Freund meines Sohns benutzt heftigste (!!!) Ausdrücke!

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von schneckchen2202 04.11.10 - 12:05 Uhr

Hallo,

ich habe sehr lange überlegt, ob ich mich mit meinem Problem an die "Öffentlichkeit" wende.

Also:

Seit geraumer Zeit benutzt der Freund meines Sohnes (7,5 Jahre) - unser Nachbarskind - Ausdrücke wie "Hurensohn", "Kinderficker", "Wichser" etc. Mein Sohn hat diese Ausdrücke natürlich nachgeplappert und wir haben ihm erklärt, dass das ganz schlimme Ausdrücke sind, die er niemals benutzten darf, was er - laut ihm - auch verstanden hat.

Ich habe unseren Nachbarsjungen gefragt, ob er denn überhaupt weiss was diese Ausdrücke bedeuten und ihm zu verstehen gegeben, dass solche Ausdrücke bei uns nicht gesagt werden, ansonsten kann er sofort nach Hause gehen. Er weiss natürlich nicht, was es bedeutet.

Mit der Mutter des Sohnes haben wir ein leicht angespanntes Verhältnis. Wir reden zwar normal miteinander, aber nur wenn es um die Kinder geht. War früher mal anders, aber das ist eine andere Geschichte.
Eine andere Mutter hat mich schon darauf angesprochen, ob ich auch schon mitbekommen hätte, dass unser Nachbarsjunge diese Ausdrücke benutzt, was ich natürlich bejaht habe. Aber sie meinte auch, mit der Mutter braucht man gar nicht darüber sprechen, weil sie meint, dass ihr Sohn soetwas nicht macht.

Der Junge hat es auch nicht leicht, da sich seine Eltern erst vor kurzem getrennt haben und er m. E. sehr darunter leidet. Eigentlich ist er ein ganz netter Kerl.

Mein Sohn kommt ständig nach Hause und sagt, dass unser Nachbarsjunge wieder die o. g. Ausdrücke zu ihm gesagt hat. Immer wieder "impfen" wir unserem Sohn ein, dass er auf keinen Fall diese Ausdrücke benutzen darf.

Sobald bei uns so ein Wort fällt, schicke ich ihn sofort nach Hause. Er macht es aber immer so geschickt, dass wir es nicht mitbekommen.

Ich weiss nicht mehr, wie ich mich jetzt verhalten soll. Soll ich die Freundschaft erst mal auf Eis legen? Soll ich meinen Sohn selber entscheiden lassen, ob er weiter mit unserem Nachbarsjungen spielen will oder nicht?

Wie würdet Ihr Euch verhalten.

Gruß schneckchen2202





Beitrag von miss-bennett 04.11.10 - 12:17 Uhr

Hallo!

Mir tut das Kind leid. Und Dir scheint es auch nicht anders zu gehen.
Meine Tochter hat eine ähnliche Freundin und ich war kurz davor, das Kind für eine Weile vor die Tür zu setzen.

Da kam aber mein Mann auf die tolle Idee, dem Kind zu helfen. Also haben wir uns die zwei Mädchen geschnappt, waren mit ihnen ganz normal unterwegs, als wäre die andere unser Kind. Sie durfte bei uns schlafen und bei allen Hausdiensten mitarbeiten. Gekocht hat man auch gemeinsam. Wir haben sie komplett integriert. Wenn sie mal wieder ausfallend wurde, haben wir es einfach ignoriert und sie ganz "normal" behandelt...

Ihrer Mutter hat es irgedwann gestunken und dann kam sie mal zum Kaffee - zum ersten Mal im Leben! Sie wollte wissen, was ihre Tochter so toll an unserer Familie findet. Sie hätte ihr dauernd von uns geschwärmt, bis die Mutter eben fast eifersüchtig wurde. Wir haben ihr klar gemacht (aber nur weil sie bereit war zuzuhören), das ihre Tochter bei uns genauso behandelt wird wie unsere Kinder. Und auch, dass uns ihre Kraftausdrücke kalt lassen. Da ging ihr das Licht an #aha Die Kleine tat es zu Hause nur, um bei der Mutter aufzufallen, sie fühlte sich vernachlässigt (da da gerade eine üble Scheidungsschlacht lief, war die Mutter ziemlich fertig)... und die Kleine tat esdann auch bei anderen Menschen...

