Kindergarten besucht den Friedhof...

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von che-raya 05.11.10 - 13:45 Uhr

Hallo Zusammen.

Ich habe aktuell ein Problem, von dem ich nicht weiß wie ich es angehen soll.

Unser Sohn war zu Allerheiligen mit seiner Kindergartengruppe auf dem Friedhof. Sie haben Kerzen auf Gräber gestellt und erloschene Kerzen wieder angezündet.

Dazu wurde natürlich erklärt: Was passiert hier, was ist der Friedhof überhaupt.

Unser Sohn ist für solche Dinge sehr "offen" und sagte letztens zu mir:

"Mama, wenn ich mal tot bin, liege ich auch hier unter der Erde. Dann musst Du mich besuchen und eine Kerze anzünden".
Das saß erstmal.

Ich wollte ihm die Angst nicht machen zu sagen das ich wahrscheinlich eher sterbe und er mich dann besuchen "muss", wusste irgendwie garnicht zu reagieren.

Kurz darauf sagte er:
"Mama, wenn wir beide gestorben sind, will ich das Du neben mir liegst und wir beide uns im Grab küssen, damit ich Dich immer bei mir habe".

Wie kommt ein 4-jähriger auf sowas?

Vielleicht bin ich als Mutter auch einfach inkompetent... aber ich kann damit nicht wirklich gut umgehen.

Vielleicht sollte ich dazu sagen das unser Sohn mit 1 1/2 Jahren mal schwer krank war und wir uns lange um Ihn sorgen mussten.

Wie kann ich am besten auf solche Sachen reagieren?

Wie kann ich Ihn verstehen und ihm meine Ängste Kindgerecht erklären?
Sollte ich das überhaupt tun?

Lg
und vielen Dank

CR

Beitrag von sternchen373 05.11.10 - 13:58 Uhr

Puh, ganz schön harter Tobak! #schwitz

Aber Kinder müssen dieses Thema ja auch für sich verarbeiten.

Und solange Dein Sohn es sich so "schön" (mit Mama küssen und so) vorstellt, würde ich auch erstmal gar nicht viel dazu sagen.
Die Realität holt ihn noch früh genug ein... #schmoll

Vielleicht gehst Du mal in die Buchhandlung und fragst nach - es gibt bestimmt Literatur, die helfen kann, kindgerecht mit dem Thema umzugehen.

VG,
Anja.

Beitrag von mel130180 05.11.10 - 14:00 Uhr

Also ich finde diesen ganzen Besuch auf dem Friedhof sehr befremdlich. Wurden die Eltern dazu vorher befragt?
Wenn ein Kind aus dem Kindergarten verstorben wäre und sie wären gemeinsam an das Grab gegangen, dann fände ich das schon in Ordnung. Aber warum geht man einfach so?

Ich bin schon der Meinung, dass man mit dem Thema Tod offen umgehen soll, aber man muss es auch nicht überstrapazieren und unnötig thematisieren.

Gruß
Mel

Beitrag von silsil 05.11.10 - 14:02 Uhr

Einfach so, sind sie ja nicht. Es war ja Allerheiligen.

Gehst du mit deinem Kind auch nicht auf den Friedhof und zündest mal eine Kerze bei Verstorbenen aus der Familie an?

Ist doch nichts anderes.

lg
Silvia

Beitrag von mel130180 05.11.10 - 14:10 Uhr

Natürlich. Aber das ist Familie und ein Teil unserer Geschichte. Für meine Tochter ist das nur ein großer Garten mit jeder Menge Steine. Wenn sie fragt, erkläre ich es ihr natürlich. Aber ich werde sie sicherlich nicht mit der Nase drauf stoßen. Sie weiß, dass Haustiere sterben und auch dass wir irgendwann mal sterben. Aber ich werde das Thema sicherlich nicht gewaltsam thematisieren und ihr unnötig Angst machen, wenn es nicht nötig ist.

Unter Umständen waren in der Kindergartengruppe Kinder die mit dem Thema noch keine Berührung hatten und es sollte den Eltern überlassen bleiben, wie und wann sie dieses Thema ansprechen. Ich wäre sauer, wenn man so etwas ohne macht, ohne mit mir abzusprechen.

Weißt du, meine Oma wird vermutlich in den nächsten Wochen bis Monaten sterben. Sie ist permanent im Krankenhaus und da geht meine Tochter auch mit. Wir erklären ihr auch, dass sie schon alt ist und wahrscheinlich nicht mehr lange bei uns sein wird. Deswegen gehe ich mit meinem Kind aber noch lange nicht in ein Hospiz um ihr die anderen alten Leute zu zeigen, die bald sterben werden.

