Schwager nach Selbstmordversuch im künstlichen Koma...

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von obelix23 04.11.10 - 22:13 Uhr

Hallo Ihr Lieben!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist irgendwie alles wie im Film...

Mein Schwager (der Bruder meines Mannes)hat sich am frühen Dienstagmorgen aus einem Fenster seiner Wohnung im 3. Stock gestürzt. Danach hat er sich zurück in seine Wohnung geschleppt und hat dort über 6 Stunden auf seinem Bett gelegen.
Seine Nachbarn machten sich Sorgen, nachdem sie die Blutspuren im Flur gesehen haben und alamierten gegen 12 Uhr mittags die Polizei. Diese fand ihn dann blutüberströmt in seinem Schlafzimmer. Er kam sofort in die Uniklinik in unserer Nähe. Mein Mann war mit der Ex-Frau meines Schwagers nachmittags dort. Das erste, was mein Schwager sagte war:" Ich kann und will nicht mehr!"
Dienstag abend wurde er dann zum ersten Mal operiert. Sein ganzes Gesicht ist kaputt. Alles zertrümmert - scheinbar ist er auf´s Gesicht geknallt #schock
Die nächste OP folgte gestern um 12.45 Uhr. Dieses Mal waren seine Hände dran - auch beide mehrfach gebrochen. Um 19.45 Uhr war er immer noch im OP. Nach dieser OP hat man sich dazu entschlossen, ihn in ein künstliches Koma zu legen.
Eigentlich wollte man ihn heute morgen wecken, aber er war so unruhig - zu stark sind die Schmerzen #heul
Also lässt man ihn weiter schlafen. Weil sein Gesicht so stark angeschwollen ist, bekommt er morgen einen Luftröhrenschnitt um die Beatmung zu erleichtern.

Mein Mann wird ihn am Samstag wieder besuchen. Ich bin hin und her gerissen, ob ich mitfahren soll. Einerseits möchte ich ihn gerne besuchen, andererseits habe ich Angst vor dem Anblick. Meine Schwägerin (seine Schwester) war heute da und hat 20 Minuten gebraucht um zu ihm reinzugehen. Ein Pfleger hat sie auf den Anblick vorbereitet und ist dann auch mit ihr rein. Ihr ist sofort schlecht geworden...

Egal wie ich mich entscheide, ich habe Angst meine Entscheidung irgendwann zu bereuen.

Mich belastet die Sache schon sehr. Ich stelle mir die ganze Zeit vor wie er da so liegt, an Schläuchen und Maschinen. Und dann die Vorstellung wie er aus dem Fenster gesprungen ist... Unten aufkam... #schock
Wie verzweifelt muß er gewesen sein?!?!
Und der Tag vorher. Hat er den Sprung geplant, sich abends gedacht "so, morgen früh bringst du dich um"?
Fragen über Fragen. Gedanken über Gedanken.
Warum haben wir nicht bemerkt, wie schlecht es ihm ging? Warum kam er mit seinen Problemen nicht zu uns?
Alles Fragen die er uns, wenn er möchte, hoffentlich irgendwann beantworten kann...Wir werden ihn natürlich zu nichts drängen.
Ich hoffe, er findet irgendwann wieder einen Weg sein Leben zu lieben.

#kerze #kerze #kerze #kerze #kerze #kerze für F.

Es tat gut das hier mal niederzuschreiben. Entschuldigt bitte, daß es so lang geworden ist.

LG

Obelix

Beitrag von redrose123 05.11.10 - 05:58 Uhr

Uff hart wirklich, habe nur beim lesen eine Gänsehaut bekommen. Ich wünsche Ihm und euch alle Kraft der Welt und hoffe das alles wieder soweit das überhaupt geht gut wird.......

Beitrag von mellika 05.11.10 - 10:12 Uhr

Hallo Obelix,

dass ist wirklich schlimm, was du gerade erlebst. Manchmal kann man einfach nicht über seine Probleme reden. Man möchte, kann aber nicht. Ich glaube, wenn man sich umbringen möchte, muss man wirklich sehr verzweifelt oder depressiv sein. Aus so einem Loch kann einem wahrscheinlich nur ein Arzt helfen.

Ich an deiner Stelle würde nicht jetzt ins Krankenhaus gehen. Dein Schwager sieht wahrscheinlich wirklich übel aus und ich würde ihn so nicht sehen wollen. Weil man die schlimmen Bilder so schnell nicht aus seinem Kopf steichen kann. Besuche ihn, wenn es ihm "besser" geht und er nicht mehr so ein geschwollenes Gesicht hat.

Ich drücke euch ganz feste die Daumen, damit dein Schwager wieder gesund wird und auch wieder glücklich.

Liebe Grüße

melanie

Beitrag von parzifal 06.11.10 - 07:48 Uhr

Ich sehe das pragmatisch.

Solange er im Koma liegt nützt ihm der Besuch rein gar nichts. Und wenn Gefahr besteht, dass Du Probleme mit dem Anblick hast warum sollst Du dann hingehen?

Wenn er bei Bewußtsein ist und Besuch eine psychische Unterstützung ist, sieht dies anders aus.

Wenn Du jemand bist der sich unberechtigt ein schlechtes Gewissen einredet (wegen allem möglichen) kann Dir die Entscheidung keiner abnehmen.

Beitrag von oma.2009 06.11.10 - 09:42 Uhr

Hallo,

mein Mann lag auch im Koma... und wir haben ihn besucht. Es wurde uns auch geraten, dieses zu machen, denn auch Komapatienten merken/fühlen/spüren es, ob jemand da ist oder nicht.

