auf Arbeit Stillen, habe aber niemanden der mir meinen Süßen bringen könnte.

LG weingeist

Beitrag von karbolmaeuschen 04.11.10 - 20:52 Uhr

Liebe Weingeist. Der Gesetzestext lautet so:
http://www.gesetze-im-internet.de/muschg/__7.html

Ich vermute, dass die Stillzeit immer in Verbindung mit der Arbeitszeit steht (sicher bin ich mir jedoch nicht...)
Sprich:
8 Std. Arbeit= 1 Std. Stillzeit.
6 Std. Arbeit= 45 Minuten Stillzeit.
4 Std. Arbeit= 30 Min. Stillzeit.

Genaue Auskunft dazu kann Dir aber das Gewerbeaufsichtsamt Deiner Stadt geben.
Das Gewerbeaufsichtsamt ist die zuständige Behörde für die Einhaltung von Vorschriften des Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutzes. Ihr obliegt die Überwachung und die Erteilung von Genehmigungen der ihr zugewiesenen Vorschriften.
Sprich auch die Überwachung der Einhaltung des Mutterschutzgesetzes durch den Arbeitgeber unter dessen §7 eben die gesammte Stillzeit fällt.

Vieles ist möglich, aber auch vom Arbeitgeber abhängig. Dein Arbeitgeber MUß Dir die 45 Minuten geben. Wenn Du aber mit ihm sprichst bekommst Du sicherlich eine Pause von 15 Minuten (die Du dann allerdings nacharbeiten mußt) dazu. Viele Arbeitgeber sind da sehr kooperativ:-).

Ansonsten besteht ja auch immer die Möglichkeit auf der Arbeit abzupumpen. Der Arbeitgeber ist ja verpflichtet Dir einen ungestörten (abschließbaren) Stillraum zur verfügung zu stellen...:-)
Sollte er das nicht tun, wird er durch das Gewerbeaufsichtsamt dazu gezwungen.

Das geht am einfachsten mit einer elektrischen Milchpumpe. Zu den besten Milchpumpen gehören die Medela Symphony (1600€) und die Ameda Elite (1000€). Zum Selbstkaufen sind sie nicht. Sie werden auf Rezept verschrieben. Dann fällt nur eine Rezeptgebühr von etwa 5€ für 4 Wochen an.
Auf dem Rezept muß Stehen: Elektrische Intervallmilchpumpe, Typ Medela Symphony mit Doppelpumpset leihweise für 4 Wochen. Diagnose: (Z.B. Milchstau )
Mit der Diagnose Milchstau ist die Verordnung einer Milchpumpe auf die Mutter ohne Probleme auch bis deutlich nach dem ersten Lebensjahr möglich.

Ich hatte meine Leihpumpe wie gesagt über 9 Monate (vom 10.-19. Lebensmonat meiner Tochter).
Ich habe die Muttermich auf der Arbeit eingefroren und meine Tagesmutter hat sie meiner Tochter dann in der Flasche erwärmt vor dem Mittagschlaf gegeben.
Das ging sehr gut.

Nochmal zu Deinem Kleinen:
Du kannst ja morgens 15 Minuten früher in die Kita fahren und ihn dort nochmal stillen.
Vormittags bekommt er dann einmal "Mami in Flasche" und wenn Du ihn abholst stillst Du direkt in der Kita wieder.

Die gepumpte Milch mußt Du dann auch nicht mit nach Hause nehmen, da Du sie gleich für den nächsten Tag dortlassen kannst. (Jede Kita hat einen Gefrierschrank.)

Bei weiteren Fragen, gerne wieder.

LG Silke
Stillberaterin AFS

Beitrag von rmwib 04.11.10 - 12:41 Uhr

Ich sag Dir das nur ungern, aber es ist in dem Alter zu spät um radikal abzustillen. Überleg mal bitte, was da in dem Kind vorgeht... Dein Kind kennt das, das ist seine Sicherheit, sein Rückzugsort, das was er von Geburt an kennt- durch die KITA usw. stehen ja momentan ohnehin große Veränderungen an, parallel dazu abzustillen finde ich persönlich total unpassend.

Was ist denn mit Deiner Zeit, die Du nicht hast #kratz arbeitest Du in der Chemie o.ä., dass Du nicht weiterstillen kannst?

Ich kann Dir nur von uns sagen, er nimmt es wie es kommt. Kam mit 11 1/2 Monaten vollgestillt in die KITA und hat da ganz schnell geschnallt, dass man mitessen muss, wenn man keinen Hunger haben will, weil Mama erst nachmittags/abends wieder da ist ;-)
Ich hab dann weit bis ins 2. Lebensjahr hinein immer gestillt, nachdem ich ihn abgeholt habe, das sind wir jetzt zum Großteil los auch wenn es ganz hin und wieder nochmal vorkommt... und halt abends zum Schlafen, ab und zu nachts und morgens.
Wenn ich nicht da bin, ist es kein Thema, bin ich da, will er es aber gerne noch. Und ich werd ihm das auch lassen, zumindest momentan noch. Er ist jetzt 25 Monate und ich denk mal dann irgendwann bald auch in einem Alter, wo man besser erklären kann, dass das nicht mehr wirklich notwendig ist und das ganze langsam ausschleichen zu lassen ;-) so wie ich es jetzt halt tagsüber schon mache ;-)

Beitrag von weingeist79 04.11.10 - 14:31 Uhr

An das Chemie-Thema habe ich ja noch gar nicht gedacht. Ich werde zwar nicht den ganzen Tag mit bedenklichen Stoffen zu tun haben, aber hin und wieder schon. #gruebel Muss ich mal darüber nachdenken.
z.Z. geht mein Sohn nur bis zum Mittagessen in die Krippe, da ich mich nicht so recht traue das stillen nach dem bischen Essen wegzulassen. Dahingehend hatten wir zu Hause schon zwei Versuche, nach denen er erst mal keinen Löffel mehr angerührt hat. Aber in der Krippe ist es vielleicht wirklich etwas anderes, so dass ich es wohl nochmal riskieren werde.