Ich finde richtig, Kindern gegenüber ehrlich zu sein, aber ich möchte meinem Kind nicht vermitteln, dass das ganze Leben nur aus Tod und Trauer besteht.

Beitrag von nicole9981 05.11.10 - 14:40 Uhr

Hallo!

Naja, also erstmal weißt Du ja garnicht ob es den Eltern bekannt war. Das lassen wir dann erstmal beiseite.

Als unser Sohn vier war waren wir auch mal mit ihm auf dem Friedhof. Er hatte damals eine Phase wo er sich sehr dafür interessierte. Es ist ja nun einmal ein Teil des Lebens.

Wird es den Kindern kindgrecht erklärt spricht, finde ich nichts dagegen. Wie der Sohn der TE damit umgeht denke ich nicht dass die da was falsch gemacht haben. Er geht doch sehr kindlich damit um. Hat sich sein eigenes Bild davon gemacht und ein sehr schönes noch dazu. Ich würde da nicht noch sehr viel dazu sagen. Das trifft einen als Mutter nur deshalb weil man nicht daran denken will und es eigentlich auch unnatürlich ist dass Kinder vor ihren Eltern sterben...aber das wissen die Kinder ja nicht. Das ist etwas was man nicht weiter erläutern muss.

LG Nicole

Beitrag von silsil 05.11.10 - 14:54 Uhr

Du übertreibst. Hier wurde niemanden Angst gemacht, der Junge hat sich völlig normal und relativ nüchtern mit dem Thema auseinandergesetzt.

Hier wurde kein Hospiz besucht, sondern im Zuge von Allerheiligen ein Friedhof besucht, bei dem einige Fragen aufgetaucht sind und auch, so wie es aussieht kindgerecht erklärt.Und es wurde sicher nicht vermittelt, dass das Leben nur aus Tod und Trauer besteht.

Inwieweit da ein KiGa ein Recht dazu hat, würde in einer Grundsatzdiskussion darüber enden, wo die Berechtigung anfängt und wo aufhört, und ob man dem überhaupt aus dem Weg gehen kann, wenn man seine Kinder in Fremdbetreuung gibt und davon ausgeht, dass die Kinder gefördert und gefordert werden sollen und auch jedem gerecht werden soll

Generell haben Erwachsene mit dem Thema Tod mehr zu kämpfen, da wir wissen wie sehr Trauer schmerzt und wir leider auch mit dem Begriff "für immer" etwas anfangen können.

Ich kann verstehen, dass für dich, durch deine Sorge um deine Oma, das Thema Tod sehr heikel ist und finde gut, wie ihr eure Tochter auf den Tod der Oma vorbereitet.

lg
Silvia

Beitrag von acid-burnxx 06.11.10 - 13:52 Uhr

Erstmal war es ja an Allerheiligen und 2. vielleicht geht der Kleine in einen kirchlichen Kiga?

Ich z.B. war in einem und der lag direkt neben der Kirche und somit auch neben dem Friedhof...klar,dass die Kids dann auch mal fragen und schauen wollen.

Solange man ihnen keine Schauermärchen erzählt und sie nur schauen dürfen und nicht müssen(manche haben ja auch Angst)...sehe ich da kein Problem.

Beitrag von silsil 05.11.10 - 14:00 Uhr

Hallo,

ich würde meiner Tochter (3,5) da nicht großartig etwas erklären, solange sie nicht direkt danach fragt.

Die beiden Aussagen finde ich total süß und ich würde ihm selbstverständlich Recht geben. Ich hätte gesagt, "klar mach ich das. Aber das dauert noch ganz lange. Erst noch Kindergarten, dann Schule, dann darfst du mal Auto fahren und bekommst selber Kinder und dann sehen wir mal weiter"

Aussage zwei: "das ist eine gute Idee. Ich möchte dich ja auch immer bei mir haben. Das machen wir" und würde ihr ein dickes Bussi geben. ;-)

Ich denke,das sind ganz normale Überlegungen eines 4jährigen, der mit dem Kindergarten am Friedhof war. Ich würde aus Interesse mal mit der Erzieherin sprechen um zu erfahren, was sie wie erklärt haben.

Meine Ängste bleiben bei mir und werden meiner Tochter in dem Alter sicher nicht erklärt werden. Auch nicht dass ich wahrscheinlich vorher sterben werde, außer sie fragt mich direkt danach.

lg
Silvia

Beitrag von bine3002 05.11.10 - 14:03 Uhr

Zuerstmal. DU hast die Ängste. Er setzt sich lediglich mit dem Thema auseinander und das auf eine sehr gesunde, nüchterne Weise.


