Eltern beide taub - Frage

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von fionala 04.11.10 - 16:16 Uhr

Hallo zusammen,

vorneweg ich bin nicht selbst betroffen.

Im Nachbarhaus wohnt eine kleine Familie. Vater und Mutter taub. Sie haben eine kleine Tochter im alter von 5 Jahren. Ich habe sie als herzensgute Menschen kennengelernt (vorallem die Mutter, mit ihm hatte ich noch nicht viel zutun gehabt).

Das Mädchen ist sehr zurückhaltent und schweigsam. Spricht auch nicht viel mit anderen Kindern (zb. auf dem Spielplatz). Nun hab ich schon öfters mitbekommen das ein Riesengeschrei war. So gut wie jeden Morgen.
Ich machte mir Sorgen und konnte es erst nicht ganz zu ordnen (es wohnen mehrere Kinder in dem Alter bei uns hier in der Straße). Es hörte sich wirklich schlimm an, und ich hatte echt Angst, das einem Kind was getan wird. #zitter Man liest ja heute so viel.

Nun stand ich heute Morgen auf dem Balkon und sah mit an wie der Vater mit der kleinen unterwegs war. Sie schrie wie am Spieß. Das fing auch schon vorher an, und ging so gut wie ununterbrochen weiter über eine Stunde. Er "redete" ganz behutsam auf sie ein. Und sie schrie ihn weiter an und gestikulierte ganz wild.

Nun meine Frage, kann es sei, das die kleine es nicht ganz begreift das ihre Eltern sie nicht hören können und sie deswegen immer lauter wird?
Ich fragte mich das dann, ob es daher kommen könnte.

Ich hoffe die Frage wird nicht falsch aufgefasst, es beschäftigt mich einfach nur.

Lieben Dank schonmal für eure Antworten! #blume

Beitrag von barbarelle 04.11.10 - 19:43 Uhr

Hallo Fionala,

das wilde Gestikulieren *könnte* Gebärdensprache sein. Ich kenne auch ein Ehepaar, die haben 2 Kinder aber auch eine Betreuerin vom JA an der Seite, die mit den Kindern spricht, damit die Kinder überhaupt sprechen lernen. Von den Eltern konnten sie das logischerweise nicht. Die Kinder sind beiden hörend.

Da die Gehörlosen Eltern häufig komische Geräusche bei der Gebärdensprache machen, ist es interessant wie sich auch die Kinder mit den Eltern unterhalten.

Sie nutzen die Gebärdensprache und geben total merkwürdige Geräusche von sich - als würden sie würgen oder sich jeden Moment übergeben.

Wenn wir uns mit ihnen unterhalten, geht das ganz normal. Vielleicht sprichst du mal mit dem Kind um zu sehen, über welchen Wortschatz es verfügt. Sicher besucht es doch auch einen Kindergarten?

Vielleicht hat das Kind es noch nicht verinnerlicht, dass ihre Eltern nicht hören und denkt, wenn sie nur laut genug schreit, wird es schon irgendwie hinhauen?

Alles nur Spekulation. Man weiß es leider nicht und es ist schwer die Situation richtig einzuschätzen.

LG
BArbarelle



Beitrag von lettie-lei 06.11.10 - 15:31 Uhr

Ganz ehrlich! Woher sollen eigentlich taube Eltern wissen,w as laut ist? Und wie sollen sie ihren Kindern vermitteln, dass etwas laut ist? Und das Lautstärke stört und Aufmerksamkeit mit sich zieht?
Wenn Dein Kind laut ist, kannst Du reagieren, aber reagier mal auf etwas, von dessen Existenz Du nicht viel oder gar nichts weißt!

Lg von Lettie die ihr Gehör zu 86 Prozent verloren hat

Beitrag von fruchtzwergerl72 06.11.10 - 18:58 Uhr

Meine Schwiegereltern sind auch beide taub und haben mit Hilfe der Oma ihre Kinder gut erzogen bekommen... nur... die beiden haben auch sehr oft mit ihren Kindern "geschrien" tun sie heute noch!!!
Aber sie wissen ja nicht das sie schreien, sie hören sich ja selbst nicht!
Auch wenn sie Gebärden benötigen sind lautere Töne an der Tagesordnung. Es ist schwer zu verstehen, aber man gewöhnt sich daran, wenn man dann mitbekommt das nicht "geschrien" wird, sondern es eigentlich eine harmlose Kommunikation ist.
Meine Tochter hatte Anfangs auch sehr daran zu knabbern, aber mit der Zeit verstehen sie es, aber leider wird regelmässig auch vergessen das Oma und Opa nicht hören können.

Liebe Grüße

Carmen

Beitrag von fionala 08.11.10 - 20:38 Uhr

Erstmal vielen lieben Dank für eure Antworten!

Ich wollt noch sagen, zuerst wusste ich ja nicht genau welches Kind das ist.

Ich meinte es auch nicht böse oder negativ. Machte mir halt gedanken
ob es sein könne das die kleine es noch nicht ganz begreift das sie sich über die Lautstärke nicht bemerkbar machen kann.

Ich machte mir einfach ein wenig sorgen. Man hört jeden Tag ein Kind wahnsinnig schreien und kreischen (also nicht nur laut "reden" sondern auch unter tränen). Und wie ich schon sagte, man liest ja heute so viel. Und ich mag niemand sein der weg hört oder weg schaut. Nur als ich dann sah das es halt um die Tochter des tauben Ehepaares handelt, dachte ich mir schon das es daher kommen könne, das sie sich nicht bemerkbar machen kann.

Ich hoffe ihr habt euch nicht angegriffen gefühlt habt. #blume Das war nicht mein begehren und ich will auch niemanden runtermachen.
Ich hoffe ihr versteht wie mein Text gemeint war.

Liebe Grüße
Fionala

Beitrag von barbarelle 11.11.10 - 09:54 Uhr

Hallo Fionala,

mach dir keine Sorgen, ich denke dein Text wurde schon richtig verstanden. Ich finde es Toll, dass du Fragst und dich informierst. Durch die Antworten erweitert sich doch der Horizont ungemein.

Hätte ich die Erfahrung mit meinen Gehörlosen Bekannten nicht gemacht, würde ich ähnlich denken wie du.

Weiterhin find ich die Antworten für mich ebenfalls interessant, deckt es sich doch mit den Erfahrungen die ich gemacht habe.

Im Grunde genommen kann es schon auch sein, dass das Kind verzweifelt ist. Es merkt ja, das etwas "anders" ist und wenn sie so reagiert, ist das kindgerecht und normal. Ich hoffe und wünsche der kleinen nur, dass sich wenigsten Sozialarbeiter ein wenig um alles kümmern.

LG
Barbarelle