Wie es jetzt bei Euch zutreffen könnte, weiss ich nicht, aber hoffentlich kann irgendjemand einen Weg finden, um dem Jungen zu helfen, damit aufzuhören

Keep cool #cool

Beitrag von juniorette 04.11.10 - 13:07 Uhr

Hallo,

"Mein Sohn kommt ständig nach Hause und sagt, dass unser Nachbarsjunge wieder die o. g. Ausdrücke zu ihm gesagt hat."

1) halte ich nicht viel von Petzen bei solchen Dingen, wo kein wirklicher Schaden entstanden ist bzw. entstehen könnte. Ich würde dies also als Anlass nehmen, meinem Sohn den Unterschied zwischen Petzen und Weitererzählen von Situationen, bei denen Sachen oder Personen zu Schaden gekommen sind oder kommen könnten, zu erklären.

2) würde ich meinen Sohn fragen, warum er mir das erzählt, außer damit ich sauer auf seinen Freund werde und ihm deswegen den Umgang mit seinem Freund verbiete.

3) bin ich nicht so aufopferungsvoll wie Miss Bennett und biete einem fremden Kind die Familie, die es im Elternhaus nicht bekommt. Hab ich bei unserem Nachbarskind ansatzweise gemacht, hat aber nur dazu geführt, dass meine Nachbarin dies ausgenutzt hat und ihr Kind ganz gezielt zu uns geschickt hat #augen

Ein Kind, das sich nicht an die Regeln in meinem Haus hält, wird von mir nach einmaliger Ankündigung nach Hause geschickt.
Ein Kind, welches daraus offensichtlich nichts lernt, wird gar nicht mehr in mein Haus gelassen.

Natürlich habe ich Verständnis für die schwierige Situation, in der ein Kind eventuell steckt.
Aber überhaupt KEIN Verständnis habe ich dafür, wenn ein Kind, das von seinen Eltern (warum auch immer) zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und bei mir diese bekommt und sich deswegen wohl fühlt, nicht zeitnah lernt, dass es auch was für den Vorteil, bei uns sein zu dürfen, tun muss - nämlich sich an gewisse Regeln halten.

Das Kind ist mit Sicherheit ein armes Schwein (war mein Nachbarskind auch), aber Gefälligkeiten sind keine Einbahnstraße und das sollte ein 7Jähriger wissen.

LG,
J.

Beitrag von jazzbassist 04.11.10 - 13:09 Uhr

Warum möchten Sie diese Freundschaft auf Eis legen?

Ich würde diesen Schritt nur in Erwägung ziehen, wenn ich das Gefühl hätte, dass mein Sohn alleine eine solche Entscheidung nicht mehr treffen könnte, ob er noch mit jemanden spielen möchte oder doch nicht mehr. Aber - dass scheint es ja bei Ihnen nicht so zu sein, sondern eher, dass Ihnen an diesem Kind irgendetwas stört. Was eigentlich genau? Das er zu Hause eine sicherlich unschöne Familiensituation hat? Das er hier mit solchen Ausdrücken ziemlich offensichtlich um "Hilfe" schreit, um da irgendwie Aufmerksamkeit zu bekommen? Was ja - ganz zweifelsohne - gut funktioniert.

Was würde ich machen... Mehr oder weniger das Gleiche, wie bei meinem Sohn. Wenn er ein Wort erklärt haben möchte, darf er mich gerne fragen, ansonsten möchte ich diese Worte in meinem Haus (und von ihm generell) nicht hören. Falls das doch mal rausrutscht, erwarte ich da schon eine Entschuldigung, und, sollte das häufiger vorkommen, können die für den Rest des Tages draußen (oder gar nicht mehr) weiterspielen. Ein fremdes Kind kann ich da schlecht erziehen; lediglich - wie miss-bennett (cooler nickname übrigens [mein Sohn guckt seit einigen Wochen heroes...] :-p) - hier ein schöneres Familienleben vorzuleben.

Für meinen Sohn gilt die Erweiterung, dass er ärger mit seinem Papa bekommt, sollte er solche Wörter/Ausdrücke in der Erwachsenenwelt verwendet. Aber - ich kann ihn ja schlecht von allen Kindern fernhalten, die etwas seltsam oder stellenweise schlecht erzogen sind. Dann hätte ich ihn nie in den Kindergarten, der Grundschule und dem Gymnasium stecken dürfen.