"Mama, wenn ich mal tot bin, liege ich auch hier unter der Erde. Dann musst Du mich besuchen und eine Kerze anzünden".

Dazu würde ICH sagen: Na klar mache ich das. Allerdings bedeutet mit ein Friedhof nicht so viel, ich würde eher in dein Zimmer gehen und dort ganz fest an dich denken. Aber was meinst Du wie traurig ich dann bin, wollen wir mal hoffen, dass Du noch ganz ganz lange leben wirst.


"Ich wollte ihm die Angst nicht machen zu sagen das ich wahrscheinlich eher sterbe und er mich dann besuchen "muss", wusste irgendwie garnicht zu reagieren."

Da ja niemand weiß, in welcher Reihenfolge Ihr sterben werdet, würde ich darüber überhaupt keine Angaben machen. Ich würde nur erklären, dass normalerweise die älteren zuerst sterben. Und wenn das Kind dann Ängste hat, würde ich sagen, dass es dann vermutlich schon erwachsen sein wird und besser damit umgehen kann, eine eigene Familie hat usw.


"Mama, wenn wir beide gestorben sind, will ich das Du neben mir liegst und wir beide uns im Grab küssen, damit ich Dich immer bei mir habe".

Dass wir nebeneinader liegen kann man sicher einrichten, aber küssen wird schwierig, wir sind ja tot.


Versuch dich mal von allen Ängsten zu lösen und auf seine Fragen wahrheitsgemäß und realistisch zu antworten. Nimm auch dieses schwere Thema mit Humor. Ja, er war krank... aber im Moment seid Ihr beide völlig gesund. Ich finde es gut, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und bezüglich Beerdigung konkrete Wünsche zu äußern. So wissen die Angehörigen wenigstens, was sie tun sollen, wenn es so weit ist.




Beitrag von che-raya 05.11.10 - 14:20 Uhr


Deine Antwort hat mich doch zum schmunzeln gebracht.
So "trocken" es auch rüberkommt, so wahr ist es doch!

Kinder genießen, auch bei solchen Themen, einfach noch diese unbeschwertheit.

<<<Dass wir nebeneinader liegen kann man sicher einrichten, aber küssen wird schwierig, wir sind ja tot. >>>

Das ist eigentlich ein Satz den ich von meinem Sohnemann erwarte:-)
So ist er. Offen und ehrlich. Ich finde deine Ansätze gut, da sie sachlich und emotionslos sind.

Vielen Dank!

Beitrag von bine3002 05.11.10 - 16:21 Uhr

Man nennt das wohl Galgenhumor ;-)

Beitrag von lisasimpson 05.11.10 - 14:09 Uhr

das thema tod gehört nun mal einfach zu unserem leben dazu.

dazu darf man auch gefühle haben.
auch angst und trauer sind gefühle, die kinder haben und erfahren dürfen.

Klar kanst du ihm sagen, daß du aber sehr, sehr traurig wärst, wenn er tod wäre, weil du ihn sehr lieb hast und es nun mal sehr weh tut, wenn jemand stirbt, den man sehr liebt.

aber dsaß es eben auch ganz normal ist, daß alles was lebt irgednwann ein mal stirbt,.
je nachdem an was du glaubst, würde ich ihm dann meine sicht der dinge erklären
(ich erzähle meinen Kindern, wenn wir tote insekten begraben z.B., daß daraus wieder erde wird und dort dann eine schöne blume wachsen kann, ein baum oder es zum futter für ein anders tier wird - so entsteht immer wieder leben aus dem tod- sie finden das o.k. so)

allerdings geht der große nun in einen konfessionellen kiga- da wird er sicher auch mit anderen theorien konfrontiert werden

lisasimpson

Beitrag von che-raya 05.11.10 - 14:17 Uhr

Vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten.

Natürlich bin ich es, die Ängste hat.
Aber am meißten habe ich, denk ich, Angst, ihm etwas falsches zu erklären bzw. Dinge zu sagen die er nicht verstehen kann.

Wahrscheinlich ist es wirklich an der Zeit ein schönes Buch zu dem Thema auszusuchen.
Und vielleicht sollte ICH mich mit diesem Thema mal näher auseinandersetzen.

Ich habe hier einige Antworten bekommen mit Tipps für Reaktionen, die mir sehr gut gefallen habe.

So habe ich schonmal einen kindgerechten Ansatz.

Vielen dank!

