Bin ich nicht normal??

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von babygirlinside 04.11.10 - 15:13 Uhr

Hallo,

ich wollte mich mal vorstellen, meine Tochter ist zwar schon fast 9 Monate alt, aber ich war bisher immer eine stille mitleserin. Meine Tochter kam in der 34. ssw per Sectio zur Welt. ich lag davor 6 Wochen im Krankenhaus. Meine Maus wollte einfach nicht mehr wachsen, obwohl die versorgung gewährleistet war. In der Zeit im Krankenhaus habe ich eine schwere Gestose bekommen, die sich nach der Schwangerschaft zu einem Nephrotischem Syndrom entwickelte. Und das will sich bis heute nicht richtig einpendeln.

Als Fiona dann am 09. Februar geholt wurde ging es ihr von Anfang an super. Sie war aber sehr sehr zierlich. Sie wog 1640g und war 44cm "groß"

Die hat sofort selbstsändig geatmet und wurde uns auch noch im Operationsraum gezeigt und kurz auf die Brust gelegt zum "Küsschen geben" und zum "Hallo sagen".

Ihr geht es auch heute super, sie entwickelt sich auch prächtig...

ABER:

Ich kann die schwere Zeit vor der Geburt und auch die Geburt an sich nicht verarbeiten. Eine Bekannte von mir hat vor ca. 3 Monaten ein gesunden Jungen auf natürlichem Wege zur Welt gebracht. Sie hat sie komplette Schwangerschaft geraucht und auch jetzt, wo sie stillt tut sie das.
Ich habe einen richtigen Hass darauf. Ich bin so neidisch, dass sie eine komplikationslose Schwangerscgaft hatte, obwohl sie damit so leichtigsinnig umgegangen ist.

Ich schäme mich richtig für diese Gedanken und konnte sie bisher mit niemanden in meinem Leben teilen. Wenn ich versucht habe mit anderen über die, für mich schwere Zeit zu sprechen habe ich immer nur zu hören bekommen, ich soll doch jetzt endlich mal Ruhe geben, da es meiner Tochter ja gut gehen würde. Und das ich einfach zu jung sei, damit umgehen zu können.

Darum meine Frage, sind diese Gedanken "normal"?? Übertreibe ich?? oder liegt es wirklich daran, dass ich noch so jung bin?


Liebe Grüße Linda mit Fiona, die gerade schläft #verliebt#verliebt#verliebt

Beitrag von yanktonai 04.11.10 - 15:20 Uhr

Liebe Linda,

ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Gibt es bei Dir in der Nähe vielleicht einen Gesprächskreis von Frühcheneltern? Ich gehe zu einem, der von unserem KH organisiert wird. Es tut sehr gut, mit Gleichgesinnten zu sprechen. Nur wer selbst so etwas erlebt hat, kann nachvollziehen, wie man sich fühlt und dass der Schmerz nicht so schnell verfliegt.

LG

Beitrag von madmat 04.11.10 - 15:44 Uhr

Hallo,


ich kann das gut nachvollziehen, denn auch mir geht es so.
Ich bin nicht unbedingt neidisch, auf andere komplikationslose Schwangere. Habe aber wirklich Wut im Bauch, wenn ich von Frauen höre oder lese, wie sie ihre Ss vorzeitig beenden können,.. weil der Bauch im Weg ist, sie nachts nicht mehr ordentlich schlafen können... Also nichtige Gründe.
Früher habe ich vielleicht ein Stück weit genauso gedacht, aber nach der Ss und Geburt mit meiner Tochter hat sich das drastisch geändert. Man weiß eben, wie schwer das alles sein kann.
Vielleicht haben wir auch einen noch stärkeren Beschützerinstinkt, weil eben vieles bei uns schief lief,... unsere Mäuse schon so leiden mußten...

Liebe Grüße

Beitrag von mamantje 04.11.10 - 16:39 Uhr

Hallöchen,

ich kann dich super gut verstehen... mir geht es genauso. Und meine Maus wird in 3 Wochen schon 1 Jahr alt #verliebt

Meine eigene Mutter macht mich immer total fertig. Ich bin mittlerweile sowas von enttäuscht von ihr :-( ... Kein Mensch, aber auch wirklich keiner, der es nicht ansatzweise selbst erlebt hat... all die Sorgen, all den Kummer #heul kann das nachvollziehen was du empfindest.