Als wir meinen Mann befragt haben, nachdem er aus dem Koma wiedergeholt worden ist, ob er gemerkt hat, dass wir immer da waren hat er es uns bestätigt.

Und der Anblick sollte einem erstmal relaltiv egal sein. Wenn mir an dem menschen etwas liegt, dann besuche ich ihn.

LG

Beitrag von parzifal 06.11.10 - 11:32 Uhr

Zunächst geht es nicht um Vater, Mutter, Ehegatte oder Kinder, sondern "nur" um die Schwägerin.

Der Besuch der Schwägerin halte ich im Koma nicht für notwendig.

War das Koma bei Deinem Mann künstlich hervorgerufen oder nicht?

Es macht m.E. einen großen Unterschied, ob man einen aus dem Koma herausholen oder gerade drinnen lassen will. Bei letzteren erhält man ja Narkosemittel.

Ich gehe daher davon aus, dass dieses "Bemerken" nur bei "normalen" Komas passiert und nicht bei künstlichen die man absichtlich durch Narkosemittel herbeiführt.

Wenn Dir andere Infos bekannt sind teile diese doch bitte mit.

Beitrag von oma.2009 06.11.10 - 19:17 Uhr

Hallo,

mein Mann lag auch im künstl. Koma, und ja, sein Anblick war auch nicht der schönste, wir haben bei dem Anblick auch teilweise nur geheult.
Aber wir waren eben auch da, bei IHM, er hat es gemerkt und dankt es uns heute damit, dass er angefangen hat für sein Leben zu kämpfen. Er ist seit 5 Tagen von der Beatmungsmaschine ab und er braucht seit heute nur noch teilweise Sauerstoff zu Unterstützung. Und er mußte heute auch zum 1. Mal wieder anfangen zu Laufen.

Ich habe ihn heute nochmal gefragt. ja, er hat gemerkt das wir da waren.


LG

Beitrag von parzifal 07.11.10 - 10:15 Uhr

Dann muss ich das zur Kenntnis nehmen.

Bei einem "normalen" Koma halte ich alles für möglich.

Bei einem künstlichen ging ich bis dato davon aus, dass die Narkosemittel normalerweise nicht versagen.

Um aber zurück zum Thema zu kommen halte ich den Besuch der Schwägerin aber nicht für notwendig (sowohl bei einem künstlichen als auch bei einem "normalen" Koma).

Bei nächsten Angehörigen sehe ich das anders.

Beitrag von holidaylover 08.11.10 - 21:26 Uhr

mein vater lag nach schwerem herzinfarkt 1 woche im künstl. koma und weiß von NICHTS! wir hatten ihn jeden tag besucht und mit ihm geredet!
ob man den schwager in so einem zustand besuchen will, hängt wohl auch vom mehr oder wenigen engen verhältnis ab. ich habe mehrere schwager, aber in so einem zustand würde ich wohl keinen besuchen. meinen vater o.a. enge verwandte natürlich schon.
lg
claudia

Beitrag von sterntaler80 06.11.10 - 21:31 Uhr


Ganz schön harter tobak.
Woher weißt Du, ob ein Komapatient etwas merkt oder nicht??? Der Besuch nützt ihm rein gar nichts???Schwachsinn, absouter Blödsinn.

Weiter unten schreibst Du, es würde sich ja "nur" um den Schwager handeln...Das finde ich ganz schlimm. Es ist der Bruder ihres Mannes, er gehört zu ihrer Familie. Zitat:Der Besuch der Schwägerin halte ich im Koma nicht für notwendig.:-[ #schock #kratz #aerger

Bist Du Anästhesist??? Ansonsten schlage ich Dir mal vor, Dich z.B. bei Wikipedia schlau zumachen. Du liegst nämlich völlig falsch.
Der Schwager muß nicht in einem tiefen Koma liegen, und dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß er vieles mitbekommt.

Ein Komapatient hat nach dem Aufwachen die Stimme einer Kollegin wiedererkannt. .

LG

Beitrag von eurasia 06.11.10 - 16:52 Uhr

Liebe obelix,

fühl dich erst einmal feste gedrückt.

Zu begreifen, was in einem Menschen vorgeht, der nicht mehr leben möchte, ist unmöglich, solange man nicht selber in dieser Situation steckt.
Viele möchten ihre Angehörigen nicht belasten oder haben (die unbegründete) Angst ausgelacht, bzw. nicht ernst genommen zu werden. Den Freitod zu wählen scheint dann für viele leichter zu sein, als sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht...

Ihr als Angehörige müsst euch da keine Schuld geben. Wenn ein Mensch entscheidet zu gehen, dann kann ihn nichts und niemand davon abhalten. Mein Vater hat sich 2009 auch sterben lassen, weil meine Mutter seit drei Jahren im Wachkoma liegt und er ohne sie nicht mehr leben wollte...trotz seinen zwei Kindern, trotz seiner Mutter, trotz seines Freundeskreises... Wenn man gehen möchte, dann geht man...

Wenn Du befürchtest, dass dich sein Anblick an Maschinen verfolgen könnte, dann geh nicht hin. Im künstlichen Koma bekommt man nichts mit. Auch unterbewusst nicht. So hat es mir zumindest damals der Arzt meiner Mutter erklärt.

Du kannst mich auch gerne mal per PN anschreiben. Ich wünsche Dir und deiner Familie viel Kraft und Mut die schwierige Zeit zu überstehen #kerze

Lieben gruß,
eurasia mit "Speckböhnchen" 24+2