Beitrag von schullek 05.11.10 - 14:30 Uhr

hallo,

ich habe auch ein sehr emotionales und sensibles kind. und bei uns ist das thema immer mal wieder aktuell. auch solche sätze kenne ich und ich weiß genau, wie du dich dann fühlst.
aber ich bin mittlerweile etwas entspannter und reagiere dementsprechend auf ihn.
nimm dir die aussagen nicht so zu herzen. und beantworte seine fragen kurz, aber ehrlich. aber beantworte nicht mehr, als er gefragt hat.

lg

Beitrag von norwegian_girl 05.11.10 - 14:39 Uhr

Hallo,

ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an und habe hier einen sehr schönen Buchtipp zu dem Thema:

http://www.amazon.de/Die-besten-Beerdigungen-Welt-Nilsson/dp/3895651745/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1288964260&sr=8-1

Viele Grüße,

Annekatrin

Beitrag von daviecooper 05.11.10 - 15:08 Uhr

Hallo!

In solchen Situationen können wir Erwachsenen viel von unseren Kindern lernen: nämlich unbeschwerte, unvoreingenommene Neugier.

Ich finde es völlig normal, wie dein Sohn darauf reagiert, er spricht seine Gedanken dazu einfach aus.

Meine Tochter (4 1/2) ist auch total angezogen vom Friedhof, seit ihre Uroma dort begraben wurde. Ihre Ideen gehen sogar bis :"Können wir die alte Oma nicht wieder ausgraben?"

Versuch doch, deine Ängste zu dem Thema ruhen zu lassen, so weit es geht und unbefangen mit deinem Sohn drüber zu sprechen. Ich habe meiner Tochter auch gesagt, dass niemand so genau weiß, wo die Toten hingehen, jeder kann an das glauben, was er möchte.

Und einen Besuch des KiGa auf dem Friedhof finde ich völlig ok, da der Tod zum Leben dazu gehört.

Unser ev. KiGa liegt direkt neben Kirche und Friedhof, da sind die Kinder einfach neugierig und besuchen von Zeit zu Zeit die Friedhofsgärtner und schauen ihnen bei der Arbeit zu.

LG

daviecooper + Charlotte (*7.7.2006)

Beitrag von rosalinde.x 05.11.10 - 15:11 Uhr

Hallo,

vermutlich sind das ganz normale Kinderfragen. Kinder gehen mit dem Thema Tod oft viel natürlicher und unbelaster um als Erwachsene (zumindest solange sie nicht direkt betroffen sind).

Meine Tochter hat z.B. mit 3 J. gefragt, ob sie wieder in meinen Bauch kommt, wenn sie tot ist. Sie machte sich Gedanken, hatte aber keine Angst, dass sie sterben könnte. Es kamen auch schon Fragen und Aussagen mit "wenn du (also Mama) tot bist..."
Ich glaube aber nicht, dass ihr dabei klar war, was Tod wirklich bedeutet (Verlust eines lieben Menschen durch Tod Trauer sind bei meinen Kindern glücklicherweise noch eher abstrakte Begriffe).

Ich würde möglichst unbefangen antworten und das Thema nur vertiefen, wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind echte Verlust- oder Todesängste hat.
Wichtig finde ich auch, dass du deinem Sohn das Gefühl gibst, dass seine Fragen ok sind. Dann kann er auch raus lassen, was ihn beschäfltigt.
Einfache kindgerechte Antworten, die der Wahrheit entsprechen ohne tiefer ins Detail zu gehen, sind meistens am besten.

Deine eigenen Ängste lass ihm gegenüber außen vor! Das besprich lieber mit einer Freundin (oder Urbia...)

Liebe Grüße

Beitrag von erstes-huhn 05.11.10 - 16:42 Uhr

Unsere Kita ist neben einem Friedhof, die Kinder sehen oft, wie Gräber ausgebaggert werden und natürlich auch Beerdigungen.

Als mein Sohn vier Jahre war sagte er: Wenn ich groß bin, dann möchte ich auch einen Friedhof haben, da kann Opa Willi (seit 12 Jahren tot) dort liegen.

Ich habe ihm gesagt, das Opa Willi das Freuen würde. Und damit war das Thema durch.

Meine Kinder lernen, das der Tod zum Leben gehört und wir alle sterben müssen so selbstverständlich, wie das tägliche Zähneputzen. Ich mache große Sache daraus, mache es selber nicht zum Thema, aber beantworte alle Fragen soweit es geht.