Ich kann zu diesem Thema eigentlich selbst gaaanz schlecht Ratschläge geben... aber ich fürchte, dass es wirklich nur was bringt die Ohren auf Durchzug zu stellen und sich stattdessen mit Leuten darüber zu unterhalten, die einem zuhören und auch verstehen.

Wenn Jemand hier noch einen tollen Tipp hat, dann würde auch ich diesen gerne lesen...

Liebe Grüße
Antje und Liliana #herzlich

Beitrag von bobinha 04.11.10 - 19:05 Uhr

Hi

Ich weiß was du meinst. Mein Sohn ist schon fast 20 Monate alt und langsam wird es besser. Klar gibt es auch immer wieder schwarze Tage, aber im Normalfall genieße ich das Leben und vor allem meinen Sohn.

Ich kann es auch nicht sehen wenn Mütter oder Schwangere fröhlich ihre Kinder zuqualmen. Und viele von denen haben mehrere gesunde Kinder mit Traumschwangerschaft hinter sich. Ja das Leben ist nicht immer fair. Aber das ist es in anderen Dingen auch nicht und wir müssen damit umgehen können. Mir hilft es, dass ich weniger versuche auf andere zu schauen, sondern mein Leben anschaue und versuche immer die positiven Dinge in meinem Leben zu sehen. Nennt sich Gedankenkontrolle und ist sehr hilfreich. Versuche manche Gedanken bewusst nicht zu denken. Kann ich nur empfehlen. ;-)

Liebe Grüße Bobinha mit albernen Mitnäher

Beitrag von bieni01 04.11.10 - 21:01 Uhr

Hallo,

auch ich kann Dich sehr gut verstehen!
Manchmal denk ich, ich muss mir Hilfe holen.

Meine Tochter ist fast 9 Monate alt. Sie kam bei 34+5 per Sectio und hatte eine Schocklunge. Sie ist komplett dekompensiert so das man uns sogar sagte das sie es evtl. nicht schaffen könne.#heul
Die ganze SS war schon Scheiße, davor 3 Fg's und dann denkt man, jetzt endlich Mama und dann wieder sowas!

Neulich dachte ich, ich wäre SS. Ich habe so eine Panik bekommen. Alle Bilder waren plötzlich wieder da#schmoll Ich dachte auf keinen Fall schaff ich das zu diesem zeitpunkt nochmal und habe erstmal gemerkt wie traumatisiert man eigentlich ist. Mein Mann kann zB immernoch nicht das Mützchen sehen was sie zum Schutz vor dem auskühlen auf dem Kopf hatte!

Als wir 3 Wochen später mit unserer gesunden Tochter das Krankenhaus verließen, traute ich meinen Augen nicht! Da standen die Babybettchen in der Empfangshalle des Krankenhauses. ich denk noch wie kommen die hier hin, dann sah ich das die Mütter vor der Tür standen und rauchten:-[ Ich kann Dir gar nicht sagen wie wütend ich war! Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte ihnen eine rein gezogen!:-[

Es geht ungerecht zu auf der Welt, daran kann man nichts ändern!

Wichtig ist das wir unseren Wurmi auf dem Arm haben und ihm all diese Liebe geben die wir nur können!

Bieni

Beitrag von odupo 05.11.10 - 09:33 Uhr

Hallo,

mir geht es auch immer noch so, obwohl meine Kleine schon 2 Jahre alt ist.
Wenn ich darüber rede oder schreibe dann kommt auch alles wieder hoch.

Warum durfte sie nicht länger bei mir bleiben und das es meine Schuld ist usw.

Bin aber mehr neidisch auf die, die sich trauen ein zweites Kind zu bekommen, weil ich mich das nicht mehr traue.

Habe zuviel Angst das da wieder so ein kleiner Wurm ums Überleben kämpft.