Beitrag von engelchen28 05.11.10 - 16:46 Uhr

hallo!

ich finde es toll, dass dein sohn so offen mit dem thema umgeht, der tod gehört zum leben, auch wenn viele erwachsene das nicht so sehen und der tod immernoch ein tabuthema ist. von deinen ängsten würde ich ihm nichts erzählen, das macht ihn nur befangen und könnte dazu führen, dass er auch angst bekommt.

lg
julia

Beitrag von drusilia 05.11.10 - 17:06 Uhr

Mein Großer ist 4 J. und findet diese Thema unwahrscheinlich interessant. Wenn wir Uropa auf dem Friedhof besuchen brüllt er beim Gehen immer zum Himmel "Tschüss Uropa, war schön heute", er setzt sich auch mal auf das Grab und spielt mit den Steinchen weil er mit Uropa spielen will.

Für Kinder ist das Sterben und totsein noch nicht so dramatisch wie für Erwachsene da sie sich der Tragweite und den Konsequenzen noch nicht bewußt sind.

Mein Sohn sagt auch öfters dass er sich eine neue Mama, einen neuen Papa, eine neue Oma usw. holt wenn die gestorben sind und wenn er mal stirbt dass wir dann alle um ihn weinen sollen, das fände er schön. Ich hab ihm einfach gesagt wie es ist, dass man stirbt wenn man alt ist oder sehr krank oder einen Unfall hatte und ich bin halt älter als er, also würde ich auch sterben und er würde weiterleben. Er hat dann überlegt und hat gesagt dass wäre nicht so schlimm, er hätte ja noch seine kleine Schwester und wäre nicht allein, ich bräuchte keine Angst haben.

Beitrag von frifri10 05.11.10 - 21:21 Uhr

mein kleiner sieht das Thema auch eher unbeschwert.
Ich versuche so nüchtern wie möglich auf seine Fragen zu antworten.
Neulich meinte er auf der Nachhausefahrt vom Kiga " mama, wenn ich gestorben bin, kannst du meinen Kindersitz wegwerfen, den brauch ich dann nicht mehr...! Kurzes Schweigen...." Mama, meinst du wenn ich den Gott dann mal lieb frage, ob ich im Himmel das Gewitter machen kann, erlaub er es mir? Weil Krach machen kann ich echt gut ;-)

lg fri

Beitrag von morla29 05.11.10 - 21:17 Uhr

Hallo,

ich lese grad das Buch "Gute Hoffnung - jähes Ende".

Darin wird unter anderem die Trauer von Kindern beschrieben und dein Sohn ist genau in diesem Buch beschrieben.

Kinder trauern sehr ehrlich und hinterfragen Dinge, die sie einfach wissen wollen.

Ich finde es ok, dass das Thema Tod behandelt wird. Der Tod gehört zum Leben und wird in unserer tollen Gesellschaft sehr verdrängt und "Tod"-geschwiegen.

Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Wir haben im Januar unsere tochter verloren und ich hab von meinen beiden Großen Mädels sehr viel gelernt, was das trauern betrifft. Manchmal rühren mich meine Mädchen zu Tränen, wenn sie von ihrer Schwester sprechen.

Auch wenn andere Kinder sich mir gegenüber äußern tun sie das total ehrlich. Die Tochter einer Freundin ist acht und sagte einfach: Es tut mir ja soooo leid, dass Euer Baby gestorben ist. Genau das ist der Satz den viele Erwachsenen sagen sollten. Nein, von Erwachsenen kommt eher: Seid ja noch jung, habt ja schon zwei gesunde Kinder, sie wäre ja eh krank gewesen.

Ich lese zur Zeit sehr viel über den Tod und meine Angst ist etwas weniger geworden. Mein Opa liegt auch grad im Sterben aber es ist irgendwie nicht so schrecklich für mich, wie es noch vor einem dreiviertel Jahr gewesen wäre. Wenn er stirbt, weiß ich, dass er bei meiner Kleinen ist und sie gegenseitig auf sich aufpassen.

Das schöne ist, dass Kinder oft sagen, was sie denken.

Gruß
morla
mit zwei Mädels an der Hand (3,5 und 5)
und einem Mädel tief im Herzen (still geb. 29.1.10 - 31. ssw)

Beitrag von carmen7119 05.11.10 - 21:48 Uhr

Ich hätte meinen Sohn defintitiv nicht mit gehen lassen,wenn ich es vorher gewusst hätte.

Für ihn sind die Verstorbenen im Himmel, auf dem Friedhof zündet man nur eine Kerze an.

Und das finde ich für ein Kindergartenkind auch gut so!

Hätte man ihm erzählt das da jemand unter der Erde liegt, wäre ich verdammt sauer!

Für mich ist es schon schwer genug zu verstehen das da mein Papa, mein Opa. meine Oma, mein Stiefvater unter der Erde verbuddelt liegen:-(

Gruß
Carmen
der bei den Sätzen deines Sohnes die Tränen gekommen sind!#heul

*schrecklich*