Aber am Meisten freue ich mich das meine Kleine so topfit ist und mich jeden Tag mit neuen Fähigkeiten oder Worten überrascht.

Bin einfach froh das sie alles so gut gemeistert hat!!

Das mit dem Beschützerinstinkt was hier auch erwähnt wurde kenne ich auch, lasse nichts auf meine Kleine kommen, blöde Sprüche kommen nämlich immer noch genug.

"Sie hat ja schon FAST alles aufgeholt", der Satz macht mich immer wahnsinnig, weil es da nichts mehr gibt zum Aufholen!:-[

Drück Dich mal und erfreu Dich an Deiner Kleinen, davon hast Du mehr! ;-)

Liebe Grüsse

Gertrud und Nathalie Elena (31.ssw, 2 Jahre)

Beitrag von aggiema 05.11.10 - 13:33 Uhr

Hallo Linda,

ja, ich weiß genau was du meinst. Und du bist völlig normal. So normal, wie eine Frühchen-Mama halt sein kann, die dieses Trauma durchlebt hat.

Ich war/bin auch neidisch wenn ich andere Schwangere sehe, die "richtig" schwanger sein dürfen. Wer dann noch sein Kind unnötigen Risiken aussetzt, der steht bei mir auch auf der Abschuss-Liste.

Meine Tochter (kam bei 26+0) ist inzwischen 3 Jahre alt und topfit. Trotzdem habe ich auch heute noch einen extremen Gesprächsbedarf über diese schlimme Zeit. Ich kriege dann auch total oft zu hören: "Was denn, irgendwann muss doch mal gut sein, deine Maus ist gesund, also lass doch mal endlich gut sein!" Und es hat nichts mit DEINEM Alter zu tun, bei Leanas Geburt war ich 39 Jahre alt.

Ich drücke euch die Daumen und such dir Leute mit denen du reden kannst, du kannst mir auch gerne über VK schreiben, ich weiß was du fühlst......

LG
Astrid, die ihre Maus gleich aus dem Kindergarten holt.

Beitrag von nantke 05.11.10 - 14:16 Uhr

Hallo Linda,
mir geht es genauso. Meine Lütte ist in der 28 ssw, mit 1020 g und 35 cm zur Welt gekommen und hat eigentlich alles ganz gut gemeistert. Manchmal bin ich ein wenig neidisch wenn andere Mütter eine "ganz normale" Schwangerschaft durchleben. Ich selber habe inzwischen für mich entschieden, dass ich kein zweites Kind mehr möchte. Ich habe einfach noch immer zu viel Angst, alles nochmal zu erleben.
Als unsere Tochter endlich zuhause war, konnte ich mir anhören, dass ich so übervorsichtig bin, nur weil jemand der uns besuchen wollte eine dicke Erkältung hat. Sie wäre ja schon drei Monate alt und ich soll sie wie ein "normales" Baby behandeln. Es wurde einfach übergangen, dass sie da gerade mal 2.100 g wog.

Es wird aber immer besser...
Ich freue mich jedenfalls dass sie heute ein ganz normal entwickeltes Mädchen ist. Sie ist wie jede andere 2jährige auch....

Liebe Grüße
Nantke

Beitrag von kleinemicki 07.11.10 - 22:50 Uhr

Hallo Linda,

ich weiss wie Du fühlst.
Marie Amelie musste am 26.12.2008 in der 34.SSW per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt werden da bei mir HELLP mit schwerer Präklampsie festgestellt wurde.
Nach der Geburt wurden wir beide sofort für 3 lange Tage getrennt.
Bis heute kann ich die Geburt und die sofortige Trennung nicht verarbeiten, jeden Abend wenn ich im Bett liege habe ich die Bilder der Geburt vor mir.

Wir durften Marie Amelie bereits 2 Wochen nach ihrer Geburt mit nach Hause nehmen und auch sonst hat sie sich super entwickelt.
Warum nur bekommt man die Gedanken von damals nicht aus dem Kopf?
Auch ich bekomme zu hören, dass ich mir umsonst und schon viel zu lange Gedanken über die damalige Situation mache - es versteht keiner weil doch jetzt alles gut ist.....

Liebe Grüße
Nicole